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Offener
Brief internationaler Organisationen und Persönlichkeiten
AN
DEN PRÄSIDENTEN HUGO CHÁVEZ
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Auf
Kommunisten-online am 30. April 2011 -
Señor
presidente:
An
diesem 23. April wurde auf dem venezolanischen Flughafen Maiquetía der
schwedische Staatsbürger kolumbianischer Herkunft Joaquín Pérez
Becerra verhaftet. Die amtliche Erklärung der von Ihnen geführten
Regierung besagt, dass dieser Journalist und Leiter der
Nachrichtenagentur ANNCOL „gesucht wird von den Justizorganen der
Republik Kolumbien über INTERPOL mit Haftbefehl wegen des Begehens von
Verbrechen der Verschwörung zum Begehen von Straftaten, wegen der
Finanzierung des Terrorismus und der Verwaltung von Geldmitteln im
Zusammenhang mit terroristischen Handlungen.“ Daher würde seine
Auslieferung an Kolumbien verfügt worden sein.
Überraschenderweise
äußerte zwei Tage später, am 25. April, der Präsident Kolumbiens und
ehemalige Verteidigungsminister Juan Manuel Santos in Erklärungen an
die Tageszeitung El Tiempo in Bogotá: „Am Sonnabend rief ich den Präsident
Chávez an. Ich sagte ihm, dass eine für uns ganz wichtige Person von
der FARC an jenem Nachmittag mit einem Lufthansa-Flug in Caracas
ankommt, und dass er sie verhaften kann. Er zögerte nicht. Er ordnete
an, die Person zu verhaften. Und er wird sie uns übergeben.“
Angesichts
dieser Erklärungen ergibt sich eine naheliegende Frage: Hat die
Regierung von Venezuela der Regierung von Kolumbien da einen
rechtswidrigen Gefallen erwiesen? Denn es ist offenkundig, dass der
Haftbefehl von Interpol gegen jenen Bürger nicht existierte. Hätte er
existiert, wäre Pérez Becerra in Deutschland festgenommen worden. Dem
Land, aus dem er nach Venezuela abreiste. Und Deutschland hat einen der
besten Geheimdienste der Welt. Oder er wäre mit Haftbefehl von den Behörden
Schwedens verfolgt worden, wo er wohnt und ganz legal einer
journalistischen Tätigkeit nachgeht. So etwas passte nicht der
Regierung Kolumbiens, deren Verfolgung kritischer Journalisten gut
bekannt ist.
Presidente
Chávez Frías:
An
diesem 25. April übergab Ihre Regierung Pérez Becerra an Kolumbien.
Ihm wurde weder der Besuch eines Anwalts noch der des Konsuls von
Schweden in Caracas gestattet. So wurden die Verfassung der
Bolivarischen Republik Venezuela und internationale Verträge verletzt.
Es
ist nicht das erste Mal, dass ein kolumbianischer Revolutionär aus
Ihrem Land abgeschoben und ausgeliefert wird. Andere Bürger, mutmaßliche
Angehörige der Guerilla ELN und FARC sind bereits mittels Abschiebung
an die kolumbianische Regierung ausgeliefert worden, welche, wie Sie
selbst bis vor ein paar Monaten wiederholten, eine der schlimmsten
Menschenrechtsverbrecher auf der Welt ist. Was richtig ist, denn
hunderte Berichte internationaler Einrichtungen einschließlich der UNO
bestätigen dies.
Sie
können sich sehr gut vorstellen, welches Schicksal den Bürger Pérez
Becerra erwarten dürfte. Und was die anderen Bürger durchleben, welche
von Ihrer Regierung an die kolumbianischen Behörden übergeben wurden.
Bis
zum heutigen Tage haben keine europäische Regierung und fast gar keine
Regierung auf der Welt den Auslieferungsersuchen der kolumbianischen
Regierung gegen ihre politischen Gegner stattgegeben. Sie wären
gebrandmarkt wie die kolumbianische Regierung ihre politischen Gegner
brandmarkt. Warum verhält sich Venezuelas Regierung so?
Wie
Sie gut wissen wird heutzutage in Kolumbien und in vielen Ländern jede
fortschrittliche Person als Terrorist gebrandmarkt. Sie und das
venezolanische Parlament verfügten im Januar 2008, dass die
kolumbianischen Guerilla-Kämpfer keine terroristischen Organisationen,
sondern revolutionäre Kämpfer sind. Damit wurde den kolumbianischen
Guerilla-Kämpfern ein politischer Status gegeben.
Hätten
diese Personen Verbrechen auf dem venezolanischen Territorium begangen,
müssten sie nach den Gesetzen dieses Landes Venezuela bestraft werden.
Aber sie müssen nicht an Behörden ausgeliefert werden, die schon immer
gelogen haben, die schon immer die Information manipuliert haben. Wie
Sie selbst es oft gesagt haben. Wie Sie selbst es erlitten haben.
Presidente
Chávez Frías, wir erwarten, dass Ihre Regierung diesen Kurs
korrigiert, welcher kein Aushängeschild für den bolivarischen Prozess
ist, welchen wir so stark verteidigen, und auf den wir weiterhin mit
Stolz verweisen wollen.
