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Ein
falscher Ansatz
Falsche
Beurteilung der Entwicklung in China
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 02, September 2010 – Den Artikel der Genossen aus Venezuela kann
nicht unkommentiert gebracht werden. Ich meine nämlich, er enthält
wesendliche Fehler.
1.
Soziologistischer Ansatz
Ich
bin mit dem Autor der gleichen Ansicht, was die Beurteilungen Indien
und China betrifft. Die kapitalistische Entwicklung in Indien hat
zur Zementierung des Massenelends aus der
Kolonialzeit geführt und nur einer hauchdünnen Schicht Reicher
genützt – trotz massiver
Wirtschaftshilfe des Westens.
Aber
diese Entwicklung und die in der VR China mittels der
Lebenserwartung zu messen, ist allerdings an
die Entwicklung mittels der bürgerlichen Soziologie heran zu
gehen. Wenn man nämlich z.b. die Sterblichkeit westlicher Länder
dagegen hält, dürfte die Lebenserwartung der
Bevölkerung des Westens höher sein. Hier wurde etwas
verglichen, was nicht vergleichbar ist.
Ohne
weiter auf Indien ein zugehen, will ich hier einige Aspekte der Politik
in China beleuchten.
2.
Politisch-ökonomische und ideologische Entwicklung der Klassenkämpfe
in der Volksrepublik China
In
TP steht: „Die chinesische
Volksrevolution inspiriert die Revolutionen der Völker in Nepal, Indien
und den Philippinen. Wie sie auch die Große Sozialistische
Oktoberrevolution Rußlands, die Volksrevolutionen Vietnams, Koreas und
Kubas inspirieren.“
Dem
stimme ich zu. Der Sieg der Volkskräfte in China unter Führung der
Kommunistischen Partei und der kommunistischen Weltbewegung – damals
unter Führung Stalins – war ein wichtiger Schlag gegen den
Imperialismus, von dem er sich erst Jahrzehnte später erholt hatte. Nämlich
dann, als die modernen Revisionisten die UdSSR und das sozialistische
Lager gegen die Wand gefahren hatten und in China sich Deng
Xiaopings Linie durchsetzte.
Der
Autor der TP schreibt aber auch:
„Wenn
schon der maoistische Fehler des "Großen Sprungs nach vorn"
schätzungsweise eine vermeidbare Sterblichkeit von 30 Millionen
Chinesen verursachte…“
Woher
hat er diese Weisheit? Er dürfte Opfer der bürgerlichen Propaganda und
Geschichtsfälschung geworden sein.
2.1.
Mao: „Lasst hundert Blumen blühen…“
Was
passierte damals, in der 2. Hälfte der 50er Jahre?
1.
In der Sowjetunion fand 1956 der 20. Parteitag der KPDSU und die
Entstalinisierung statt, begleitet von einem sog. Tauwetter in der
Kultur. So wurde z.B. 1957 der Monumentalfilm „Der stille Don“ über
den Bürgerkrieg nach der Revolution gedreht, Er wurde – zumindest in
der DDR – mit viel Propagandaaufwand ans Volk gebracht. Ein Besuch des
Films war – ich war damals in einer Ausbildungseinheit der
Bereitschaftspolizei in Potsdam – Pflicht. Wir gingen alle gemeinsam
ins Kino, um diesen Film zu sehen Und
es gab Dokumentarfilme über diesen Film zusätzlich.
Im
Film wurden die Revolutionäre der Roten Armee als gleichwertig mit den
Weißgardisten hingestellt. Man wechselte die Kriegsfronten nach Gutdünken.
mal waren die Protagonisten bei den Weißen, mal bei den Roten
Der
Film wurde gedreht nach dem Roman von Michail
Alexandrowitsch Scholochow „Der Stille Don“. Bezeichnend ist, dass
Scholochow 1965 dafür den Literaturnobelpreis bekam. Das war in der
Zeit des Kalten Krieges, wo – wenn schon Autoren aus sozialistischen Länder
den Nobelpreis bekamen – die mit ihren Schriften den Sozialismus
verunglimpften: so Boris Pasternak und Alexander Solschenizyn.
