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„Die
Biokraftstoffe sind eine ökologische
und soziale Tragödie. Mit ihrer Produktion wird ein sehr großes
Problem in der Nahrungsmittelsouveränität entstehen. Es gibt
bereits tausende Hektar mit Soja, Zuckerrohr und afrikanischer
Palme, und deren Anzahl wird sich erhöhen. Das wird zu einer
massiven Entwaldung führen, wie es bereits in Kolumbien und im
Amazonasgebiet Brasiliens geschieht.“ (siehe)
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Sie
gehen über die Leichen der Verhungerten – „Biosprit“ für die
Profite der Energiekonzerne
Die
Dame Merkel in Lateinamerika
Von
Gerd Höhne/15. Mai 2008
Sie
unterzeichnet einen Vertrag mit Brasilien, der in seiner Konsequenz das
Abholzen riesiger Flächen Regenwald beinhaltet. Da, wo jetzt die
riesigen Bäume stehen, werden sich in einigen Jahren riesige
Zuckerrohrfelder ausdehnen. Das ist die Grundlage für Äthanol
und wird in den Medien der Sprachkosmetik wegen mit der Vorsilbe
„Bio“ versehen. Das soll aufzeigen, dass Äthanol umweltverträglich
ist. Es wird, so die Behauptung, in den Pflanzen die Menge CO2
gebunden, wie dann später beim Verbrennen als Treibstoff freigesetzt
wird.
Tatsächlich aber müssen
die Wälder abgeholzt werden und Zuckerrohr anzubauen, es wird somit
alter Baumbestand, der die Luft sauber hält, der CO2, der
wichtig für das Weltklima ist, vernichtet. Wenn Frau Merkel behauptet,
dass der von Deutschen gekaufte Biosprit keine Wälder vernichtet, so
ist das eine Lüge. Es geht gar nicht anders.
Außerdem werden durch
die Vernichtung der Wälter unwiederbringlich seltene Tiere und Pflanzen
vernichtet und nicht zuletzt werden die Kleinbauern und Pächter, die
bisher Nahrungsmittel produzierten, für einen Appel und ein Ei ihr Land
abgekauft oder sie werden einfach vertrieben. Die kleinen Flächen
werden zu großen Zuckerrohrplantagen zur Herstellung von Biosprit.
Die jetzt aufkommenden
Hungersnöte in Asien, Lateinamerika und Afrika sind vor allem von der
Vernichtung der Anbauflächen für Nahrungsmittel und deren Umwandlung
in Agrarrohrstoffe für die Industrie, nicht zuletzt auch für
Biotreibstoff.
Die Frau Bundeskanzlerin
aber behauptet, all das sei nicht wahr, nicht die Vernichtung von
Anbauflächen für Nahrung sei am Hunger und den steigenden Preisen für
Nahrungsmittel Schuld, sondern die Inder und Chinesen, die angeblich
zuviel essen würden.
Dass Frau Merkel da wider
besseres Wissen die Unwahrheit sagt, versteht sich. Sie macht nichts
anderes, wie alle Regierungen kapitalistischer Länder: Sie sichert dem
Kapital Maximalprofite. Indem nämlich billiger Sprit – genannt
Biotreibstoff – via Esso, Shell und Co in unsere Autotanks fließt,
wird den Ärmsten der Welt im wahrsten Sinne das Brot aus dem Mund
gerissen. Aber auch bei uns gehen die steigenden Nahrungsmittelpreise in
erster Linie zu Lasten der unteren Einkommensschichten.
Frau Merkel garantiert
den Mineralölkonzernen Superprofite beim Biosprit und nimmt bewusst in
Kauf, dass damit den Menschen das Getreide, der Reis, Maniok, Kartoffeln
usw. weg genommen wird. Das
ist aber nicht Angela Merkels Problem. Wer sich nichts zu essen kaufen
kann, ist ja selbst dran schuld, soll er sich das Essen doch abgewöhnen.
