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Frage
an Friedensbewegung und andere Linke
Quo
vadis?
Von Michael
Opperskalski
Quelle:
nrhz vom 15.08.2006
„Wohin
gehst Du?“- Diese Frage stellt sich - UN-Resolution vom Wochenende und
Waffenstillstand seit Montag im Libanon hin oder her - nicht für die
imperialistische Barbarei der so genannten „Neuen Weltordnung“. Deren
Weg führt von Krieg zu Krieg um die Neuaufteilung der Welt, der
Einflusssphären, Märkte. Ihr Weg verschärft damit zugleich die
objektive Konkurrenz der imperialistischen Großmächte, mag Angies genüssliches
Hinternlecken an Georgies Allerwertesten dies auch oberflächlich
verdecken.
Das
imperialistische Monopolkapital schert sich einen feuchten Dreck um
unappetitliche Hinterteile. Es schafft Fakten. Auch mit Schwert und Blut.
Und die belegen eindeutig, dass die Konkurrenz der Herren der Welt sich
mit wachsender Kriegsgefahr auch unter ihnen selber zuspitzt – selbst
wenn einige linke Anhänger der „Neoliberalismustheorie“ es in ihren
theoretischen Fieberträumen nicht wahrnehmen wollen.
Der
völkerrechtswidrige Krieg gegen den Irak hielt unvermindert an, während
die israelische Militärmaschine begann, den Libanon zu zerbomben und die
Kriegsplaner im Pentagon bereits Syrien und den Iran im Raketenvisier
haben. Das ausgesprochene imperialistische Ziel ist es, eine
„Neuordnung“ des Nahen Ostens herbeizubomben, jeden Widerstand dagegen
mit Stumpf und Stiel auszurotten. In diesem Sinne handelte Israel im
Auftrag seines Herren in Washington mit dem Überfall auf den Libanon, mit
seiner Aggression in Gaza und dem Versuch, den palästinensischen
Widerstand, seine Organisationen und Institutionen zu zerschlagen. Da
schert es auch jene nicht, die so eifrig das Wort Demokratie wie einen
alten, ausgelutschten Kaugummi im Munde herumdrehen und diese so
vollmundig und wohl formuliert für den Nahen Osten einfordern, dass eine
demokratisch gewählte Regierung der Palästinenser von den Israelis
einfach zerschlagen wird, ihre Repräsentanten ermordet oder ins Gefängnis
gesteckt werden. Man lerne daraus: Demokratie bedeutet für die Herren
Imperialisten und ihre Propagandisten einen Zustand, in dem sie machen können,
was sie wollen. Wird einmal anders, ganz demokratisch, gewählt, drückt
ein Volk in und mit Wahlen aus, dass es keine Befehle der Ausbeuter,
Besatzer und Unterdrücker mehr anzunehmen bereit ist und auch mit dem
Wahlakt seinen Widerstand dokumentiert: zum Teufel damit!
Und
in all dieser imperialistischen Barbarei mischt der BRD-Imperialismus kräftig
mit, sucht – auch mit zunehmenden Militäreinsätzen – seine
Interessen gegen den großen Hegemon USA zu sichern. Sie marschieren
wieder in ruhig festen Tritt: in Afghanistan, Jugoslawien, dem Kongo und möglicherweise
auch bald im Libanon…
Wo
sind sie geblieben?
Man
müsste eigentlich annehmen dürfen, dass sich der zunehmenden
imperialistischen Barbarei ebenfalls zunehmend eine wahrhaft
internationalistische Friedensbewegung, eine kämpferische Linke
entgegenwirft – auch und gerade im imperialistischen Deutschland. Wo ist
sie aber geblieben?
Da
gab es einmal einen wahrhaftigen Hoffnungsträger vornehmlich kleinbürgerlicher
Linker. Der verbirgt sich hinter dem Kürzel ATTAC. Genüsslich schreibt
die BRD-angekommene Kleinbürgerpostille „tageszeitung“ am 8.
August unter der Überschrift „Sehr ausgewogen zum Krieg im Nahen
Osten“: „Bei einem ATTAC-Treffen vor drei Jahren in Aachen war
es bei der Nahostfrage fast zur Spaltung der Bewegung gekommen. Doch von
der Sprengkraft dieses Konflikts war auf der derzeit laufenden
ATTAC-Sommerakademie kaum mehr etwas zu merken. So kam eine Erklärung zum
Krieg im Nahen Osten zustande, die ausgewogener nicht hätte ausfallen können.
(…)“.
Nicht
viel anders sieht es bei einem weiteren Hoffnungsträger der Linken, der
Linkspartei eben, aus. Deren Fraktionsvorsitzender Oskar Lafontaine meint,
„dass die Linke in diesem Konflikt nicht parteiisch sein darf“.
