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Bahrain: Schwere Waffen gegen Volksprotest

BAHRAINS ARMEE SCHIESST AUF DEMONSTRIERENDE

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Shaykh Muhammad bin Abdulla al-Khalifa, der Kriegsminister empfängt US-Kriegsminister Robert Gates am Flughafen in Manama (2008)

Bahrain: Schwere Waffen gegen Volksprotest

BAHRAINS ARMEE SCHIESST AUF DEMONSTRIERENDE

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 18. Februar 2011, Cubadebate. (Kommunisten-online vom 21. Februar 2011) – Die Sicherheitskräfte Bahrains feuerten am vergangenen Freitag mit scharfer Munition auf demonstrierende Menschen nahe dem Perlenplatz. Dabei wurden 23 Menschen verletzt, sagte ein einstiges schiitisches Parlamentsmitglied. Die Vorfälle ereigneten sich einen Tag nach dem gewaltsamen Sturm auf das Protestlager der Demonstrierenden in Manama durch schwerbewaffnete Polizei-Einheiten.

„Wir meinen, dass das die Armee war“, so Sayed Hadi vom schiitischen Parteienblock Wefaq des kleinen Inselstaates, der am Donnerstag sein Parlamentsmandat niedergelegt hatte. Die Schießerei fand an einem Tag der Trauer statt, an dem die Schiiten vier bei einem brutalen Polizei-Einsatz auf dem Perlenplatz getötete Demonstrierende beerdigten. Zugleich fiel sie zeitlich mit einem Aufruf zu Besonnenheit und Dialog des Kronprinzen Scheich Salman bin Hamad al-Khalifa zusammen.

„Ich respektiere Wefaq, wie ich auch andere respektiere. Heute ist der Moment, sich zusammenzusetzen und einen Dialog zu führen und nicht miteinander zu streiten“, sagte er im Fernsehkanal von Bahrain.

Ca. 1000 Menschen versammelten sich außerhalb des Hauptstadtkrankenhauses. Etliche warteten in den Korridoren, während die Verletzten eingeliefert wurden, darunter auch einer mit einem großen Tuch voller Blut auf dem Kopf. Viele weinten.

Ein anderes ehemaliges Parlamentsmitglied von Wefaq, Jalal Firooz, äußerte, dass die Demonstrierenden an einem anderen Ort der Stadt waren, wo des Todes eines Aktivisten dieser Woche gedacht wurde und die Polizei plötzlich auftauchten und Tränengas gegen die Menge der trauernden Menschen einsetzte. Die Demonstrationsteilnehmer marschierten daraufhin zum Perlenplatz, wo die Einheiten der Armee das Feuer auf sie eröffneten, - so Firooz.

Das Militär übernahm die Kontrolle über die öffentliche Sicherheit vor Ort, nachdem die blutige Aktion der Polizei-Einheiten gegen das Lager der protestierenden Menschen am Donnerstag erfolgt war. Seitens der Polizei gab es keine sofort erfolgten Stellungnahmen. Zeugen sagten, dass ca. 20 Polizei-Fahrzeuge nach dem anfänglichen Feuerhagel zum Perlenplatz fuhren.

Die Radio- und Fernsehkette al-Manar im Besitz der libanesischen Hisbollah zitierte einen Arzt aus dem Krankenhaus von Salmaniya in Manama, welcher sagte, dass 25 Menschen verletzt in dieses Krankenhaus eingeliefert worden waren, darunter zwei sehr schwer verletzte Menschen.

