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Die Linien von Chávez

EIN FROHES NEUES JAHR 2010!!

von Hugo Chávez Frías

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

auf Kommunisten-online am 4. Januar 2010

1

Weihnachten, Zeit der Fröhlichkeit, Zeit der Hoffnung. Unser großer Denker namens Ludovico Silva sagte einst: "Es gibt keine schlimmere Hölle als die Hoffnungslosigkeit (...) Hoffnungsverlust heisst keine Zukunft zu haben. Die Zukunft nährt sich aus der Hoffnung."

Und gerade jetzt können wir ohne Angst vor Übertreibung sagen, daß wir derzeit aus der Hölle herauskommen, in welche uns jene gezwungen hatten, die unser Volk so schlecht in den letzten 40 langen Jahren regierten.

Im Gegensatz dazu nährt sich derzeit die Zukunft aus der Hoffnung. Einer konkreten und faßbaren Hoffnung, die mit dem venezolanischen Weg zum Sozialismus Gestalt annimmt.

Eine gute neue sozialistische Erschließung der Zukunft bildet die Eröffnung der ersten Sozialistischen Arepera* in dieser Woche. Wir geben damit einem Plan und einer Verkaufspraxis Leben, wie sie in Venezuela bisher völlig unbekannt sind. Wir lassen einen sozialistischen Grundsatz Wirklichkeit werden. Die Nahrungsmittel sind keine Ware. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse, in diesem Fall des Grundbedürfnisses auf Ernährung, kann nicht als ein Geschäft verstanden werden.

Die neue Gesellschaft der Sozialistischen Märkte (COMERSO) ist ein grundlegender Schlüssel des neuen Systems der Produktion, Verteilung und Konsumtion, welches wir derzeit aufbauen. Das Volk wird über eine Ladenkette verfügen. Mit Qualitätserzeugnissen und Preisen, wie sie auf dem kapitalistischen Markt nicht anzutreffen sind.

Unsere Absicht ist es, der straffrei herrschenden wilden Spekulation die Spitze abzubrechen. Denselben Gedankengängen enspricht es, daß wir an diesem Mittwoch den Autohäuser von COMERSO die ersten Autos übergeben haben. Wir wenden dabei nicht nur den christlichen und sozialistischen Grundsatz an, jedem nach seiner Fähigkeit, jedem nach seinem Bedürfnis, sondern wir lassen denjenigen Landsleuten Gerechtigkeit widerfahren, die Opfer von Betrug geworden sind. Oder die ihr Fahrzeug durch Unfall oder Raub verloren haben.

2

Ich möchte bei Che einige Worte ausleihen: "Wenn wir der Schimäre folgen, den Sozialismus mit Hilfe der geschärften Waffen aus dem Kapitalismus wie der Ware als Zelle der Wirtschaft, der Rentabilität, des individuellen materiellen Interesses als Hebel usw. Wirklichkeit werden zu lassen, dann führt dies in eine Sackgasse."

Ich mache einen Aufruf an Sie alle, Landsleute, wachsam zu sein, um das Grundanliegen unserer bolivarischen Revolution zu sichern: die größtmögliche Freude für alle Venezolaner und Venezolanerinnen.

In demselben Sinne haben wir Vertrauen, daß die gerade gegründete Bank Banco Bicentenario außerordentlich dazu beitragen wird, den notwendigen Geisteswandel zu erreichen, um die Emanzipation zu erzielen, die wir anstreben.

Das Auslöschen des Gebrauchs der geschärften Waffen, die der Kapitalismus seit unerdenklichen Zeiten eingeimpft hat, ist keine leichte Aufgabe. Das erkenne ich an. Daher bitte ich alle um eine heldenhafte Anstrengung, damit der Mentalitätswechsel bei jedem einzelnen beginnt. Ich meine hierbei die erste und größte Befreiung: diejenige, welche innerhalb von uns wirkt.

3

Erinnern wir uns ein Mal mehr daran, wie in der Stimme der Jungfrau Maria die mächtigste Botschaft der Befreiung für die Armen auf der Erde ertönte:

Von jetzt an werden mich alle Generationen beglückwünschen
denn der Allmächtige hat große Werke wegen mir vollbracht:
Sein Name ist heilig,
und seine Barmherzigkeit kommt zu seinen Getreuen
von Generation zu Generation.
Er vollbringt Heldentaten mit seinem Arm:
er treibt die im Herze Hochmütigen auseinander,
er zerschlägt den Thron der Herrschenden
und erhöht die niederen Leute,
die Hungernden macht er überglücklich mit Gütern,
und die Reichen verabschiedet er mit leeren Händen.

Wenn die Mutter Gottes fähig gewesen ist, solche Worte auszusprechen, dann darum, weil das Reich ihres Sohnes kein anderes sein kann als jede Siedlung, jedes Dorf, jede Ortschaft, wo sie jeden Tag die Hoffnung der Menschen gebärt, stillt und nährt.

Maria ist jede venezolanische Mutter. Wegen allen und jeder einzelnen von ihnen, den Geberinnen der Liebe, wurde die Mission Niño Jesús in dieser Woche geboren. Um gegen jede Gefahr den Keim des neuen Mannes und der neuen Frau der guten Heimat zu verteidigen.

