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ERFOLG DES SOZIALISMUS IN CHINA - SCHEITERN DES KAPITALISMUS IN INDIEN

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Caracas, 17. August 2010, Tribuna Popular TP / mit freundlicher Genehmigung von Civilización Socialista. (auf Kommunisten-online am 2. September 2010) – Die chinesische Volksrevolution inspiriert die Revolutionen der Völker in Nepal, Indien und den Philippinen. Wie sie auch die Große Sozialistische Oktoberrevolution Rußlands, die Volksrevolutionen Vietnams, Koreas und Kubas inspirieren.

1947 beendete Indien seine nationale Befreiung vom britischen Kolonialregime. 1949 siegte die nationale und soziale Befreiung in Gestalt der sozialistischen Volksrevolution unter Mao in China durch die Zerschlagung der pro-imperialistischen und faschistischen Guomindang-Partei.

Der Verelendungsgrad der Völker Chinas und Indiens war zu Beginn ihrer Unabhängigkeit vergleichbar ähnlich. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts betrug die Lebenserwartung in China 35 Jahre und in Indien 32 Jahre. In Indien war die Unterdrückung der Frauen durch den Sati-Kult extrem ausgeprägt, in China litten die Frauen extrem unter der Unterdrückung in Form des Bindens der Füße.

Mit der nationalen Befreiung 1947 bzw. 1949 schlug Indien unter Führung von Jawaharlal Nehru den kapitalistischen Entwicklungsweg ein, während die Volksrepublik China unter Führung der Kommunistischen Partei Chinas den sozialistischen Entwicklungsweg in Umsetzung der Theorie der "Neuen Demokratie" einschlug. Trotz der von den Kommunisten Indiens in den indischen Bundesstaaten Kerala, Punjab und Westbengalen eingeleiteten demokratischen Bodenreform wurde diese demokratische Bodenreform letztlich weder in ganz Indien durchgeführt noch in den genannten indischen Bundesstaaten vollendet. Die Macht der Großgrundbesitzer blieb in Indien ungebrochen. Dort ging auch die Unterdrückung der Kleinbauern und landlosen bäuerlichen Bevölkerung nach der Unabhängigkeit weiter. Das kapitalistisch sich entwickelnde Indien behielt auch das traditionelle rückständige Kastenwesen zur Unterdrückung der für minderwertig erklärten Kasten der Dalits und Adivasi bei. Die Tatsache, daß die Präambel der indischen Verfassung von 1976 das Wort "sozialistisch" enthält, bedeutet nicht mehr als das enorme Ansehen des Sozialismus bei den Völkern Indiens und Asiens.

In China begannen die Kommunisten bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in den von ihnen kontrollierten Gebieten mit der demokratischen Bodenreform. Ab 1949 wurde die Bodenreform dann in der gesamten Volksrepublik China vollendet. Das Land wurde unter den Bauern aufgeteilt, die Pachtbeträge wurden für die Landbevölkerung gesenkt und Formen der gemeinschaftlichen Produktion entwickelt, die viele Dörfer einbezogen und den Bauern soziale Dienstleistungen verschafften. Kollektiv wurden Infrastruktur-Einrichtungen aufgebaut, die die Produktion verbesserten. Darunter Bewässerungssysteme, Fischereigenossenschaften, Neulanderschließungen, Forstwirtschaften.

Schon in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es erhebliche Unterschiede zwischen Indien und China. 1951 lag die Lebenserwartung in Indien bei 32,11 Jahren und 1953 in China bei 40,3 Jahren. Die Kindersterblichkeit in China verringerte sich auf die Hälfte zwischen 1949 und 1957.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts lag die Lebenserwartung in China bei 63,6 Jahren (Männer) und 66,3 Jahren (Frauen), aber in Indien nur bei 49,4 Jahren. Wenn schon der maoistische Fehler des "Großen Sprungs nach vorn" schätzungsweise eine vermeidbare Sterblichkeit von 30 Millionen Chinesen verursachte, dann schätzt der indische Wirtschaftswissenschaftler die von der kapitalistischen Entwicklung Indiens verursachte alljährliche Sterblichkeit in Indien auf 4 Millionen Inder.

Die indische "grüne Revolution" hat das Problem der extremen Armut nicht gelöst. 43% der Landbevölkerung besitzt kein Land oder zuwenig Land für die eigene Ernährung. In Andhra Pradesh häufen sich die Selbstmorde von hochverschuldeten und verelendeten Kleinbauern.