2,
In der Volksrepublik China erschien die Schrift Mao tsetungs „Über
die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke“
In
dieser Schrift ist zu lesen:
„Die
Richtlinie, hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander
wetteifern zu lassen, soll dem Aufblühen der Künste und dem
Fortschritt der Wissenschaft, dem Gedeihen einer sozialistischen Kultur
in unserem Lande dienen. Unterschiedliche Formen und Stilarten können
sich in der Kunst frei entwickeln, und unterschiedliche
wissenschaftliche Schulen können frei miteinander wetteifern. Unserer
Meinung nach würde es für die Entfaltung von Kunst und Wissenschaft
schädlich sein, wenn durch administrativen Zwang ein bestimmter
Kunststil oder eine bestimmte Schule durchgesetzt wird und andere
verboten werden. Was in Kunst und Wissenschaft richtig oder falsch ist,
soll durch freie Diskussion unter Künstlern und Wissenschaftlern und in
der praktischen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit
entschieden werden. Es darf nicht auf simple Weise geregelt werden.“
Das
liest sich wie die chinesische Variante des „Tauwetters“
Chruschtschows und seiner These von Staat des ganzen Volkes. Und tatsächlich
erschienen in China antisozialistische Schriften und Ideen und es gab
separatistische Bestrebungen in einigen Regionen. So auch in Tibet, Dort
kam es sogar zu Revolten gegen die Zentralmacht in Peking. Dahinter
steckte die Kamarilla von Klerikern um den Dalai Lama und Banden von
Adligen und Großgrundbesitzern, die von der CIA gesponsert wurden.
Mao
tsetungs Richtlinie von den hundert Blumen ist somit schon vom Ansatz
her falsch. Die fortschrittlichen Ideen werden gleichgestellt mit den rückständigen,
die revolutionären mit den konterrevolutionären und die
sozialistischen mit den kapitalistisch-imperialistischen. Alle sollen blühen
und miteinander streiten. Ein bürgerlicher, ein liberalistischer
Ansatz.
2.2.
Mao: Der Widerspruch zwischen dem Proletariat und Teilen der Bourgeoisie
ist nichtantagonistisch
Mao
schreibt weiter in seinem Werk „Über die richtige Behandlung der
Widersprüche in Volke“:
„Zu
den Widersprüchen im Volke gehören unter den gegenwärtig in China
bestehenden Verhältnissen: Widersprüche innerhalb der Arbeiterklasse,
Widersprüche innerhalb der Bauernschaft, Widersprüche innerhalb der
Intelligenz, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse und der
Bauernschaft, Widersprüche zwischen Arbeitern und Bauern einerseits und
der Intelligenz anderseits, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse
und anderen Werktätigen einerseits und der nationalen Bourgeoisie
anderseits, (…) usw. Unsere Volksregierung ist eine Regierung, die wirklich die Interessen
des Volkes vertritt und dem Volke dient, doch bestehen auch
gewisse Widersprüche zwischen der Regierung und den Volksmassen. (,,,)
All das sind auch Widersprüche im Volke. Im
allgemeinen sind die Widersprüche im Volke solche, die auf ' dem Boden
der grundlegenden Einheit der Interessen des Volkes entstehen.“
(hervorgehoben von mir. G.A.) und:
„In
unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der
nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk. Der Klassenkampf
zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie gehört im
allgemeinen zum Klassenkampf innerhalb des Volkes, da der Charakter der
nationalen Bourgeoisie in unserem Land zwiespältig ist.“
Auch
hier die Parallele zu Chruschtschows Linie nach dem 20. Parteitag vom
Staat des ganzen Volkes.
