Volksmobilisierung
zum Massenprotest geht weiter
MASSENSTREIKS
AM 15. DEZEMBER 2010
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Athen,
16. Dezember 2010, KKE-Website (auf Kommunisten-online am 20. Dezember 2010)
– Am 15. Dezember 2010 fand der 14. landesweite Generalstreik in
Griechenland in diesem Kalenderjahr 2010 statt. Er richtete sich gegen die
barbarischen volksfeindlichen Maßnahmen der sozialdemokratischen
PASOK-Regierung, welche sich auf die EU und den IWF stützt.
Der
24-stündige Generalstreik wurde von PAME organisiert und umfasste alle
Bereiche des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens Griechenlands. Die
Produktion in den Fabriken stand still, der öffentliche Verkehr kam überall
zum Erliegen, Flug- und Seehäfen mussten schließen, Schulen und Universitäten
blieben geschlossen. In den Krankenhäusern wurde nur die Notfallversorgung
aufrechterhalten.
Tausende
Kommunisten, Mitglieder der KKE und ihres Jugendverbandes KNE sowie weitere
aktive Mitglieder der Massenprotestbewegung stellten die zahlreichen
Streikposten an den Fabriktoren, Schiffskais und sonstigen Arbeitsstellen vom
Morgengrauen des 15. Dezembers an.
Am
15. Dezember 2010 organisierte PAME Demonstrationen in 63 Städten
Griechenlands. Die breite Masse der streikenden Arbeiter nahm an diesen
Demonstrationen teil. Sie zeigten auf diese Weise, dass immer mehr Arbeiter
den gelben Gewerkschaftsführungen der Gewerkschaften im öffentlichen und
privatkapitalistischen Bereich namens GSEE und ADEDY den Rücken zukehren,
weil deren opportunistische Gewerkschaftsführungen an
sozialpartnerschaftlichen Dialogen beteiligt waren und dort über die brutalen
gegen die Arbeiter gerichteten Maßnahmen der Regierung öffentlich und hinter
verschlossenen Türen mitentscheiden haben.
Die
Selbständigen und die armen Klein- und Mittelbauern schlossen sich den
Demonstrationen der Arbeiter und Angestellten im ganzen Lande an. Überall war
auch die massenhafte Beteiligung der Arbeiter- und Studentenjugend an den
Streiks und Protesten deutlich sichtbar.
Auf
dem Höhepunkt der landesweiten Streikbewegung
Es
sollte Beachtung finden, dass auf dem Höhepunkt der landesweiten
Streikbewegung die regierungsnahe Parlamentsmehrheit Gesetze beschloss, die
die Branchenkollektiv-Vereinbarungen abschaffen, Löhne kürzen, indirekte
Steuern zu Lasten des Volkes erhöhen und zugleich Steuern zugunsten des Großkapitals
senken.
Insbesondere
bringt diese veränderte Gesetzgebung
-
10 bis 25% Lohnsenkung für Arbeitende in ehemaligen und jetzigen
Staatsbetrieben;
-
Abschaffung der Branchenkollektivvereinbarungen im Industriebereich und ihre
Ablösung durch 'spezielle Vereinbarungen auf betrieblicher Ebene' ohne jede
Einschränkung und mit Kürzungen bei den Löhnen um bis zu 30 und 40%;
-
Allgemeine Massenentlassungen, jede Form flexibler Arbeitsverhältnisse
(Teilzeitbeschäftigung, Rotationsbeschäftigung, zeitweilige Entlassungen
usw.), drastische Veränderungen bei der Schichtarbeit, den Urlaubsrechten,
Freistellungen, Prämienregelungen ausschließlich zugunsten der
Kapitalistenseite;
-
Abbau von Überstunden um 10%;
-
Verlängerung der Probezeit für Neubeschäftigte von 2 auf 12 Monate, so dass
die Kapitalistenseite Billigarbeit durch diese Form des 'Recycling' einsetzen
kann;
-
Kündigungsfrist verkürzt auf 1 Monat;
-
massive Steuererleichterung für das Kapital.
Die
KKE kämpfte im Parlament gegen diese volksfeindliche Gesetzgebung, während
die Kommunisten und die klassenkämpferischen Gewerkschaften der PAME eine Führungsrolle
in den Streiks in einer Reihe von Bereichen einnahmen, welche seit Beginn der
Woche weiter voranschreitet.
