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Zum Tode von
George Habash –
Gründer
und langjähriger, vor gut einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen von
seinem Amt zurückgetretener, Führer der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (PFLP).
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Geboren
am 2. August 1926 in Lydda (Palästina), |
George
Habash
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gestorben
am 26. Januar 2008
in Amman (Jordanien) |
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Interview
von George Habash mit der Zeitschrift „News from within”
Das
Interview erschien wurde ursprünglich für die Zeitschrift
„News from within” geführt und in den hier übersetzten längeren
Auszügen, die in der linken italienischen Tageszeitung „il manifesto” vom 28.8.2001
veröffentlicht wurden, aus dem Englischen ins Italienische übertragen.
Unserer Einschätzung nach dürfte durch die zweimalige Übersetzung
allerdings wenig an der Substanz verändert worden sein, weil
das Interview generell in einer sehr einfachen und eindeutigen
Sprache gehalten ist. Es ist darüber hinaus eines der ganz
wenigen aktuellen Dokumente, die von der sozialistischen PFLP überhaupt
in deutscher Sprache zu haben sind. |
„Mit
der Intifada werden wir siegen”
Quelle:
Antifa-AG der Uni Hannover & Gewerkschaftsforum Hannover:
George
Habash, historischer Führer der Volksfront (PFLP): „Der Aufstand ist
eine einzigartige Gelegenheit, die alle Palästinenser geeint hat.”
Und sie wird zu einem Frieden führen, der nicht „die von Israel
gewollte Apartheid ist”.
Dieses
Interview, von dem wir längere Auszüge wiedergeben, ist in der palästinensisch-israelischen
Jerusalemer Zeitschrift „News from Within” erschienen. George Habash
ist der Gründer und historische Führer der Volksfront für die
Befreiung Palästinas (PFLP), die gegen das Abkommen von Madrid, aber
dennoch integraler Bestandteil der PLO ist. Vor einem Jahr ist er
zugunsten von Abu Ali Mustafa, der (…) von den Israelis ermordet
wurde, von der Führung der PFLP zurückgetreten.
Zehn
dramatische Jahre sind seit der Konferenz von Madrid vergangen. Wie
beurteilen Sie diese Periode im Verhältnis zu ihrer Ablehnung der
Madrider Konferenz?
„Der
Friedensprozess, der 1990 in Madrid begann, ist in einer Sackgasse
gelandet, die das grundlegende Ungleichgewicht widerspiegelt, auf dem
jener Prozess aufgebaut ist. Das war ein amerikanisches Projekt, das dem
arabisch-israelischen Konflikt gemäß den Interessen der
israelisch-amerikanischen Allianz ein Ende setzen wollte. Jenes
Ungleichgewicht ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der durch
den Golfkrieg hervorgerufenen arabischen Zersplitterung noch größer
geworden. Unsere Entscheidung, jenen Prozess abzulehnen, ist nicht willkürlich
gewesen und bedeutete nicht, dass die Palästinenser oder die palästinensischen
Parteien prinzipiell gegen den Frieden wären. Eher war es die Bestätigung
unserer Überzeugung, dass die Bedingungen jenes Prozesses nicht zum
Frieden führen konnten. Die tägliche Praxis der
israelisch-amerikanischen Allianz offenbart eine besondere Art den
Frieden zu verstehen: nämlich als ein Instrument zu politischen
Kapitulation der Araber im Allgemeinen und der Palästinenser im
Besonderen.”
Welches
sind Ihrer Meinung nach die Gefahren, die die palästinensische Intifada
bedrohen und was hat die Intifada bis heute erreicht?
„Die
Hauptgefahr, die der Intifada droht, liegt in den politischen Versuchen
sie abzubrechen / zunichte zu machen. Die politischen Ziele der Intifada
sind dieselben wie die der Nationalen Befreiungsbewegung, die in den
politischen Dokumenten der PLO klar definiert sind. Wir müssen <uns
/d.Ü.> daran erinnern, dass die Hauptursache der Intifada das
wachsende Bewusstsein des palästinensischen Volkes über die
Auswirkungen der Abkommen von Oslo ist. Nicht nur seine Rechte und seine
legitimen historischen Forderungen befinden sich aufgrund der
Verhandlungen über den sogenannten Endstatus am Rande der Vernichtung,
sondern die israelisch-palästinensische <sic ! /d.Ü.> Allianz
ist dabei, den Palästinensern mit voller Geschwindigkeit ihre Begriffe
und ihre Bedingungen aufzuzwingen.
Mit
anderen Worten, als das palästinensische Volk realisiert hat, dass die
Ziele der Vereinigten Staaten und die Praxis Israels Teil eines gut
entwickelten und organisierten Planes sind, um das Palästinenser-Problem
zu ‚lösen‘ und alle seine Fundamente zu sprengen, da hat die neue
Intifada mit dem Ziel begonnen, die Gleichung neu zu formulieren und
klarzumachen, dass die Konstanten der palästinensischen Sache in
Erinnerung gerufen und verteidigt werden müssen.