Proletariat
und Bourgeoisie trennen nicht grundlegende Klassenwidersprüche, es
besteht kein Klassenkampf, der mit der Vernichtung der Bourgeoisie enden
muss, sondern die allumfassende „Volksregierung“ richtet es schon,
denn sie „ist eine Regierung, die wirklich die Interessen des Volkes vertritt und
dem Volke dient,“
Das
Volk, dem diese Regierung dient, herrscht im Sinne eines Volkes
Proletariat und (nationale) Bourgeoisie ziehen an einem Strick, Nun,
dieser Strick legt sich aber in der Regel um den Hals der Arbeiterklasse
und eine Regierung, die die Interessen beider Klassen vertritt, entpuppt
sich immer als eine, die letztlich der Bourgeoisie dient.
Natürlich
muss eine sozialistische Regierung in einem Land, wie damals China, das
bis 1949 im Kampf gegen die japanischen Besatzer und dann die
Statthalter der Imperialisten, den Kuomintang unter Chiang Kai-shek,
befand, sich eines jeden Verbündeten versichern. Dazu gehört auch die
nationale Bourgeoise. Die wurde von den Imperialisten an ihrer
Entwicklung gehindert und betrachtete diesen als ihren Feind. Aber
gleichzeitig waren sie auch Feinde des Sozialismus. Sie waren also nur
zeitweilige Verbündete und keine dauerhaften.
Der
Klassenwiderspruch zwischen diesem Teil der Bourgeoisie und dem
Proletariat ist selbstverständlich antagonistisch. Hier gilt das, was
Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei in die Zeit vor
der bürgerlichen Revolution so formulierten:
„In
Deutschland kämpft die Kommunistische Partei, sobald
die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie
gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die
Kleinbürgerei.
Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst
klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie
und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter
sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die
Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeiführen muß, als ebenso viele
Waffen gegen die Bourgeoisie kehren können, damit, nach dem Sturz der
reaktionären Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die
Bourgeoisie selbst beginnt.“
Marx
und Engels sahen, trotz des gemeinsamen Gegners der Arbeiterklasse und
der Bourgeoisie, den Feudalismus, keine Harmonie dieser Klassen, sondern
„Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst
klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie
und Proletariat herauszuarbeite“
Genau
hier ist der Unterschied zwischen revolutionärer Strategie und Taktik
und revisionistischer Verfälschung des Marxismus-Leninismus. Hat Mao
das so gemeint? Kannte er den Marxismus-Leninismus nicht, der genau von
der Wahrheit ausgeht, dass der Widerspruch zwischen Bourgeoisie und
Proletariat immer ein antagonistischer ist und dass das Proletariat den
Klassenkampf mit dem Ziel führen muss, die Bourgeoisie als Klasse zu
liquidieren. und, dass das nur in einem revolutionären Kampf unter Führung
der Kommunistischen Partei, erfolgreich sein kann. Wusste Mao tsetung
das nicht? Ich mag es nicht glauben!
2.3
Der Große Sprung nach vorn
Ich
bin mir sicher, dass sich hier die andere Fraktion in der Führung der
KP Chinas durchgesetzt hatte.
Offiziell
war der Große Sprung nach vorn ein Versuch, das rückständige
Agrarland mit feudalen Überresten, China, in ein
modernes Land zu verwandelt, ohne die sozialistischen
Grundlagen zu verlassen.
Hier
im Westen wurden die Kleinhochöfen in den Vordergrund gestellt und die
„Blauen Ameisen“ – Millionen Chinesen
in blauen Uniformen beim Arbeitseinsatz – gezeigt.
Ich
versuche eine dialektisch-historische Analyse des „Großen Sprungs“,
muss aber feststellen, dass mir viel Hintergrundwissen fehlt. Auch sind
die damaligen Ereignisse in China nach 50 Jahren immer noch hinter einem
Nebel von imperialistischen und revisionistischen Propagandalügen,
Rechtfertigungen und Fehlinterpretationen verborgen:
-
Da sind zum Einen die damalige Kalte-Kriegspropaganda des Westens, nach
der es damals ein riesiges Chaos in China gab und eben gewaltige
Hungersnöte mit 30 Millionen Toten.