„Die Demonstration ist eine friedliche Demonstration“, sagte der Arzt Mahmoud Abbas al-Manar. „Wie kann es sein, dass da Schüsse abgefeuert werden? Es gibt eine humanitäre Krise. Wir können die Lage nicht bewältigen.“

Vier Menschen starben. 231 Menschen wurden am Donnerstag im Morgengrauen beim brutalen Überfall der Polizei auf das Lager der Protestierenden verletzt. Zu jenem Zeitpunkt schliefen die meisten dort befindlichen Menschen. Später übernahmen Panzer- und Infanteriesoldaten mit gepanzerten Fahrzeugen die Kontrolle des Platzes, welcher gewöhnlich als Sammelpunkt der mehrheitlich schiitischen Demonstrationsteilnehmer genutzt worden war. Dies ähnlich dem Tahrir-Platz in Kairo, dem dortigen Zentrum der Volksproteste, welche letzte Woche den Sturz des bisherigen ägyptischen Regierungschefs Hosni Mubarak erreichten.

(Mit Information von Reuters)

Quelle:

http://www.cubadebate.cu/

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Der verlängerte Arm der USA in Arabien:

Saudi-Arabiens Hand bei dem Massaker in Bahrain

übersetzt und zusammengefasst von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 19. Februar 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 21. Februar 2011) – Es geschah in Manama am 18. Februar 2011. „Massaker ... das war ein Massaker“, riefen die Ärzte in die Mikrophone. Drei Tote, vier Tote ... . Das Blut des von einer großen Kugel getroffenen Mannes floss in Strömen. Daneben rangen Krankenschwestern um das Leben eines Mannes, dem Blut aus der Brust floss. Ein Arzt rang darum, möglichst rasch in einen verfügbaren Operationssaal zu kommen: „Ich habe keine Zeit mehr, er stirbt mir hier weg.“ Ein Jugendlicher im Alter von 18 oder 19 Jahren liegt da mit einer schrecklichen Kopfverletzung, einem Einschussloch in seinem Bein und einer blutigen Masse auf seiner Brust. Der Arzt hat Tränen in den Augen, seine Kleidung ist blutbefleckt. „Ich kann nichts für ihn tun, seine linke Schädelhälfte ist völlig zertrümmert und voller Splitter, alle Arterien sind kaputt.“ Der Arzt ist außer sich: „Diese Menschen waren nicht bewaffnet, sondern Trauergäste einer Beerdigung, schiitische Muslime. Mit scharfer Munition beschossen von der eigenen Armee.“

Ein Sanitäter hatte die tausenden Trauergäste begleitet, welche einem der beiden auf dem Perlenplatz von Manama durch brutalen Einsatz der Sicherheitskräfte getöteten Demonstrationsteilnehmer die letzte Ehre erwiesen hatten. „Wir entschlossen uns, zum Krankenhaus zu marschieren, weil wir wussten, dass es eine Demonstration geben sollte. Einige von uns trugen Zweige als Zeichen des Friedens. Wir wollten sie den Soldaten übergeben, die rings um den Platz in Stellung waren. Wir riefen laut „Frieden, Frieden“. Es gab keinerlei Provokationen gegen die Regierung. Plötzlich gingen die Soldaten wie auf Befehl in Schussstellung. Einer feuerte eine Maschinengewehrsalve von einem hohen gepanzerten Fahrzeug aus ab. Anfangs sah man noch Polizei. Aber sie verschwand, als die Soldaten das Feuer eröffneten. Aber, weißt du, das Volk in Bahrain hat sich verändert. Das Volk wollte einfach nicht weglaufen. Es stellte sich den Kugeln mit dem Körper entgegen.“

Unter den friedlich demonstrierenden Menschen am Krankenhaus befanden sich tausende oppositionelle Schiiten, denen sich hunderte Krankenschwestern und Krankenpfleger in ihrer weißen Berufskleidung aus ganz Manama angeschlossen hatten. Sie wollten gemeinsam den Rücktritt des bahrainischen Gesundheitsministers Faisal Mohamed al-Homor fordern, welcher verhindert hatte, dass die medizinischen Ambulanzfahrzeuge die Toten und Verletzten nach der brutalen Niederschlagung der Massendemonstration auf dem Perlenplatz am vergangenen Donnerstag durch Polizeikommandos einsammeln konnten.