Und genau diese Frau
erdreistet sich, den Präsidenten von Venezuela zu beleidigen. Aber Hugo
Chavez kontert entsprechend. Und Außerdem: was kömmert es den Mond,
wenn ihn eine räudige Hündin anbellt.
Nur glauben wir ihr
nicht, wenn sie behauptet, sie wolle etwas für die Umwelt tun. Sie will
nur was für die Bilanzen der Konzerne tun und nur das. Auch, wenn
Millionen Menschen dadurch hungern und Verhungern.
G.H.
siehe
auch: „Die
Biokraftstoffe sind eine Art des biologischen Imperialismus”
Präsident
George W. Bush und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da
Silva besichtigen Pflanzen, aus welchen der Bio-Kraftstoff gewonnen wird. Von:Gespräch
mit Dr. Miguel Altieri/Von
der Redaktion der Presseagentur Mercosur APM, Quelle:
Alternative
Infogruppe vom 10. April 2007 mehr
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Treibstoff
statt Brot
Quelle:
german-foreign-policy
vom 14.05.2008
BRASILIA/BERLIN
(Eigener
Bericht) - Trotz heftiger Proteste unterzeichnet Bundeskanzlerin Merkel
am heutigen Mittwoch in Brasilien ein umstrittenes Abkommen über den
Handel mit Bio-Kraftstoffen. Damit setzen sich Berlin und Brasilia über
Forderungen sozialer Organisationen, der katholischen Kirche und der
Vereinten Nationen hinweg, denen zufolge die Produktion und der
Verbrauch von Agrarsprit angesichts der anhaltenden weltweiten
Lebensmittelkrise gesenkt werden soll. In den vergangenen Wochen kam es
in mehreren Armutsstaaten zu Protesten und Hungerrevolten, nachdem die
Preise für Grundnahrungsmittel drastisch gestiegen waren. Experten führen
dies auf die nicht zuletzt durch Berlin angeheizte Nachfrage nach
„nachwachsenden Rohstoffen“ zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen zurück.
Umweltschützer beobachten außerdem wegen der steigenden
Treibstoff-Produktion eine zunehmende Rodung von Urwaldbeständen, so
etwa im brasilianischen Amazonasbecken - mit katastrophalen ökologischen
Folgen. Berlin, das die Produktion von Bio-Kraftstoffen mit
Entwicklungsgeldern fördert, hält gegen alle Einwände an einer
Steigerung des deutschen Konsums fest.
„Kriterien
erfüllt“
Das
neue deutsch-brasilianische Abkommen, das am heutigen Mittwoch von
Bundeskanzlerin Merkel zum Beginn ihrer einwöchigen Lateinamerika-Reise
unterzeichnet werden soll, ist Ende April von Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel bei dessen Aufenthalt in Brasilien vorbereitet worden. Es
stellt Gabriel zufolge eine ökologisch vertretbare („nachhaltige“)
Produktion von Bio-Kraftstoffen sicher. Die Bestimmungen, die in Brüssel
dafür gegenwärtig ausgearbeitet werden
(„Nachhaltigkeitskriterien“), seien durch das Abkommen bereits erfüllt,
sagte der deutsche Umweltminister in Brasilien.[1] Dadurch „gibt es
keine Probleme mit Deutschland und Europa über den Import von
brasilianischem Ethanol“.[2] Brasilien ist nach den USA der zweitgrößte
Produzent von Bio-Kraftstoffen weltweit.
