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Der
verlängerte Arm der USA in Arabien:
Saudi-Arabiens
Hand bei dem Massaker in Bahrain
übersetzt
und zusammengefasst von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
19. Februar 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 21. Februar
2011) – Es geschah in Manama am 18. Februar 2011. „Massaker ...
das war ein Massaker“, riefen die Ärzte in die Mikrophone. Drei Tote,
vier Tote ... . Das Blut des von einer großen Kugel getroffenen Mannes
floss in Strömen. Daneben rangen Krankenschwestern um das Leben eines
Mannes, dem Blut aus der Brust floss. Ein Arzt rang darum, möglichst
rasch in einen verfügbaren Operationssaal zu kommen: „Ich habe keine
Zeit mehr, er stirbt mir hier weg.“ Ein Jugendlicher im Alter von 18
oder 19 Jahren liegt da mit einer schrecklichen Kopfverletzung, einem
Einschussloch in seinem Bein und einer blutigen Masse auf seiner Brust.
Der Arzt hat Tränen in den Augen, seine Kleidung ist blutbefleckt.
„Ich kann nichts für ihn tun, seine linke Schädelhälfte ist völlig
zertrümmert und voller Splitter, alle Arterien sind kaputt.“ Der Arzt
ist außer sich: „Diese Menschen waren nicht bewaffnet, sondern
Trauergäste einer Beerdigung, schiitische Muslime. Mit scharfer
Munition beschossen von der eigenen Armee.“
Ein
Sanitäter hatte die tausenden Trauergäste begleitet, welche einem der
beiden auf dem Perlenplatz von Manama durch brutalen Einsatz der
Sicherheitskräfte getöteten Demonstrationsteilnehmer die letzte Ehre
erwiesen hatten. „Wir entschlossen uns, zum Krankenhaus zu
marschieren, weil wir wussten, dass es eine Demonstration geben sollte.
Einige von uns trugen Zweige als Zeichen des Friedens. Wir wollten sie
den Soldaten übergeben, die rings um den Platz in Stellung waren. Wir
riefen laut „Frieden, Frieden“. Es gab keinerlei Provokationen gegen
die Regierung. Plötzlich gingen die Soldaten wie auf Befehl in
Schussstellung. Einer feuerte eine Maschinengewehrsalve von einem hohen
gepanzerten Fahrzeug aus ab. Anfangs sah man noch Polizei. Aber sie
verschwand, als die Soldaten das Feuer eröffneten. Aber, weißt du, das
Volk in Bahrain hat sich verändert. Das Volk wollte einfach nicht
weglaufen. Es stellte sich den Kugeln mit dem Körper entgegen.“
Unter
den friedlich demonstrierenden Menschen am Krankenhaus befanden sich
tausende oppositionelle Schiiten, denen sich hunderte Krankenschwestern
und Krankenpfleger in ihrer weißen Berufskleidung aus ganz Manama
angeschlossen hatten. Sie wollten gemeinsam den Rücktritt des
bahrainischen Gesundheitsministers Faisal Mohamed al-Homor fordern,
welcher verhindert hatte, dass die medizinischen Ambulanzfahrzeuge die
Toten und Verletzten nach der brutalen Niederschlagung der
Massendemonstration auf dem Perlenplatz am vergangenen Donnerstag durch
Polizeikommandos einsammeln konnten.
Die
aufgestaute Wut des Volkes nahm fast massenhysterische Züge an, als die
ersten Verletzten an diesem Freitag eingeliefert wurden. Bis zu 100 Ärzte
füllten die Notaufnahme-Abteilung. Sie schrien herum und verfluchten
den König und die Regierung, während Sanitäter sich mit immer neuen
Verletzten draußen zwischen die Fahrzeuge hindurch kämpften.
Das
Krankenhauspersonal fühlte sich auch als Opfer. Und es hatte recht
damit. Fünf Rettungswagen wurden von der Armee gestoppt, die
Rettungssanitäter wurden festgenommen. Momente später entdeckten sie
im Krankenhaus, dass alle ihre Mobiltelefone abgeschaltet worden waren.
Der Arzt Sadeq al-Aberi wurde schwerverletzt von Polizisten, als er
Verletzten am Donnerstagmorgen helfen wollte.... Laut ärztlichen
Angaben gab es bis zu 60 Tote, die vom Perlenplatz am Donnerstagmorgen
in drei Kühlwagen von Polizisten weggeschafft wurden, wie ein Passant
mit Handyfoto dokumentierte. Die Lastwagen trugen saudische Kennzeichen,
wie andere Demonstrationsteilnehmer angaben. Später wurden sie auf der
Autobahn Richtung Saudi-Arabien gesehen. Das sind keine Phantasien. Ein
US-Mitarbeiter der Vereinten Nationen filmte die leblosen Körper, als
sie sie in die Lastwagen hochzogen. Auch dieser UN-Mitarbeiter wurde von
der Polizei festgenommen und nicht mehr gesehen.
Die
Menschen fragen sich fassungslos: „Warum erlaubte die Königsfamilie
von Bahrain ihren Soldaten, das Feuer auf die friedlich Demonstrierenden
zu eröffnen? 24 Stunden nach den ersten Toten auf friedfertige Menschen
zu schießen, scheint verrückt zu sein.“
Aber
die gewichtige Hand Saudi-Arabiens war da wohl mit im Spiel. Die Saudis
fürchten, dass die Demonstrierenden von Manama und den anderen Städten
Bahreins genauso Brände legen würden wie die provokatorisch
Aufbegehrenden im Osten von Bahrain, wo eine starke schiitische
Minderheit beheimatet ist. Daher ihr Wunsch, die demonstrierenden
Schiiten in Bahrain rasch niederzuschlagen. Dies wurde auch sehr
deutlich auf der Gipfelkonferenz der Golfstaaten am letzten Donnerstag,
auf welcher alle Scheichs und Prinzen vereinbarten, dass es keine
Revolution nach ägyptischem Beispiel mehr geben dürfe. Im Königreich
Saudi-Arabien leben zu 70% Schiiten. Zur sunnitischen Minderheit zählt
dort die Königsfamilie.