Die aufgestaute Wut des Volkes nahm fast massenhysterische Züge an, als die ersten Verletzten an diesem Freitag eingeliefert wurden. Bis zu 100 Ärzte füllten die Notaufnahme-Abteilung. Sie schrien herum und verfluchten den König und die Regierung, während Sanitäter sich mit immer neuen Verletzten draußen zwischen die Fahrzeuge hindurch kämpften.

Das Krankenhauspersonal fühlte sich auch als Opfer. Und es hatte recht damit. Fünf Rettungswagen wurden von der Armee gestoppt, die Rettungssanitäter wurden festgenommen. Momente später entdeckten sie im Krankenhaus, dass alle ihre Mobiltelefone abgeschaltet worden waren. Der Arzt Sadeq al-Aberi wurde schwerverletzt von Polizisten, als er Verletzten am Donnerstagmorgen helfen wollte.... Laut ärztlichen Angaben gab es bis zu 60 Tote, die vom Perlenplatz am Donnerstagmorgen in drei Kühlwagen von Polizisten weggeschafft wurden, wie ein Passant mit Handyfoto dokumentierte. Die Lastwagen trugen saudische Kennzeichen, wie andere Demonstrationsteilnehmer angaben. Später wurden sie auf der Autobahn Richtung Saudi-Arabien gesehen. Das sind keine Phantasien. Ein US-Mitarbeiter der Vereinten Nationen filmte die leblosen Körper, als sie sie in die Lastwagen hochzogen. Auch dieser UN-Mitarbeiter wurde von der Polizei festgenommen und nicht mehr gesehen.

Die Menschen fragen sich fassungslos: „Warum erlaubte die Königsfamilie von Bahrain ihren Soldaten, das Feuer auf die friedlich Demonstrierenden zu eröffnen? 24 Stunden nach den ersten Toten auf friedfertige Menschen zu schießen, scheint verrückt zu sein.“

Aber die gewichtige Hand Saudi-Arabiens war da wohl mit im Spiel. Die Saudis fürchten, dass die Demonstrierenden von Manama und den anderen Städten Bahreins genauso Brände legen würden wie die provokatorisch Aufbegehrenden im Osten von Bahrain, wo eine starke schiitische Minderheit beheimatet ist. Daher ihr Wunsch, die demonstrierenden Schiiten in Bahrain rasch niederzuschlagen. Dies wurde auch sehr deutlich auf der Gipfelkonferenz der Golfstaaten am letzten Donnerstag, auf welcher alle Scheichs und Prinzen vereinbarten, dass es keine Revolution nach ägyptischem Beispiel mehr geben dürfe. Im Königreich Saudi-Arabien leben zu 70% Schiiten. Zur sunnitischen Minderheit zählt dort die Königsfamilie.

Die ägyptische Revolution ist in Bahreins Volk in aller Munde. Und viele Bahrainis wollen dem ägyptischen Beispiel folgen und die verhasste Regierung der reaktionären US-Vasallen stürzen. Ihre Furchtlosigkeit gegenüber den schwerbewaffneten Armee-Patrouillen macht dies sehr deutlich. Nun ist das Volk äußerst wütend über die brutal vorgehenden Unterdrückungskräfte, die schon in der Vergangenheit schiitische Aufstände rücksichtslos niedergeschlagen hatten. Besonders berüchtigt wurde dabei ein Folterer des jordanischen Geheimdienstes, welcher einst Angehöriger des britischen Geheimdienstes war.

