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Genossin
Aleka Papariga, Generalsekretär der KKE
(5. Januar 2012)
INNERHALB
DER KAPITALISTISCHEN GESELLSCHAFTSORDNUNG GIBT ES FÜR DAS VOLK KEINEN
AUSWEG AUS DER KRISE!
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 8. Januar 2012 –
Nachfolgend
Auszüge aus dem Interview mit der Generalsekretärin des ZK der KKE,
Genossin Aleka Papariga, welches im Frühprogramm des griechischen
Fernsehkanals ANT 1 am 5. Januar 2012 ausgestrahlt wurde
-
Was die KKE vertritt, so ist sie eine Partei, die nicht auf die bürgerliche
Macht aus ist. Sie sagt nicht „Wählt mich“, um eine Regierung zu
bilden, und damit die Dinge anders sein werden. Was schlagen Sie uns
eigentlich derzeit vor, damit wir aus dieser Ausweglosigkeit herauskommen?
Wenn
wir dem Volk sagen, daß die kapitalistische Gesellschaftsordnung, und
zwar die kapitalistische Gesellschaftsordnung Europas, die sich in ihrem
gesamten Kreis dreht, heute objektiv keine Lösungen liefern kann, daß
die kapitalistische Gesellschaftsordnung alles gegeben hat, was sie
herzugeben hat, dann heißt dies, daß das Volk nicht von der KKE
erwartet, sich an diesem bürgerlichen politischen System zu beteiligen,
an einer Regierung teilzunehmen, um ein System zu verwalten, welches
nichts mehr bringen kann.
-
Sie sprechen also von der Überwindung des Gesellschaftssystems.
Selbstverständlich.
-
Sind Sie nicht daran interessiert, an einer Regierungsbildung
teilzunehmen?
Die
Frage ist nicht, ob uns das interessiert. Es würde für das Volk zum
Schaden sein. Und wir würden uns selbst einem großen Widerspruch
aussetzen. Im Klartext: Einerseits sprechen wir die Losungen zugunsten des
Volkes aus und berufen uns auf unsere über 90 Jahre Geschichte. Und
andererseits setzen wir uns hin und debattieren über die Abschaffung des
Weihnachts- und Urlaubsgeldes. Das ist nicht das, was wir wollen.
-
Sofern das Volk für Sie stimmt und Sie mit einem bedeutenden Wahlergebnis
ausstattet, ich mache mal eine Hypothese dazu auf, - was werden Sie den
Menschen dann sagen? Daß ich nicht regieren will, weil ich Euch
behelligen würde, weil ich nicht im Rahmen des kapitalistischen
Gesellschaftssystems regieren kann?
Wenn
das griechische Volk der KKE eine derartige Mehrheit gibt, dann würde es
bereit sein, sich selbst in den Kampf einzubringen. Wir erklären unsere
politische Linie in ihrer Gesamtheit. Wir gehen nicht raus und sagen, daß
es eine Regierung geben kann, die zwei oder drei gute Lösungen
durchbringen kann. Genau dies sagen die anderen Parteien. Und sie lügen.
Und nach meiner Meinung sollten wir entweder sagen, daß deren Politiker
und Führungsleute inkompetent sind, was ich allerdings nicht glaube, oder
daß sie bewußt Lügen erzählen. Wenn wir die Folgen der Krise
verhindern könnten und die Probleme des Volkes lösen könnten, indem wir
uns an einer Regierung beteiligen, dann würden wir uns an einer Regierung
beteiligen. Wir stellen uns den Herausforderungen, und wir gehen die
Risiken ein. Aber dies ist unmöglich.
Laß
diese Parteien, die von fortschrittlichen Linksregierungen oder
Mitte-Rechts-Regierungen, Mitte-Links-Regierungen reden, - laß sie uns
mal erklären, daß sie eine Regierung bilden. Am nächsten Tag würden
sie es mit noch mehr Memoranden, Darlehen, dem Griechischen
Unternehmerverband, den Unternehmerverbänden zu tun haben. Weißt du, was
in diesem Moment passiert? Selbst wenn eine Branche oder eine Fabrik
bedingt durch den Druck des Kampfes auf den Unternehmer ihn dazu bringt,
einen kleinen Rückzieher zu machen, dann springt die Industrievereinigung
sofort auf ihn los und sagt ihm, das nicht zu machen, weil das eine offene
Flanke in anderen Betrieben schafft. Somit steht der Arbeiter nicht nur
seinem eigenem Unternehmer gegenüber, sondern er sieht sich mit den
Kapitaleignern und Produktionsmittelbesitzern insgesamt konfrontiert.
-
Zu den Wahlen. Wenn wir auf die Meinungsumfragen schauen, dann werden wir
keine Einparteienregierungen haben. Was werden Sie in diesem Prozeß
machen? Werden Sie wieder die KKE sein, die herumkrakeelt und sagt „Wir
sind die Einzigen, die die Linke zum Ausdruck bringen“?
