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Frankreich: „Krisenkabinett“ wegen
anhaltender Massenproteste
„AUS
DER ABKEHR VON SARKOZY IST EIN BÜRGERKRIEG GEWORDEN“
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Kommunisten-online
vom 28. Oktober 2010 – Nachdem über 1000 Tankstellen in
Frankreich schon am 18. Oktober 2010 keinen Treibstoff mehr anzubieten
hatten und die Fernfahrer den Fernverkehr vielerorts auf den Autobahnen
zum Erliegen brachten, reagierte die reaktionäre Regierung Sarkozy mit
einem „Krisenkabinett“. Dessen ungeachtet weiteten sich die
Massenproteste gegen die Rentenreform weiter aus.
In
etlichen Städten Frankreichs, darunter Paris, Bourdeaux, Lyon, Lille
usw., blockierten Schüler den Zugang zu etlichen Einrichtungen und
lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, welche Tränengas
einsetzte und Massenfestnahmen vornahm. Die aufgebrachten Jugendlichen zündeten
vielerorts Autos an und warfen Scheiben ein.
Auch
die Energiewirtschaft sah sich schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die
Beschäftigten des Atomkraftwerks von Flamaville traten in einen 48-stündigen
Streik.
Die
Proteste werden in der nächsten Zeit weitergehen. 30-50 Prozent der Flüge
auf den großen Flughäfen müssen derzeit ausfallen, wie die Flugbehörden
berichten. (1)
Von
tagelangen Protestaktionen vielerorts gehen die französischen großen
Gewerkschaften mittlerweile zu wochenlang anhaltenden Massenprotesten über.
Beschäftigte bestreiken 12 Ölraffinerien und blockieren die
Benzin-Depots. Der Benzinmangel wird immer größer, jede fünfte
Tankstelle steht bereits ohne Treibstoff da. Geht die Entwicklung so
weiter, dürfte bis Wochenende nirgendwo in Frankreich mehr Benzin
aufzutreiben sein. Das Hamstern von Benzin hat bereits eingesetzt. Lange
Schlangen bilden sich überall dort, wo überhaupt noch Benzin angeboten
wird.
Nicht
nur der Flugverkehr, auch der Bahnverkehr ist weitgehend zum Erliegen
gekommen. Im öffentlichen Dienst, bei der Post und im Bildungsbereich
nehmen Beschäftigte massenhaft an den Protesten teil. (2)
Auf
der Homepage der französischen Humanité finden sich Berichte über die
Massenproteste in den einzelnen Städten Frankreichs mit Fotos von
Korrespondenten:
-
Jean-Marie Faucillon, 20.000 protestieren in Amiens (Foto1)
-
Jacques Defortescu, 75.000 protestieren in Rouen (Foto 2)
-
Nicolas Malnoury, 8000 protestieren in Bourgoin (Foto 3)
-
Jean van Bervesseles, 10.000 protestieren in Charleville-Mézières
(Foto 4)
„„SARKO, WOERTH, FILLON, Besson , ...marionnettes de la
finance ...“
-
Loic Beaumeyer, 3500 protestieren in Digne les Bains (Foto 5)
-
Matthieu Windey, Rekordzahl bei Protest in Grenoble, 75.000 protestieren
usw.
Die
Humanité schildert, wie die Ankündigung des Beschlusses im Parlament
über die Rentenreform das Fass zum Überlaufen brachte. Wörtlich:
„Aus der immer deutlicher gewordenen Abkehr des französischen Volkes
von Sarkozy ist ein Bürgerkrieg geworden.“ Die Menschenmassen
reagieren sehr erbittert, weil die Regierenden sehr hinterrücks
vorgegangen sind. Vordergründig beschäftigten sie die Medien in den
Sommermonaten mit den Abschiebungen von Roma aus Frankreich, während im
Hintergrund in aller Stille diese heimtückische „Rentenreform“
ausgeklüngelt wurde.
Zwei
große Umfragen haben vor kurzem ergeben, dass 70% der Bevölkerung
Frankreichs die Massenproteste unterstützt. 56% fordern, dass Sarkozy
sofort Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die Rentenreform
aufnimmt. Sarkozy jedoch reagiert nur mit Arroganz.