Heute beträgt die Lebenserwartung in China 72 Jahre, demgegenüber in Indien 64 Jahre.

In Bihar, Uttar Pradesh, Westbengalen und 5 weiteren indischen Bundesstaaten gibt es über 421 Millionen Menschen, die an Hunger leiden (lt. Armutsindex), während in China 200 Millionen Menschen in den letzten Jahrzehnten aus der Armut herausgekommen sind.

Viele arme Bauern in Indien, Nepal und den Philippinen haben die Bodenreform von Mao als Beispiel vor Augen, der sie folgen möchten.

Quelle: http://civilizacionsocialista.blogspot.com/

Quelle: http://www.tribuna-popular.org/

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Ein falscher Ansatz

Falsche Beurteilung der Entwicklung in China

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 02, September 2010 – Den Artikel der Genossen aus Venezuela kann nicht unkommentiert gebracht werden. Ich meine nämlich, er enthält wesendliche Fehler.

1. Soziologistischer Ansatz

Ich bin mit dem Autor der gleichen Ansicht, was die Beurteilungen Indien  und China betrifft. Die kapitalistische Entwicklung in Indien hat zur Zementierung des Massenelends aus der  Kolonialzeit geführt und nur einer hauchdünnen Schicht Reicher genützt – trotz  massiver Wirtschaftshilfe des Westens.

Aber diese Entwicklung und die in der VR China mittels der  Lebenserwartung zu messen, ist allerdings an  die Entwicklung mittels der bürgerlichen Soziologie heran zu gehen. Wenn man nämlich z.b. die Sterblichkeit westlicher Länder dagegen hält, dürfte die Lebenserwartung der  Bevölkerung des Westens höher sein. Hier wurde etwas verglichen, was nicht vergleichbar ist.

Ohne weiter auf Indien ein zugehen, will ich hier einige Aspekte der Politik in China beleuchten.

2. Politisch-ökonomische und ideologische Entwicklung der Klassenkämpfe in der Volksrepublik China

In TP steht: „Die chinesische Volksrevolution inspiriert die Revolutionen der Völker in Nepal, Indien und den Philippinen. Wie sie auch die Große Sozialistische Oktoberrevolution Rußlands, die Volksrevolutionen Vietnams, Koreas und Kubas inspirieren.“

Dem stimme ich zu. Der Sieg der Volkskräfte in China unter Führung der Kommunistischen Partei und der kommunistischen Weltbewegung – damals unter Führung Stalins – war ein wichtiger Schlag gegen den Imperialismus, von dem er sich erst Jahrzehnte später erholt hatte. Nämlich dann, als die modernen Revisionisten die UdSSR und das sozialistische Lager gegen die Wand gefahren hatten und in China sich Deng Xiaopings Linie durchsetzte.

Der Autor der TP schreibt aber auch:

„Wenn schon der maoistische Fehler des "Großen Sprungs nach vorn" schätzungsweise eine vermeidbare Sterblichkeit von 30 Millionen Chinesen verursachte…“

Woher hat er diese Weisheit? Er dürfte Opfer der bürgerlichen Propaganda und Geschichtsfälschung geworden sein.

2.1. Mao: „Lasst hundert Blumen blühen…“

Was passierte damals, in der 2. Hälfte der 50er Jahre?

1. In der Sowjetunion fand 1956 der 20. Parteitag der KPDSU und die Entstalinisierung statt, begleitet von einem sog. Tauwetter in der Kultur. So wurde z.B. 1957 der Monumentalfilm „Der stille Don“ über den Bürgerkrieg nach der Revolution gedreht, Er wurde – zumindest in der DDR – mit viel Propagandaaufwand ans Volk gebracht. Ein Besuch des Films war – ich war damals in einer Ausbildungseinheit der Bereitschaftspolizei in Potsdam – Pflicht. Wir gingen alle gemeinsam ins Kino, um diesen Film zu sehen Und  es gab Dokumentarfilme über diesen Film zusätzlich.

Im Film wurden die Revolutionäre der Roten Armee als gleichwertig mit den Weißgardisten hingestellt. Man wechselte die Kriegsfronten nach Gutdünken. mal waren die Protagonisten bei den Weißen, mal bei den Roten

Der Film wurde gedreht nach dem Roman von Michail Alexandrowitsch Scholochow „Der Stille Don“. Bezeichnend ist, dass Scholochow 1965 dafür den Literaturnobelpreis bekam. Das war in der Zeit des Kalten Krieges, wo – wenn schon Autoren aus sozialistischen Länder den Nobelpreis bekamen – die mit ihren Schriften den Sozialismus verunglimpften: so Boris Pasternak und Alexander Solschenizyn.

