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Nichts
als Fehlschläge
von Rainer Rupp
Quelle:
jungeWelt
vom 15.08.2007
Seit
1959 unternahm die CIA 638 vergebliche Versuche, den kubanischen Präsidenten
Fidel Castro zu ermorden. Höchste Mafiakreise wurden in den Komplott
einbezogen
Seit
langem weiß die Weltöffentlichkeit, dass die CIA den größeren Teil
ihres 60jährigen Bestehens damit verbracht hat, immer neue Pläne zur
Ermordung Fidel Castros auszuhecken. Letztes Jahr hatte der britische
TV-Sender Channel 4 in dem Dokumentarfilm „638 Arten, Castro
umzubringen“, so der Filmtitel, die spektakulärsten CIA-Mordverschwörungen
unter die Lupe genommen. Einige davon waren so ausgefallen –
explodierende Zigarren, in Muscheln versteckte Bomben, Giftpillen –,
dass sie sogar James Bonds Trickkiste in den Schatten stellten. In seinem
Begleitbuch zum Channel-4-Dokumentarfilm hat der inzwischen pensionierte
kubanische Abwehrchef Fabian Escalante die vielen Attentatsversuche auf
das Leben des Comandante en Jefe aufgezählt. Die Zahl mag außergewöhnlich
hoch erscheinen, aber die CIA war auch außergewöhnlich versessen darauf,
Castro ins Jenseits zu befördern. Wayne Smith, ehemaliger Chef der „US
Interests Section“ in der Schweizer Botschaft in Havanna, hatte noch
letztes Jahr erklärt, daß Kuba auf die USA den Effekt gehabt habe,
„den ein Vollmond auf einen Werwolf ausübt“.
Zwei
bekannte Historiker der Harvard Universität, Ernest May und Philip
Zelikow, wiesen in den 1998 veröffentlichten „Kennedy Tapes“ (auf
Wunsch des US-Präsidenten gemachte Tonbandaufnahmen von Gesprächen in
seinem Büro – R. R.) darauf hin, dass Kuba seit 1898 „faktisch eine
Kolonie der Vereinigten Staaten“ war, bis Castro am 1. Januar 1959 dort
die Macht übernahm. Die kubanische Revolution beendete die
US-Kolonialherrschaft, und folglich richtete sich die Wut Washingtons
gegen den Anführer der Revolution in Havanna. Die beiden
Harvard-Historiker belegen, dass innerhalb weniger Monate der damalige Präsident
Dwight D. Eisenhower (1953–1960) mit seinen Beratern einen geheimen
Beschluss fasste, Kubas revolutionäre Regierung zu stürzen. Von Florida
ausgehende Terrorangriffe gegen Kuba begannen im Oktober 1959. Sie wurden
von der Regierung John F. Kennedy (1961–1963) fortgeführt und gipfelten
schließlich in dem Desaster in der kubanischen Schweinebucht im Jahr
1961.
Haß
auf Revolution
Arthur
Schlesinger, ein Mitglied des intellektuellen Establishments und eine der
wichtigeren Figuren der US-Außenpolitik, war seinerzeit als Chef der
Lateinamerika-Mission der neuen Kennedy-Administration bei der Planung der
Schweinebuchtinvasion dabeigewesen. Besonders aufschlussreich ist sein am
26. Februar 1997 in der New York Times veröffentlichter Brief an seinen
Freund und ehemaligen stellvertretenden Wirtschaftsminister unter US-Präsidenten
William Clinton (1993–2001), Stuart Eizenstat. Dieser hatte kurz zuvor
in derselben Zeitung das Jahrzehnte alte Recht der USA, in Kuba
einzugreifen, verteidigt. Schlesinger erinnerte in seinem Brief daran,
dass es das Ziel der Kennedy-Administration gewesen sei, „Castros
Unruhestiftung in der Hemisphäre und seiner Anbindung an die
Sowjetunion“ ein Ende zu bereiten. Schließlich erklärte er, was er
genau unter Kubas „Unruhestiftung in der Hemisphäre“ versteht: „Die
Ausbreitung von Castros Idee, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen“,
sei das eigentliche Problem.