Am
14. Dezember 2010 kam es auf Ersuchen des Premierministers G. Papandreou zu
einem Treffen zwischen der Generalsekretärin des ZK der KKE, Genossin Aleka
Papariga, und ihm.
„Wir
stimmen keiner Maßnahme zu. Unsere Auffassung besteht darin, dass der echte
Krieg jetzt gerade beginnt.“
Dies
ist der klare und nichtverhandelbare Standpunkt der KKE hinsichtlich der
politischen Spielarten der Regierung und ihrer Verbündeten sowie deren
Bestrebungen, ein Konsensklima für die Auslöschung des Volkes zu zimmern.
Genossin Aleka Papariga bekräftigte diesen Standpunkt in ihren
Verlautbarungen unmittelbar nach der auf Ersuchen des Premiers stattgefundenen
Begegnung, bei der es um die Dinge ging, die auf dem EU-Gipfel anstehen.
Auf
der zentralen Streikdemonstration in Athen
Zehntausende
Arbeiter und Jugendliche beteiligten sich an der von PAME organisierten
Massendemonstration auf dem Omonoia-Platz in Athens Innenstadt. Von dort aus
erfolgte dann der Marsch der protestierenden Volksmassen durch die Straßen
von Athen und auch über den Parlaments- und Verfassungsplatz. Wieder einmal
richteten die großen bürgerlichen internationalen Medien ihre Aufmerksamkeit
weder auf die isolierten Provokationsversuche der Polizei noch auf die
hunderttausenden mobilisierten Arbeiter in Dutzenden Städten Griechenlands.
Genossin
Aleka Papariga stand an der Spitze der KKE-Delegation bei der Teilnahme an der
zentralen Streikdemonstration von PAME in Athen und war ständig Teil der
protestierenden Volksmassen. Sie erklärte den Journalisten:
„Kein
Konsens! Kein Waffenstillstand!
Geheim
und öffentlich vereinbarte Maßnahmen sind bis 2014 vorgesehen worden.
Entweder wird das Volk bankrott sein oder das politische System. Wir werden
gegen das politische System kämpfen. Wir boxen es in die Ecke und vielleicht
überwinden wir es. Es gibt keine andere Wahl. Vor 20 Jahren konnten die
Arbeiter ein paar Siege mit ihren Kämpfen erringen. Aber heute brauchen wir
den radikalen Wechsel. Und nur das Volk kann ihn erkämpfen.“
Hauptpunke
der Ansprache auf der Demonstration
Der
Sprecher der Demonstration, PAMEs Sekretariatsmitglied Giorgios Perros, begrüßte
im Namen von PAME, PASEBE, PASY, MAS und OGE die vielen tausenden Arbeiter,
Jugendlichen, Arbeitslosen, Angestellten, Selbständigen, die heute ihre
Reihen geschlossen halten, ihre Kraft vereinen, den gemeinsamen Kampf
aufnehmen. Und die auch die Notwendigkeit sehen, den Kampf gegen den
gemeinsamen Gegner in Gestalt der Regierung, der Monopole, ihrer politischen
Repräsentanten namens EU auszuweiten.
„Jene
Gegner streiken zusammen auf dem Weg ihrer Einheit gegen das Leben unserer
Klasse. Sie ruinieren die Selbständigen und beuten die armen Bauern aus.“
Und
er fügte hinzu:
„Die
Verantwortung der klassenkämpferischen Bewegung wächst täglich an. Die großen
Massenkämpfe, die harten Auseinandersetzungen mit den transnationalen
Konzernen stehen für uns an. Wir werden uns selbst vorbereiten und diese
Auseinandersetzungen führen (...)
Niemand
muss sein Haupt beugen und die neuen barbarischen Maßnahmen hinnehmen, die
uns und unsere Kinder zu Armut, Massenarbeitslosigkeit und Unsicherheit
verdammen. Niemand darf mehr den Lügen und den Schauermärchen der
PASOK-Regierung und der ND Glauben schenken. Die neuerlichen Verbrechen an den
Arbeitern mit den Angriffen auf die Löhne und die Arbeiterrechte haben nichts
mit dem Haushaltsdefizit und Schulden zu tun.
