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Großbritannien:
Studentenproteste kündigen
Volksaufstand an
MEHR
KÜRZUNGEN –
MEHR WIDERSTAND!
von
Jens-Torsten Bohlke
Kommunisten-Online,
10. November 2010. –
Überall in England demonstrierten am 9. Dezember 2010 zum
wiederholten Male tausende von Menschen gegen eine drohende Erhöhung
der Studiengebühren. Es stimmte das House of Parliament darüber ab, ob
die Gebühren von 3000 Pfund auf 9000 Pfund = 10.700 Euro (!!!!) pro
Jahr angehoben wird.
Es
gab mehrere Verletzte, nachdem die englische Polizei mit Pferden auf
Demonstrierende zuritt. Zwei Polizisten sind im Krankenhaus, nachdem sie
von ihren Pferden abgeworfen wurden. (1)
Um
was geht es in Großbritannien?
Mitnichten
geht es nur um ein Problem von einigen Studenten. Das Haushaltsdefizit
hat über 12% erreicht, Großbritannien könnte demnächst auch unter
das Diktat von IWF, EZB und EU-Kommission gestellt werden. Bereits 2009
war Großbritanniens Defizitquote höher als die von Griechenland oder
Irland. Der britische Imperialismus setzt nun alles daran, die Lasten
der kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise durch extrem
drastische Kürzungen bei den Sozialausgaben auf die arbeitenden Klassen
im Lande abzuwälzen.
Während
der „Bereich Verteidigung“ von all zu nennenswerten Kürzungen jeder
Art verschont bleibt und da vor allem an lediglich den Abzug der 20.000
Mann starken britischen Rheinarmee an 12 Standorten in Niedersachsens
und NRW bis 2020 statt 2035 gedacht wird, verschlimmert sich derzeit im
Eiltempo der Notstand für Kranke, Arbeitslose, Studierende aus Familien
des arbeitenden Volkes, Arbeiter, Bauern und somit die große Masse der
Menschen.
Das
Gesundheitssystem ist zurzeit so unterfinanziert, dass selbst
Notfallpatienten oft mehrere Stunden auf eine Behandlung in staatlichen
Krankenhäusern warten müssen. „Da die Wartezeit auch für viele
Routineoperationen oft weit mehr als eineinhalb Jahre dauert,
finanzierte der Staat bereits einigen Patienten einen Krankenhausplatz
in Deutschland“, so wusste „Die Welt“ schon vor fast einem
Jahrzehnt über die Missstände des britischen Gesundheitswesens zu
berichten. (2)
„Im
Bildungsbereich soll nicht gekürzt werden“, hieß es von
Regierungsseite der Liberalen noch vor Monaten. Welch ein Hohn muss es
da sein, dass jetzt die Studiengebühren dermaßen drastisch steigen?
Und
wie sieht denn Großbritanniens Bildungsqualität derzeit aus? Laut OECD
hatten bis zu 20 Prozent der Briten schon vor 10 Jahren Schwierigkeiten
beim Lesen und Schreiben. (2) Und die Tendenz dürfte seit Jahren weiter
steigen.
Der
britische Schatzkanzler Osborne kündigte eine vorzeitige Erhöhung des
Rentenalters, Einsparungen bei Sozialleistungen und Kostensenkungen bei
Polizei und Justiz an. Bis zu 490.000 Beschäftigte im öffentlichen
Dienst des Landes sollen gefeuert werden. Diverse Sozialleistungen für
Arbeitslose sollen gekürzt werden. Ab 2020 soll staatliche
Grund-Altersrente erst ab Alter von 66 Jahren gezahlt werden. (3)
16
Milliarden Pfund werden aus Steuermitteln jedoch für eine unterirdische
Bahnlinie namens „Crossrail“ in London ausgegeben, Stuttgart 21 läßt
grüßen! (3)
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Rede
eines englischen Schülers (Video) / ca. 175.000 mal angeklickt:
15-Jähriger
sagt Establishment, was sich Regierung hinter den Spiegel kleben kann...
