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Belgien:
Meinung
des Gewerkschaftssekretärs Ferre Wyckmans, allgemeiner Sekretär der
Gewerkschaft LBC-NVK
DIE
ASOZIALEN MASKEN FALLEN JETZT WIRKLICH
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Auf
Kommunisten-online am 11. Juli 2011 – „Flämische Beschäftigte
und Sozialversicherte haben nichts zu gewinnen, sondern alles zu befürchten,
wenn De Wever und seine Kumpane an das Ruder gelassen werden.“ Im
Namen des größten Gewerkschaftsverbands Flanderns (ACV), seiner
christlichen Angestelltengewerkschaft LBC-NVK, spricht Ferre Wyckmans
deutlich Klartext über das „Nein“ der Partei Neue Flämische
Allianz (N-VA*) von Bart De Wever:
Unsere
Gewerkschaft LBC-NVK will weiterhin einen parteipolitisch unabhängigen
Kurs verfolgen. Wir verpflichten unser Schicksal und unsere Standpunkte
nicht dieser oder jener Partei. Unsere eigenen Standpunkte bilden die
Grundlage für die Beurteilungen, die wir machen. Und unsere eigenen
Einschätzungen werden wir auch weiterhin vornehmen. Und zwar ganz
sicher auf den Gebieten, die die Arbeitenden und die Sozialversicherten
betreffen. Unsere Einschätzungen erstrecken sich daher auch auf die
Standpunkte von politischen Parteien.
Die
Reaktion der Gewerkschaften auf die Note von Elio Di Rupo betraf vor
allem die unausgewogenen Maßnahmen auf sozialökonomischem Gebiet. Hier
gibt es die Befürchtung, dass bei Arbeitslosen, Rentnern und
Sozialleistungsempfängern als Ganzes erhebliche Einkommensprobleme zu
entstehen drohen. Das ist und bleibt die Einschätzung über die
Balance, die da den Starken zum Nachteil des Schwachen bevorteilt.
In
ihrer Reaktion tappte die N-VA noch in ein ganz anderes Fettnäpfchen.
Demütigend
und schwarz auf weiß deutlich ist bei der Einschätzung der N-VA
seitens der Gewerkschaften schwierig, diese Partei punkten zu lassen. Flämische
Beschäftigte haben nichts zu gewinnen, aber alles zu befürchten, wenn
De Wever und seine Kumpane an das Ruder gelassen werden.
Dass
die CD&V** ihr Regierungsschicksal bei denen anbinden will, ist
unbegreiflich. Um es nicht deutlicher zu benennen: Denn was will die
N-VA?
Arbeitslosenleistungen
„Es
ist nicht klar, wann die Arbeitslosenleistungen tatsächlich niedriger
sein werden als heute“, meint die N-VA.
Das
Ziel der N-VA ist somit schlicht und einfach: niedrigere
Arbeitslosenleistungen.
„Die
Leistungen sind zeitlich nicht begrenzt“, meint die N-VA.
Das
ist für die N-VA inakzeptabel. Sie wollen eine Befristung für
Arbeitslosengeldbezug einführen, mit einem Zeitraum zwischen 6 Monaten
und 2 Jahren.
Es
ist für die N-VA inakzeptabel, dass die Schulabgängerleistungen nicht
abgeschafft sind. Schulabgänger haben somit für die N-VA kein Recht
auf Leistungen.
Arbeitslose
sind für die N-VA Arbeitsunwillige, die nicht stimuliert werden, um
einem passenden Arbeitsplatz anzunehmen.
Länger
arbeiten
„Am
Vorruhestand ist nichts angetastet worden“, meint die N-VA und findet
dies inakzeptabel.
Die
Kontrolle von Arbeitslosen im Alter ab 58 Jahren unter dem Deckmantel
der „aktiven Begleitung in die Arbeit“ muß für die N-VA in
Flandern bereits 2012 und auch in den anderen Regionen nicht erst ab
2016 greifen.
Raum
für Unternehmen
Alles
in allem kleinere kosmetische Eingriffe in die fiktiven Zinsen, die laut
N-VA „ungemein hart“ sind. Steuergeschenke an Firmen ohne Beschäftigungsgarantie
müssen laut N-VA unverändert beibehalten bleiben. Die N-VA hat einen
„Tsunami an Steuererhöhungen“ satt.
Man
schätzt dort ein, dass der Vorruhestand „kaum angetastet worden
ist“. Damit will man nicht akzeptieren, dass die Arbeitgeberbeiträge
für Vorruhestandsrenten (in einigen Fällen) erhöht werden.
Konsequenz
kennt deutlich ihre Grenzen
Maßnahmen,
die bei börsennotierten Firmen die Kluft zwischen den höchsten und den
geringsten Einkommen zu vermindern trachten, sind „Mobbingmaßnahmen“
(sic) laut N-VA.
Die
N-VA macht damit erneut und unmissverständlich klar, auf welcher Seite
sie mit ihrer sozialökonomischen Haltung steht. Das ist ihr
demokratisches Recht. Aber es ist deutlich: Nach Voka***
haben auch VBO*** und UNIZO*** in der N-VA ein politisches Sprachrohr.
Ferre
Wyckmans ist allgemeiner
Sekretär der LBC-NVK
Quelle:
http://www.dewereldmorgen.be/
Anmerkungen:
*
Die Partei N-VA gewann die letzten Wahlen in Flandern und
verfolgt einen Kurs des bürgerlichen flämischen Nationalismus, siehe
auch hier
http://www.n-va.be/deutsch
**
Die christlich-demokratische CD&V war vor 20 Jahren noch die
Mutterpartei der christlichen Gewerkschaften in Flandern und verkommt
derzeit zu einem Anhängsel der N-VA, mit welcher sie bis vor einigen
Jahren ein Kartell bildete, siehe auch hier:
http://brf.be/nachrichten/national/234335/
***
VOKA ist der Unternehmerverband Flanderns, VBO ist Belgiens
Unternehmerverband, UNIZO ist Flanderns Mittelstandsvereinigung, alle
mit liberalen Positionen, siehe auch
http://brf.be/nachrichten/national/133213/
http://brf.be/nachrichten/national/64748/
http://brf.be/nachrichten/national/49434/
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