Die
ägyptische Revolution ist in Bahreins Volk in aller Munde. Und viele
Bahrainis wollen dem ägyptischen Beispiel folgen und die verhasste
Regierung der reaktionären US-Vasallen stürzen. Ihre Furchtlosigkeit
gegenüber den schwerbewaffneten Armee-Patrouillen macht dies sehr
deutlich. Nun ist das Volk äußerst wütend über die brutal
vorgehenden Unterdrückungskräfte, die schon in der Vergangenheit
schiitische Aufstände rücksichtslos niedergeschlagen hatten. Besonders
berüchtigt wurde dabei ein Folterer des jordanischen Geheimdienstes,
welcher einst Angehöriger des britischen Geheimdienstes war.
Es
steht derzeit viel auf dem Spiel. Dies ist der erste schwerwiegende
Volksaufstand in den reichen Golfstaaten und gefährdet sie mehr als die
Islamisten, die sich vor über 30 Jahren des Zentrums von Mekka bemächtigten.
Der herrschende Clan in Bahrain wird sich immer klarer, dass die Tage
seiner Herrschaft gezählt sind. Es sickerte durch, dass der Prinz
letzten Mittwoch eine vertrauliche Unterredung per Telefon mit dem Führer
der schiitischen Wefaq-Partei hatte. Die Anhänger dieser Partei
kampierten auf dem Perlenplatz mit ihrem Parteiführer. Anscheinend bot
der Prinz eine Reihe von Reformen und eine Regierungsumbildung an und
glaubte, dass der schiitische Geistliche dies akzeptiert hätte. Aber
die Demonstrierenden blieben auf dem Perlenplatz, sie forderten die Auflösung
des Parlaments. Dann kam die Polizei.
Am
Nachmittag jenes denkwürdigen Freitags führten ca. 3000 Personen eine
Unterstützerdemonstration für die Königsfamilie durch. Viele
Nationalflaggen säumten die Autofenster. Dies füllte dann sofort die
Zeitungen in Bahrain am Sonnabend, konnte aber den schiitischen
Volksaufstand nicht beenden. Die blutigen Massaker haben die Wut der
Schiiten in Bahrain nun völlig hoch kochen lassen.
Ein
Arzt meinte empört: „Die Israelis machen das mit den Palästinensern.
Aber das hier sind Araber, die auf Araber schießen. Das ist die
Regierung von Bahrain, die ihrem Volk das antut. Ich war vor zwei Wochen
noch in Ägypten und arbeitete im Krankenhaus Quasr el-Aini. Aber hier
sind die Dinge weitaus schlimmer.“
Washingtons
Hinwegsehen über Saudi-Arabien
Die
saudischen Behörden haben eine Gruppe von sieben Menschen festgenommen,
die um Erlaubnis gebeten haben, die erste politische Partei im Königreich
Saudi-Arabien zu gründen. Diese Partei sollte „Islamische
Volkspartei“ heißen. Sie richteten laut EFE ihr Gesuch an den
saudischen König Abdulallah Bin Abdelhaziz.
Noch
Anfang des 21. Jahrhunderts muss in jenem Teil der Welt auf der
arabischen Halbinsel das Recht auf Bildung politischer Parteien gegen
schwere strafbewehrte autokratische Verbote des absolutistischen Regimes
eingefordert werden. Wer es wagt, Versammlungsfreiheiten auszuüben,
geht vorhersehbare Risiken ein und kann derzeit nur von der Welle an
Volksaufständen in den arabischen Ländern angeregt worden sein. Und
natürlich wollen solche Kräfte auch frei ihre Regierung wählen können,
wo bisher die Regierungsfunktionäre direkt vom absolutistischen König
von Saudi-Arabien eingesetzt werden.
Demokratie
für Saudi-Arabien ist seitens der USA, dem selbsternannten Schirmherren
für Bürgerrechte und -freiheiten auf der Welt, nie auch nur
angesprochen worden. Ebenso verhalten sich die Komplizen des
US-Imperialismus, die großen bürgerlichen Mediengiganten. Ihre
Verteufelungskampagnen richten sich gezielt gegen einzelne Länder, die
souverän ihre Verfassung erarbeiteten und per Volksentscheid
legitimierten und so für ein Einparteiensystem stehen und ihre eigenen
Formen der Beteiligung des Volkes pflegen.
Aber
ein Land wie Saudi-Arabien, wo nie eine politische Partei auch nur
existierte und eine feudale Politik durchgesetzt wird, wo Gerichte
Menschen öffentlich auf Plätzen verstümmeln lassen, steht außerhalb
jeglicher Kritik der Menschenrechtsliebe heuchelnden bürgerlichen
Medienwelt und wird von der bürgerlichen Öffentlichkeit weltweit
schlicht wohlwollend ignoriert. Das Königreich der größten Erdölvorkommen
der Welt mit seinem gigantischen Absatzmarkt für US-Waffen verdient
sich ständig neu das Hinwegsehen der Menschenrechtsheuchler in
Washington.
Quellen:
©
The Independent Übersetzung:
Jorge Anaya, Havanna
EFE
http://www.cubadebate.cu/
http://www.cubadebate.cu/
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