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Deutsche
Wirtschaftsbosse:
„Lateinamerika
ist ein wichtiger Rohstofflieferant und als „Investitionsstandort
von Bedeutung.“ Aber die Regierung von Bolivien Tanzt nicht nach
der Pfeife der Imperialisten.
Die
Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD mischt sich daher in die inneren
Angelegenheiten Boliviens ein. Sie will erreichen, dass
ein den Imperialisten höriges Regime den linken Präsidenten
und seine Regierung ablöst. Und alles wird finanziert durch die
Bundesregierung und der SPD Entwicklungshilfeministerin Heidi
Wieczorek-Zeul. |
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LA
PAZ/BERLIN
Quelle:
german-foreign-policy vom 27.02.2007
(Eigener
Bericht) - Die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) beginnt mit dem Aufbau einer
neuen Partei in Bolivien. Dies behauptet ein bolivianischer Pressebericht,
der die Maßnahme einem Auftrag der Berliner SPD-Spitze zuschreibt.
Demnach sollen sozialdemokratische Kräfte, darunter ehemaliges Personal
einer früheren Regierungspartei (MIR), zusammengeführt und gegen die
amtierende Regierung in La Paz in Stellung gebracht werden. Bestimmendes
Motiv der deutschen Aktivitäten ist die Verstaatlichung strategischer
Wirtschaftssektoren, die Präsident Evo Morales trotz Interventionen aus
Deutschland und anderen europäischen Staaten fortsetzt. Mit Hilfe ihrer
Parteistiftung konnte die SPD in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren
Staaten missliebige Regierungen durch kooperationsbereite Sozialdemokraten
ersetzen. Diesem Ziel scheint auch die sogenannte Entwicklungspolitik der
Berliner Regierung gewidmet. Sie steht unter Leitung einer SPD-Ministerin,
der eine feindselige Haltung gegen die bolivianischen Nationalisierungsmaßnahmen
vorgeworfen wird. Lateinamerika sei ein „wichtiger Rohstofflieferant“
und als „Investitionsstandort“ von Bedeutung, betonen deutsche
Wirtschaftsverbände. Die bolivianische Regierung komme den sich daraus
ergebenden Verpflichtungen nicht nach, warnt die deutsche Botschaft in La
Paz.
Neue
Partei
Wie
die bolivianische Presse berichtet, will die Friedrich-Ebert-Stiftung mit
dem Aufbau einer neuen Parteistruktur in Bolivien beginnen.[1] Demnach
soll der Leiter der Stiftungsfiliale in La Paz „mit allen Mitteln“
nach Möglichkeiten suchen, in Bolivien eine neue sozialdemokratische
Partei ins Leben zu rufen. Für die „Parteigründung von oben“, die
dem Bericht zufolge dem deutschen Stiftungspersonal vorschwebt, sind abtrünnige
Mitarbeiter des gegenwärtigen bolivianischen Präsidenten vorgesehen,
aber auch Politiker der früheren Regierungspartei Movimiento de la
Izquierda Revolucionaria (MIR). Für den vergangenen Montag war ein
Arbeitstreffen in der bolivianischen Hauptstadt vorgesehen; bereits im
Vorfeld kursierte eine Liste mit rund 60 Namen potenzieller Führungsmitglieder
der neuen Partei.
Verbraucht
Der
sozialdemokratische MIR und ähnliche Vertreter des politischen Personals
gelten wegen ihrer jahrelangen Kollaboration mit den USA und den europäischen
Mächten als verbraucht. Der Anziehungskraft der Regierung Morales, die
seit 2006 im Amt ist, haben sie nichts Vergleichbares entgegenzusetzen.
Die Regierung Morales arbeitet an einer Verstaatlichung strategischer
Wirtschaftsbereiche und orientiert sich dabei an Venezuela und Kuba. Sie
genießt nach wie vor breite Unterstützung in der Bevölkerung und ist
durch offen unternehmerfreundliche Parteien nicht zu stürzen.
Alte
Eliten
Um
die Nationalisierungsvorhaben der Regierung mit einer handlungsfähigen
Opposition bekämpfen zu können, habe die SPD-Spitze die bolivianische
Filiale ihrer Parteistiftung mit dem Aufbau einer neuen Organisation
beauftragt, heißt es in der bolivianischen Presse. Die von deutscher
Seite initiierten Parteistrukturen sollen in der Lage sein, die soziale
Protestbewegung zu integrieren. Die derzeit einzig relevanten
Oppositionsgruppierungen Podemos und Unidad Nacional gelten für die
bevorstehende Aufgabe als „zu weit rechts“ und „zu liberal“.[2] Um
Posten in der künftigen Partei bewerben sich den Berichten zufolge langjährige
Aktivisten der ehemaligen sozialdemokratischen Regierungspartei MIR -
altgediente Angehörige der unpopulären traditionellen Eliten, deren
Zuverlässigkeit in Berlin jedoch außer Frage steht. Um das Wahlpublikum
über die Kontinuitäten im Unklaren zu lassen, soll die Neugründung
„in einer modernisierten Variante und unter einem anderen Namen“
vollzogen werden. Sie wird als „neue deutsche sozialdemokratische
Partei“ apostrophiert.[3]
Vorbilder
Die
der Friedrich-Ebert-Stiftung zugeschriebene Parteigründung kann auf
prominente Vorbilder verweisen. So gilt etwa der spanische Partido
Socialista Obrero Espanol (PSOE) des langjährigen Ministerpräsidenten
Felipe González als Ziehkind der SPD-Vorfeldorganisation.[4] Der
portugiesische Partido Socialista wurde am 19. April 1973 ebenfalls unter
