|
Gedanken
des Genossen Fidel / 18. November 2009
DIE
BOLIVARISCHE REVOLUTION UND DER FRIEDEN
von
Fidel Castro Ruz
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Ich
kenne Chávez gut. Niemandem wäre ein Blutvergießen zwischen
Venezolanern und Kolumbianern mehr zuwider als ihm. Das sind zwei so brüderliche
Völker wie die Kubaner, die im Osten, im Mittelteil und im äußersten
Westen unserer Insel leben. Ich habe keinen besseren Vergleich, um den
Grad der Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, welcher zwischen
Venezolanern und Kolumbianern vorhanden ist.
Die
verleumderische Beschuldigung der USA, dass Chávez einen Krieg gegen
das benachbarte Kolumbien plant, brachte eine einflussreiche
kolumbianische Zeitung dazu, am vergangenen Sonntag, dem 15. November
2009, unter dem Titel „Kriegsgetrommel“ einen verächtlichen und
beleidigenden Leitartikel gegen den venezolanischen Präsidenten zu veröffentlichen.
Darin wird u.a. behauptet, „Kolumbien muss mit voller Ernsthaftigkeit
die größte Gefahr für seine Sicherheit seit mehr als sieben
Jahrzehnten erkennen, denn sie geht von einem Präsidenten aus, welcher
zudem militärisch ausgebildet ist...“
Und
weiter: „Der Grund sind die immer größeren Möglichkeiten einer
Provokation, die von einem Grenzzwischenfall bis zu einem Angriff gegen
zivile oder militärische Einrichtungen in Kolumbien gehen kann.“
Weiter
vorn fügt der Leitartikel als wahrscheinlich hinzu „... dass Hugo Chávez
seine Angriffe gegen die 'Schwachköpfe' verstärkt - so bezeichnet er
seine Oppositionellen - und aus örtlichen und regionalen
Machtpositionen jene zu verdrängen sucht, die ihm widersprechen. Er
machte das schon mit dem Bürgermeister von Caracas... und jetzt will er
das vorhaben mit den Gouverneuren der Bundesstaaten an der Grenze zu
Kolumbien, die sich seiner Knute nicht unterwerfen wollen... Ein
Zusammenprall mit kolumbianischen Streitkräften oder die Beschuldigung,
dass paramilitärische Elemente Aktionen auf venezolanischem Territorium
planen, kann die Ausrede sein, welche das Chávez-Regime braucht, um die
verfassungsmäßigen Garantien auszusetzen.“
Solche
Worte dienen lediglich dazu, die aggressiven Pläne der USA und den
groben Landesverrat der Oligarchie und der Konterrevolution in Venezuela
zu rechtfertigen.
Zeitgleich
mit der Veröffentlichung jenes Leitartikels hatte der bolivarische
Revolutionsanführer seinen wöchentlichen Artikel „Die Linien von Chávez“
geschrieben, in welchem er die schamlose Genehmigung für die
Einrichtung von sieben US-Militärstützpunkten auf dem Boden Kolumbiens
verurteilt. Kolumbiens Grenze zu Venezuela verläuft über 2050
Kilometer.
In
besagtem Artikel erklärt der Präsident der Bolivarischen Republik
mutig und deutlich seine Position.
„...
genau wie ich es am Freitag bei der Friedenskundgebung gegen die Militärstützpunkte
der USA auf kolumbianischen Boden gesagt habe: Ich stehe in der Pflicht,
alle Männer und Frauen aufzurufen, dass wir uns vorbereiten, um die
Heimat von Bolívar und das Vaterland unserer Kinder zu verteidigen. Täte
ich dies nicht, dann würde ich eine Handlung des Hochverrates an
unserem so sehr geliebten Venezuela begehen...
Unsere
Heimat ist heute frei. Und wir werden sie mit unserem Leben verteidigen.