-
Die Propaganda der revisionistischen Führung der KPDSU und die der
damals hinter ihr stehenden Parteien gegen die Maoisten und
-
Das Desinteresse der heutigen Führung Chinas an einer richtigen
Darstellung der Ereignisse.
Ich
kann es also nur so bringen, wie ich es damals wahrgenommen habe, also
als einen Kommunisten, der sich gegen die Revisionisten um Chruschtschow
wandte und der KP China gewisse Sympathien entgegen brachte.
Der
„Große Sprung nach vorn“ war eine wichtige revolutionäre Umwälzung
in der jungen VR-China. Der Große Sprung war nicht nur jene Kleinhochöfen,
sondern war eine Massenbewegung für ein sozialistisches China und gegen
die feudalen Überreste im Land.
Für
mich war das Wichtigste, dass in China die Volkskommunen gebildet
wurden. Das waren keine Hyper-Kolchosen, also ein Zusammenschluss von
mehreren landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, sondern es
war mehr.
Neben
der Landwirtschaft, also Ackerbau, Viehzucht usw., gehörte auch
Landgewinnung, also Terrassenfelder, zum Reisanbau. das Schaffen von
Infrastrukturen, Industrieproduktion dazu, sondern auch alle
Bereiche von Sozialleistungen, Häuserbau, Straßenbau, Versorgung,
Altenbetreuung, Gesundheitswesen usw. hinzu. Natürlich auch die hier im
Westen belächelten Kleinhochöfen.
An
sich waren diese Miniproduktionsanlagen zur Roheisengewinnung
ein Flop. Denn das Eisen, das sie herstellten, war minderwertig
und nicht zu gebrauchen. Aber Millionen
Chinesen, die unter feudalen Bedingungen
aufwuchsen, hatten das
erste Mal Kontakt zu industrieller Produktion und lernten Prozesse
kennen, von denen sie bisher
keinen Schimmer hatten. Das war sehr wohl ein Erfolg.
Wie
der Autor des Artikels zur Ansicht kommt: „Wenn
schon der maoistische Fehler des "Großen Sprungs nach vorn"
schätzungsweise eine vermeidbare Sterblichkeit von 30 Millionen
Chinesen verursachte…“ entzieht sich meiner Kenntnis.
Es
gab aber in China im Jahre 1959/1960 einen erheblichen Mangel an
Nahrungsmitteln. Die Ursache war zum einen schwere Naturkatastrophen,
die die Ernte ganzer Landstriche vernichteten, aber auch politische
Fehleinschätzungen, Schönrederei der örtlichen und regionalen Kader
über Ernteerträge und falsche Entscheidungen über Importe und Exporte
der Regierung. So exportierte China 1959 erhebliche Mengen Getreide in
die Sowjetunion. Das, obwohl die Ernteerträge in China dramatisch
gesunken waren. Ministerpräsident Chou En-Lai wollte damit Schulden an
die UdSSR abtragen.
Aber
dieser Mangel an Nahrungsmitteln jetzt dem „Großen Sprung nach
vorn“ anzukreiden, halte ich für Unsinn. Im Gegenteil. Die Schaffung
von Infrasturverbesserungen, Erhöhung der Anbauflächen, besser
technische Ausstattung der Landwirtschaft, rationellerer Anbau auf Großflächen
usw. milderte eher den Nahrungsmangel.
Wenn
aber örtliche und regionale Kader Phantasiezahlen an Ernteerträgen
erfinden, wenn Spitzenkader daraus fantastische Schlüsse und
Planvorgaben errechnen, so ist es ein ideologisches Problem einer Verbürgerlichung
der Partei.
2.4
Wie aber ist es mit den Unruhen in Tibet?
Hierzu
sei festgestellt, dass Tibet seit Jahrhunderten zum Chinesischen Reich
gehört. Auch die Kuomingtang-Regierung Chiang Kai-sheks hat den
Anspruch Chinas auf Tibet nie aufgegeben.
1950
dann entschloss sich die Regierung der VR-China ihren Anspruch, die
Oberhoheit über Tibet zu haben, durchzusetzen und besetzte das Land.