Das
was wir heute in den Begriffen eines offenen Krieges gegen ein
unbewaffnetes Volk erleben, ist in Wirklichkeit und im Grunde ein mit
militärischen Fallen übersäter politischer Krieg. Es ist einfach ein
Versuch der Eindämmung und Unterwerfung des palästinensischen Volkes
über die Nutzung militärischer Mittel, um die politische Vision
Israels in der Perspektive des Scheiterns der Verhandlungen
durchzusetzen. Hier liegt die wahre Gefahr, auf die die Palästinensische
Autorität, die nationalen Kräfte, die islamischen Kräfte und das palästinensische
Volk im Allgemeinen antworten müssen.
Bislang
hat der palästinensische Aufstand zu vielen Resultaten von großer
Bedeutung geführt. Er hat bestätigt, dass das palästinensische Volk
mit Blick auf die Rückeroberung seiner nationalen Rechte weiterhin an
den eigenen Positionen festhält. Er hat dem israelisch-amerikanischen
Plan, die palästinensische Sache zu vernichten, einen entscheidenden
Schlag versetzt. Er hat bewiesen, dass jedes Abkommen, das die Rechte
des palästinensischen Volkes, so wie sie im nationalen Programm der Palästinenser
und in den internationalen Konventionen festgelegt sind, nicht
anerkennt, dazu bestimmt ist, zu scheitern. Er hat Israel (egal ob mit
einer Labour- oder einer Likud-Regierung) gezwungen, seine Karten bezüglich
der Frage aufzudecken, was es unter einem ‚politischen Abkommen‘
versteht. Er hat die Natur des zionistischen Projektes klargestellt und
die Tatsache, dass die Position Israels auf dem Fortbestand der
Besatzung in neuen Formen basiert und der Grundgedanke seines
‚Friedens‘ ein Apartheidsystem ist, das in der Lage ist, die
Gegenwart und die Zukunft des palästinensischen Volkes unter Kontrolle
zu halten.
Er
hat bewiesen, dass die Stärke des palästinensischen Volkes nicht
unterschätzt werden darf. Das ist eine Kraft, die die Lügen der
vergangenen 10 Jahre, die um den Gedanken der ‚Normalisierung‘, der
‚Koexistenz‘ und der ‚Friedensgrundlagen‘ kreiste, enthüllt und
dem Widerstand neue Anerkennung und Bestätigung gegeben sowie Würde
und Nationalstolz verbreitet hat.
Der
Aufstand hat des Weiteren sowohl den Palästinensern wie auch den
anderen Arabern den Platz zurückgegeben, der ihnen als vollwertiger
Konfliktpartei zukommt – trotz des hohen Preises, den die Palästinenser
bezahlt haben und trotz des Ungleichgewichtes der Kräfte. Er hat der
palästinensischen Sache ihre richtige Rolle als wichtigstem
Befreiungskampf unserer Ära in der arabischen Welt und in der
internationalen Arena zurückgegeben. Und schließlich hat er den Palästinensern
eine historische Gelegenheit geboten, die Ereignisse der vergangenen
Jahre neu zu betrachten und neu zu bewerten.
Wenn
es das palästinensische Volk versteht diese Gelegenheit zu nutzen, kann
es seine auf den Widerstand gegen die israelische Besatzung und auf den
Versuch die legitimen eigenen Rechte wiederzuerlangen, gegründete
politische Strategie in besserer und klarerer Weise neu schreiben. Es
ist der Intifada gelungen, das palästinensische Volk nach 10 Jahren
interner Spaltungen und Zersplitterungen wiederzuvereinen. Wenn diese
wieder gewonnene Einheit nicht in ein klares politisches Programm mit
demokratischen Zielen und Praktiken umgewandelt wird, besteht die
Gefahr, dass das zu einem so teuren Preis erworbene Gut verloren geht.
Deshalb ist es entscheidend, dass alle politischen Parteien ihre
nationale Einheit in politische Einheit verwandeln.”
Sind
Sie für die Zukunft optimistisch?
„Gewiss
bin ich optimistisch. Und das sage ich nicht bloß aus Opportunismus,
sondern weil ich sehe, wie sich die Realität und die Geschichte bewegt
und weil ich die Kraft und die Entschlossenheit unseres Volkes kenne.
Ich sehe die Möglichkeiten der arabischen Nation und die historische
und zivilisierte Rolle, die es in der internationalen Arena spielen
kann. Der Schlüssel, um gegen jeden potentiellen internen Konflikt
Front zu machen ist, es einen demokratischen Prozess auf jeder Ebene der
Gesellschaft zu garantieren und den kulturellen, religiösen,
politischen und sozialen Pluralismus zu sichern. So dass er zu einer
Quelle des Reichtums und der Einheit anstatt zu einem Weg hin zur
Zersplitterung wird, die die ausländischen und kolonialistischen
Einmischungen begünstigt.”
Vorspann,
Übersetzung und Anmerkungen in eckigen Klammern:
Antifa-AG
der Uni Hannover und Gewerkschaftsforum Hannover |