Venezuela wird niemals wieder irgendjemandes Kolonie sein. Niemals
wieder wird Venezuela vor irgendeinem Angreifer oder Imperium auf den
Knien liegen... das
schwerwiegende und folgenreiche Problem, welches in Kolumbien
stattfindet, kann an den lateinamerikanischen Regierungen nicht
unbeachtet vorbeiziehen...“
Weiter
vorn fügt er wichtige Konzepte hinzu: „...das gesamte Kriegsarsenal
der Gringos entspricht dem Konzept von exterritorialen
Kriegshandlungen... verwandelt das kolumbianische Territorium in eine
gewaltige militärische US-Enklave... die größte Bedrohung des
Friedens und der Sicherheit der südamerikanischen Region und Unseres
Amerikas.“
„Der
Militärpakt... verhindert faktisch, dass Kolumbien Garantien der
Sicherheit und der Achtung jemandem anbieten kann. Nicht einmal den
Kolumbianern und Kolumbianerinnen. Ein Land, welches aufgehört hat,
souverän zu sein, und welches ein Instrument der „neuen
Kolonialisierung“ ist, vor welcher unser Befreier warnte, kann keine
Garantien anbieten.“
Chávez
ist ein wahrer Revolutionär, ein tiefgehender Denker, ein aufrichtiger,
mutiger und unermüdlicher Arbeiter. Er kam nicht mittels eines
Staatsstreiches an die Macht. Er stand gegen die Unterdrückung und den
Völkermord der neoliberalen Regierungen auf, die die gewaltigen
Bodenschätze seines Landes an die USA auslieferten. Er erlitt
Inhaftierung, er reifte seine Ideen aus und entwickelte sie. Trotz
seiner militärischen Herkunft kam er nicht mit Waffengewalt an die
Macht.
Er
hat den großen Verdienst, den schwierigen Weg einer tiefgreifenden
gesellschaftlichen Revolution aus der sogenannten repräsentativen
Demokratie und der absolutesten Meinungsfreiheit eingeleitet zu haben,
wobei die mächtigsten Medien des Landes in den Händen der Oligarchie
waren und sind und im Dienst der Interessen der USA standen und stehen.
In
nur 11 Jahren erzielte Venezuela die größten Fortschritte im
Erziehungs- und Sozialbereich, die jemals von einem Land auf der Welt
erzielt wurden. Dies trotz Staatsstreich und trotz der
Destabilisierungs- und Diskreditierungspläne der USA.
Das
Imperium erließ keine Wirtschaftsblockade gegen Venezuela, wie sie es
mit Kuba machten, nach dem Scheitern ihrer herben Schläge gegen das
venezolanische Volk. Denn die USA hatten sich selbst mit ihrer
Energie-Abhängigkeit vom Ausland blockiert. Aber sie haben nicht davon
Abstand genommen, den bolivarischen Prozess und seine großzügige
Unterstützung mit Erdölreserven für die Länder der Karibik und
Mittelamerikas, seine umfassenden Austauschbeziehungen mit Südamerika,
China, Russland und zahlreichen Staaten Asiens, Afrikas und Europas zu
beseitigen. Die Bolivarische Revolution genießt Sympathien bei breiten
Teilen der Öffentlichkeit in allen Kontinenten. Vor allem schmerzen das
Imperium ihre Beziehungen zu Kuba, nach der verbrecherischen Blockade
gegen unser Land, die schon ein halbes Jahrhundert andauert. Das
Venezuela von Bolívar und das Kuba von Martí entwickeln über die ALBA
neue Formen für Beziehungen und Austausch auf gerechten und vernünftigen
Grundlagen.
Die
Bolivarische Revolution ist besonders großzügig mit den Ländern der
Karibik in den Momenten der schweren Energiekrise gewesen.
In
der neuen von uns durchlebten Etappe steht die Revolution in Venezuela
ganz neuen Problemen gegenüber, die nicht vorhanden waren, als vor fast
genau 50 Jahren in Kuba unsere Revolution siegte.