Wir
sagen nicht, was Sie da auf diese Art sagen. Wir sind darauf aus, durch
unsere Standpunkte objektiv die Interessen der derzeitigen Arbeiterklasse
und einer breiten Volksmasse, nicht aller Menschen, der Selbständigen,
und einer großen Masse der Bauern, nicht aller Bauern, zu vertreten. Wir
definieren die gesellschaftlichen Kräfte. Wir appellieren an die
Arbeiter, sowohl jene aus der Wählerschaft der Neuen Demokratie (ND) als
auch jene aus der Wählerschaft von PASOK. Wir sehen die
gesellschaftlichen Kräfte. Denn wenn man nur in den Begriffen von links,
rechts, Mitte spricht, dann sagt man heutzutage gar nichts.
Das
Volk hat nichts zu verlieren. Im Gegenteil, die Menschen können etwas
gewinnen, wenn eine schwache Regierung aus den Wahlen hervorgeht. Je stärker
die Regierung, umso härter und konsequenter wird sie gegen das Volk
gerichtet sein.
Lassen
Sie uns realistisch an die bevorstehenden Wahlen herangehen. Es ist
durchaus möglich, daß das Volk stärker zum Vorschein kommt, und daß
die Volksmassen Hindernisse gegen die Arbeit der nächsten Regierung
errichten können. Das Volk sollte keine Angst haben.
Wenn
es nicht möglich ist, eine Einparteienregierung zu bilden, dann werden
sie sich da eben miteinander ins Benehmen setzen. Sie haben sich selbst
schon darauf vorbereitet.
Hört
nicht auf Herrn Samaras! Hört nicht darauf, was Herr Papandreou oder der
nächste PASOK-Führungsmann derzeit sagen. Es gibt schon so einige, die
ganz heiß darauf sind, ihren Beitrag zu leisten.
Wir
hoffen demgegenüber, daß es einen Zeitpunkt geben wird, an dem die
Regierungsbildung nicht mehr möglich ist, wo das Volk eingreifen wird.
Wichtig ist, daß wir keine starke Regierung haben. Denn wir können keine
die Interessen des Volkes vertretende Regierung haben.
-
Das klingt ein wenig durchtrieben, im politischen Sinn. Sie sagen, daß es
keinerlei fortschrittliche Regierung geben kann. Dabei klammern Sie die Möglichkeit
einer Regierung nicht nur Ihrer eigenen Partei, sondern auch von Herrn
Tsipras (Syriza) und Herrn Kouvelis (Demokratische Linke) aus.
Wir
sagen ganz klar und deutlich. Wir streben so etwas nicht an.
-
Ach so, das sagen Sie ganz deutlich.
Es
kann keine fortschrittliche Regierung geben, die neben den Monopolen und
mit ihnen existieren würde, nicht nur in der Wirtschaft, sondern überall,
- die Verhandlungen innerhalb der EU führt -, denn genau dies sagen sie
da alle derzeit. Sie sagen, daß sie angeblich eine entschlossene
Verhandlung führen werden. So etwas kann es aber nicht geben. Diese
beiden Dinge sind nicht miteinander zu vereinbaren. Aber wir können
unmittelbar danach, am Tag nach den Wahlen, eine starke Bewegung haben.
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Das Volk setzt Hoffnungen auf Sie. Die Menschen sagen, daß die KKE eine
der wenigen Gelegenheiten haben soll, die sie niemals in der Zeit seit der
Diktatur hatte, um ihre Präsenz durch die Stimmen aus dem Volk heraus spürbar
werden zu lassen. Und sie wollen einige Vorschläge der KKE für einen
Ausweg hören. Die Menschen bitten derzeit genau jene darum, die keinerlei
ideologische Beziehung mit der KKE haben.
Wir
haben keinen Vorschlag für einen Ausweg. Ich will Ihnen nicht einfach nur
sagen, daß wir das bereits in gedruckter Form in Umlauf gebracht haben.
Wir organisieren Demonstrationen und Versammlungen in ganz Griechenland.
In der Tat kann das nicht in einer Minute präsentiert werden. Wenn die
Frage nach dem Ausweg gestellt wird, bei dem dann alles dasselbe bleiben
soll, wo eine Regierung kommen soll, die alles mit Parlamentsbeschlüssen
ändern würde, dann sagen wir dazu, daß dies nicht möglich ist.
Im
Klartext: Es gibt keinen Ausweg im Rahmen der gegenwärtigen
kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
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Sie sprechen vom Sturz des Systems.
Ja.
Aber das kann nicht in einer Nacht und mit einem einzigen Angriff
geschehen.
Wir
sagen folgendes: Bei jeder Schlacht muß das Volk als Kämpfer
Fortschritte machen, auch mit teilweise Erfolgen. Wir können die Möglichkeit
eines radikalen Sturzes in den nächsten Jahren nicht ausschließen. Das
Volk selbst wird darüber entscheiden. Und gleichzeitig müssen die
Volksmassen sich selbst darauf vorbereiten. Und gleichzeitig müssen die
Menschen einen entschlossenen Druck ausüben, um das Schlimmste zu
verhindern und Erfolge zu erkämpfen.
Wir
können kein Datum für den Wechsel des politischen Systems festlegen. Wir
können da keinen Zeitrahmen von einem, zwei, drei Jahren setzen. Denn
dies hängt von der Mehrheit des Volkes ab. Dies wird keine Sache allein für
die KKE sein. Wenn das Volk seine Entscheidung dazu nicht trifft, dann
wird dieser Wechsel nicht stattfinden.
Quelle:
http://inter.kke.gr/News/news2012/2012-01-06-syn-gs
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