Bereits
als Sonderberater von Präsident Kennedy hatte Schlesinger in einem
inzwischen zur Veröffentlichung freigegebenen Geheimbericht gewarnt, dass
in ganz Lateinamerika „die Verteilung von Grund und Boden und anderen
Formen des nationalen Reichtums sehr zugunsten der begüterten Klassen
ausfällt, aber die Armen und Unterprivilegierten vom Beispiel der
kubanischen Revolution angetrieben werden und jetzt die Möglichkeiten
einfordern, ein auskömmliches Leben zu führen“. Bezüglich der
„Anbindung an die Sowjetunion“ schrieb Schlesinger, dass diese sich
erfolgreich „als Modell für eine Modernisierung der Gesellschaft während
einer einzigen Generation präsentiert“. Sowjetunion und Kuba, das war
eine gefährliche Mischung, die letztlich die US-Dominanz und die weitere
Ausbeutung der ganzen Region in Frage stellte. Deshalb war sich jede
US-Regierung seit Eisenhower einig, dass das Feuer der kubanischen
Revolution, durch das die Unterdrückten und Geknechteten in Lateinamerika
ermutigt wurden aufzubegehren, mit allen Mitteln ausgelöscht werden
musste. Diese Ermutigung der lateinamerikanischen Massen zur
Selbstbefreiung war und ist das eigentliche „Verbrechen“ der
kubanischen Revolution, die folgerichtig den ganzen Hass Washingtons auf
sich gezogen hat.
Auf
jede erdenkliche Weise versuchte die CIA, den Anführer der kubanischen
Revolution umzubringen. Dazu wollte man sich auch Castros Leidenschaft für
das Tauchen vor Kubas Küsten zunutze machen. Die CIA investierte viel
Zeit in die Präparation einer großvolumigen karibischen Muschel. Der
Plan war, sie mit einer tödlichen Menge Sprengstoff zu versehen, der zur
rechten Zeit explodieren würde. Um unter Wasser Castros Aufmerksamkeit
auf die „richtige“ Muschel zu lenken, sollte sie mit besonders
lebhaften Farben bemalt werden. Dokumente, die im Rahmen des „Gesetzes für
Informationsfreiheit“ herausgegeben wurden, beweisen im nachhinein, dass
es diesen Plan tatsächlich gab.
Castros
Sicherheitsteam auf der Hut
Unzählige
Vorhaben konnten aufgrund ihrer vielen technischen und anderen
Schwierigkeiten nicht umgesetzt werden. Das gilt auch für das Vorhaben,
Castros Taucheranzug mit einem Pilz zu präparieren, der eine chronische
und entstellende Hautkrankheit verursacht. Andere Versuche – wie etwa
der, ihn mit Giftpillen im Tee oder Kaffee, dargereicht von Frauen aus
Castros unmittelbarer Umgebung, ins Jenseits zu befördern – scheiterten
ebenso wie der Plan, ihn mit einem bakteriologischen Gift, auf sein
Taschentuch geträufelt, um die Ecke zu bringen. Kubas Revolutionsführer
war nicht umzubringen, auch nicht mit einer 90-Kilo-Bombe, mit der er anläßlich
seines Besuchs in Panama im Jahr 2000 in die Luft gejagt werden sollte.
Sein persönliches Sicherheitsteam führte im Vorfeld Untersuchungen durch
und fand die Bombe unter dem Rednerpodium. Vier Verschwörer, einschließlich
des berüchtigten Luis Posada Carriles, wurden im Anschluss in Panama von
einem Gericht zu hohen Haftstrafen verurteilt, ins Gefängnis geworfen –
und nach kurzer Zeit begnadigt. Der Terrorist Posada wird bis heute von
Venezuela und Kuba als Hauptverdächtiger für jenes Bombenattentat
gesucht, bei dem eine kubanische Verkehrsmaschine 1976 mit über 70
Passagieren explodierte. Posada genießt bis heute als „unbescholtener“
Bürger in Miami den Schutz der Bush-Administration.