Der
Drogenhandel, das organisierte Verbrechen, die Gewalt in der
Gesellschaft und der Paramilitarismus existierten seinerzeit kaum. In
den USA war seinerzeit so ein enormer Drogenmarkt wie der derzeitige
noch nicht entstanden, welchen der Kapitalismus und die
Konsumgesellschaft in jenem Lande geschaffen haben. Für die Revolution
in Kuba war das kein großes Problem, den Drogentransit zu bekämpfen
und ihr Einbringen in die Produktion und ihren Konsum zu verhindern.
Für
Mexiko, Mittelamerika und Südamerika sind diese Missstände heute eine
zunehmende Tragödie, welche weit entfernt davon ist, überwunden zu
werden. Zum ungleichen Austausch, Protektionismus und Ausplündern der
Bodenschätze kommen der Drogenhandel und das organisierte
Gewaltverbrechen hinzu, was die Rückständigkeit, die Armut, die
Arbeitslosigkeit und der gigantische Drogenmarkt der USA in den
lateinamerikanischen Gesellschaften geschaffen haben. Die Unfähigkeit
jenes imperialen und reichen Landes, den Handel und den Konsum von
Drogen zu verhindern, schuf in vielen Teilen Lateinamerikas den Raum für
den Anbau der Pflanzen, deren Wert als Rohstoff für die Drogen vielfach
den der anderen landwirtschaftlichen Anbauprodukte übersteigt. Was zu
schwerwiegendsten gesellschaftlichen und politischen Problemen führt.
Die
Paramilitärs aus Kolumbien bilden heute die erste Sturmtruppe des
Imperialismus, um die Bolivarische Revolution zu bekämpfen.
Durch
seine militärische Herkunft weiß Chávez genau, dass der Kampf gegen
den Drogenhandel ein gewöhnlicher Vorwand der USA ist, um einen Militärpakt
zu rechtfertigen, der völlig der strategischen Konzeption der USA seit
Ende des kalten Krieges entspricht, um ihre Weltherrschaft auszudehnen.
Die
Luftwaffenstützpunkte, die Medien, die Handlungsfreiheiten und die von
Kolumbien den US-Militärs und -Zivilpersonen gewährte völlig
Straffreiheit auf Kolumbiens Territorium haben nichts mit dem Kampf
gegen den Anbau, die Produktion und den Handel mit Drogen zu tun. Dies
ist heute ein weltweites Problem. Es breitet sich nicht nur durch die Länder
Südamerikas aus, sondern beginnt sich auch in Afrika und anderen
Gebieten auszuweiten. Es herrscht bereits in Afghanistan, trotz der
massiven Anwesenheit von US-Truppen.
Die
Drogen müssen nicht ein Vorwand sein, um Stützpunkte einzurichten, Länder
anzugreifen und die Gewalt, den Krieg und die Ausplünderung in die Länder
der Dritten Welt zu bringen. Dies ist das schlechteste Klima, um staatsbürgerliche
Stärken zu entwickeln und die Bildung, das Gesundheitswesen und die
Entwicklung anderen Völkern weiterzugeben.
Es
trügen sich all jene, die da glauben, dass das Spalten zwischen
Kolumbianern und Venezolanern Erfolg in ihren konterrevolutionären
Planungen haben wird. Viele der besten und einfachsten Arbeiter in
Venezuela sind Kolumbianer. Und die Revolution hat ihnen Bildung,
Gesundheitsversorgung, Arbeit, staatsbürgerliche Rechte und weiteren
Nutzen für sich und ihre geliebtesten Mitmenschen beschert. Gemeinsam
werden Venezolaner und Kolumbianer das großartige Vaterland des
Befreiers von Amerika verteidigen. Gemeinsam werden sie für die
Freiheit und den Frieden kämpfen.
Die
Tausende von Ärzten, Lehrern und übrigen Mitarbeiter aus Kuba, die
ihren internationalistischen Auftrag in Venezuela erfüllen, werden mit
den Venezolanern sein!
Fidel
Castro Ruz
18.
November 2009
14:23
Uhr
Verändert
am (Mittwoch, 18. November 2009)
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/index.php?option=com_content&task=view&id=6024&Itemid=1 |