Proletarischer Internationalismus

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

zurück

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

   Weltblick

Kolumne des Vorsitzenden der KP Venezuelas / 14. August 2010

DER BLICK AUF DEN ANDEREN NACHBARN

von Jerónimo Carrera für Tribuna Popular

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Caracas, 14. August 2010, Tribuna Popular TP. (auf Kommunisten-online am 19. August 2010) – Für uns Venezolaner liegt auf der Hand, dass wir in einem nachbarschaftlichen Umfeld leben. Und bei all dem scheint es, dass derzeit die große Mehrheit von uns diesen gesamten nachbarschaftlichen Rahmen nicht begreift und einseitig auf nur einen unserer Nachbarn blickt. Das ist nicht nur etwas Absurdes, sondern hat kontraproduktive Ergebnisse. Wir sind stets wie kleine Geschwister mit jenem Nachbarn gewesen, mit dem wir da gerade mal wieder herumstreiten...

Aber auf einer geographisch genau entgegen gesetzter Seite, wie wir uns nicht bewusst machen wollen, ist ein anderer bereits herangewachsener Bruder. Besagter Bruder ist Guayana. Für alle, die das noch nicht wissen und Guayana weiterhin so nennen, es handelt sich um „das ehemalige Britisch-Guayana“.

Auf diese Weise sind alle Länder der Welt geboren worden, Schritt für Schritt, langsam, wie die Menschen. Und unser Venezuela ist keine Ausnahme gewesen. Zum Beispiel ist meine Geburtsstadt Cumaná bis Ende des 18. Jahrhunderts von Santo Domingo abhängig gewesen.

Wahr ist, dass unsere guayanischen Brüder ihr Land mal gerade so im 20. Jahrhundert haben entstehen lassen. Es gab enorme Anstrengungen, um sich von der britischen Herrschaft zu befreien. Was sie unter der klugen Führung von zwei ausgezeichneten und sehr aktiven Kommunisten erreichten, dem Ehepaar Jagan, Cheddi und Janet. Beide sind verstorben. Aber sie verstanden es auch, eine wirklich revolutionäre Partei zu gründen, die PPP, mit Genossen, die erfolgreich ihr Werk fortgesetzt haben.

Nichtsdestotrotz scheint die Mehrheit des venezolanischen Volkes dies alles zu ignorieren, was da direkt neben uns vor sich gegangen ist. Und so wird es denen überlassen, die angeblich „patriotische Forderungen vom Esequibo“* predigen, womit sie unsere Beziehungen vergiften. Außerdem haben sie uns vergessen lassen, dass wir ein karibisches Land sind, und dass wir unsere Unabhängigkeit von der spanischen Krone durch Zusammenarbeit mit der karibischen Inselwelt erreichten.

All dies schreibe ich jetzt erneut angesichts des gerade erfolgten von den venezolanischen Medien beinahe völlig ignorierten Blitzbesuchs von 24 Stunden des jungen Präsidenten der Nachbarrepublik, Bharrat Jagdeo, vom 21. Juli 2010. Ich hatte in dieser Kolumne an jenem Tag versprochen, auf dieses Thema zurückzukommen. Und das mache ich heute.

Mit diesem ganz raschen Schritt hierher des jungen Jagdeo ergriff er die Gelegenheit, ein wenig von Kollege zu Kollege mit unserem sehr beschäftigten Präsidenten zu reden. Es ergaben sich dadurch einige sehr wichtige Vereinbarungen. Ich habe von mindestens fünf dieser Abkommen Kopien bekommen können. Und ich weiß nicht, ob es da noch mehr Abkommen gibt.

Im wichtigsten Abkommen mit der Unterschrift beider Präsidenten, demgegenüber die anderen nicht ganz so wichtigen Abkommen mit den Unterschriften anderer Regierungsfunktionäre versehen worden sind, kann als Eingangspunkt folgendes gelesen werden:

„1. Es wurde das gute Niveau festgestellt, auf dem sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern entwickeln, welche sich festigen und verstärken auf der Grundlage der Grundsätze der Solidarität, Zusammenarbeit und Ergänzung.“

All dies obwohl wir in der Einleitung desselben Dokuments lesen können: „zusammengekommen bei der historischen Gelegenheit des ersten offiziellen Besuches des Präsidenten Jagdeo in Venezuela drückten beide Seiten ihre Zufriedenheit über den gegenwärtigen Stand der Beziehungen zwischen Guayana und Venezuela aus...“

Und jetzt erlaube ich mir diesbezüglich die Bemerkung, dass ich die diplomatische Sprache jener Erklärung gut verstehe, aber dass es unbegreiflich ist, dass es bei glücklicherweise normalen Beziehungen jetzt der erste Besuch eines Nachbarn ist.

Ich werde niemanden im Einzelnen beschuldigen. Aber jawohl, ich kann versichern, dass weder das venezolanische Volk noch das guayanische Volk die Verantwortlichen für derartigen Schwachsinn sind. Und ich äußere hier meinen patriotischsten Wunsch als Kommunist und Bolivarianer von ganzer Aufrichtigkeit, dass diese Lage wirklich schnellstens überwunden wird.

Quelle:

http://www.tribuna-popular.org/

Anmerkung von Jens-Torsten Bohlke aus bürgerlichen Quellen:

* Die „Provinz Guayana“ ist ein Gebietsstreifen, der einst zwischen Spanien und Großbritannien umstritten war. Zuweilen als „Spanisches Guayana“ bezeichnet, später und bis heute Zankapfel zwischen Venezuela und Guayana. Es geht dabei um 2/3 des Territoriums der heutigen Republik Guayana an der Grenze mit Venezuela, wo Venezuela das Land bis zum Fluss Essequibo beansprucht (Quelle: Santiago Dotor, 15. September 1999).

Es gab mehr als nur ein Guayana. Es gab Französisch-Guayana und Britisch-Guayana. Als die strategische Bedeutung Britisch-Guyanas als sicherer Hafen in der Karibik sank und die Unabhängigkeitsbewegung zunahm, gewährte Großbritannien Guyana die Unabhängigkeit. Zu dieser Zeit beanspruchte Venezuela das umstrittene Gebiet und wies es in seinen Karten als „Esequibo-Territorium“ oder „beanspruchtes Gebiet“ aus.

Heutzutage stellt sich immer mehr heraus, dass Venezuela da nichts beanspruchen kann. Faktisch hat Venezuela Guyana anerkannt. Es gibt bilaterale Abkommen, Venezuela verkauft Wasserkraftenergie an Guayana. Die „Provinz Guyana“ hat stets nur in Worten bestanden. Faktisch besteht der Staat Guayana.

(Quelle: Ricardo Kowalski , 15 September 1999)

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!