Aber ansonsten griff sie kaum in die inneren Angelegenheit Tibets ein,
die feudalen Verhältnisse wurden nicht angetastet; es gab weiter
Sklaven und Leibeigene auf der einen und adlige Grundbesitzer, sowie Kleriker der lamaistischen Klöster auf der anderen Seite. Letztere
hatten die Macht und den Besitz und nahmen dies auch mit brutalsten
Mitteln wahr. Anna Louise Strong, eine amerikanische
Journalistin und Schriftstellerin, schrieb damals, nach dem
Besuch einer Ausstellung über die Methoden der Feudalherren in Tibet:
„Im
Jahre 1959 besuchte Anna Louise Strong eine Ausstellung über
Folterwerkzeuge, die von tibetischen Landlords benutzt wurden. Man sah
dort Handschellen aller Größen inklusive von kleinen für Kinder
ferner Instrumente zum Ausstechen der Augen, solche zum Brechen der Hände
und zum Zerschneiden der Achillessehnen. Es gab Brandzeichen, Peitschen
und spezielle Geräte zum Aufschlitzen des Bauches. Die Ausstellung präsentierte
Fotographien und Zeugenaussagen von Opfern, die geblendet oder verstümmelt
worden waren wegen Diebstahl. Da gab es den Schäfer, dessen Herr ihm
eine Entschädigung schuldete in Yuan und Weizen, sich aber weigerte zu
zahlen. Als er sich darauf eine Kuh seines Herrn nahm, wurden ihm die Hände
abgehackt. Einem anderen Hirten wurden die Hände gebrochen, weil er
sich darüber beschwert hatte, daß sein Herr ihm seine Frau weggenommen
hatte. Man sah Bilder von kommunistischen Aktivisten mit abgeschnittenen
Nasen und Oberlippen und von einer Frau, der nach ihrer Vergewaltigung
die Nase abgeschnitten wurde.“
Im
Zuge des „Großen Sprungs nach vorn“ endete diese absurde
Situation. Das Land wurde, wie überall in China, den Großgrundbesitzern
und den Klöstern weg genommen und die politische Priesterherrschaft
beendet.
Dass
sich die Nutznießer der alten Verhältnisse nicht eben darüber
freuten. Ist klar. Angestiftet von den Imperialisten des Westens
zettelten sie einen „Aufstand“ in Tibet an, der allerdings mit der
Niederlage der Feudalherren endete. Deren Oberhaupt, der
Priesterkönig Dalai Lame, verließ mit einigen seiner Leute das Land
und befindet sich seitdem im indischen Exil.
Dass
dieser Aufstand Opfer forderte, ist klar, aber waren das Opfer des Großen
Sprungs oder waren das Opfer der Feudalherren und der Imperialisten?
3.
Kampf gegen den modernen Revisionismus durch die KP-Chinas
Festzustellen
ist, dass die KP Chinas sich zunächst nicht gegen Chruschtschow und
seine Rede am 20. Parteitag wandte. Das tat damals nur die Partei der
Arbeit Albaniens (PAA) und deren Vorsitzender Enver Hoxha.
Mit
dem Scheitern der Kampagne der Hundert Blumen trat zunächst Mao tsetung
in den Hintergrund. Offenbar setzten sich Kräfte durch, die sich auf
dem Boden des Marxismus-Leninismus befanden. Aber erst im Juni 1963
kritisierte das ZK der KP Chinas, nachdem sie mehrfach von der PAA
aufgefordert, ja gedrängt worden waren,
den revisionistischen Kurs
der damaligen Führung der KPDSU
entgegen zu treten.