Die
meisten Mordversuche gegen Castro waren weitaus weniger kompliziert, wie
die mit Botulin vergifteten oder die mit Sprengstoff gefüllten Zigarren,
mit denen die CIA nach seinem Leben trachtete. Oft waren es mafiose
Methoden: Schüsse auf der Straße aus nächster Nähe oder durch einen
Scharfschützen von einem Dach aus. Aber die Schützen waren ebenso
erfolglos wie die Giftmischer und Bombenleger. Sie alle scheiterten an
Castros Sicherheitsdienst, bei dessen Ausbildung auch die DDR geholfen
hatte. Um dennoch an den kubanischen Revolutionsführer heranzukommen,
verbündeten sich die CIA-Regierungsterroristen wie so oft in ihrer
Geschichte mit dem privat organisierten Verbrechen. Die Mafia, die in den
vierziger und fünfziger Jahren in Havanna die florierenden Hotels mit
Spielkasinos kontrolliert hatte, hasste Castro genauso wie die
US-Regierungen.
Auf dieser Basis entstand der Plan, Castro mit Hilfe des Mafiapaten
Johnny
Roselli das Lebenslicht auszublasen. Der Plan war 1960 von
CIA-Direktor Allen Dulles abgesegnet worden, und sein Abteilungsleiter für
verdeckte Operationen, Richard Bissell, machte sich daran, geeignete Leute
für die – wie er damals schrieb – „hochsensible Mission, die eine
gangsterartige Operation verlangt“, zu finden.
Dass
viele der CIA-Mordkomplotte heute bekannt sind, ist dem Church Committee
des US-Senats zu verdanken. 1973, im Anschluss an den Watergate-Skandal,
hatte der damalige CIA-Direktor James Schlesinger eine interne
Bestandsaufnahme über die illegalen und deshalb verschwiegenen Aktivitäten
der Agency in Auftrag gegeben. Das Church Committee legte 1975 die
Machenschaften der CIA auf Zehntausenden Seiten offen, wobei vieles darin
jedoch zensiert war. Aus dieser Zusammenstellung wurden aber die „family
jewels“ (Familienjuwelen) herausgenommen und im CIA-Giftschrank
weggeschlossen. Im Juli dieses Jahres sind sie im Rahmen des „Gesetzes für
Informationsfreiheit“ zur Veröffentlichung gekommen – wenn auch über
weite Stellen geschwärzt und damit zensiert. In ihnen wird auch über die
Zusammenarbeit der CIA mit dem Mafiapaten Johnny Roselli zwecks
Eliminierung Castros berichtet.
Die
wichtigsten Passagen aus den CIA-Dokumente zu diesen Fall sind im
folgenden übersetzt.
CIA
und Mafia planen Mord
Dokumentiert.
Passagen aus den gerade veröffentlichten CIA-Geheimakten
1.
Im August 1960 wollte Richard M. Bissell von Oberst Sheffield Edwards
wissen, ob das Sicherheitsbüro Leute habe, die bei einer extrem heiklen
Mission, die kriminelle Aktivitäten verlangen würde, mitmachen könnten.
Das Ziel der Mission war der Tod Fidel Castros.
2.
Wegen der extremen Gefährlichkeit der Angelegenheit wurde nur eine kleine
Gruppe von CIA-Mitarbeitern in das Projekt eingeweiht. Der DCI (Director
Counter Intelligence, Direktor der Gegenspionage – R. R.) wurde
unterrichtet und gab seine Zustimmung zur Mission. Oberst J. C. King, Chef
der WH-Abteilung1, wurde ebenfalls unterrichtet, aber von den Mitarbeitern
der JMWAVE (CIA-Station in Miami zur Beobachtung Kubas – R. R.) wurden
alle Details absichtlich verborgen. Bestimmtes Personal des TSD (des
technischen Dienstes der CIA – R. R.) und der Nachrichtenabteilung nahm
in den ersten Planungsphasen teil, aber sie hatten keine Ahnung vom Ziel
der Mission.
