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Den
Medien werden die Werkzeuge gezeigt.
Irgendwie
müssen wir falsch lesen. Mehrfach haben (auch) die Palästina Nachrichten
beklagt, daß die deutschen Medien aus Palästina und über den Palästina-Konflikt
sehr oft unzureichend und nicht selten einseitig pro-israelisch berichten, da
belehrt das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung eines anderen.
Es hat nämlich im Auftrag der Berliner Außenstelle des American Jewish
Committee die Berichterstattung mehrerer großer deutscher Zeitungen im Zeitraum
vom September 2000 bis zum August 2001 untersucht. „In einem Resümee,“ so
schreibt die Wochenzeitung Die Zeit (am 29. Mai), „prangert die Studie
an, daß ‘antisemitische Diskurselemente immer auch die deutsche Vergangenheit
aufrufen. Dies geschieht häufig in Gestalt von Projektionen, durch die Kritik
am Faschismus auf Juden und Israel übertragen wird (der Vergleich von Scharon
mit Hitler). Hierdurch wird gleichzeitig eine Relativierung der deutschen
Vergangenheit vorgenommen.`’ Außerdem würde durch ‘negative
Charakterisierungen der Israelis der Konflikt unzulässig personalisiert’.
(...) Was von ‘deutsch-christlicher Normalität’ abweiche, würde als
‘exotisch oder fundamentalistisch’ denunziert. ‘Negative Zuschreibungen’
gegenüber Palästinensern seien seltener, würden aber dann dem ‘in
Deutschland verbreiteten Zuschreibungsfeld ‘Rassismus’ angehören
(‘hysterisierte Masse’, Rückständigkeit). Abschließend heißt es, die
Texte mit ihren ‘antisemitischen Diskurselementen’ würden ‘immer Anschluß
an deutsche historische und aktuelle Diskurse finden’ und seien daher
‘oftmals dazu geeignet, in deutschen Diskursen vorhandene antisemitische und
rassistische Vorurteile zu reproduzieren oder auch erst herzustellen’“.
Dieser Stil seist leider typisch, meinte Die Zeit: „Anklagende
Generalisierung verschwimmt mit unverbindlicher Relativierung.“ Zu der
aktuellen „Möllemann-Debatte“ kam die Studien nun gerade rechtzeitig.
Weiter aus der Zeit: „Die Studie postuliert in der deutschen Öffentlichkeit
‘tiefsitzende Latenzen’ von antisemitischen und antizionistischen
Vorurteilen, die ‘öffentlich stark tabuisiert’ sind; deswegen verbergen
sich ‘antisemitische Diskurselemente’ in Artikeln oder Kommentaren in
‘verdeckten’ und ‘vagen Anspielungen’. Mit diesen methodischen Tricks können
die Analytiker frei assoziieren.“ Und: „Ärgerlich wird der häufige Vorwurf
der ‘Diskurstaktik’, wenn er auf inhaltlich fragwürdige Zitate gemünzt
ist, mit denen Journalisten ihre Leser konfrontieren. Er unterstellt, daß die
Autoren sich absichtlich hinter diesen Sätzen ihrer Gesprächspartner
verstecken. (...) Komisch wird es, wenn vom Korrespondenten verlangt wird, für
schlimme Zitate ausdrücklich Zensuren zu verteilen, um dem Vorwurf der
‘Diskurstaktik’ zu entgehen. Wie absurd der diskurstheoretische Zinnober
sein kann, zeigt der Vorwurf gegen die Welt. Im Bericht über die
Gewaltexplosion nach dem Tempelberg-Besuch heißt es: ‘,Die Irren von Zion' -
wie Henryk Broders letztes Buch heißt - lassen grüßen, wenn man flüchtig auf
die Ereignisse der letzten Tage blickt.’ Der Autor meint die Verrückten; die
Studie meint, ‘antisemitische Leseweisen werden möglich’ und denkt an die
‘Protokolle der Weisen von Zion’ und die Rede von der jüdischen Weltverschwörung.