2, In der Volksrepublik China erschien die Schrift Mao tsetungs „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke“

In dieser Schrift ist zu lesen:

Die Richtlinie, hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern zu lassen, soll dem Aufblühen der Künste und dem Fortschritt der Wissenschaft, dem Gedeihen einer sozialistischen Kultur in unserem Lande dienen. Unterschiedliche Formen und Stilarten können sich in der Kunst frei entwickeln, und unterschiedliche wissenschaftliche Schulen können frei miteinander wetteifern. Unserer Meinung nach würde es für die Entfaltung von Kunst und Wissenschaft schädlich sein, wenn durch administrativen Zwang ein bestimmter Kunststil oder eine bestimmte Schule durchgesetzt wird und andere verboten werden. Was in Kunst und Wissenschaft richtig oder falsch ist, soll durch freie Diskussion unter Künstlern und Wissenschaftlern und in der praktischen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit entschieden werden. Es darf nicht auf simple Weise geregelt werden.“[1]

Das liest sich wie die chinesische Variante des „Tauwetters“ Chruschtschows und seiner These von Staat des ganzen Volkes. Und tatsächlich erschienen in China antisozialistische Schriften und Ideen und es gab separatistische Bestrebungen in einigen Regionen. So auch in Tibet, Dort kam es sogar zu Revolten gegen die Zentralmacht in Peking. Dahinter steckte die Kamarilla von Klerikern um den Dalai Lama und Banden von Adligen und Großgrundbesitzern, die von der CIA gesponsert wurden.

Mao tsetungs Richtlinie von den hundert Blumen ist somit schon vom Ansatz her falsch. Die fortschrittlichen Ideen werden gleichgestellt mit den rückständigen, die revolutionären mit den konterrevolutionären und die sozialistischen mit den kapitalistisch-imperialistischen. Alle sollen blühen und miteinander streiten. Ein bürgerlicher, ein liberalistischer Ansatz.

2.2. Mao: Der Widerspruch zwischen dem Proletariat und Teilen der Bourgeoisie ist nichtantagonistisch

Mao schreibt weiter in seinem Werk „Über die richtige Behandlung der Widersprüche in Volke“:

Zu den Widersprüchen im Volke gehören unter den gegenwärtig in China bestehenden Verhältnissen: Widersprüche innerhalb der Arbeiterklasse, Widersprüche innerhalb der Bauernschaft, Widersprüche innerhalb der Intelligenz, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, Widersprüche zwischen Arbeitern und Bauern einerseits und der Intelligenz anderseits, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse und anderen Werktätigen einerseits und der nationalen Bourgeoisie anderseits, (…) usw. Unsere Volksregierung ist eine Regierung, die wirklich die Interessen des Volkes vertritt und dem Volke dient, doch bestehen auch gewisse Widersprüche zwischen der Regierung und den Volksmassen. (,,,) All das sind auch Widersprüche im Volke. Im allgemeinen sind die Widersprüche im Volke solche, die auf ' dem Boden der grundlegenden Einheit der Interessen des Volkes entstehen.“[2] (hervorgehoben von mir. G.A.) und:

„In unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk. Der Klassenkampf zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie gehört im allgemeinen zum Klassenkampf innerhalb des Volkes, da der Charakter der nationalen Bourgeoisie in unserem Land zwiespältig ist.“

Auch hier die Parallele zu Chruschtschows Linie nach dem 20. Parteitag vom Staat des ganzen Volkes.

Proletariat und Bourgeoisie trennen nicht grundlegende Klassenwidersprüche, es besteht kein Klassenkampf, der mit der Vernichtung der Bourgeoisie enden muss, sondern die allumfassende „Volksregierung“ richtet es schon, denn sie „ist eine Regierung, die wirklich die Interessen des Volkes vertritt und dem Volke dient,“

Das Volk, dem diese Regierung dient, herrscht im Sinne eines Volkes Proletariat und (nationale) Bourgeoisie ziehen an einem Strick, Nun, dieser Strick legt sich aber in der Regel um den Hals der Arbeiterklasse und eine Regierung, die die Interessen beider Klassen vertritt, entpuppt sich immer als eine, die letztlich der Bourgeoisie dient.

