|
Staatsbesuch
in Moskau:
Chávez
betrachtet Putin als „antiimperialistischen“ Bündnispartner
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Quelle:
Tribuna
Popular vom 28. Juni 2007
Moskau,
Russische Föderation, 28. Juni, Tribuna Popular (TP).- Der Präsident der
Bolivarianischen Republik Venezuela Hugo Chávez Frías begann gestern
eine Reise in die Russische Föderation, die ein Gespräch mit Präsident
Wladimir Putin und dem höchsten Vertreter der Handelskammer Jewgeni
Primakow einschließt. Aus Venezuela von der Eröffnung des
Lateinamerika-Cups herkommend, traf Präsident Chávez um 17 Uhr
venezolanischer Zeit auf dem Flughafen Wnukowo in Begleitung der Minister
der Volksmacht für Energie und Erdöl Rafael Ramírez, für
Grundstoffindustrien und Handel José Khan, Außenminister Nicolás Maduro
Moros und Kommunikations- und Informationsminister William Lara ein. Der
neue Staatsbesuch des venezolanischen Staatschefs umfasst auch eine Prüfung
der Fortschritte aus den mit seinem Amtskollegen Putin unterzeichneten
Abkommen, welche ermöglichten, dass die bilateralen Beziehungen sich auf
den Gebieten Schwertransporte und Technologien vertieft haben. Gegenwärtig
untersuchen Venezuela und Russland die Möglichkeit, eine Aluminiumhütte
in Venezuela aufzubauen, sagte der Botschafter der Bolivarianischen
Republik Venezuela in Russland Alexis Navarro Rojas. Er erklärte, dass es
darum geht, dieses Werk in dem lateinamerikanischen Land mit dem Zweck zu
errichten, Produkte aus dem Rohstoff Venezuelas mit russischer Technologie
herzustellen. Der Botschafter Navarro Rojas hob hervor, dass hinter dieser
Initiative der Gedanke steckt, die venezolanische Wertschöpfung aus
Aluminiumderivaten zu steigern. Venezuela habe in diesem Industriezweig
große Potenziale. Ebenso hob der Diplomat hervor, dass die mögliche
Einfuhr von russischen Krankenwagen und Bohrausrüstungen von Venezuela
geprüft würde. Letztere seien für die einheimische Erdölindustrie
PdVSA bestimmt.
Als
sehr wichtig hob der Präsident der Bolivarianischen Republik Venezuela
Hugo Chávez Frías die von der russischen Regierung unter Wladimir Putin
bezüglich der Hegemoniebestrebungen der USA-Regierung gegenüber der Welt
eingenommene Position hervor. Bei seiner Anreise in die Stadt Moskau
versicherte der venezolanische Präsident, dass die jüngsten Erklärungen
seines Amtskollegen Wladimir Putin auf dem letzten G8-Gipfel überzeugend
und in Verteidigung der Souveränität der Völker erfolgten. „Das war
eine sehr feste Position, seit geraumer Zeit habe ich keinen russischen Präsidenten
so vom Imperium sprechen hören, als Anwalt der Achtung der Souveränität“,
äußerte er. Er führte aus, dass George W. Bush bei seiner kürzlichen
Europa-Visite die Völker missachtete, indem er klarmachte, dass der
Kosovo unabhängig gemacht werden müsste. Und er hob hervor, dass „das
erste Volk, dass sich unabhängig machen müsste, das Volk der USA ist,
welches ein vom Imperium unterdrücktes Volk ist“. Diesbezüglich
verwies er auf die Beratung des Präsidenten Putin mit seinen Amtskollegen
von Serbien und Albanien. Und er versicherte, dass „wir alle in der Welt
besorgt sein müssen, uns nicht von den Torheiten des nordamerikanischen
Imperiums unterbuttern zu lassen“. Er hielt für wichtig, dass die
Regierungen von Europa und Asien „eine besonders wichtige Rolle spielen
und den Weltdiktaturbestrebungen einer Personengruppe einen Riegel
vorschieben, welche glaubt, sie seien die Herren der Welt“. Gleichfalls
unterstrich er, dass es jeden Tag mehr die Völker und Regierungen sind,