3.
Robert A. Maheu, eine vom Sicherheitsbüro der CIA überprüfte Person,
wurde kontaktiert, über das Projekt allgemein in Kenntnis gesetzt und
gebeten herauszufinden, ob er einen Zugang zum Gangstermilieu verschaffen
könne.
4.
Mr. Maheu gab an, er habe einen gewissen Johnny Roselli bei verschiedenen
Gelegenheiten während seiner Reisen nach Las Vegas getroffen. Er kenne
ihn nur beiläufig über Kunden, aber man habe ihm zu verstehen gegeben,
daß er ein hochrangiges Mitglied jenes „Syndikats“ sei, das alle
Speiseeismaschinen auf dem Strip (Vergnügungsmeile in Las Vegas – R.
R.) kontrolliere. Maheu legte dar, daß Roselli, wenn er tatsächlich ein
Mitglied der Mafia sei, dann auch zweifellos Kontakte in die Kreise der
kubanischen Spielhöllenbetreiber habe.
5.
Maheu wurde beauftragt, sich Roselli zu nähern. Dieser kannte Maheu als
einen „Personal relations manager“ für in- und ausländische Kunden.
Maheu sollte ihm berichten, daß er kürzlich einen neuen Kunden bekommen
habe, der mehrere internationale Unternehmen vertrete, die wegen Castros
Aktionen schwere finanzielle Verluste in Kuba erlitten. Die Unternehmen
seien überzeugt, daß die Beseitigung Castros die Antwort auf ihre
Probleme sei, und sie seien bereit, 150.000 Dollar für die erfolgreiche
Erledigung des Auftrags zu zahlen. Roselli mußte dabei klargemacht
werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nichts damit zu tun
habe und auch nichts davon erfahren dürfe.
6.
Diese Offerte wurde Roselli am 14. September 1960 im Hilton Plaza Hotel in
New York gemacht. James O'Connell vom Sicherheitsbüro war bei dem Treffen
dabei. Er wurde Roselli als Angestellter von Maheu vorgestellt. O'Connell
diente Rosseli bis Mai 1962 als direkter Kontakt. Danach wurde er wegen
eines Auslandsauftrages abgezogen. Roselli wollte zunächst nichts davon
wissen, aber dank Maheus Überzeugungskraft stimmte er dann zu, ihm einen
Freund, Sam Gold, vorzustellen, der „die Kubaner“ kenne. Roselli
machte deutlich, daß er für seinen Teil kein Geld verlange, und er
glaube, daß das bei Sam genauso sei. Keiner von beiden hat je Gelder der
Agency erhalten.
7.
Sam wurde Maheu in der letzten Septemberwoche im Fontainebleau Hotel in
Miami Beach vorgestellt. Joe (ebenfalls ein Mafiosi – R.R.) gab sich Sam
gegenüber als ein Kurier für die Strecke Havanna und Miami aus. Einige
Wochen nach diesem Treffen sah Maheu ein Foto von beiden in der
Sonntagsbeilage des Parade Magazine. Dort wurden sie dem Lesepublikum mit
ihren wirklichen Namen Momo Salvator Giancana und Santos Trafficant
vorgestellt. Beide standen auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher des
Bundesjustizministers. Sam wurde als eine Größe aus der Chicagoer Cosa
Nostra und als Nachfolger von Al Capone beschrieben und Joe als der
Cosa-Nostra-Boß für die Geschäfte auf Kuba. Nachdem Maheu diese
Informationen überprüft hatte, rief er sofort dieses Büro (der CIA, das
1972 im Auftrag von A. Schlesinger diesen Bericht verfaßt hat – R. R.)
an.
8.