Natürlich muss eine sozialistische Regierung in einem Land, wie damals China, das bis 1949 im Kampf gegen die japanischen Besatzer und dann die Statthalter der Imperialisten, den Kuomintang unter Chiang Kai-shek, befand, sich eines jeden Verbündeten versichern. Dazu gehört auch die nationale Bourgeoise. Die wurde von den Imperialisten an ihrer Entwicklung gehindert und betrachtete diesen als ihren Feind. Aber gleichzeitig waren sie auch Feinde des Sozialismus. Sie waren also nur zeitweilige Verbündete und keine dauerhaften.

Der Klassenwiderspruch zwischen diesem Teil der Bourgeoisie und dem Proletariat ist selbstverständlich antagonistisch. Hier gilt das, was Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei in die Zeit vor der bürgerlichen Revolution so formulierten:

„In Deutschland kämpft die Kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinbürgerei.

Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeiführen muß, als ebenso viele Waffen gegen die Bourgeoisie kehren können, damit, nach dem Sturz der reaktionären Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die Bourgeoisie selbst beginnt.“[3]

Marx und Engels sahen, trotz des gemeinsamen Gegners der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie, den Feudalismus, keine Harmonie dieser Klassen, sondern „Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeite“[4]

Genau hier ist der Unterschied zwischen revolutionärer Strategie und Taktik und revisionistischer Verfälschung des Marxismus-Leninismus. Hat Mao das so gemeint? Kannte er den Marxismus-Leninismus nicht, der genau von der Wahrheit ausgeht, dass der Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Proletariat immer ein antagonistischer ist und dass das Proletariat den Klassenkampf mit dem Ziel führen muss, die Bourgeoisie als Klasse zu liquidieren. und, dass das nur in einem revolutionären Kampf unter Führung der Kommunistischen Partei, erfolgreich sein kann. Wusste Mao tsetung das nicht? Ich mag es nicht glauben!

 2.3 Der Große Sprung nach vorn

Ich bin mir sicher, dass sich hier die andere Fraktion in der Führung der KP Chinas durchgesetzt hatte.

Offiziell war der Große Sprung nach vorn ein Versuch, das rückständige Agrarland mit feudalen Überresten, China, in ein  modernes Land zu verwandelt, ohne die sozialistischen  Grundlagen zu verlassen.

Hier im Westen wurden die Kleinhochöfen in den Vordergrund gestellt und die „Blauen Ameisen“ – Millionen  Chinesen in blauen Uniformen beim Arbeitseinsatz – gezeigt.

Ich versuche eine dialektisch-historische Analyse des „Großen Sprungs“, muss aber feststellen, dass mir viel Hintergrundwissen fehlt. Auch sind die damaligen Ereignisse in China nach 50 Jahren immer noch hinter einem Nebel von imperialistischen und revisionistischen Propagandalügen, Rechtfertigungen und Fehlinterpretationen verborgen:

- Da sind zum Einen die damalige Kalte-Kriegspropaganda des Westens, nach der es damals ein riesiges Chaos in China gab und eben gewaltige Hungersnöte mit 30 Millionen Toten.

- Die Propaganda der revisionistischen Führung der KPDSU und die der damals hinter ihr stehenden Parteien gegen die Maoisten und

- Das Desinteresse der heutigen Führung Chinas an einer richtigen Darstellung der Ereignisse.

Ich kann es also nur so bringen, wie ich es damals wahrgenommen habe, also als einen Kommunisten, der sich gegen die Revisionisten um Chruschtschow wandte und der KP China gewisse Sympathien entgegen brachte.

Der „Große Sprung nach vorn“ war eine wichtige revolutionäre Umwälzung in der jungen VR-China. Der Große Sprung war nicht nur jene Kleinhochöfen, sondern war eine Massenbewegung für ein sozialistisches China und gegen die feudalen Überreste im Land.

Für mich war das Wichtigste, dass in China die Volkskommunen gebildet wurden. Das waren keine Hyper-Kolchosen, also ein Zusammenschluss von mehreren landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, sondern es war mehr.

Neben der Landwirtschaft, also Ackerbau, Viehzucht usw., gehörte auch Landgewinnung, also Terrassenfelder, zum Reisanbau. das Schaffen von  Infrastrukturen, Industrieproduktion dazu, sondern auch alle Bereiche von Sozialleistungen, Häuserbau, Straßenbau, Versorgung, Altenbetreuung, Gesundheitswesen usw. hinzu. Natürlich auch die hier im Westen belächelten Kleinhochöfen.

