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Gedanken von Fidel / 13. Januar 2011

ZU OBAMAS REDE IN ARIZONA

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

auf Kommunisten-online am 17. Januar 2011 – Gestern hörte ich ihn, als er an der Universität von Tucson sprach, wo er den 6 ermordeten und 14 verletzten Menschen des Gemetzels von Arizona Gedenken zollte. Dies insbesondere für die Kongressabgeordnete jenes US-Bundesstaates, welche sehr schwer durch einen Kopfschuss verletzt worden war.

Die Tat war das Werk eines außer sich geratenen Täters, welcher von der Hasspredigt vergiftet war, die in der US-Gesellschaft herrscht. Dort hat die faschistische Gruppe der Tea Party ihren Extremismus in der Republikanischen Partei durchgesetzt, die unter George W. Bush die Welt dorthin führte, wo sie sich heute befindet: An den Rand des Abgrunds.

Zu den Kriegsverbrechen gesellten sich die schwerste Wirtschaftskrise in der US-Geschichte und eine Schuldenlast der US-Regierung, die bereits 100% des BIP ausmacht. Dazu kommt ein monatliches Haushaltsdefizit von über 80 Milliarden Dollar und erneut der Anstieg der Zahl der Privathaushalte, wo die Häuser wegen Hypothekenschulden verloren gehen. Der Preis für Erdöl, metallische Rohstoffe, Nahrungsmittel geht weiter nach oben. Das Misstrauen in das Papiergeld führt zur Zunahme der Ankäufe bei Gold. Und nicht wenige Beobachter sehen den Preis dieses Edelmetalls zum Ende dieses Jahres bei 2000 Dollar pro Feinunze. Einige glauben, dass er auf 2500 Dollar ansteigen wird.

Die klimatischen Erscheinungen haben sich verschärft. Es gab horrende Einbußen bei den Ernten in der Russischen Föderation, Europa, China, Australien, Nord- und Südamerika und in anderen Gebieten. Dies gefährdet die Nahrungsmittelversorgung für über 80 Länder der Dritten Welt und erzeugt politische Instabilität in einer wachsenden Zahl dieser Länder.

Die Welt sieht sich so großen politischen, militärischen, energie-relevanten, Nahrungs- und Umweltproblemen ausgesetzt, dass kein Land die Rückkehr der USA zu extremistischen Positionen wünscht, die die Risiken eines Kernwaffenkriegs erhöhen würden.

Nahezu einhellig war die internationale Verurteilung des Verbrechens von Arizona, in dem ein Ausdruck jenes Extremismus gesehen wurde. Man erwartete vom US-Präsidenten keine übertriebene oder auf Konfrontation gerichtete Rede, weil dies weder seinem Stil noch den inneren Umständen und dem Klima irrationalen Hasses entsprechen würde, was derzeit in den USA vorherrscht.

Die Opfer des Anschlags waren zweifellos mutige Menschen voller individueller Verdienste und im Allgemeinen einfach bescheidene Bürger. Andernfalls wären sie nicht dort gewesen, wo sie das Recht auf gesundheitliche Betreuung für alle US-Amerikaner verteidigten und sich gegen die gegen Immigranten gerichteten Gesetze aussprachen.

Die Mutter der kleinen 9 Jahre jungen Tochter, welche am 11. September geboren worden war, hatte mutig erklärt, dass der in der Welt entfachte Hass endlich aufhören muss. Ich habe meinerseits nicht den geringsten Zweifel, dass die Opfer zu den Anerkennern der Leistungen des US-Präsidenten zählten. Genau wie die Bürger von Tucson, die Studenten der Universität und die Ärzte, welche immer, wenn Dinge dieser Art sich ereignen, ohne Zurückhaltung ihre Solidarität als Menschen äußern. Die schwerverletzte Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords verdient Anerkennung in den USA und international, wie sie sie auch erhielt. Das Ärzte-Team informierte heute weiter mit positiven Meldungen über die Entwicklung ihres Zustandes.

Dennoch fehlte Obamas Rede die moralische Verurteilung der Politik, welche zu jener Tat anstachelte.

Ich versuchte mir vorzustellen, wie wohl Männer wie Franklin Delano Roosevelt bei so einer Tat reagiert hätten, um hier nicht Lincoln zu erwähnen, der nicht schwankte, als er seine berühmte Rede in Gettysburg hielt. Auf welchen anderen Moment wartet der US-Präsident, um eine Grundsatzrede zu halten, bei der ich sicher bin, dass die große Mehrheit des US-Volkes sie teilt?

Es geht nicht darum, dass eine außergewöhnliche Persönlichkeit an der Spitze der Regierung der USA fehlt. Nicht die Person lässt einen Präsidenten historisch werden, welcher durch seine Verdienste in dieses Amt kommen konnte, sondern seine Notwendigkeit in einem bestimmten Moment der Geschichte seines Landes.

Als er gestern seine Rede begann, ließ sich beobachten, dass er angespannt war und sehr an seinem schriftlichen Text klebte. Rasch erlangte er seine Fassung zurück, die übliche Beherrschung der Lage, und er fand konkrete Worte, um seine Gedanken zu äußern. Was er nicht sagte, sagte er deshalb nicht, weil er es nicht sagen wollte.

Nimmt man die Rede als literarisches Stück und gerechtes Lob für die, die es verdienen, kann ihm dafür ein Preis verliehen werden.

Nimmt man sie als politische Rede, dann ließ sie viel zu wünschen übrig.

Fidel Castro Ruz

13. Januar 2011

19:38 Uhr.

Quelle:

http://www.tribuna-popular.org/

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