Also ebenfalls sehr ausgewogen…. Das scheint es wohl jetzt und heute für
die Linke und die Friedensbewegung zu sein oder zu werden (wobei einige
Ausnahmen diese Regel derzeit noch nicht außer Kraft setzen können):
ausgewogen statt parteiisch, emotionale Friedensbekundungen statt klarer
Analyse, papierene Resolutionen statt Aktionen, defensiv statt offensiv,
Wehklagen statt eindeutiger Benennung des Feindes und seiner Barbarei. Das
alles mag bei vielen ja ehrlich motiviert sein, Antiimperialismus und
Internationalismus ist das aber nicht!
Die
imperialistischen Herren der Welt wird dies kaum erschüttern, nicht
einmal ein abfälliges Achselzucken auslösen, zu ihrer Freude jedoch den
weiteren Niedergang dessen, was von der Friedensbewegung und der Linken übrig
geblieben ist, weiter beschleunigen. Diese abschüssige Ebene endet ganz
einfach und ganz ordinär im Ankommen. Die einen werden sich bei solchen
Worten vor Abscheu vor so viel „Dogmatismus“ schütteln, dem Autor
vorwerfen, jegliche Modernisierung zu verschlafen, die angeblich neuen
Verhältnisse nicht zu erkennen oder so ähnlich. Diese sind bereits sehr
gut eingerichtet in diesem System, mögen sie auch viele zu reinen
Floskeln degenerierte linke Vokabeln ihrer eigenen Vergangenheit (noch)
benutzen.
Andere
werden an einem Punkt aufwachen, zu dem sie eigentlich niemals hin
wollten. Ebenfalls angekommen. Deren Kater wird fürchterlich sein… Wen
kann es da noch verwundern, dass sich an den Rändern dieser Linken Kräfte
breit machen und zumindest unter kleinbürgerlich-intellektuellen Kreisen
stärker werden, die ganz offen die imperialistische Barbarei beklatschen.
„Anti-Deutsche“ werden diese Leute gemeinhin genannt. Ihre Positionen
beginnen auch, in der Linkspartei hoffähig zu werden, wenn in einem
offenen Brief sächsischer Linkspartei-Mitglieder „eine grundsätzliche
Solidarisierung mit Israel“ bei gleichzeitiger „Entsolidarisierung
mit religiösen, fundamentalistischen (Volks-) Befreiungsbewegungen“
gefordert wird. In der „Kommunistischen Arbeiterzeitung“ (KAZ)
schwelt seit längerem ein Konflikt mit solchen pro-zionistischen
Positionen. Der so genannte „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der
KPD“ scheint inzwischen ebenfalls gänzlich auf die „anti-deutsche
Linie“ eingeschwenkt zu sein. Wer es sich zum Beleg letzterer Aussage
wirklich antun will, der lese einmal den Aufsatz eines gewissen Nassauer
„Deutscher Jihad“ in der Zeitschrift „Streitbarer
Materialismus“ (Nr. 27/2006). „Anti-Deutsche Positionen“ pur,
drapiert mit Lenin-Zitaten und revolutionärem Wortgeklingel….
Und
wo bleibt die DKP?
Kann
man in diesem linken Tal der Tränen auf Orientierungen und eigenständiges
Handeln der Kommunisten hoffen, um so dem Strudel des Ankommens zu
entkommen? Die größte Formation bundesdeutscher Kommunisten ist nach wie
vor die DKP, die sich zudem und des öfteren, in lockerer Nichtanerkennung
gesellschaftlicher Realitäten in der BRD, als DIE Kommunistische Partei
der Bundesrepublik darstellt und sich somit zugleich sehr viel
Verantwortung auf die eigenen Schultern lädt. Weist sie also
dementsprechend einen Ausweg aus dem Dilemma? Übt sie
internationalistische Solidarität mit ihren kämpfenden Bruderparteien
zum Beispiel im Libanon und Syrien, die bedingungslos und aktiv den
libanesischen Widerstand unterstützen (wobei bereits mehrere Genossen der
KP Libanons im Kampf gegen den israelischen Aggressor gefallen sind!!!!)?
Mitnichten.
Wer die Wochenzeitung der DKP, UZ, vom 11. August aufschlägt, wird
bereits im Aufmacher die Kernforderung der DKP aus dem Mund des
Vorsitzenden lesen: „Der Vorsitzende der DKP, Heinz Stehr, forderte
den vollständigen Rückzug der Israelischen Truppen und eine Lösung der
Probleme im Nahen Osten auf der Grundlage der gültigen UN-Resolutionen.“
Da muss man wirklich zweimal hinschauen, bevor man es glauben will. Der
Vorsitzende einer Kommunistischen Partei, hier der DKP, reduziert die
umfassende imperialistische Aggression in der gesamten Region des Nahen
Ostens, in der Israel aktuell im Libanon stellvertretend für die USA
agiert, zu „Problemen“. Die Forderung, diese dann auf „der
Grundlage der gültigen UN-Resolutionen“ zu lösen, bedeutet de
facto die Anerkennung der imperialistischen Zielsetzung im Nahen Osten im
Sinne einer entsprechenden „Neuordnung“.