An sich waren diese Miniproduktionsanlagen zur Roheisengewinnung  ein Flop. Denn das Eisen, das sie herstellten, war minderwertig und nicht zu gebrauchen. Aber Millionen  Chinesen, die unter feudalen Bedingungen  aufwuchsen, hatten  das erste Mal Kontakt zu industrieller Produktion und lernten Prozesse kennen, von denen sie  bisher keinen Schimmer hatten. Das war sehr wohl ein Erfolg.

Wie der Autor des Artikels zur Ansicht kommt: „Wenn schon der maoistische Fehler des "Großen Sprungs nach vorn" schätzungsweise eine vermeidbare Sterblichkeit von 30 Millionen Chinesen verursachte…“ entzieht sich meiner Kenntnis.

Es gab aber in China im Jahre 1959/1960 einen erheblichen Mangel an Nahrungsmitteln. Die Ursache war zum einen schwere Naturkatastrophen, die die Ernte ganzer Landstriche vernichteten, aber auch politische Fehleinschätzungen, Schönrederei der örtlichen und regionalen Kader über Ernteerträge und falsche Entscheidungen über Importe und Exporte der Regierung. So exportierte China 1959 erhebliche Mengen Getreide in die Sowjetunion. Das, obwohl die Ernteerträge in China dramatisch gesunken waren. Ministerpräsident Chou En-Lai wollte damit Schulden an die UdSSR abtragen.

Aber dieser Mangel an Nahrungsmitteln jetzt dem „Großen Sprung nach vorn“ anzukreiden, halte ich für Unsinn. Im Gegenteil. Die Schaffung von Infrasturverbesserungen, Erhöhung der Anbauflächen, besser technische Ausstattung der Landwirtschaft, rationellerer Anbau auf Großflächen  usw. milderte eher den Nahrungsmangel.

Wenn aber örtliche und regionale Kader Phantasiezahlen an Ernteerträgen erfinden, wenn Spitzenkader daraus fantastische Schlüsse und Planvorgaben errechnen, so ist es ein ideologisches Problem einer Verbürgerlichung der Partei.

2.4 Wie aber ist es mit den Unruhen in Tibet?

Hierzu sei festgestellt, dass Tibet seit Jahrhunderten zum Chinesischen Reich gehört. Auch die Kuomingtang-Regierung Chiang Kai-sheks hat den Anspruch Chinas auf Tibet nie aufgegeben.

1950 dann entschloss sich die Regierung der VR-China ihren Anspruch, die Oberhoheit über Tibet zu haben, durchzusetzen und besetzte das Land. Aber ansonsten griff sie kaum in die inneren Angelegenheit Tibets ein, die feudalen Verhältnisse wurden nicht angetastet; es gab weiter Sklaven und Leibeigene auf der einen und adlige Grundbesitzer, sowie Kleriker der lamaistischen Klöster auf der anderen Seite. Letztere hatten die Macht und den Besitz und nahmen dies auch mit brutalsten Mitteln wahr. Anna Louise Strong, eine amerikanische  Journalistin und Schriftstellerin, schrieb damals, nach dem Besuch einer Ausstellung über die Methoden der Feudalherren in Tibet:

Im Jahre 1959 besuchte Anna Louise Strong eine Ausstellung über Folterwerkzeuge, die von tibetischen Landlords benutzt wurden. Man sah dort Handschellen aller Größen inklusive von kleinen für Kinder ferner Instrumente zum Ausstechen der Augen, solche zum Brechen der Hände und zum Zerschneiden der Achillessehnen. Es gab Brandzeichen, Peitschen und spezielle Geräte zum Aufschlitzen des Bauches. Die Ausstellung präsentierte Fotographien und Zeugenaussagen von Opfern, die geblendet oder verstümmelt worden waren wegen Diebstahl. Da gab es den Schäfer, dessen Herr ihm eine Entschädigung schuldete in Yuan und Weizen, sich aber weigerte zu zahlen. Als er sich darauf eine Kuh seines Herrn nahm, wurden ihm die Hände abgehackt. Einem anderen Hirten wurden die Hände gebrochen, weil er sich darüber beschwert hatte, daß sein Herr ihm seine Frau weggenommen hatte. Man sah Bilder von kommunistischen Aktivisten mit abgeschnittenen Nasen und Oberlippen und von einer Frau, der nach ihrer Vergewaltigung die Nase abgeschnitten wurde.“[5]

Im Zuge des „Großen Sprungs nach vorn“ endete diese absurde Situation. Das Land wurde, wie überall in China, den Großgrundbesitzern und den Klöstern weg genommen und die politische Priesterherrschaft beendet.