Während der Diskussion über die möglichen Methoden zur Erfüllung der
Mission schlug Sam vor, auf den Gebrauch von Schußwaffen zu verzichten,
denn wenn er eine tödliche Pille bekommen könnte, die man Castros Essen
oder Getränken beimischen würde, wäre das eine viel effektivere
Operation. Sam deutete an, daß er einen vielversprechenden Kandidaten für
das Attentat kenne: Juan Orta, ein kubanischer Beamter, der noch Zugang zu
Castro habe, der von der Spielindustrie Schmiergelder erhalten habe und
derzeit in einer finanziellen Klemme stecke.
9.
Der TSD wurde aufgefordert, sechs Pillen mit einem tödlichen Inhalt
herzustellen. (Die Pillen sollten ihr Opfer erst am dritten Tag nach
Verabreichung töten. Bis dahin hätte Castros Körper alle Spuren des
Giftes ausgeschieden und bei einer Obduktion wäre ein natürlicher, wenn
auch unerklärlicher Tod festgestellt worden – R. R.)
10.
Joe übergab Orta die Pillen. Nach mehrwöchigen Versuchen bekam Orta
anscheinend kalte Füße und bat darum auszusteigen. Er schlug einen
anderen Kandidaten vor, der ebenfalls mehrere erfolglose Versuche
unternahm.
11.
Dann deutete Joe an, daß Dr. Anthony Verona, einer der wichtigsten
Offiziere in der kubanischen Exiljunta, mit der Entwicklung der Junta
unzufrieden und deshalb willens sei, die Mission mit seinen eigenen
Mitteln zu Ende zu bringen.
12.
Als Vorbedingung für den Deal verlangte er 10.000 Dollar für
organisatorische Ausgaben und 1000 Dollar für Kommunikationsgeräte.
13.
Dr. Veronas Potential wurde nie voll ausgeschöpft, da das Projekt kurz
nach der Schweinebucht-Episode abgebrochen wurde. Verona wurde davon in
Kenntnis gesetzt, daß das Angebot nicht mehr gelte, und die Pillen wurden
zurückgegeben.
14.
Von großem Interesse ist ein Vorfall im Zusammenhang einer Bitte von Sam
an Maheu: Als die Verhandlungen über das Attentat auf Castro ihren Höhepunkt
erreichten, gab Sam seinen Sorgen über seine Freundin Phyllis McGuire
Ausdruck. Von ihr hatte er erfahren, daß ein gewisser Dan Rowan ihr viel
zuviel Aufmerksamkeit während eines Besuchs eines Nachtklubs von Las
Vegas geschenkt hatte. Sam bat Maheu, eine Wanze in Rowans Zimmer
anbringen zu lassen, damit festgestellt werden könnte, wie die beiden
zueinander stünden. Der Techniker, der die Wanze anbringen sollte, wurde
jedoch bei seiner Arbeit ertappt, festgenommen und zum Verhör ins Büro
des Sheriffs gebracht. Er rief Maheu an und informierte ihn, daß er von
der Polizei festgehalten werde. Diesen Anruf machte er im Beisein von
Polizeibeamten. Das Resultat war, daß das Justizministerium drohte, Maheu
gemeinsam mit dem Techniker anzuklagen. Am 7. Februar 1962 unterrichtete
der Sicherheitsdirektor der CIA Justizminister Robert Kennedy über die
Hintergründe, die dazu geführt hatten, daß Maheu in die Abhörgeschichte
verwickelt worden war. Auf unsere Bitte hin wurde die Anklage
fallengelassen.
15.
Im Mai 1962 übernahm William Harvey
das Projekt. Diesem Büro (die den vorliegenden Bericht verfassende
CIA-Stelle – R. R.) ist nicht bekannt, ob Roselli von jenem Zeitpunkt an
noch operationell verwendet wurde.
16.