Wir
verabschieden uns von Ihnen recht herzlich,
Erstunterzeichner:
Gilberto
López y Rivas, Anthropologe, Mexiko.
Hugo
Moldiz Mercado, Journalist, Bolivien.
Hernando
Calvo Ospina, Journalist, Kolumbien/Frankreich.
Santiago
Alba, Publizist, Spanien.
Sonia
Brito, Vorsitzende der Menschenrechtsvereinigung von La Paz, Bolivien.
Manuel
Salgado Tamayo, Professor und ehemals Vizepräsident des
Nationalkongresses, Ekuador.
James
Petras, Soziologe, USA.
Michel
Collon, Journalist, Belgien.
Carlos
Aznarez, Journalist, Argentinien.
Renán
Vega, Sänger, Professor, Kolumbien.
François
Houtart, Soziologe, Belgien.
Annalisa
Melandri, Journalist, Italien.
Mariana
López de la Vega, Philosoph, Mexiko.
Paco
Calderón, Soziologe, Spanien.
Narciso
Isa Conde, Koordinator der Kollektiven Präsidentschaft der
Bolivarischen Kontinentalen Bewegung, Dominikanische Republik.
Carlos
Casanueva Troncoso, Generalsekretär der Bolivarischen Allgemeinen
Bewegung.
Cédric
Rutter, Kollektiv Investig'Action, Belgien.
Ingrid
Storgen, Kollektiv für den Frieden in Kolumbien, Argentinien
Jorge
Beinstein, Ökonom, Frankreich.
Aníbal
Garzón, Soziologe, Bolivien.
Jorge
Mendoza, Soziologe, Bolivien.
Geraldina
Colotti, Journalist, Italien.
Aline
Castro, Red POR TI AMERICA, Brasilien
Miguel-Ángel
Aguilar, Philosoph, Mexiko.
Carlos
Figueroa Ibarra, Professor, Mexiko.
Chaterine
Hernández, Journalist, Spanien.
Antonio
Mazzeo, Journalist, Italien.
Fulvio
Grimaldi, Journalist, Freundschaftsgesellschaft Italien-Kuba, Italien
Sandra
Paganini, Dozent, Freundschaftsgesellschaft Italien-Kuba, Italien.
Fetera
Flores, Basiskollektiv, Argentinien.
Cristina
Castello, Publizista, Argentinien/Frankreich.
Dax
Toscano Segovia, Journalist, Ekuador.
Juan
Carlos Monedero, Professor, Spanien
Hassan
Dalband, Professor, Mexiko.
Xiomara
Pérez Díaz, Künstler, Venezuela.
Héctor
Seijas, Publizist, Venezuela.
Ender
Cepeda, Maler, Venezuela.
Bolivarische
Vereinigung für Humanitäre Angelegenheiten VATERLAND IST SOLIDARITÄT,
Venezuela.
Bolivarische
Kontinentale Bewegung, Ekuador.
Mario
Casasús, Journalist, Mexiko.
Nationale
Vereinigung Demokratischer Rechtsanwälte, Mexiko.
Nationale
Beobachtung des Häftlingswesens, Mexiko.
Bolivarische
Presse-Agentur, Ekuador.
Giorgio
Trucchi, Journalist, Italien.
Guevaras
Bewegung Land und Freiheit, Ekuador.
Mexikanische
Liga für die Verteidigung der Menschenrechte, Mexiko.
Stiftung
Diego Lucero, Mexiko.
Aurora
Tumanischwili, Kollektiv Freunde des Friedens inKolumbien, Argentinien.
Guillermo
López, Kollektiv Freunde des Friedens inKolumbien, Argentinien.
Vereinigung
der Familienangehörigen von Vermißten Gefangenen und Opfern von
Menschenrechtsverletzungen, Mexiko.
Universitätsnetz
der Überwacher von Menschenrechtsverletzungen, Mexiko.
Verband
freier Werktätiger von Pichincha, Ekuador.
Bewegung
José Peralta, Ekuador.
Juan
Carlos Vallejo, Publizist, Kolumbien/USA.
Alejandro
Rodríguez, Bolivien.
Álvaro
Zuleta, Ökonom, Bolivien.
Raúl
Prada, Soziologe, Bolivien.
Oliver
Villar, Professor, Australia.
Guido
Piccoli, Journalist, Italien.
Xarlo
Etchezaharreta, Erzieher, Frankreich.
Lourdes
García-Larqué, Gewerkschafter, Australia
Alejandro
Dausá, Journalist, Bolivien.
Víctor
Vacaflores, Ökonom, Bolivien.
Koordinierungs-Zentrum
für Menschenrechte 28. Mai, Mexiko.
Elena
A. Romano, Kollektiv Freunde des Friedens in Kolumbien, Argentinien.
Marcela
Pérez, Kollektiv Freunde des Friedens in Kolumbien, Argentinien.
Menschenrechtsvereinigung
des Staates Mexiko, Mexiko.
Vereinigung
für die Verteidigung der Menschenrechte und die Geschlechtergleichheit,
Mexiko.
(veröffentlicht
seit 27. April 2011 von Tribuna Popular, Venezuela)
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/i
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