Die
Kritik der KP Chinas am Kurs Chruschtschows von 1963 war und ist das der
vorläufige Höhepunkt des Kampfes gegen den modernen Revisionismus. So
wandten sich die chinesischen Genossen gegen
die revisionistische Auslegung der friedlichen Koexistenz durch
die Führung der KPDSU und schrieben u.a,
„Bei
der Anwendung der Politik der friedlichen Koexistenz sind Kämpfe auf
politischem, wirtschaftlichem und ideologischem Gebiet zwischen den
sozialistischen und imperialistischen Staaten unvermeidlich, und eine
„allseitige Zusammenarbeit“ ist absolut unmöglich. …
Unserer
Ansicht nach muß die Generallinie der Außenpolitik sozialistischer
Staaten folgende Punkte zum Inhalt haben: In Übereinstimmung mit den
Prinzipien des proletarischen Internationalismus, Beziehungen der
Freundschaft, gegenseitigen Hilfe und Zusammenarbeit mit den Ländern
des sozialistischen Lagers entwickeln; auf Grundlage der Fünf
Prinzipien die friedliche Koexistenz mit Ländern unterschiedlicher
Gesellschaftsordnung anstreben und die imperialistische Aggressions- und
Kriegspolitik bekämpfen; alle unterdrückten Völker und Nationen in
ihrem revolutionären Kampf unterstützen. Diese drei Dinge sind
miteinander untrennbar verbunden und kein einziges darf ausgelassen
werden,“
Die
Antwort der Revisionisten auf diese marxistisch-leninistische Linie war,
der chinesischen KP, der
albanischen PAA und allen, die diese Linie verfochten, zu unterstellen,
sie seien für Krieg, ja sogar sie würden die Vernichtung der
Menschheit mit Atomwaffen riskieren wollen.
Zu
Chruschtschows „Staat des ganz en Volkes“ schrieben die chinesischen
Genossen:
„Wenn
man den sozialistischen Staat als „Staat des ganzen Volkes“
bezeichnet, bedeutet das nicht, daß man die bürgerlichen Theorien über
den Staat anstelle der marxistisch-leninistischen Theorie über den
Staat setzt? Bedeutet das nicht, einen Staat anderen Charakters anstelle
des Staats der Diktatur des Proletariats setzen?
Wenn
ja, dann ist das nichts anderes als ein großer geschichtlicher Rückschritt.
Die Entartung des gesellschaftlichen Systems in Jugoslawien stellt eine
ernste Lehre dar.“
Die
revisionistische Position Chruschtschows von “Partei des ganzen
Volkes“ wird ebenso entschieden als verräterisch demaskiert:
„Für
Marxisten-Leninisten gibt es keine klassenlose, keine über den Klassen
stehende Partei. Alle Parteien haben Klassencharakter. Parteilichkeit
ist der konzentrierte Ausdruck des Klassencharakters.“
Dieser
„Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen
Bewegung“ von 1963 der KP Chinas war und ist das Kredo des Kampfes
gegen den modernen Revisionismus in allen kommunistischen Parteien.
Jeder, der sich Kommunist oder Marxist-Leninist nennt, muss sich hieran
messen lassen.
Auch
Kurt Gossweiler hat in seiner Auseinandersetzung mit dem modernen
Revisionismus diese Thesen wieder aufgegriffen. Sein
Verdienst ist es, diese, von vielen vergessenen Thesen – allen
voran die heutige Führung der KP Chinas – wieder aufgegriffen und
weiter untermauert zu haben. Er ist also nicht der Erfinder des Kampfes
gegen den modernen Revisionismus, aber er hat das wieder aufgegriffen,
was damals von chinesischen und albanischen Kommunisten und vielen
Kommunisten aller Länder,
vertreten wurde.
4,
Die sog. Große Proletarische Kulturrevolution in der VR-China
Die
Massenbewegung in China ab 1966 verwirrte uns zunächst. Die Meldungen
warf
en sehr widersprüchlich, auch erschien
das Vielen zu sehr auf die Verehrung der Person Mao tsetungs
hinaus zu laufen.
Dann aber vertraten wir und viele mit uns, die
Meinung, das sei der richtige Weg, die Partei und den
Staatsapparat von verbürgerlichten Elementen zu säubern. Wir sagten
damals, dass das die richtige Erkenntnis aus dem Fehler Stalins sei, die
Säuberungen mittels der Geheimpolizei durchzuführen, Mao bediene sich,
richtigerweise, der Massen.