Entsprechende
UN-Resolutionen decken nicht nur die völkerrechtswidrige Besatzung des
Irak ab, sie laufen hinsichtlich des Aggressionskrieges gegen den Libanon
auf eine diplomatische Durchsetzung der mit ihm verbundenen
nordamerikanischen und israelischen Zielsetzungen hinaus: Entwaffnung und
Zerschlagung des legitimen libanesischen Widerstandes, Neuordnung des
Libanon im Sinne der gesamtregionalen imperialistischen Strategie.
Wer
das Klima verstehen möchte, in dem solche Positionen innerhalb der DKP
gedeihen, der schlage in der gleichen Ausgabe der UZ die Leserbriefseite
auf (Seite 8). Die Redaktion, die sonst nicht müde wird, kritische
Leserbriefe zu unterschlagen oder zu verstümmeln, druckt zwei in
relativer Länge ab, die durchaus als ein Stimmungsbild angesehen werden können,
kommen sie doch nicht von irgendwo her: der eine Briefschreiber, Volker
Scholz-Goldenberg, ist immerhin DKP-Vorsitzender in Köln und Delegierter
zum Parteitag, der andere, Hans Peter Brenner, ist langjähriger
DKP-Funktionsträger, regelmäßiger UZ-Autor, Referent und geriert sich
gerne selber als theorie- und standfester Kommunist.
Ersterer
schreibt u.a.. „Die militärischen Gegenschläge Israels sind gewiss
völlig überzogen – von Nasrallah und Co. aber gezielt herbeigebombt.
(…) Die Gründung des Staates Israel ist ein historischer Fakt (…). Es
waren arabische Armeen, die damals Israel von allen Seiten überfallen
haben, um das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Wie auch im
Jom-Kippur-Krieg. Die Aggressionen lagen und liegen auf beiden Seiten.“
Einmal abgesehen davon, dass einige angerissene historische Fakten
schlicht und einfach in einer Mischung aus Verzerrung und Falschheit („es
waren arabische Armeen, die damals Israel von allen Seiten überfallen
haben“) nichts anderes als eine Widerspiegelung der bürgerlichen
Propaganda sind, die täglich über uns herniederregnet, sind wir – auch
als Konsequenz daraus – wieder bei der Position, eben nur keine Position
zu beziehen, eben nicht parteiisch zu sein. Vor allem jedoch: das Opfer,
abschätzig „Nasrallah und Co.“ genannt, wird zum eigentlichen
Täter.
Und
auch Hans Peter Brenner bedient sich in seinem Leserbrief trüber,
anti-palästinensischer Propaganda, wenn er – wahrheitswidrig (!!!!) –
schreibt: „Allzu lange hatte auch die PLO unter Arafat (… daran)
festgehalten, die ‚Israelis ins Meer zu treiben’. Erst kurz vor seinem
Tod deutete sich eine Korrektur dieses Fehlers an, der den israelischen
Regierungen immer wieder den Vorwand für ein erneutes militärisches
Zuschlagen gegeben hatte.“ Ein kurzer Blick in die PLO-Programmatik
seit den siebziger Jahren (!!!) hätte den sonst so in seine eigene
Belesenheit verliebten Leserbriefschreiber Brenner davon überzeugen können,
dass seine Darstellung grottenfalsch und den Propagandastories von
Hardcore-Zionisten nicht unähnlich ist.
Auf
solchen oder ähnlichen Positionen lässt sich einfach keine klare
internationalistische Politik entwickeln. Ganz im Gegenteil. Mit solchen
Positionen können Kommunisten auch keinerlei positive Orientierungen
innerhalb des anhaltenden Prozesses des objektiven Niedergangs der
Friedensbewegung liefern.
Waren
aber solche oder ähnliche Positionen nicht letztendlich zu befürchten,
als die DKP-Führung die offene, verräterische Kollaboration der so
genannten „Irakischen Kommunistischen Partei“ mit dem US-Imperialismus
unterstützte? Eine Position, die sie bis heute unkorrigiert lässt…
Wo
bleibt aber gerade jetzt und heute der Aufschrei solcher Genossinnen und
Genossen in der DKP, die die Führung bisher kritisierten? Hans Heinz Holz
schweigt. Andere verkaufen eifrig die Parteizeitung UZ – trotz jener
zitierten Positionen.
Mir
scheint, wir sind noch nicht am Ende des linken Tunnels angekommen und
diejenigen, die tatsächlich nicht ankommen wollen, müssen wieder von
vorne beginnen – auch mit klarer, eindeutiger, parteiischer,
antiimperialistischer, internationalistischer Solidarität!
Michael
Opperskalski ist Gründer der gegen die Geheimdienste gerichteten Kölner
Zeitschrift GEHEIM www.geheim-magazin.de.
Siehe NRhZ
25. Sein Kommentar: erscheint auch in der nächsten regulären
Ausgabe der Zweimonatszeitschrift „offen-siv“ (Zeitschrift für
Sozialismus und Frieden), www.offen-siv.com.
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