Vom FBI wurde in Erfahrung gebracht, daß Roselli wegen sechs Vergehen,
einschließlich der illegalen Einreise in die Vereinigten Staaten,
verurteilt worden war. Aus unseren Akten geht das Datum des Urteils nicht
hervor, aber es wird angenommen, daß es irgendwann im November 1967 war.
(Die Verhaftung Rosellis war Teil einer großangelegten Operation des
Justizministeriums gegen das organisierte Verbrechen. Um etwas gegen
Roselli in die Hand zu bekommen, ging man bis in seine Kindheit zurück
und stellte fest, daß er mit seinen Eltern unter falschem Namen
eingereist und somit immer noch ein Illegaler war. – R. R.)
17.
Am 2. Dezember 1968 wurde Roselli gemeinsam mit vier anderen angeklagt
wegen einer Verschwörung, Mitglieder des Friars Club mit einem gezinkten
Kartenspiel um 400 000 Dollar zu betrügen.
18.
Mr. Harvey berichtete dem Sicherheitsbüro über seine Kontakte zu Roselli
zwischen November und Dezember 1967 bis Januar 1968. Er ging davon aus, daß
Johnny Roselli die Agency bei seinem Ausweisungsverfahren nicht um Hilfe
angehen werde, solange ihm nicht tatsächlich die Deportation drohe.
Roselli zeigte sich zuversichtlich, daß er die Berufung gewinnen werde.
19.
Am 17. November 1970 informierte Maheu James O'Connell, Rosellis erste
Kontaktperson, darüber, daß Maheus Anwalt, Ed Morgan, einen Anruf von
Rosellis Anwalt, Thomas Waddin, erhalten habe, wonach alle Möglichkeiten
der Berufung erschöpft seien und seinem Mandaten nun die Deportation
bevorstehe. Waddin deutete an, daß er, wenn niemand zugunsten Rosellis
intervenieren würde, ein komplettes Exposé über seine Aktivitäten für
die Agency anfertigen werde.
20.
Am 18. November 1970 wurde Mr. Helms (der damalige CIA-Chef – R. R.) über
die jüngsten Entwicklungen in dem Fall unterrichtet. Es wurde
entschieden, daß die Agency nichts unternehmen werde, um Roselli zu
helfen. Die Entscheidung der Agency wurde Maheu übermittelt, und er
stimmte unserer Position voll zu. Darüber hinaus erklärte er, daß er
sich um eine mögliche Publicity keine Sorge mache, falls Roselli sich
entschließen sollte, alles zu erzählen.
21.
Daraufhin gelang es Roselli oder einem seiner Helfer, Jack Anderson (ein
Journalist – R. R.) mit Details der Operation zu versorgen. Beigefügt
sind zwei Artikel von Anderson zu diesem Thema. (Unter den Titeln: „CIA
für sechs Mordanschläge gegen Castro verantwortlich“ und „Castro-Stalker
arbeitete für die CIA“ enthüllte Anderson in der Washington Post
Anfang 1971 weitgehend die Hintergründe der Verschwörung – R. R.)
22.
Der zuletzt bekannte Aufenthaltsort von Roselli war das Bundesgefängnis
in Seattle, Washington. (Ende)
1
Nicht alle Abkürzungen und Begriffe konnten recherchiert werden (die
Redaktion)
Übersetzung
aus dem Amerikanischen von Rainer Rupp
In einer Sitzung dieses Ausschusses im Weißen Haus wurde
beschlossen, das geheime Programm zur Sabotage und Unterwanderung
Kubas Operation "Mongoose" zu nennen. Justizminister Kennedy
übertrug die Leitung des Unternehmens an General Edward Lansdale, der
in Vietnam bereits Erfahrungen auf dem Gebiet der Guerillabekämpfung
sammeln konnte. Eine der ersten von Landsdales Entscheidungen war es, William Harvey zum Leiter
der Task Force W. zu ernennen. Harvey's Auftrag war es, zahlreiche
Aktivitäten zur Unterminierung von Castros Regierung zu entwickeln.
Siehe Wikipedia
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