Heute
hege ich allerdings erhebliche Zweifel, Es waren nicht die Massen, die
die Kulturrevolution trugen, sondern eine studentische Elite. Die
Arbeiterklasse blieb weitgehenst außen vor.
Auch
wurde die Auseinandersetzung nicht offen geführt. So erschienen in
Artikeln der Peking Rundschau Polemiken gegen
den „obersten Führer in der Partei, der den kapitalistischen
Weg geht“. Gemeint war der Präsident der V R China,
Liú Shàoqí. Sein Name aber tauchte nirgendwo auf. Selbst bei der 1.
großen Massendemonstration am Tian'anmen-Platz war Liú Shàoqí neben
Mao tsetung, Lin Biao und Zhou-Enlai auf darf Tribüne.
Ich
verzichte hier auf eine Analyse der Kulturrevolution, das wäre ein
eigener langer Artikel. Nur soviel: Der Kampf gegen den modernen
Revisionismus wurde, genau
genommen, eingestellt. Stattdessen wurde die Sowjetunion als
„sozialimperialistisch“ bezeichnet, in der eine neue Klasse
herrsche.
In
der letzten Phase der Kulturrevolution, unter der sog. Viererbaande Jiang Qing, Zhang Chunqiao,
Yao Wenyuan und Wang Hongwen, triftete dann alles ins Lächerliche ab.
IEs wurde eine Kampagne gegen Beethoven und Konfuzius
geführt. Was beide miteinander zu tun hatten, entzieht sich meiner
Kenntnis, auch war und bin ich der Meinung, dass Beethoven ein
fortschrittlicher frühbürgerlicher Komponist gewesen ist.
Eine
weitere Ungereimtheit ist das Ende von Lin Biao. Lin Bioa war
Verteidigungsminister Chinas und galt als engster Vertrauter Mao
tsetungs. Am 9. Parteitag der KP Chinas 1969 hielt er den
Rechenschaftsbericht des ZK und wurde als stellvertretender Vorsitzender
der KP China gewählt. Seine Funktion und die Maos als Vorsitzender der
KP China, wurden sogar in das neue Statut geschrieben. Das war eine
Praxis, die sehr ungewöhnlich für eine KP ist. Meines Wissens geschah
das noch nie, selbst Lenin und Stalin wurden nicht statuarische als
Spitzenfunktionäre festegelegt.
Und
dann, knapp zwei Jahre nach dem Parteitag, verschwand lin Biao,
angeblich verunglückte er bei einem Flugzeugabsturz, als er in die
Sowjetunion fliehen wollte. Man warf ihm vor, er habe einen
Staatsstreich geplant und er habe außerdem auf dem Parteitag einen gefälschten
Rechenschaftsbericht verlesen.
Letzteres
erscheint mir mehr als fraglich. Ein solcher Rechenschaftsbericht
beschließt das ZK auf Vorschlag des Politbüros. Er ist niemals das
Werk eines Einzelnen, sondern immer die Arbeit eines Kollektivs. Also
kennen schon mehrere hundert Parteitagsdelegierte den richtigen Bericht.
Das wäre zumindest einer ganzen Reihe ZK-Mitglieder aufgefallen.
Und
dann, nachdem der angeblich gefälschte Bericht verlesen worden
war, wählte ihn der Parteitag zum stellvertretenden Vorsitzenden
und schrieb diese Funktion auch noch statuarisch fest.
Sehr sonderbar das alles.
5.
Wie sozialistisch ist China heute?
Nach
Maos Tod und dem Ende der Kulturrevolution ging China sehr schnell den
Weg zum Kapitalismus. Und das erheblich schneller, als die Sowjetunion.
Zwar regierten dort die modernen Revisionisten und vergifteten die Köpfe
der Menschen mit ihren Ideen, aber in weiten Teilen wurden weder die
kollektivierte Landwirtschaft und die Staatsgüter zerschlagen und des
wurden auch keine kapitalistische Produktionsweise zugelassen. Das änderte
sich erst 1990, also über dreißig Jahre nach dem 20. Parteitag.