(...) Zu befürchten ist, daß der Antisemitismusbegriff seine aufklärerische
Kraft verliert, wenn er von jeder Intentionalität und Interessenlage bereinigt
wird. Ein Journalist, dem ‘antisemitische Diskurselemente’ nachgewiesen
werden, muß konkret haftbar gemacht werden; und er muß sich andererseits auch
dagegen wehren können.“
Auch die Frankfurter Rundschau befaßte sich (am 1. Juni) mit der
Sprachuntersuchung: „Dabei interessieren sich die Wissenschaftler vor allem für
die den Berichten zugrunde liegende Denkweisen der Journalisten. Sie kommen zu
dem Ergebnis: Die Berichterstatter reflektieren ihre eigene Perspektive auf
diesen Konflikt nur selten, charakterisieren Israelis und den Staat Israel häufiger
als Palästinenser ausgesprochen negativ, lassen antisemitische Elemente in ihre
Berichte beispielsweise über Metaphern und Redewendungen einfließen und bemühen
sich zugleich um eine Relativierung der deutschen Vergangenheit. Daraus zieht
das American Jewish Comittee das Fazit: ‘Nicht nur eine Fülle negativer und
pauschalisierender Zuschreibungen zu Israel und den Israelis, sondern auch klar
antisemitische Stereotypen prägen das Bild Israels in der deutschen Öffentlichkeit.’“
die tageszeitung ging (am
1. Juni) auf einen Passus der Untersuchung ein, der sich speziell einen Artikel
der taz vorgenommen hatte: „Am 2. Oktober 2000 erschien in der taz ein Bericht
von Susanne Knaul, Korrespondentin dieser Zeitung, über die Unruhen nach
Scharons Besuch auf dem Tempelberg. Sie beschrieb wütende Demonstrationen in
Palästina, in denen ‘einige Demonstranten Scharon mit Hitler verglichen’.
Dieses Zitat, so die Studie, sei ein typischer Versuch, das, was Deutsche nicht
selbst auszusprechen wagen, durch andere sagen zu lassen. Der Beweis dafür:
‘Die Demonstranten, die Scharon mit Hitler verglichen, werden in der taz nicht
kritisiert.’ Doch dieses Zitat ist kein plausibles Beispiel für die Neigung,
den Nahen Osten zur Projektionsfläche deutscher Entlastungswünsche zu machen.
Die taz-Korrespondentin hat geschrieben, was geschah - nicht mehr, nicht
weniger. Fragt sich: Was wäre denn der korrekte Bericht gewesen? Die Fakten
verschweigen? Oder muß die Autorin hinzufügen, daß sie diesen Vergleich für
falsch hält? Doch daß Journalisten alles, was ihnen mißfällt, mit
Distanzierungsfloskeln zu versehen haben, würde geradewegs zu übelstem
Gesinnungsjournalismus führen. Abgesehen davon, daß Nazi-Analogien im Nahen
Osten, seit Begin 1982 Arafat mit Hitler verglich, seit rechtsextremistische
israelische Demonstranten Rabin 1995 als Nazi darstellten, eine leider gängige
Analogie und keine deutsche Erfindung sind.“ Weiter heißt es in dem zitierten
taz-Artikel: „Einen absurden Höhepunkt erreicht die Art von Beweisführung in
dem Kapitel ‘Christlich inspirierter Antijudaismus’. Hier hätte sich ein
besonders wichtiges Analysefeld eröffnet, denn antijüdische Stereotype
christlichen Ursprungs sind oft in der Alltagssprache verwurzelt und denen, die
von ihnen Gebrauch machen, oft nicht bewußt und damit - als Ausdruck latenten
Judenhasses - besonders gefährlich. Die Studie zitiert in diesem Kapitel einen
Satz aus der FAZ: ‘Wer mit scharfer Munition auf Kinder schießt, riskiert,
jeden Anspruch auf den Begriff ‘Sicherheitskraft’ zu verwirken.’ Schlußfolgerung
der Autoren: Hier kann das historische Wahnbild von jüdischen Ritualmorden an
Christenkindern nahe gelegt werden. Mit Beweisführung hat das nichts, mit freie
Assoziation viel zu tun.“
die tageszeitung hat die
Leiterin des Berliner Büros des "American Jewish Committee", Deidre
Berger, zu der Studie befragt: „Frau Berger, wenn eine Journalistin in Israel
eine Demonstration von Palästinensern beobachtet, in der gerufen wird:
‘Scharon ist wie Hitler’, darf die Journalistin angesichts der Gefahr der
Festigung antisemitischer Klischees darüber überhaupt berichten? Oder muß sie
sofort den Satz kommentieren und betonen, daß sie ihn nicht gut findet?“ Die
Antwort: „Sie kann berichten, aber sie soll gleich darauf eingehen, wie
verbreitet Holocaust-Revisionismus in den arabischen Ländern ist. Es muß schon
einen Kontext haben.“ Ein weitere Frage: „Um eine ‘negative diskursive
Wirkung’ zu vermeiden: Soll man als Journalistin nicht einen Palästinenser
zitieren, der sagt, es habe ein ‘brutales Massaker am palästinensischen
Volk’ gegeben?“ Frau Berger antwortet: „Die Israelis haben kein
‘brutales Massaker’ verübt. Das ist Tatsache.“ Darauf die taz: „Es ist
aber ein Zitat.“ Frau Berger: „Ein Journalist wählt natürlich seine
Informationen aus. Und wenn man inkorrekte Information reinbringt, ist das nicht
mehr seriöser Journalismus. Man muß nicht alles zitieren. Das ist auch keine
Pflicht. Aber er muß auch schreiben: ‘Die Tatsachen sind so und so.’“
Es kann nicht verkehrt sein, die Berichterstattung hiesiger Medien vor dem
Hintergrund dieser Studie zu sehen: Hier werden den Redaktionen die Werkzeuge
gezeigt. Die Nahost-Berichte sollen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.
