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DIE REVOLUTIONÄRE GLEICHHEIT

von Jerónimo Carrera, Vorsitzender der KP Venezuelas

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Tribuna Popular, 8. Januar 2010.-   Schon aus den Zeiten lange vor der großen französischen Revolution von 1789 ist eines der Hauptziele aller revolutionären Bewegungen in den verschiedensten Teilen der Welt die Errichtung eines Gesellschaftssystems gewesen, welches die Gleichheit zwischen allen Menschen gewährleisten soll.

Alle Versuche in diese Richtung sind gescheitert, obwohl es ohne Zweifel beachtliche und anerkennenswerte Fortschritte gegeben hat, aus denen für neue Versuche gelernt werden kann.

Reich an für die Menschheit verwertbaren Erfahrungen ist die Gesamtheit des von schon unzähligen Völkern Erlebten, die sich im Lichte des Marxismus die Aufgabe stellten, gerechte und sozial ausgeglichene und daher sozialistisch genannte Gesellschaften zu errichten. In ihnen allen ist versucht worden, Ungleichheiten auszulöschen. Grundlegend im ökonomischen Sinne und beim Gewährleisten von Chancengleichheit für alle.

Die erreichten Ergebnisse kenne ich aus persönlicher Erfahrung, denn seit 1947 lernte ich alle und jedes einzelne dieser ganz verschiedenen Länder kennen, wo ein solcher Aufbau vonstatten ging. Und ich konnte sogar langjährig in einem dieser Länder leben. Die erreichten Ergebnisse waren im Allgemeinen einige ermutigende Ergebnisse, die zweifellos sehr positiv waren.

Daher kommt es mir sehr lächerlich vor, dass im nachhinein in diesen Fällen vom sogenannten Scheitern des Sozialismus gesprochen wird, ohne die Hindernisse zu berücksichtigen, die vom Ausland aus als Teil des sogenannten „kalten Krieges“ geschaffen wurden, welcher von den USA und den anderen kapitalistischen Ländern eingeleitet wurde, kaum nachdem 1945 der zerstörerische und langwierige 2. Weltkrieg endete. Sozusagen ist sowohl in Europa als auch auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent ein Sozialismus unter nicht normalen Bedingungen entstanden und entwickelt worden. Bedingungen, die von einem kostspieligen, lang andauernden und ständigen politischen und wirtschaftlichen Krieg geschaffen wurden.

Es ist richtig, dass es in keinem jener Länder Arbeitslosigkeit gab. Man sah dort niemanden um etwas betteln. Noch weniger fürchteten sich die Menschen vor Diebstahl und Raub oder ähnlichem. Alle Welt ging arbeiten. Dafür gab der Staat ihnen nichts weiter, denn ein Teil des Lohnes deckte alle Kosten für Gesundheitsbetreuung sowie die Altersrente und die Schulbildung der Kinder ab. Letztendlich war dies schon der wirkliche Sozialismus. Ein Sozialismus für jedes Jahrhundert, das vergangene wie auch das künftige.

Aber in jeglicher Hinsicht schaffte es jener Sozialismus nicht, zwischen den Menschen eine völlige Gleichheit oder etwas Ähnliches herzustellen. Es entwickelten sich herkömmliche Ungleichheiten in vielerlei Hinsicht weiter. Insbesondere mit der Herausbildung einer bürokratischen Schicht, die sich zuerst der Partei bemächtigte. Und die auf diesem Wege sich des Regierungsapparates bemächtigte, mit offenkundigen und skandalösen Privilegien.

Daher halte ich es für unerlässlich, dass Marxisten und an erster Stelle wir Kommunisten ohne jeden Zweifel das Geschehene in jenen Ländern tiefgründig studieren und dabei die Stärken und Schwächen herausarbeiten. Dies erfordert von uns zuallererst die Anwendung der Kritik und der Selbstkritik, damit wir zur gerechtesten und die volle Gleichheit sichernden Gesellschaft voranschreiten, welches die kommunistische Gesellschaft sein wird.

Inzwischen glaube ich, dass die Tiergattung, zu der wir als Menschen unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Religion zählen, weiterhin große Ungleichheiten aufweisen wird. Und daher überrascht es niemanden, dass es unter uns einige seltene Tiere gibt.

Geographisch halte ich mich zum Beispiel für eines der seltensten. Schon weil ich nie Staatsfunktionär gewesen bin. Ich habe nie danach gestrebt, dies zu sein. Ebenso wenig wollte ich jemals Parlamentsmitglied oder so etwas sein. Äußerst selten ist es, dass ich in all meinen 87 Lebensjahren nur Mitglied einer einzigen Partei gewesen bin, der kommunistischen Partei, der ich seit über sechzig Jahren angehöre. Sagen wir mal, ich bin ganz gewiss ein ganz seltenes Tier in Venezuela....

Quelle http://www.pcv-venezuela.org

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