Vom
Tisch gefegt
Sowohl
Umweltschützer als auch die katholische Kirche Brasiliens protestieren
scharf. Gabriel habe sich leichtfertig über schwerwiegende Bedenken
hinweggesetzt, heißt es: Grundlose „Versicherungen, dass durch
Biokraftstoffe weder Regenwaldrodung noch Hunger drohten, reichten aus,
um alle gegenteiligen Fakten und Berichte vom Tisch zu fegen“.[3] Tatsächlich
hat sich seit Mitte letzten Jahres unter anderem die Urwaldzerstörung
rapide beschleunigt. Nach Angaben des Forschungsinstitutes Imazon, die
noch während Gabriels Brasilien-Aufenthalt bekannt wurden, waren in den
brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Pará von Januar bis März
2008 trotz der Regenzeit mindestens 214 Quadratkilometer Regenwald
abgeholzt worden, dreimal so viel wie in den ersten drei Monaten des
vergangenen Jahres.[4] „Um noch mehr Agrarsprit nach Deutschland
exportieren zu können, sollen in Brasilien neue Anbauflächen
erschlossen werden“, fassen soziale Organisationen die Entwicklung
zusammen.[5] Dabei bedroht die Agrarindustrie nicht nur unmittelbar eine
Reihe wertvoller Ökosysteme.[6] Der Raubbau am Regenwald führt zudem
dazu, dass immer weniger Kohlendioxid gebunden werden kann. Die daraus
resultierenden Kohlendioxid-Emissionen machen Brasilien schon jetzt zum
weltweit drittgrößten Klimasünder.
Vollständig
falsch
Außerdem
wird auch auf früheren Weideflächen immer mehr Zuckerrohr zur
Treibstoff-Produktion angebaut. Das hat zur Folge, dass die bislang auf
diesen Ländereien betriebene Viehhaltung in andere Regionen (zum
Beispiel in den Urwald) zurückgedrängt wird – oder eben auch auf
Plantagen, auf denen zuvor Lebensmittel angebaut wurden. Dies belegen
laut der „Kommission für Landseelsorge“ (CPT) der katholischen
Kirche in Brasilien mehrere neue Studien. Gegenteilige Aussagen der
Umweltminister Brasiliens und Deutschlands weist der Generalsekretär
der CPT als „vollständig falsch“ zurück.[7]
1,2
Milliarden Hungernde
Inzwischen
fordern auch die Vereinten Nationen die EU und die Vereinigten Staaten
auf, ihre jeweiligen Biosprit-Programme einzuschränken. „In den USA
wandert in diesem Jahr bis zu einem Drittel der Mais-Ernte in den
Benzintank. Das ist ein riesiger Rückschlag für die weltweiten
Lebensmittelvorräte“, sagt Jeffrey Sachs, Armutsberater des
UN-Generalsekretärs.[8] Die EU hat ihrerseits im vergangenen Jahr unter
deutschem Druck beschlossen, bis 2020 den Agrarsprit-Anteil am
Gesamtbenzinverbrauch auf zehn Prozent zu erhöhen.[9] Bereits jetzt
kann die Bevölkerung in einer Vielzahl von Armutsstaaten die Preise für
Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen, weil sie in den vergangenen
Monaten wegen des Biosprit-Booms rapide gestiegen sind. So hat sich
beispielsweise der Preis für eine Tonne Reis – ein
Grundnahrungsmittel in Asien, Afrika und Lateinamerika – seit
Jahresbeginn von knapp 400 US-Dollar bis Anfang April auf über 900
Dollar pro Tonne mehr als verdoppelt.[10] In den vergangenen Wochen
eskalierten Hungerrevolten von Lateinamerika (Haiti) über afrikanische
Länder (Ägypten, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mauretanien, Moçambique,
Senegal, Somalia) bis nach Asien (Indonesien). „Die Zahl der
Hungernden erhöht sich mit jedem Prozent Preissteigerung für
Grundnahrungsmittel um 16 Millionen“, heißt es in einer Studie zweier
US-Ökonomen aus dem Jahr 2003: „Das bedeutet, dass im Jahr 2025 1,2
Milliarden Menschen hungern könnten - 600 Millionen mehr als wir 2003