Sie
verdammen die Familien der arbeitenden Klasse zur Armut, damit die großen
Geschäftsleute, die gestern Profit einfuhren, eben noch mehr Profite machen
werden. Die Demonstration von heute und der Streik sind besonders wichtig. Es
geht heute nicht nur um einen weiteren Streik und eine weitere Demonstration.
-
Sie sind eine Besonderheit, nicht nur wegen ihrem Ausmaß und ihrer kämpferischen
Geschlossenheit;
-
Sie sind eine Besonderheit, nicht nur weil sie die völlige Ablehnung und
Verurteilung dieser barbarischen und unterdrückerischen Maßnahmen der
Regierung, des Industriellenverbands und der Troika zum Ausdruck bringen. Wir
lehnen dies ab. Wir schlagen diese Maßnahmen zurück auf den Tisch der
Regierung, des Premierministers, seiner Minister, der Parlamentsmitglieder
dieser Regierung und auch zu ND und LAOS mit ihren falschen und scheinheiligen
Krokodilstränen über die Unruhe bei den Arbeitern. Sie greifen derzeit nicht
nur einfach Rechte an, sondern sie sichern und vergrößern die Diktatur der
Monopole;
-
Sie sind eine Besonderheit, denn diese Demonstration, dieser Streik können
zum Beginn für Entwicklungen und Veränderungen in der Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung werden.
Wir
rufen dazu auf, eine einheitliche Kampflinie zu vereinbaren:
1.
Wir müssen in jeder Fabrik und in jeder Firma gegen lediglich auf
Betriebsebene von der Kapitalistenseite diktierte Kollektivvereinbarungen
Widerstand leisten;
2.
Wir müssen in jeder Fabrik und in jeder Wohnsiedlung eine Solidaritätsbewegung
aufbauen;
3.
Heute tragen wir die Verantwortung für den Kampf um die Gewerkschaften und
ihren Massencharakter.
Wir
rufen Euch auf, eine entscheidende Sache für die Zukunft der Protest- und
Kampfbewegung zu vereinbaren:
Stärken
wir PAME überall:
-
Wir müssen das Kräfteverhältnis verändern und überwinden;
-
Das muss zu etwas werden, was uns alle betrifft;
-
Wir müssen die Gewerkschaftsbewegung vom Gift der Regierung und den
unternehmerfreundlichen Gewerkschaften lösen.“
Bei
diesem Punkt seiner Rede hob G. Perros hervor:
„Es
ist eine Lüge, dass die drastische Absenkung der sowieso schon niedrigen und
nicht mehr akzeptablen Löhne, das Zerschlagen unserer Arbeitsrechte ausgeführt
wird, um Massenentlassungen vorzubeugen und mit der Massenarbeitslosigkeit
umzugehen.
Die
Wahrheit ist, dass die Massenarbeitslosigkeit zunehmen wird. Arbeiter werden
unter einem Arbeitsregime ohne Rechte und voller Hungerlöhne entlassen
werden. Die kapitalistische Krise, die kapitalistische Konkurrenz und die Stärkung
der Monopole bringt Massenarbeitslosigkeit hervor und verstärkt diese
Massenarbeitslosigkeit immer weiter. Niemand kann da einen Heilsbringer von
irgendwoher erwarten.
Der
Aufruf nach Ungehorsam und Abkehr bleibt nicht auf unser Land begrenzt. Er hat
sich auf ganz Europa übertragen. Er half und trug zur Organisierung der Kämpfe
bei, zum Gegenangriff auf die volksfeindlichen Spielarten der Politik. So dass
neue Kräfte aus den Anhängerschaften der Regierung und der
unternehmerfreundlichen Gewerkschaften losgelöst werden können, aus den
Parteien der Plurokratie und der EU-Sackgasse.
Es
ist sogar noch klarer geworden, dass zwei Welten an dieser Auseinandersetzung
beteiligt sind, zwei Strategien. Auf der einen Seite steht die Welt der
Monopole mit allen ihren Eigentümersachen. Und auf der anderen Seite steht
die Welt der Arbeit mit ihren Gewerkschaften, den klassenkämpferischen
Bewegungen, mit ihrer Solidarität, mit ihrem Geist der Selbstaufopferung,
welchen der Klassenkampf erfordert.