Die künstliche Debatte über angebliche antisemitische Tendenzen in großen
deutschen Zeitungen ordnet sich in die verstärkten weltweiten PR-Bemühungen
der israelischen Regierung ein. Massiver Druck wird auch in den USA ausgeübt.
Von den zahlreichen Berichten über dortige Vorgänge sei hier nur der aus der Frankfurter
Rundschau (vom 5. Juni) zitiert: „In den USA werden führende Zeitungen
scharf wegen ihrer Israel-Berichterstattung kritisiert. Konservative jüdische
Organisationen und orthodoxe Rabbiner haben zu einem Boykott der größtenteils
liberalen Blätter aufgerufen. Die Folgen sind Abonnement-Kündigungen und
finanzielle Einbußen durch den Rückgang von Anzeigenschaltungen. Am stärksten
vom Boykott betroffen sind die New York Times, die Los Angeles Times und die
Washington Post. Der New York Times (Auflage: 1,15 Millionen) wird vorgeworfen,
daß sie zu oft palästinensische Politiker zu Wort kommen lasse, daß sie Fotos
veröffentliche, die Mitleid mit Palästinensern auslösten und daß sie die Räumung
der israelischen Siedlungen in der Westbank und Gaza fordere. Die Kritik richtet
sich vor allem gegen Kommentator und Pulitzerpreisträger Thomas Friedman, der
den Friedensplan der Saudis befürwortet. Es gibt allerdings auch andere
Stimmen. So hat das liberale Hebrew Union College-Jewish Institute of Religion
Thomas Friedman einen Preis verliehen. Die Orthodox Union hat in einer Anzeige
in der New York Jewish Week zu einem Boykott der NY Times aufgerufen. ‘Wir
finden die Times unfair, wie sie den Kampf zwischen Israelis und Palästinensern
beschreibt’, sagte Rabbi Haskel Lookstein von der Congregation Kehilath
Jeshurun. (...) Einen Angriff auf die Pressefreiheit sieht Lookstein nicht in
der Aktion. ‘Wir fordern ja nicht die Regierung auf, die Zeitung zu
verbieten’, sagt er. ‘Wir wollen nur, daß unsere Botschaft wahrgenommen
wird..’ (...) Auch andere Medien bekommen den Druck zu spüren: Als ein
CNN-Korrespondent in Jerusalem eine israelkritische Bemerkung machte, wurde der
CNN-Nachrichtenchef Eason Jordan an einem einzigen Tag mit 6000 E-Mails überflutet.
Das werbefreie National Public Radio, das auf Spendengelder angewiesen ist,
verlor allein in Boston mehr als eine Million Dollar. Unterstützer von Israel hätten
die Hörer aufgefordert, kein Geld mehr zu geben, berichtete die NY Times unter
Berufung auf einen Manager des Radios. Meist bleiben die Initiatoren solcher
Aktionen jedoch unbekannt. The Nation vermutet, daß dahinter das American
Israel Public Affairs Committee steht, eine einflußreiche Lobbyorganisation mit
mehr als 60 000 Mitgliedern. (...) Mit Protesten kämpfen auch die Chicago
Tribune und die Los Angeles Times. Allein bei der LA Times haben 1000 Leser an
einem einzigen Tag die Zeitung wegen der Israel-Berichterstattung abbestellt.
Vor dem Redaktionshaus der Chicago Tribune gab es zwei Demonstrationen. Der
Tribune wird vorgeworfen, nicht oft genug das Wort ‘Terrorist’ zu benutzen,
wenn sie bewaffnete Palästinenser beschreibt. ‘Diese Leute wollen keine
Ausgewogenheit, die wollen pro-israelische Berichterstattung’, sagt Timothy J.
McNulty, Auslandschef der Tribune. Nächstes Boykott-Ziel soll die Washington
Post sein. Zuvor hatte bereits das American Jewish Committee, ebenfalls eine
konservative jüdische Organisation, die Washington Post drei Monate lang
kritisch unter die Lupe genommen ... Man habe sich danach mit den Redakteuren
zusammengesetzt, um zu erklären, was man für falsch halte, sagte AJC-Sprecher
Kenneth Bandler.“
Quelle:
freunde-palaestinas
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