WIDERSTANDSBÜNDNIS
– LANDESWEITE KONFERENZ –
WORKSHOP
JUGEND, STUDENTEN. BILDUNG
CAMDEN,
27. November 2010
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 14. Dezember –
ULU-Vorsitzende Clare Solomon
erklärt kurz, dass der Weg des britischen Bildungssystems derzeit nicht
gut ist. Auf der Konferenz soll es darum gehen, was die Beteiligten aus
dem Bildungswesen selbst in der jetzt entstandenen Misere tun können.
Rede
eines 15 Jahre alten Schülers aus London:
„Gut,
ich stehe vielleicht seit einer Woche in der Aufmerksamkeit. Und meine
Schule ist darüber vielleicht nicht sehr glücklich, aber wir sollten
am letzten Sonnabend wirklich was weitaus Größeres zeigen.
Entschuldigung! Dies war die sogenannte letzte post-ideologische
Generation, stimmt's? Dies sollte angeblich die Generation sein, die
sich über nichts weiter einen Kopf macht als über ihr Facebook-Profil
und unsere Bildschirmglotzen. Dies ist angeblich die Generation, die
angeblich nur für die Samstagabend-Parties lebt.
Ich
denke mal, dass diese Meinung von uns jetzt ganz lächerlich geworden
ist.
(Aufbrausender
Beifall!)
Ich
denke, dass diese Meinung jetzt völlig umgedreht worden ist. Jetzt
haben wir gezeigt, dass wir hochgradig ideologisch sind wie niemals
zuvor. Jetzt haben wir gezeigt, dass Solidarität und Kameradschaft und
alles, was üblicherweise mit Studenten in Zusammenhang gebracht wird,
jetzt ganz relevant sind, so wie sie es immer waren.
(Beifall!)
Wisst
Ihr, das allerunglaublichste Ding, was mir zustieß, als ich am letzten
Mittwoch rausging und dachte, dass ich mir da mal meine Mittagspause gönne
und anschließend wieder zurückkehre, um meine Lektionen zu lernen
(Gelächter)
Vielleicht
sollte ich es schon gewusst haben, sie setzten die Leute ein, sie
setzten die T-20 ein. Vielleicht sollte ich mein Leben besser geschützt
haben, bevor ich runtergehe zum Mittagessen, aber ... als ich versuchte,
da rauszugehen und mir gesagt wurde, das dort wäre ein heißes Gebiet,
voller Polizeibeamter, die da herumstehen, und niemanden rauslassen ...
da dachte jetzt, dazu brauchen wir die Universitäts-Erziehung, dass wir
niemanden brauchen, der da jetzt aufgibt, im Anblick jener Uniformen, ähm
...
(Gelächter)
Wisst
Ihr, als ich da nun losging, waren dort tausende und weitere tausende
Studenten, die rausgingen, mit ihren Tüchern um die Köpfe, in ihren
Uniformen ... die niemals auf einem Protest zuvor gewesen sind, die
niemals in eine politische Partei oder Organisation eingetreten sind
oder sich einer politischen Bewegung zuvor angeschlossen hatten, die überhaupt
kein Wissen von der Wirtschaft jemals hatten oder über irgendwelchen
politischen Qualifikationen verfügten. Aber sie waren diejenigen, die
da waren, denn sie glaubten an etwas. Sie waren dort, weil sie in etwas
Größeres glaubten. Sie waren dort, weil sie wussten, dass es keine
Millionen Richtungen gab, sondern es nur die Wahl zwischen zwei
Richtungen gab. Entweder sie ergeben sich und nehmen auf sich, was auch
immer die Regierung ihnen aufbürdet. Oder sie stehen auf und kämpfen
dagegen an. Also alle diese Studenten, die zuvor nie in irgendwas
verwickelt waren, standen auf und kämpften gegen die Maßnahmen an.