welche sich in Bewegung setzen „und wir zeigen dem Imperium die Grenze
auf. Wie wir auch öffentlich die Notwendigkeit einer multipolaren Welt
vertreten, des Friedens“. Gleichzeitig äußerte er, dass die Position
Russlands diesbezüglich hoch positiv ist für „die, die wir bedroht
werden vom Imperium, die wir die Mehrheit der Völker der Welt sind, die rückständigsten
Völker, vor allem in Lateinamerika, welches 200 Jahre lang als des
Imperiums Hinterhof betrachtet worden ist, wo sie das Recht haben was zu
machen, was nicht zu machen, zu zerstören, wiederaufzubauen, Regierungen
einzusetzen, Regierungen zu zerschlagen, Regierungen zu töten, - damit
muss Schluss sein!“
Er
hob hervor, dass die Stärkung Russlands für Lateinamerika eine
ausgezeichnete Nachricht in verschiedener Hinsicht ist. Und dass diese
Nation „weiterhin stärker werden soll, ihren neuen Weg umreißen möge
und die Welt zur Achtung, zur Souveränität, zum Frieden und zur
internationalen Demokratie aufrufen soll“. Gleichfalls bekräftigte der
Präsident Chávez die Erklärungen des Präsidenten der Industrie- und
Handelskammer Russlands Jewgeni Promakow, welcher erklärte hatte, dass
Russland nicht hinter den Vereinigten Staaten hinterher trotten wird.
Russland wird auf eigenen Füssen laufen.
Trotz
der Bemühungen der russischen Kommunisten
Putin
verhindert Rede von Hugo Chávez vor russischem Parlament
Moskau,
Russische Föderation, 28. Juni. Tribuna Popular (TP).- Trotz der von der
Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) realisierten Bemühungen,
damit der Präsident der Bolivarianischen Republik Venezuela Hugo Chávez
Frías vor der Duma, dem Unterhaus des russischen Parlaments, am morgigen
Freitag in der Plenarsitzung reden kann, wurde dies von Putin blockiert.
Bis jetzt hatten nur zwei Staatschefs ein solches Vorrecht: der von
Belarus, Alexander Lukaschenko, und der Kasachstans, Nursultán
Nasarbajew. Aber eine in der letzten Minute erfolgte Veränderung der
Tagesordnung hat alles umgeworfen. Die Gruppe „Vereintes Russland“ mit
ihrer Mehrheit in der Duma und mit der Unterstützung des Präsidenten
Wladimir Putin blockierte gestern die Initiative. Es gab lediglich eine
Begegnung mit den russischen Gesetzgebern im „Wappensaal“ im
Parlamentsgebäude mit einer Kapazität von 40 Personen. Dieser Umstand
hat die Wut der kommunistischen Parlamentarier hervorgerufen, von denen
die Idee ausging, Chávez im Parlamentssaal das Wort zu erteilen.
Dies
zeigt die Zweigleisigkeit der Politik der Putin-Regierung. Einerseits
prahlt sie mit ihrer Haltung eines Vermittlers und Ansprechpartners für
die fortschrittlichen Länder antiimperialistischen Wesens (Iran, Belarus,
KVDR, Hamas-Palästinenser). Und andererseits beschloss Putins Anhängerpartei
mit 232 gegen 131 Stimmen, dem lateinamerikanischen Amtsinhaber den
Plenarsaal für die Begrüßung der 450 Gesetzgeber der Kammer zu
verweigern.
Kommunistische
Gesetzgeber, Unabhängige und andere Minderheitsgruppen der Legislative
haben gegen die Haltung der Regierungspartei protestiert. Mit ihrem Kampf
in den letzten drei Wochen zur Überzeugung der Partei VU von Putin hatten
sie keinen Erfolg. Putin fürchtet offenbar, Chávez eine privilegierte
Tribüne am Vorabend des Treffens des russischen Präsidenten mit dem Chef
des Imperiums George W. Bush zu geben. Victor Iljuchin, Abgeordneter der
Kommunistischen Partei und Befürworter eines Auftretens des
venezolanischen Präsidenten im Plenarsaal, sagte Präsident Chávez:
„In Venezuela gibt es einen radikalen Wechsel, und seine Erfahrung kann
für uns von Nutzen sein“.
Quelle:
BBC, El País |