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Aus
der „Weltblick“-Kolumne des Vorsitzenden der
KP Venezuelas
EIN
GENERAL WIE NUR WENIGE
von
Jerónimo Carrera für Tribuna Popular
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas,
5. September 2010, Tribuna Popular. (auf Kommunisten-online am
8. September 2010) – Ich beginne mal damit zu erklären,
dass ich mich auf keinen unserer venezolanischen Militärs beziehen
werde, von denen es eine Menge gab und gibt. Sondern ich beziehe mich
auf ein fernes Land, welches aber von einer Mehrheit von uns
Venezolanern auch in den heutigen Zeiten sehr geliebt wird: Vietnam.
Aus
diesem fernen geliebten Land hat mir ein guter venezolanischer Freund
geschrieben, um mich daran zu erinnern, dass einer der zweifellos
weltweit herausragendste und wegen seiner Verdienste beachtlichsten
Militärs des gesamten letzten Jahrhunderts 100 Jahre alt geworden ist:
der Vietnamese Vo Nguyen Giap*. International bekannt ganz einfach als
General Giap.
Jener
Landsmann in Vietnam hat mir vorgeschlagen, hier in diesem Medium eine
einfache Anekdote zu verbreiten, die er von mir vor einiger Zeit gehört
hatte. Diese Anekdote ist recht persönlicher Art und bezieht sich auf
den genannten General. Ich erzähle sie hier jetzt gleich und sehr gerne
für alle geliebten Leser.
Ganz
konkret hatte ich die Ehre, an der sogenannten gut organisierten
Trikont-Konferenz in Havanna teilzunehmen. Sie fand im Januar 1966
statt. Delegationen erschienen aus Afrika, Asien und Lateinamerika.
Unsere venezolanische Delegation nahm dort neben der vietnamesischen
Delegation Platz. Wie immer ging dies so wegen der Reihenfolge des
Alphabets ab. Und darüber hinaus führten wir in beiden Ländern
Guerrillakämpfer durch, weshalb das gegenseitige Interesse an der
besten Entwicklung der Beziehungen ganz natürlich war.
Aus
solchen Umständen kam es für mich zu der allergrößten Ehre einer
Reise nach Vietnam, und zwar in seinen bereits befreiten Teil, gleich
nach der Trikont-Konferenz. Mit anderen venezolanischen Genossen kamen
wir über die UdSSR und China dorthin. Es gab keine größeren Probleme.
Und wir wurden mit besonderer Brüderlichkeit empfangen. Gut daran
erinnert sei, dass Vietnam in zwei Teile gespalten war, nachdem Vietnam
einen langen und harten bewaffneten Kampf gegen die Franzosen geführt
hatte. Die französischen Kolonialherren überließen den
US-Imperialisten die Aufgabe, den besagten Kampf gegen das
vietnamesische Volk fortzusetzen.
Als
wir bereits am Ende unseres Besuches waren, wurde uns eine schlichte
aber sehr herzliche Verabschiedung zuteil. Im kleinen Hotel näherte
sich mir einer der Vietnamesen, schlicht in Zivilkleidung wie alle
anderen, um mit mir in französischer Sprache zu sprechen, ohne mir
seinen Namen zu nennen, und ohne dass uns jemand einander vorgestellt
hatte.
Die
Unterhaltung verlängerte sich auf ca. etwas mehr als 20 Minuten. Es
ging um die Kämpfe des venezolanischen Volkes gegen die
US-Vorherrschaft und deren Perspektiven. Und ich wusste immer noch
nicht, wer mein Gesprächspartner eigentlich war. Mich beeindruckte sein
Interesse an Venezuela, aber das war ein ganz gewöhnlicher Umstand in
jener Zeit.
Als
er sich zurückzog, immer noch ohne sich zu erkennen zu geben, - und
obwohl ich bemerkte, dass man uns einige Male bei unserem Gespräch
fotografiert hatte -, kam auf ein Mal einer unserer Betreuer und fragte
mich diesbezüglich. Er war völlig überrascht, als ich ihn fragte, wer
denn jener so an Venezuela interessierte Mensch war. Und er sagte mir,
dass dies kein geringerer als General Giap war. Natürlich war ich davon
beeindruckt...