4

Dies sind die letzten Linien des Jahres 2009. Mit diesem letzten Beitrag schließen wir das Jahr 2009 und starten in das Jahr 2010.

Dieses zu Ende gehende Jahr öffnet die Tore zum zeitweiligen Drehpunkt der Epoche von 200 Jahren.** Im Jahr 2010 beginnt, wie der Lehrmeister Augusto Mijares es erdachte, die Begehung unseres ersten Zyklus der republikanischen Befreiung. Das ist der Lauf der Geschichte, die heute in unserem Gedenken als Volk auflebt: unser bolivarisches Erbe. Ein Erbe, das heute mehr denn jemals eine Definition braucht. Um es zu einem tätigen Körper in unserer politischen Praxis zu machen. Es geht darum, daß wir uns dieses Erbes würdig erweisen, wie Luis Britto García sagt.

Die honduranische Militärdiktatur bleibt weiter an der Macht. Die Reaktion in allen unseren Ländern setzt heute auf ein Modell des Staatsstreiches für das 21. Jahrhundert. Staatstreiche mit legalem Anstrich, die den Stempel made in USA tragen.

Man muß sich nicht täuschen lassen: Mit der Illusion Obama ist Schluß. Und der unverhüllte Interventionismus der neuen US-Administration beweist es. Bereiten wir uns daher vor, um unsere Souveränität auf allen Gebieten zu verteidigen.

Auf ökologischem Gebiet ist die Position der Industriestaaten deutlich geworden. Denn sie relativieren die Funktion der UNO als weltweit tätige Organisation zur Verteidigung des Grundsatzes der Gleichheit zwischen den Nationen und stellen sie in Frage. Diejenigen, die uns an den Rand eines unvorstellbaren Ökozids bringen, die Verursacher des Klimawandels, müssen verpflichtet werden, ihre Verantwortlichkeiten zu übernehmen.

Innenpolitisch wird das Jahr 2010 von den Parlamentswahlen gezeichnet sein. Ihr Ausgang ist von grundlegender Bedeutung für die sozialistische Kontinuität und Vertiefung der Bolivarischen Revolution. Zusammengefaßt werden sie ein großer Moment für die politische Richtung sein.

Das Umsetzen der 3R muß unser Kampfbanner und unsere Leitlinie sein. Es geht darum, die bürokratischen Fesseln zu lösen und bei der unverzüglichen und revolutionären Lösung der drängendsten Probleme des Landes voranzukommen.

Die Nationalversammlung ist verpflichtet, jeden Tag neue Impulse zu setzen. Der offene Kampf gegen den Bürokratismus, die Korruption, die Ineffizienz, die Unsicherheit, fordert und wird viel mehr von den revolutionären Parlamentsmitgliedern abfordern.

"Die moralische Entwicklung des Menschen ist das erste Anliegen des Gesetzgebers", sagte unser Befreiungsvater in seiner Botschaft an den Verfassungsgebenden Kongreß Boliviens am 25. Mai 1826. Die Entwicklung der revolutionären Moral des Mannes und der Frau müssen wir hier und jetzt hervorheben.

In diesem Jahr 2010, um mit José Martí zu denken, werden wir an unsere Wurzeln gehen. Wir werden die Radikalisierung des revolutionären Prozesses auf die Spitze treiben: "An die Wurzel geht der wahrhaftige Mensch.

Radikal heißt nichts weiter als an die Wurzeln zu gehen. Es nennt sich nicht radikal, wer die Dinge nicht in ihrem Grunde durchschaut. Auch nicht der Mensch, der nicht den andern Menschen zur Sicherheit verhilft."

Frau, Mann, Jugendlicher, Mädchen oder Junge, Landsmann, der du mich liest. Ich lade dich ein, das Jahr mit dem Vater Bolívar zu beenden, welcher uns hinterliess. Wie Fidel aus dem 19. Jahrhundert mit jenem weisen Gedanken, mit dem er sich an die Seite von uns, den Revolutionären, stellte:

"Ich erwarte viel von der Zeit. Ihr großer Bauch enthält mehr Hoffnungen aus vergangenen Erfolgen, und das künftige Geschehen wird gewiß das beabsichtigte Geschehen übersteigen."

Die Zeit, so sagte Marx, ist alles: Sie ist das Synonym des Lebens.

Ein Jahr geht vorüber, das Jahr 2009. Und es kommt das Jahr 2010, das letzte Jahr dieses ersten Jahrzehntes des 21. Jahrhunderts...

Ein frohes und glückliches neues Jahr der ganzen großen venezolanischen Familie!!

Auch im Jahr 2010 werden wir siegen!!

Quelle: http://www.pcv-venezuela.org/

* "Arepera" heißt Maisspeisenrestaurant. In den sozialistischen Maisspeisenlokalen werden die in Venezuela populären "Arepa" genannten gefüllten Maisfladen für nur 25% des marktüblichen Preises angeboten.

** 1810 begannen die Unabhängigkeitskriege Venezuelas gegen Spanien.

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