Die
Menschen werden immer wütender auf die Regierenden. Sie sehen in den
Regierenden die Marionetten des Finanzkapitals und erinnern sich an
Worte von De Gaulle, dass sich Frankreichs Regierung niemals der Börse
beugen wird. Schüler und Studenten solidarisieren sich stark mit der älteren
Generation beim Verteidigen des bisherigen Altersrentenstandards.
Bisher
werden die Altersrenten von Arbeitern und Angestellten durch hälftige
Beitragszahlungen des Beschäftigten und seiner Arbeitsstelle gesichert.
Auch die Anzahl der Arbeitsjahre wird einberechnet bei der Rentenhöhe.
Durch die Erhöhung des Rentenalters um zwei Jahre werden die
Rentenleistungen gekürzt, was ein soziales Unrecht darstellt. Reiche
Leute dagegen werden staatlich weiterhin geschützt, indem ihr Einkommen
zu nicht mehr als 50% besteuert werden darf.
Ermutigt
fühlen sich die protestierenden Volksmassen durch den Erfolg
vorangegangener Massenproteste, welche eine Änderung des Arbeitsrechts
verhinderten. Da war vorgesehen, Berufsanfänger über sog. Erstbeschäftigungsverträge
zu diskriminieren. (3)
Auf
die Frage, was denn passieren würde, wenn in den nächsten Tagen die
Rentenreform beschlossene Sache im Parlament geworden sein wird,
antworteten Gewerkschaftsführer: „Dann werden wir erst recht
weiterhin massenhaft protestieren.“
Quellen:
(1)
http://www.cubadebate.cu/
(2)
http://www.deredactie.be/
(3)
http://www.humaniteinenglish.com/
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Frankreichs
Kommunisten (PRCF) rufen zu internationaler Solidarität auf
KLASSENKAMPF
IN FRANKREICH IN VOLLEM GANGE
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Paris,
22. Oktober 2010, Tribuna Popular TP. (auf Kommunisten-online Am 28.
Oktober 2010) – Angesichts der bedeutenden Protestbewegung der
Arbeiterklasse gemeinsam mit den Studenten und weiteren
gesellschaftlichen Klassen und Schichten gegen die volksfeindliche
Politik der reaktionären Regierung Sarkozy richtet der Pol für
Kommunistische Wiedergeburt Frankreichs (PRCF) einen Aufruf zur
internationalen Solidarität an alle Kommunisten und Arbeiter der Welt.
Nachfolgend
der Wortlaut des Aufrufs:
Als
getreuer Handlanger des Supervorhabens der Massenverelendung der Europäischen
Union und der „französischen“ Großbourgeoisie will das
Sarkozy-Regime den Arbeitern Frankreichs eine gewaltige Kürzung bei den
Altersrenten aufzwingen. Sollte diese Gegenreform gelingen, werden alle
Errungenschaften betroffen sein, welche bisher nicht zerstört worden
sind. Außerdem setzt das Sarkozy-Regime alles daran, dem arbeitenden
Volk Frankreichs eine entscheidende Niederlage beizubringen, deren Ziel
die endgültige Zerschlagung der sozialen, demokratischen, weltlichen
und republikanischen Errungenschaften ist, wie sie in jahrhundertelangen
demokratischen Kämpfen vom arbeitenden Volk erreicht worden sind. Die
Zuspitzung der gegenwärtigen Auseinandersetzung seitens der
herrschenden Klasse erreicht einen seit 1955 nicht mehr dagewesenen Grad
und ruft bei den Arbeitern und fortschrittlichen Kräften in ganz Europa
tiefe Besorgnis hervor. Denn wenn es gelingt, die französischen
Arbeiter mit Regeln „zur Ordnung zu rufen“, mit welchen das
Thatcher-Regime einst die britischen Bergleute niederwalzte, dann wird
das reaktionäre Sarkozy-Regime Barroso sowie dem Unternehmerverband
„Business Europe“ und den anderen Regierungen der EU-Mitgliedsländern
ermöglichen, noch stärker zwischen Lissabon und Vilnius, Dublin und
Zypern zuzuschlagen.