prognostizierten“.[11]
Verjagt
Auch
durch den Landhunger der Großkonzerne, darunter europäische, wird die
ohnehin prekäre Situation vieler Menschen weiter verschärft. Infolge
des Agrartreibstoff-Booms suchen Betreiber von Agrardiesel- und
-Ethanol-Raffinerien nach ergiebigen Ländereien - und nötigen deren
Besitzer zum Abschluss von Kauf- oder Pachtverträgen. Die Entschädigungszahlungen,
die an die Bauern geleistet werden, reichen jedoch für deren
Existenzsicherung meist nicht aus. Kleine Landpächter werden nicht
selten sogar einfach verjagt, wenn sie die Pachtzinsen für die im Wert
steigenden Ländereien nicht mehr bezahlen können.[12]
Weiter
so
Verantwortlich
für die Entwicklung sind vor allem die Vereinigten Staaten sowie die
Europäische Union - mit Deutschland an der Spitze. Während die EU
unter deutscher Ratspräsidentschaft einen Wert von zehn Prozent
Biosprit-Beimischung bis zum Jahr 2020 beschlossen hat, strebt die
Bundesregierung für Deutschland sogar einen Anteil von 20 Prozent an -
und will an den Agrarsprit-Importen festhalten.[13] Brasilien spielt
hierbei für Deutschland eine Schlüsselrolle. Dabei setzt Berlin auch
Mittel der sogenannten Entwicklungshilfe ein. So ist die bundeseigene
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Anfang 2005 in ein
Projekt eingestiegen, das deutschen Unternehmen den Zugang zur Branche
öffnen kann; daran beteiligt ist der brasilianische Marktführer
„Brasil Ecodiesel“ (Marktanteil: mehr als 50 Prozent), an dem
wiederum kurz nach Beginn des GTZ-Projekts die Deutsche Bank über eine
US-Filiale fast die Hälfte der Anteile übernahm.[14] Das heute zur
Unterzeichnung stehende Biosprit-Abkommen mit Brasilien baut auf diesen
Entwicklungen auf und schreibt sie gegen alle Proteste fort.
[1]
„Dem vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf zufolge soll dann nur
noch Biomasse von nachhaltig bewirtschafteten Flächen eingesetzt
werden. Auch darf der Anbau nicht auf Flächen erfolgt sein, die zum
Stichtag 1. Januar 2005 Gebiete mit hohem Naturschutzwert waren oder
danach dazu wurden. Außerdem soll die CO2-Bilanz um mindestens 30
Prozent, ab 2011 um 40 Prozent günstiger sein als bei fossilen
Brennstoffen.“ Nachhaltigkeitskriterien sollen Biosprit grüner
machen; AFP 06.05.2008
[2] Sigmar Gabriel fordert Nachhaltigkeit bei Ethanolproduktion in
Brasilien; www.brasilienportal.ch 28.04.2008
[3] Regenwaldrodung per Regierungsabkommen Brasilien Deutschland;
Gemeinsame Pressemitteilung von Rettet den Regenwald/ROBIN WOOD/FDCL/KoBra/BLUE
21, Berlin/Hamburg/Freiburg 09.05.2008
[4] Gabriel macht sich stark für Agrosprit; taz 03.05.2008
[5], [6] Regenwaldrodung per Regierungsabkommen Brasilien Deutschland;
Gemeinsame Pressemitteilung von Rettet den Regenwald/ROBIN WOOD/FDCL/KoBra/BLUE
21, Berlin/Hamburg/Freiburg 09.05.2008
[7] „Ethanol-Produktion zerstört die Umwelt“. Generalsekretär der
brasilianischen „Kommission für Landseelsorge“ weist besänftigende
Äußerungen der Umweltminister Brasilias und Berlins zurück; KAP
30.04.2008
[8] UN: Europa und USA müssen Biosprit-Programme einschränken; Reuters
06.05.2008
[9] s. dazu Deutsche
Retter
[10] Hungerpreise; Zeit online 14.04.2008
[11], [12] Oliver Müller: Volle Tanks und leere Teller. Dürfen
Biotreibstoffe die Lösung unserer Energieprobleme sein?; Herder
Korrespondenz 2/2008
[13] Gabriel hält an Biosprit-Importen fest; netzeitung 06.05.2008
[14] s. dazu Das
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