ihrem Einfluss gegründet - der Einfachheit halber unmittelbar in einem
Stiftungsgebäude im westdeutschen Bad Münstereifel (Bundesland
Nordrhein-Westfalen). Zu den politischen Schützlingen der Ebert-Stiftung
gehörten der 2003 ermordete serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic
[5], das 2002 an die Macht gekommene kenianische Parteienbündnis [6]
sowie seit Ende der 1980er Jahre der südafrikanische ANC [7]. Allerdings
können nicht alle Parteienprojekte, die im Dunstkreis der
staatsfinanzierten SPD-Stiftung entwickelt wurden, auf entsprechende
Erfolge verweisen. Der zimbabwische Movement for Democratic Change (MDC)
etwa verharrt bis heute in der Opposition.[8]
Stärker
einbinden
Zur
Eindämmung der bolivianischen Verstaatlichungsmaßnahmen scheinen eine
Reihe weiterer Schritte unumgänglich. Sie betreffen vor allem die
sogenannte Entwicklungspolitik. Die „bolivianische Zivilgesellschaft“
sei „hoch mobilisiert und gut organisiert“, urteilt die Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP) über die Protestbewegung, die die Basis für
die gegenwärtige Regierung in La Paz bildet. Es wäre vorteilhaft,
„wenn ihre Aktivitäten stärker an die Institutionen angebunden, ihre
Partizipationsformen konstruktiver und ihre Forderungen gemäßigter wären“,
schreibt die SWP.[9] Mit der Neutralisierung des Protestpotenzials soll
den weitreichenden Verstaatlichungsplänen der bolivianischen Regierung
ihre gesellschaftliche Grundlage entzogen werden. Dem widmen sich Berlin
und Brüssel auf je unterschiedliche Weise. Während Deutschland mit
staatlichen Stellen kooperiert und sie zur Einbindung unzufriedener Bevölkerungsteile
drängt („top-down-Ansatz“), unterstützt die EU-Kommission
nichtstaatliche Gruppierungen und übt über finanzielle Abhängigkeiten
Einfluss aus („bottom-up-Ansatz“).
Kurskorrekturen
Die
„Angemessenheit“ der Brüsseler Entwicklungsmaßnahmen „kann für
den bolivianischen Fall stark angezweifelt werden“, urteilt die SWP.
Angesichts der gegenwärtigen Regierungspolitik dürfe man soziale
Forderungen keinesfalls verstärken; schließlich solle Bolivien nicht
„liberalisiert, womöglich destabilisiert werden“.[10] Stattdessen müsse
man „Veränderungsprozesse unterstützen, die auf der Grundlage eines möglichst
breiten Konsenses (...) innerhalb eines institutionellen Rahmens graduell
erfolgen“. Dabei seien sämtliche Parteien inklusive der traditionellen
Besitzeliten einzubeziehen, schreibt der Berliner Thinktank und fordert
Korrekturen an der Bolivienpolitik der EU. Der deutschen
Entwicklungspolitik attestiert die SWP eine allzu bescheidene Fixierung
auf die lokale Politik („unterste Ebene der Staatsstruktur“). Berlin
solle sich stärker in die „ordnungspolitische Debatte und die
politischen Machtkämpfe“ in La Paz einmischen, heißt es: Die im
vergangenen Jahr vereinbarte „inhaltliche Unterstützung der
Verfassungsgebenden Versammlung“ in der Hauptstadt ist demnach „ein
erster Schritt in die richtige Richtung“.[11]
Massiv
In
La Paz stehen nach wie vor umfangreiche Verstaatlichungsvorhaben von Präsident
Morales an vorderer Stelle auf der politischen Agenda. Wie der Leiter der
Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Bolivien mutmaßt, hätten
die Maßnahmen bereits jetzt eine „schlechte Auswirkung“ auf die
deutschen Investitionen.[12] Dabei gilt Lateinamerika insgesamt in
deutschen Wirtschaftskreisen als „wichtiger Rohstofflieferant“ und
bedeutender „Investitionsstandort“.[13] „Wir haben es mit einem sehr
aggressiven Präsidenten Bush zu tun, mit europäischen Regierungen, die
ihre Firmen massiv verteidigen“, beschrieb der ehemalige bolivianische
Energieminister Andrés Soliz Rada kürzlich die Lage in seinem Land.[14]
Für die massive Verteidigung deutscher Firmeninteressen stehen deutsche
Sozialdemokraten bereit - im Berliner Entwicklungsministerium ebenso wie
an der bolivianischen Parteienfront.
Lesen
Sie zur deutschen Bolivien-Politik auch Wandel durch Entwicklung, Warnungen und Eigentum verpflichtet.
[1],
[2], [3] Alemania financia reconstitución del „nuevo mirismo“; La
Epoca 23.02.2007
[4] s. dazu „Vernünftige Machtverteilung“
[5] s. dazu Tod eines „Deutschen“
[6] s. dazu Infiltration
[7] s. dazu Vertrauensvolle Zusammenarbeit
[8] s. dazu Der nächste, bitte!
[9], [10], [11] Externe Demokratieförderung in Bolivien; SWP-Studie S 28,
Oktober 2006
[12] Incertidumbre política afecta inversiones alemanas - Bolivia;
www.bnamericas.com 02.02.2007
[13] Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der
Andengemeinschaft. Empfehlungen der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und
Handelskammer (AHK) und der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (DIHK,
BDI, BGA, IAV)
[14] „Die Regierung Morales ist eine Regierung des Widerstands“.
Boliviens ehemaliger Energieminister Andrés Soliz Rada über die Mühen
der Exekutive; Neues Deutschland 02.01.2007 |