Schon
damals war der Name von Giap weltweit bekannt. Er galt als außergewöhnlicher
Stratege. Und ich habe ein Buch von ihm aufgehoben, in englischer
Fassung (General Vo Nguyen Giap, DIEN BIEN PHU, Hanoi 1964, Foreign
Languages Publishing House, 254 S.). Dies schenkte mir dort mit einer
Widmung jenes großartigen vietnamesischen Genossen ein anderer
vietnamesischer Genosse namens To Huu. Er war ein angesehener Dichter
und Sekretär des Zentralkomitees zu jener Zeit. Bei ihm saß ich zum
Abendessen. Die Mahlzeit hatte er selbst zubereitet. Und es schmeckte köstlich...
Gut.
General Giap ist schon ein Jahrhundert alt. Und er ist ein General, wie
es nur wenige gibt. Außer historische Schlachten gewonnen zu haben,
schrieb er nicht weniger als SIEBEN Bücher.
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/index.php/opinion/optica-mundial/7258-un-general-como-muy-pocos
Anmerkungen
zu General Giap:
*Vietnams
großer Kriegsheld: General Vo Nguyen Giap
General
Vo Nguyen Giap wurde 1939 in das Exil gezwungen. Er floh in das südliche
China. Dort traf er Mao Tse-tung und erlernte von ihm die
Guerrilla-Kriegsführung. Giap sollte später Maos Grundsätze zur
Kriegsführung an die militärischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet
von Vietnam anpassen. Dort sollte er zwei große Weltmächte
zerschlagen: Die Franzosen besiegte er bei Dien Bien Phu und trieb sie
zurück bis hinter den 17. Breitengrad, welcher Vietnam dann in eine nördliche
befreite und eine südliche koloniale Hälfte teilte. Nach einem
anschließenden beinahe ein Jahrzehnt andauernden militärischen
Konflikt mit US-Besatzungsstreitkräften sollte Giap die
US-Vormachtstellung brechen und die Wiedervereinigung Nord- und Südvietnams
unter Herrschaft der Kommunistischen Partei Vietnams 1975 herbeiführen.
Giap
ist hochgeachtet, weil er der überlegenen Technologie und Feuerkraft
der französischen und US-Streitkräfte mit seiner wirksamen Kombination
von konventionellen Kriegstaktiken und Guerrilla-Kriegstaktiken
begegnete. Seine Doktrin für den Einsatz militärischer Macht gliederte
sich in drei Stufen:
-1-
Guerilla-Aufstand und unkonventionelle Angriffe bei Beginn der Erhebung;
-2-
Mix von Guerilla- und beweglich-konventioneller Kriegsführung im militärischen
Gleichgewicht;
-3-
Steigern der beweglichen konventionellen Kriegsführung mit
konventionellen Truppen, um die sinkende Kampfmoral der gegnerischen
Truppen auszunutzen.
Die
Anwendung dieser drei Grundsätze verhalf Giap zur Zerschlagung der
französischen Kolonialarmee, die er erst isolierte und dann aufrieb.
Gegen die US-Besatzungstruppen wandte und verfeinerte er den
Volksaufstand an und stützte ihn logistisch auf Schlüsselstellungen in
den nördlichen Grenzregionen Süd-Vietnams.
Aber
letztlich war der Grund dafür, Giap zu den 8 größten Generalen des
20. Jahrhunderts zu zählen, sein Verständnis der Verbindungen zwischen
politischen Zielen und militärischer Strategie, was bei ihm ausgeprägter
als bei sonst jemandem war. Über den Krieg hat Giap geschrieben: „Wir
kämpften nicht nur auf dem militärischen Gebiet, sondern auf
politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gebieten.“ Vor diesem
Hintergrund gelang ihm die Einkesselung von Dien Bien Phu, als
gleichzeitig Frankreich immer stärker in ganz Indochina scheiterte und
die Franzosen immer mehr zu Aussöhnungsgesprächen mit Ho Chi Minh
bereit waren. Und er konterte die Zermürbungsstrategie der USA durch
Gewinnung und Einbezug der Volksmassen und Fortsetzung des offensiven
Kampfes, während die US-Öffentlichkeit angesichts der
imperialistischen Kriegsverbrechen der US-Söldnertruppen im
Vietnamkrieg immer stärker das Ende dieses Krieges forderte.
Quelle:
http://www.google.de/ |