Trotz
der Sabotage des Kampfes seitens der Führungsstäbe unterwürfiger
Gewerkschaften (die nicht die Aufhebung der üblen Texte von Fillon
fordern, sondern mit einer völlig unnachgiebigen Regierung
„verhandeln“ wollen), trotz der harten Unterdrückung durch die
Polizei dieses immer faschistoider regierenden Regimes gegen kämpfende
Studenten, trotz der vorherzusehenden Irrungen und Verrätereien der
Sozialdemokratie (der „französischen Sozialisten“ um Pascal Lamy
und Strauss-Khan, von denen der eine die Welthandelsorganisation und der
andere den IWF leiten, während Martine Aubry und Ségolène Royal
Verwirrung stiften), leisten die Arbeiter Widerstand und reagieren sie
bewundernswert mit Gegenangriffen in der großen Tradition der „bis
zum Ende durchgeführten Klassenkämpfe“, von denen Marx bezüglich
Frankreich sprach. Ihnen hat sich ein Großteil der Jugend aus den
Lehranstalten angeschlossen, welche bereits 2006 den Stopp jener
Gesetzvorhaben erreichten, welche aus dem Recht auf Arbeit eine
allgemeine Präkarisierung machen wollten.
Die
Arbeiter und die kämpferische Jugend der Universitäten und Schulen
blockieren die Kraftstofflager, die Ölraffinerien, einen Großteil des
Bahnverkehrs und einige Autobahnen. Sie stehen dabei in der
Auseinandersetzung mit unaufhörlichen Provokationen seitens der
Unternehmerschaft und der bewaffneten Einsatzkräfte des üblen
Hortefeux. Dieser Übeltäter bleibt in der Regierung, obwohl er wegen
rassistischer Verlautbarungen verurteilt worden ist.
Die
Empörung über die EU steigt derzeit unablässig an. Den mit 72% NEIN
zur EU-Verfassung abstimmenden Arbeitern ist nicht entgangen, dass die
reaktionären UMP, ein Großteil der „Umweltparteien“ und die
Sozialistische Partei parlamentarisch dem Lissabon-Vertrag zustimmten,
welcher eine Kopie der EU-Verfassung ist, wie sie in der allgemeinen
Volksabstimmung abgelehnt wurde. Immer mehr verletzt die Großbourgeoisie
die Regeln ihrer eigenen „Demokratie“ und schafft dadurch die
Bedingungen für eine direkte Auseinandersetzung mit dem arbeitenden
Volk. Um es nicht zum Bruch
mit der Europäischen Linkspartei kommen zu lassen, jener
pseudo-kommunistischen Komponente der EU des Großkapitals, und um den
Fußspuren der „sozialistischen“ Partei zu folgen, um sich nicht von
Bernhard Thibault zu distanzieren, jenem CGT-Führungsmann und Freund
von Chéreque (Chef der CFDT und Spezialist im Streikbrechertum, welcher
dreimal die Verteidigung der Altersrenten 1995, 2003 und 2007 verraten
hat), ist die offizielle Kommunistische Partei Frankreichs (PCF) unfähig,
deutlich wie die Arbeiter im Kampf die Rücknahme des
Rentenreformprojekts zu fordern, stellt sich die KP Frankreichs hinter
die doppelzüngige Parole einer „anderen Altersrente“, was auch die
Parole von Aubry und de Royal ist.
Im
Gegensatz dazu erfüllt der Pol der Kommunistischen Wiedergeburt in
Frankreich mit seinen bescheidenen Möglichkeiten seine Pflicht zur
Teilnahme an den fortgeschrittensten Kämpfen, unterstützt er die
Gewerkschaftliche Klassenfront, verkündet er in Frankreich die Unterstützung
der Kämpfe durch den Weltgewerkschaftsbund und entlarvt er damit unablässig
seit sechs Jahren die Führungsfiguren der CGT, welche den Dolch in die
Kampftraditionen jener großen CGT vom Juni 1936 und Mai 1968 stoßen.
Der
PRCF ruft die Arbeiter auf, Sarkozy wegen Verfassungsfeindlichkeit aus
dem Amt zu jagen, denn Sarkozy hat keinerlei Mandat des Volkes dafür
erhalten, das Erbe der Aufklärung und der französischen Revolution und
des Nationalrats der Résistance zu verspielen. Der PRCF ruft die echten
Kommunisten auf sich zusammenzuschließen (für einen Zusammenschluss
der echten Kommunisten in ihrem Kampf im Dezember 2010, um die Gründung
der echten KP Frankreichs durchzusetzen), für einen Zusammenschluss des
Kampfes „um die Basis“ der Klassengewerkschaften und ohne Angst vor
der Forderung nach einem völligen Zurückziehen der Sarkozy-Vorhaben
und der nach radikaler Beurteilung der Europäischen Union als
imperialistisches Kartell mit dem Ziel, alle Errungenschaften und die
nationale Souveränität der Völker Europas zunichte zu machen.