(Beifall)
Und
als sie im Kessel waren, eingekesselt von der Polizei ... wisst Ihr, wir
blieben da stehen oder setzten uns hin, wir teilten das bisschen Essen
und Getränke, was wir eben gerade dabei hatten ... und die Leute
sagten, wir wollen auch nicht mehr umkehren. Wir wissen, dass sie nicht
denken, dass wir gefährlich für die Öffentlichkeit sind. Ich bin 15
Jahre alt. Es gab dort noch jüngere Leute. Wir dachten nicht, dass wir
durch die Straßen von London zu rennen hätten. Wir wollten nicht
aufgeben. Heute denke ich, dass sie uns einkesselten und dachten, dann würden
wir nicht mehr auf eine Demonstration gehen. Lasst das Wort mal hören,
was die Leute heute sagen. Lasst uns am nächsten Dienstag wieder
rausgehen! Lasst uns wieder rausgehen, nächste Woche, nächsten Monat,
nächstes Jahr!
(Aufbrausender
Beifall, unter Beifall redet er weiter)
Sie
können uns nicht stoppen beim Demonstrieren. Sie können uns nicht
stoppen beim Kampf dagegen. Und alles, was sie da mit uns versuchten,
auf den Straßen von London. Das sind Arschlöcher, Wir werden immer
dort sein und demonstrieren. Wir werden immer dort sein und kämpfen.
Leute, die immer dachten, dass die Polizei da sein wird, um ihnen zu
helfen, wenn da ein Vorfall ist. Leute, die da immer schön brav in die
Medien schauen und an das schön gemalte Bild von den dicken Bobbies
denken. Es liefen eine Menge solcher Leute am letzten Mittwoch draußen
herum, das waren eine Menge solcher Leute. Das Volk lernte eine Menge.
Die dann eingekesselt waren und hinterher die Schlagzeilen wie
Brandfackeln in den Meldungen von jenem Nachmittag. Das Volk lernte eine
Menge, als die Polizei sie in der Mitte der Straße einkesselte und sich
der ganzen Welt zeigte, was für Burschen das da waren. Das Volk lernte
eine Menge.
(Beifall)
Daher
ist die Botschaft, die vom letzten Mittwoch ausgeht, ganz klar: Wir sind
nicht länger die post-ideologische Generation. Wir sind nicht länger
die Generation, die sich keinen Kopf macht. Wir sind nicht länger die
Generation, die darauf getrimmt ist, sich zurückzulehnen und zu nehmen,
was man ihnen gerade zugesteht. Wir sind jetzt die Generation im Herzen
des Kampfes dagegen. Wir sind jetzt die Generation, die zusammensteht
mit jedermann, der kämpft. Das Schlüsselerlebnis, so denke ich, war
gerade nach dem Mittwoch, als hunderte Menschen in die facebook-Gruppe
kamen, viele Schuljugendliche in die facebook-Gruppe kamen und ihre
Solidarität mit unseren MT-Mitgliedern im Streik bekundeten.
(Aufbrausender
starker Beifall, er redet unter Beifall weiter)
Jene
Menschen bedauerten zutiefst, diese Leute bereuten es sehr, angesichts
der Streiks nicht zur Schule gegangen zu sein. Sie ärgerten sich und
denken jetzt daran, wiederzukommen und
mit allen zusammen zu kämpfen. Wir wollen Solidarität mit jedem
zeigen, der derzeit kämpft. Wir wissen, dass Ihr Solidarität für uns
zeigt und wir eine starke Botschaft heute an die Regierung senden: Ihr könnt
uns das nicht antun! Wir sind aufgestanden und kämpfen dagegen.
(Starker
Beifall)
Quelle:
http://www.youtube.com/watch?v=-U_gHUiL4P8&feature=player_embedded
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