Dass sich die Nutznießer der alten Verhältnisse nicht eben darüber freuten. Ist klar. Angestiftet von den Imperialisten des Westens zettelten sie einen „Aufstand“ in Tibet an, der allerdings mit der  Niederlage der Feudalherren endete. Deren Oberhaupt, der Priesterkönig Dalai Lame, verließ mit einigen seiner Leute das Land und befindet sich seitdem im indischen Exil.

Dass dieser Aufstand Opfer forderte, ist klar, aber waren das Opfer des Großen Sprungs oder waren das Opfer der Feudalherren und der Imperialisten?

3. Kampf gegen den modernen Revisionismus durch die KP-Chinas

Festzustellen ist, dass die KP Chinas sich zunächst nicht gegen Chruschtschow und seine Rede am 20. Parteitag wandte. Das tat damals nur die Partei der Arbeit Albaniens (PAA) und deren Vorsitzender Enver Hoxha.

Mit dem Scheitern der Kampagne der Hundert Blumen trat zunächst Mao tsetung in den Hintergrund. Offenbar setzten sich Kräfte durch, die sich auf dem Boden des Marxismus-Leninismus befanden. Aber erst im Juni 1963 kritisierte das ZK der KP Chinas, nachdem sie mehrfach von der PAA aufgefordert, ja gedrängt worden  waren, den  revisionistischen Kurs der damaligen Führung der KPDSU[6] entgegen zu treten.

Die Kritik der KP Chinas am Kurs Chruschtschows von 1963 war und ist das der vorläufige Höhepunkt des Kampfes gegen den modernen Revisionismus. So wandten sich die chinesischen Genossen gegen  die revisionistische Auslegung der friedlichen Koexistenz durch die Führung der KPDSU und schrieben u.a,

„Bei der Anwendung der Politik der friedlichen Koexistenz sind Kämpfe auf politischem, wirtschaftlichem und ideologischem Gebiet zwischen den sozialistischen und imperialistischen Staaten unvermeidlich, und eine „allseitige Zusammenarbeit“ ist absolut unmöglich. …

Unserer Ansicht nach muß die Generallinie der Außenpolitik sozialistischer Staaten folgende Punkte zum Inhalt haben: In Übereinstimmung mit den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, Beziehungen der Freundschaft, gegenseitigen Hilfe und Zusammenarbeit mit den Ländern des sozialistischen Lagers entwickeln; auf Grundlage der Fünf Prinzipien die friedliche Koexistenz mit Ländern unterschiedlicher Gesellschaftsordnung anstreben und die imperialistische Aggressions- und Kriegspolitik bekämpfen; alle unterdrückten Völker und Nationen in ihrem revolutionären Kampf unterstützen. Diese drei Dinge sind miteinander untrennbar verbunden und kein einziges darf ausgelassen werden,“[7]

Die Antwort der Revisionisten auf diese marxistisch-leninistische Linie war, der chinesischen  KP, der albanischen PAA und allen, die diese Linie verfochten, zu unterstellen, sie seien für Krieg, ja sogar sie würden die Vernichtung der Menschheit mit Atomwaffen riskieren wollen.

Zu Chruschtschows „Staat des ganz en Volkes“ schrieben die chinesischen Genossen:

Wenn man den sozialistischen Staat als „Staat des ganzen Volkes“ bezeichnet, bedeutet das nicht, daß man die bürgerlichen Theorien über den Staat anstelle der marxistisch-leninistischen Theorie über den Staat setzt? Bedeutet das nicht, einen Staat anderen Charakters anstelle des Staats der Diktatur des Proletariats setzen?

    Wenn ja, dann ist das nichts anderes als ein großer geschichtlicher Rückschritt. Die Entartung des gesellschaftlichen Systems in Jugoslawien stellt eine ernste Lehre dar.“ [8]

Die revisionistische Position Chruschtschows von “Partei des ganzen Volkes“ wird ebenso entschieden als verräterisch demaskiert:

„Für Marxisten-Leninisten gibt es keine klassenlose, keine über den Klassen stehende Partei. Alle Parteien haben Klassencharakter. Parteilichkeit ist der konzentrierte Ausdruck des Klassencharakters.“[9]

Dieser  „Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung“ von 1963 der KP Chinas war und ist das Kredo des Kampfes gegen den modernen Revisionismus in allen kommunistischen Parteien. Jeder, der sich Kommunist oder Marxist-Leninist nennt, muss sich hieran messen lassen.