Es steht derzeit viel auf dem Spiel. Dies ist der erste schwerwiegende Volksaufstand in den reichen Golfstaaten und gefährdet sie mehr als die Islamisten, die sich vor über 30 Jahren des Zentrums von Mekka bemächtigten. Der herrschende Clan in Bahrain wird sich immer klarer, dass die Tage seiner Herrschaft gezählt sind. Es sickerte durch, dass der Prinz letzten Mittwoch eine vertrauliche Unterredung per Telefon mit dem Führer der schiitischen Wefaq-Partei hatte. Die Anhänger dieser Partei kampierten auf dem Perlenplatz mit ihrem Parteiführer. Anscheinend bot der Prinz eine Reihe von Reformen und eine Regierungsumbildung an und glaubte, dass der schiitische Geistliche dies akzeptiert hätte. Aber die Demonstrierenden blieben auf dem Perlenplatz, sie forderten die Auflösung des Parlaments. Dann kam die Polizei.

Am Nachmittag jenes denkwürdigen Freitags führten ca. 3000 Personen eine Unterstützerdemonstration für die Königsfamilie durch. Viele Nationalflaggen säumten die Autofenster. Dies füllte dann sofort die Zeitungen in Bahrain am Sonnabend, konnte aber den schiitischen Volksaufstand nicht beenden. Die blutigen Massaker haben die Wut der Schiiten in Bahrain nun völlig hoch kochen lassen.

Ein Arzt meinte empört: „Die Israelis machen das mit den Palästinensern. Aber das hier sind Araber, die auf Araber schießen. Das ist die Regierung von Bahrain, die ihrem Volk das antut. Ich war vor zwei Wochen noch in Ägypten und arbeitete im Krankenhaus Quasr el-Aini. Aber hier sind die Dinge weitaus schlimmer.“

Washingtons Hinwegsehen über Saudi-Arabien

Die saudischen Behörden haben eine Gruppe von sieben Menschen festgenommen, die um Erlaubnis gebeten haben, die erste politische Partei im Königreich Saudi-Arabien zu gründen. Diese Partei sollte „Islamische Volkspartei“ heißen. Sie richteten laut EFE ihr Gesuch an den saudischen König Abdulallah Bin Abdelhaziz.

Noch Anfang des 21. Jahrhunderts muss in jenem Teil der Welt auf der arabischen Halbinsel das Recht auf Bildung politischer Parteien gegen schwere strafbewehrte autokratische Verbote des absolutistischen Regimes eingefordert werden. Wer es wagt, Versammlungsfreiheiten auszuüben, geht vorhersehbare Risiken ein und kann derzeit nur von der Welle an Volksaufständen in den arabischen Ländern angeregt worden sein. Und natürlich wollen solche Kräfte auch frei ihre Regierung wählen können, wo bisher die Regierungsfunktionäre direkt vom absolutistischen König von Saudi-Arabien eingesetzt werden.

Demokratie für Saudi-Arabien ist seitens der USA, dem selbsternannten Schirmherren für Bürgerrechte und -freiheiten auf der Welt, nie auch nur angesprochen worden. Ebenso verhalten sich die Komplizen des US-Imperialismus, die großen bürgerlichen Mediengiganten. Ihre Verteufelungskampagnen richten sich gezielt gegen einzelne Länder, die souverän ihre Verfassung erarbeiteten und per Volksentscheid legitimierten und so für ein Einparteiensystem stehen und ihre eigenen Formen der Beteiligung des Volkes pflegen.

Aber ein Land wie Saudi-Arabien, wo nie eine politische Partei auch nur existierte und eine feudale Politik durchgesetzt wird, wo Gerichte Menschen öffentlich auf Plätzen verstümmeln lassen, steht außerhalb jeglicher Kritik der Menschenrechtsliebe heuchelnden bürgerlichen Medienwelt und wird von der bürgerlichen Öffentlichkeit weltweit schlicht wohlwollend ignoriert. Das Königreich der größten Erdölvorkommen der Welt mit seinem gigantischen Absatzmarkt für US-Waffen verdient sich ständig neu das Hinwegsehen der Menschenrechtsheuchler in Washington.

Quellen:

© The Independent  Übersetzung: Jorge Anaya, Havanna

EFE

http://www.cubadebate.cu/

http://www.cubadebate.cu/

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