Der
PRCF entlarvt die Maske vom „sozialen Europa“, womit die EU sich
lediglich zu legitimieren versucht, um die historisch gewachsenen
Staaten zu zerstören und den Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) zu
etablieren, diesen Transmissionsriemen der EU, dessen Rolle darin
besteht, den Aufstand der Völker der EU von Athen bis Paris, von
Lissabon bis Spanien zu kanalisieren und zu neutralisieren. Und dieser
Aufstand der Völker der EU richtet sich GEGEN die gesamte europäische
Politik. Das Europa der Kämpfe bildet sich nicht „innerhalb“,
sondern „gegen“ den Aufbau der übernationalen EU, gegen den EGB und
gegen die EU-Haushaltsrichtlinien!
Der
PRCF verliert nicht aus dem Blick, dass der einzige dauerhafte Ausweg
aus der kapitalistischen Krise nur der Sozialismus sein kann und
vervielfacht andererseits die Kontakte mit den nichtkommunistischen
Republikanern, die die bedrohliche Fremdenfeindlichkeit der errichteten
Regimes vollauf bekämpfen und aus diesem üblen übernationalen Europa
aussteigen wollen, um wieder zu den Grundsätzen des gesellschaftlichen
Fortschritts, der nationalen Unabhängigkeit, des Friedens und der
Demokratie zu kommen, welche den Nationalrat der Résistance
inspirierten und Frankreich die schönsten sozialen Fortschritte
bescherten und heute von der Gaunerbande Sarkozy-Fillon zerschlagen
werden. Jawohl, um die Arbeiterklasse herum einschließlich der
eingewanderten Arbeiter ist es möglich, die überwältigende Mehrheit
des französischen Volkes zu scharen, die Mehrheit der lohnabhängigen
Zwischenschichten und auch der nicht lohnabhängigen Mittelschichten, um
das Großkapital zu isolieren und die Fahne der nationalen Unabhängigkeit
Frankreichs wie auch der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse
und der revolutionären Umgestaltung des Landes hochzuhalten. In diesem
zugleich patriotischen, internationalistischen und revolutionären Kampf
ist die Errichtung der ALBA durch die lateinamerikanischen Völker für
alle wahren Fortschrittskämpfer eine Quelle der ständigen Inspiration.
Auf
diesen Grundlagen greifen wir auf die siegreichen Prinzipien des
Klassen- und Massenkampfes zurück, errichten wir von der Basis her die
kämpferische Gewerkschaftsbewegung, vereinen wir die echten Kommunisten
außerhalb des Einflusses von Liquidatoren-Funktionären der KPF, setzen
wir die Anerkennung der wahren kommunistischen Partei durch, welche
Kommunisten aus der mehrheitlich derzeitigen Mitgliedermasse der KPF
vereint und Kommunisten, die zu Tausenden jene KPF verlassen haben und
eine Front des Patriotischen, Fortschrittlichen und Volkswiderstands (FRAP)
aufgebaut haben. Das Volk Frankreichs wird seine Kämpfe bis zum Sieg führen,
dabei die Arbeiter Europas in ihrem Kampf an seiner Seite haben und eine
politische Alternative zum Leben erwecken, die etwas ganz anderes
bedeutet als nur eine neue „Option“ der „sozialen“ Art und aus
Maastricht, was erneut die Arbeiter betrügen würde und rasch den Weg für
die Faschisten von Le Pen öffnen würde, der auf seine Weise mit der EU
konkurriert.
Darum,
um zu siegen, benötigt das Volk Frankreichs, dessen Kämpfe Gegenstand
einer gigantischen Desinformationskampagne in Frankreich und den
Nachbarländern sind, die volle Solidarität der Kommunisten, der
Arbeiter und der Demokraten der anderen Länder, darunter auch der europäischen.
Bis
zum endgültigen Sieg, für die völlige Rücknahme der Gegenreform von
Sarkozy und der EU bei den Altersrenten!
Nationalsekretariat
des PRCF
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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