Auch Kurt Gossweiler hat in seiner Auseinandersetzung mit dem modernen Revisionismus diese Thesen wieder aufgegriffen. Sein  Verdienst ist es, diese, von vielen vergessenen Thesen – allen voran die heutige Führung der KP Chinas – wieder aufgegriffen und weiter untermauert zu haben. Er ist also nicht der Erfinder des Kampfes gegen den modernen Revisionismus, aber er hat das wieder aufgegriffen, was damals von chinesischen und albanischen Kommunisten und vielen Kommunisten aller  Länder, vertreten wurde.

4, Die sog. Große Proletarische Kulturrevolution in der VR-China

Die Massenbewegung in China ab 1966 verwirrte uns zunächst. Die Meldungen warf

en sehr widersprüchlich, auch erschien  das Vielen zu sehr auf die Verehrung der Person Mao tsetungs hinaus zu laufen.

Dann aber vertraten wir und viele mit uns, die  Meinung, das sei der richtige Weg, die Partei und den Staatsapparat von verbürgerlichten Elementen zu säubern. Wir sagten damals, dass das die richtige Erkenntnis aus dem Fehler Stalins sei, die Säuberungen mittels der Geheimpolizei durchzuführen, Mao bediene sich, richtigerweise, der Massen.

Heute hege ich allerdings erhebliche Zweifel, Es waren nicht die Massen, die die Kulturrevolution trugen, sondern eine studentische Elite. Die Arbeiterklasse blieb weitgehenst außen vor.

Auch wurde die Auseinandersetzung nicht offen geführt. So erschienen in Artikeln der Peking Rundschau Polemiken gegen  den „obersten Führer in der Partei, der den kapitalistischen Weg geht“. Gemeint war der Präsident der V R China, Liú Shàoqí. Sein Name aber tauchte nirgendwo auf. Selbst bei der 1. großen Massendemonstration am Tian'anmen-Platz war Liú Shàoqí neben Mao tsetung, Lin Biao und Zhou-Enlai auf darf Tribüne.

Ich verzichte hier auf eine Analyse der Kulturrevolution, das wäre ein eigener langer Artikel. Nur soviel: Der Kampf gegen den modernen Revisionismus wurde,  genau genommen, eingestellt. Stattdessen wurde die Sowjetunion als „sozialimperialistisch“ bezeichnet, in der eine neue Klasse herrsche.

In der letzten Phase der Kulturrevolution, unter der sog. Viererbaande Jiang Qing, Zhang Chunqiao, Yao Wenyuan und Wang Hongwen, triftete dann alles ins Lächerliche ab.

IEs wurde eine Kampagne gegen Beethoven und Konfuzius geführt. Was beide miteinander zu tun hatten, entzieht sich meiner Kenntnis, auch war und bin ich der Meinung, dass Beethoven ein fortschrittlicher frühbürgerlicher Komponist gewesen ist.

Eine weitere Ungereimtheit ist das Ende von Lin Biao. Lin Bioa war Verteidigungsminister Chinas und galt als engster Vertrauter Mao tsetungs. Am 9. Parteitag der KP Chinas 1969 hielt er den Rechenschaftsbericht des ZK und wurde als stellvertretender Vorsitzender der KP China gewählt. Seine Funktion und die Maos als Vorsitzender der KP China, wurden sogar in das neue Statut geschrieben. Das war eine Praxis, die sehr ungewöhnlich für eine KP ist. Meines Wissens geschah das noch nie, selbst Lenin und Stalin wurden nicht statuarische als Spitzenfunktionäre festegelegt.

Und dann, knapp zwei Jahre nach dem Parteitag, verschwand lin Biao, angeblich verunglückte er bei einem Flugzeugabsturz, als er in die Sowjetunion fliehen wollte. Man warf ihm vor, er habe einen Staatsstreich geplant und er habe außerdem auf dem Parteitag einen gefälschten Rechenschaftsbericht verlesen.

Letzteres erscheint mir mehr als fraglich. Ein solcher Rechenschaftsbericht beschließt das ZK auf Vorschlag des Politbüros. Er ist niemals das Werk eines Einzelnen, sondern immer die Arbeit eines Kollektivs. Also kennen schon mehrere hundert Parteitagsdelegierte den richtigen Bericht. Das wäre zumindest einer ganzen Reihe ZK-Mitglieder aufgefallen.

Und dann, nachdem der angeblich gefälschte Bericht verlesen worden  war, wählte ihn der Parteitag zum stellvertretenden Vorsitzenden  und schrieb diese Funktion auch noch statuarisch fest. Sehr sonderbar das alles.