Anders
in China. Zunächst wurden Sonderwirtschaftszonen eingeführt. In denen
ausländisches Kapital investieren konnte und das zu Bedingungen, die in
westlichen Industriestaaten im 19. Jahrhundert möglich waren und dann
von der Arbeiterbewegung Zug um Zug durch Erkämpfen von
Rechten gemildert wurden.
In
den Sonderwirtschaftszonen in China gibt es keine Gewerkschaften, darf
ungezügelt ausgebeutet werden, die Arbeitsbedingungen sind
unerträglich, Streikrecht gibt es nicht. Viele Arbeiter meeinen, es sei
nur ein Ausweg möglich, der Selbstmord.
Der Staat garantiert die ungezügelte Ausbeutung, wenn sich die Arbeiter
organisieren wollen oder gar
streiken, greift die Staatsmacht der Partei, die sich noch kommunistisch
nennt, gegen die Arbeiter ein.
Die
Sonderwirtschaftszonen weiteten sich immer mehr aus. Aber man kann
ebenso wenig nur ein Bisschen Kapitalismus ins Land lassen, wie auch ein
Bisschen schwanger Unsinn ist. Die kapitalistische Produktionsweise
setzte sich letztlich im Land durch.
Die
Folge war, dass z.B. in den chinesischen Kohlebergwerken die Sicherheit
gröblichst vernachlässigt wird und sie zu den gefährlichsten der Welt
gehören.
Auch
erreichte die Trennung von Stadt und Land ein
erschreckendes Niveau. Während sich in den Städten Neureiche
und gut verdienende Profiteure der kapitalistischen Entwicklung
bildeten, ist der Lebensstandard der Arbeiterklasse und der Landbevölkerung
in Bodenlose gesunken. Gan z anders damals beim Großen Spru
ng nach vorn . Damals näherten sich die Bedingungen auf dem Land durch
die Vplkskommunen denen in den Städten an.
Die
hohen Zuwächse der Industrie Chinas gehen auf das Elend der arbeitenden
Menschen zurück und sind durch die Knochen der Arbeiter geschaffen.
Wenn
einige aus der kommunistischen Bewegung – auch Kurt Gossweiler –
China als sozialistisch bezeichnen, so verkennen sie die, dass das im
Falle Chinas eine Mogelpackung ist, bei der der Wunsch Vater des
Gedankens ist.
Es
zählt nicht das Wunschbild, sondern die knallharte gesellschaftliche
Realität. Und die besagt, dass die wichtigsten Produktionsmittel in
China in privaten Händen sind, dass dort, wie auch hier,
gesellschaftlich produziert wird, jedoch die geschaffenen Reichtümer
privat von wenigen angeeignet werden.
Die
chinesische Führung spricht von „harmonischen“ Sozialismus. Dieser
Begriff gibt es im Marxismus-Leninismus nicht. Wenn es Klassen gibt,
dann gibt es Klassenwidersprüche, folglich auch Klassenkampf. Und der
kann nicht harmonisch sein. Die chinesische Harmonie ist die Harmonie
der Friedhofsruhe, von oben an
geordnet und durchgesetzt mit Brachialgewalt und das zum Nutzen der
Bourgeoisie – vor allem der ausländischen, aber nicht nur. Ist die
Harmonie gemeint, die Mao tsetung 1957 in „Über die richtige
Behandlung der Widersprüche im Volke“ als nicht antagonistischen
Widerspruch zwischen Arbeiterklasse und nationaler Bourgeoisie
bezeichnete?
G.H,
Mao tsetung: Über die richtige Behandlung der Widersprüche
im Volke (27. Februar 1957)
Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen
Partei siehe
Freundlicher Feudalismus: Der Tibet-Mythos von Michael Parenti siehe
ZK der KP Chinas: EIN VORSCHLAG ZUR
GENERALLINIE DER INTERNATIONALEN KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG, Antwort
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas auf den Brief
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom
30. März 1963 (14. Juni
1963) mehr
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