Wir
haben keine Illusionen. Natürlich wurde die volksfeindliche Politik nicht
geschlagen. Wir haben einen grundlegenden Vorteil, der sehr bedeutsam ist, und
den wir nutzen müssen. Eine Konzentration der Kräfte entsteht derzeit, die
in sich besser abgestimmt ist als zu jeder anderen Zeit und weiß, welche Art
von Bewegung notwendig ist. Und wir wissen auch, dass eine Bewegung mit den
Eigenschaften, die wir wollen, sich nicht frei von Hindernissen entwickelt.
Die Notwendigkeit einer allumfassenden Auseinandersetzung mit der
Kapitalistenseite und dem regierungsnahen Gewerkschaftsflügel und der Veränderung
im Kräfteverhältnis wird bestens von uns allen verstanden. Genau wie die
Notwendigkeit, die Parteien der Plutokratie beiseite liegen zu lassen, wie
auch all jene, die da die EU-Politik weißwaschen wollen (...)
Es
darf da keine Illusionen geben, dass ein Streik genug ist, um auf die Zerstörung
des Lebens der Arbeiterklasse zu antworten. Der Kampf ist schwierig und
erfordert große Anstrengungen, Aufopferung, Geduld, gute Vorbereitung,
Planung, Kontrolle, Handeln und Propagandatätigkeit. Wir brauchen gut
vorbereitete und zielgerichtet handelnde Kräfte, um Brüche im Kräfteverhältnis
zu erzwingen.
Kein
Kompromiss oder Neuverhandeln angesichts von Schwierigkeiten, sondern aktives
Handeln zur Überwindung der Schwierigkeiten.
Es
reicht nicht, die volksfeindlichen Spielarten der Politik zu verdammen. Die
Ergebnisse der Massenproteste und der Streiks können nicht an einem Tag
beurteilt werden. Die Streiks und Demonstrationen werden weitergehen nach dem
Tag, an welchem die Gesetze per Abstimmung durch sind. Sie müssen ein
Schauplatz der Vorbereitung für die Arbeiterklasse, die Selbständigen, die
armen Bauern zum allumfassenden Gegenangriff sein.
Heute
gibt es die objektiven Vorbedingungen für eine andere Form der Organisierung
unserer Gesellschaft, die als ihre grundlegenden Merkmale die Entscheidung der
Arbeiter und der Volksmassen haben wird, das Eigentum der Monopole in
gesellschaftliches Volkseigentum umzuwandeln. Energie, Telekommunikation,
Transportwesen, Bergbau, Fertigungsindustrien, der Boden und andere
Entwicklungsmittel müssen Volkseigentum werden.
Diese
Veränderungen müssen auf einem wissenschaftlichen Weg durch zentrale Planung
unter Beachtung der Bedürfnisse der unterschiedlichen Industrien und Regionen
entwickelt werden. Die gesellschaftliche Arbeiterkontrolle wird auf diesem
Entwicklungsweg gewährleistet werden. Und unser Land wird die EU und die
NATO verlassen. Nur dann wird das Volk gut leben.
Wir
können keinen Schritt zurück machen. Wir haben keine Angst vor der
Plutokratie. Wir haben Vertrauen in die Arbeiterklasse. Wir sind sicher, dass
die Arbeiterklasse vorwärts marschieren wird mit festem Schritt. Sie wird die
klassenkämpferische Bewegung stärken. Sie wird sich selbst freimachen von
den Parasiten der Plutokratie, von deren politischen und
Gewerkschaftsvertretern.
Radikale
Veränderungen stehen heute auf der Tagesordnung. Die Macht gehört in die Hände
des Volkes und ebenso die Organisierung der Wirtschaft unter dem Gesichtspunkt
der Befriedigung der Grundbedürfnisse des Volkes. Die Gewalttätigkeit der
Monopole kann und muss zerschlagen werden.“
Quelle:
http://inter.kke.gr/News/2010news/2010-12-16-strike
Hervorhebungen
vom Übersetzer
Fotos:
http://picasaweb.google.com/cpg.kke/15122010MassiveStrikeMobilization#
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