5. Wie sozialistisch ist China heute?

Nach Maos Tod und dem Ende der Kulturrevolution ging China sehr schnell den Weg zum Kapitalismus. Und das erheblich schneller, als die Sowjetunion. Zwar regierten dort die modernen Revisionisten und vergifteten die Köpfe der Menschen mit ihren Ideen, aber in weiten Teilen wurden weder die kollektivierte Landwirtschaft und die Staatsgüter zerschlagen und des wurden auch keine kapitalistische Produktionsweise zugelassen. Das änderte sich erst 1990, also über dreißig Jahre nach dem 20. Parteitag.

Anders in China. Zunächst wurden Sonderwirtschaftszonen eingeführt. In denen ausländisches Kapital investieren konnte und das zu Bedingungen, die in westlichen Industriestaaten im 19. Jahrhundert möglich waren und dann von der Arbeiterbewegung Zug um Zug durch Erkämpfen von  Rechten gemildert wurden.

In den Sonderwirtschaftszonen in China gibt es keine Gewerkschaften, darf ungezügelt ausgebeutet werden, die Arbeitsbedingungen sind unerträglich, Streikrecht gibt es nicht. Viele Arbeiter meeinen, es sei nur ein Ausweg möglich, der Selbstmord. Der Staat garantiert die ungezügelte Ausbeutung, wenn sich die Arbeiter organisieren wollen  oder gar streiken, greift die Staatsmacht der Partei, die sich noch kommunistisch nennt, gegen die Arbeiter ein.

Die Sonderwirtschaftszonen weiteten sich immer mehr aus. Aber man kann ebenso wenig nur ein Bisschen Kapitalismus ins Land lassen, wie auch ein Bisschen schwanger Unsinn ist. Die kapitalistische Produktionsweise setzte sich letztlich im Land durch.

Die Folge war, dass z.B. in den chinesischen Kohlebergwerken die Sicherheit gröblichst vernachlässigt wird und sie zu den gefährlichsten der Welt gehören.

Auch erreichte die Trennung von Stadt und Land ein  erschreckendes Niveau. Während sich in den Städten Neureiche und gut verdienende Profiteure der kapitalistischen Entwicklung bildeten, ist der Lebensstandard der Arbeiterklasse und der Landbevölkerung in Bodenlose gesunken. Gan z anders damals beim  Großen  Spru ng nach vorn . Damals näherten sich die Bedingungen auf dem Land durch die Vplkskommunen denen in den Städten an.

Die hohen Zuwächse der Industrie Chinas gehen auf das Elend der arbeitenden Menschen zurück und sind durch die Knochen der Arbeiter geschaffen.

Wenn einige aus der kommunistischen Bewegung – auch Kurt Gossweiler – China als sozialistisch bezeichnen, so verkennen sie die, dass das im Falle Chinas eine Mogelpackung ist, bei der der Wunsch Vater des Gedankens ist.

Es zählt nicht das Wunschbild, sondern die knallharte gesellschaftliche Realität. Und die besagt, dass die wichtigsten Produktionsmittel in China in privaten Händen sind, dass dort, wie auch hier, gesellschaftlich produziert wird, jedoch die geschaffenen Reichtümer privat von wenigen angeeignet werden.

Die chinesische Führung spricht von „harmonischen“ Sozialismus. Dieser Begriff gibt es im Marxismus-Leninismus nicht. Wenn es Klassen gibt, dann gibt es Klassenwidersprüche, folglich auch Klassenkampf. Und der kann nicht harmonisch sein. Die chinesische Harmonie ist die Harmonie der Friedhofsruhe, von oben  an geordnet und durchgesetzt mit Brachialgewalt und das zum Nutzen der Bourgeoisie – vor allem der ausländischen, aber nicht nur. Ist die Harmonie gemeint, die Mao tsetung 1957 in „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke“ als nicht antagonistischen Widerspruch zwischen Arbeiterklasse und nationaler Bourgeoisie bezeichnete?

G.H,


[1]  Mao tsetung: Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke (27. Februar 1957)

[2]  Ebenda

[3]  Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei siehe

[4] ebenda

[5]  Freundlicher Feudalismus: Der Tibet-Mythos von Michael Parenti siehe

[6]  ZK der KP Chinas: EIN VORSCHLAG ZUR GENERALLINIE DER INTERNATIONALEN KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG, Antwort des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas auf den Brief des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 30. März 1963  (14. Juni 1963) mehr

[7]  ebenda

[8]  ebenda

[9]  ebenda

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