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„Zweifellos
werden weitere Polizisten sterben“
Neuerlich
Attentate in Nordirland
Von
Irish
Republican Correspondent 1ú Mhi na Eanáir 2009
Quelle:
Republican Sinn Féin International Relations
Bureau vom 1. Januar 2010
Auf
Kommunisten-online am 4. Januar 2010 – Die vergangenen
Wochen sahen eine neuerliche Zunahme der Aktivitäten militanter
republikanischer Gruppen in Nord-Irland. In der Nacht von 30. auf 31.
Dezember wurde eine 380kg schwere Autobombe nahe der Stadt Newry entschärft.
Die Hauptverkehrsroute zwischen Dublin und Belfast war stundenlang
unpassierbar.
Zur
selben Zeit wurden auf die Polizeistation in Crossmaglen, Co. Armagh,
Schüsse abgefeuert. Verletzt wurde dabei niemand. Das Gebiet Süd-Armagh
gilt als eines der Zentren der Aktivität der Continuity IRA. Diese
militante republikanische Organisation bekannte sich im letzten Monat zu
drei Schussattentaten in West-Belfast.
Ende
November gab es zeitgleich einen versuchten Anschlag mit einer 100kg
Autobombe in Nordbelfast und einem Schussattentat auf einen Polizisten
in County Fermanagh.
Als
Reaktion auf diese Attentate kündigte der britische Polizeichef Matt
Baggott bis Frühjahr 2010 600 weitere RUC-Beamte auf die Straßen
Nordirlands zu bringen. Er begründete dies damit, dass die Zahl der
militanten Republikanerinnen und Republikaner in den letzten Monaten um
das dreifache gestiegen sei. 300 Personen seien derzeit unter
permanenter Beobachtung des britischen Geheimdienstes in Irland.
Die
Tageszeitung Belfast Telegraph sprach nach den Attentaten mit
einem britischen Beamten der Kolonialpolizei RUC. Sein Einsatzgebiet sei
der Raum Belfast, aus Sicherheitsgründen wolle er aber anonym bleiben.
Zur
derzeitigen Situation im Norden Irlands erklärte er: „Das ist nicht,
wofür ich Polizist geworden bin. Ich bin Mitglied der PSNI (offizieller
Name der britischen Kolonialpolizei in Irland, Anm. IRC) geworden, als
es relativ ruhig und friedlich war. Ich wollte der Öffentlichkeit
dienen – so gut ich dies eben kann. Aber ich habe mich nicht [als
Polizist] einschreiben lassen für das, was wir jetzt haben.“
„Wann
immer ein Anruf kommt und du hinaus zu einem Einsatz musst, denkst du
dir: ‚Das könnte er gewesen sein, das könnte der Anruf gewesen
sein.’“
Er
berichtete weiter, dass er nie Polizist geworden wäre, hätte er
gedacht, dass sich die Situation derart entwickeln würde. Mit der
Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens 1998 dachte er, in Irland sei
nun Friede eingekehrt und so schloss er sich der Kolonialpolizei ein. Hätte
er gewusst, dass die Republikanische Bewegung wieder diese Stärke und
Bedrohung für die britischen Beamten in Irland erreichen werde, wäre
er nicht Polizist geworden.
„Die
permanente Bedrohung und Angst hört nicht auf, wenn dein Dienst zu Ende
ist. Bevor du zur Arbeit fährst, musst du deinen Wagen und die Umgebung
deines Hauses kontrollieren und dir sicher sein, dass keine Gefahr
besteht. Wenn du zu oder von der Arbeit fährst, sitzt du nicht einfach
im Auto. Die stehst ständig unter Spannung, die blickst nervös in alle
Richtungen, schaust ob dich jemand verfolgt.“
Täglich
werden er, seine Kolleginnen und Kollegen in Sitzungen über die Aktivitäten
der Republikanerinnen und Republikaner in ihrer Gegend informiert.
Beamte werden informiert, wenn sie beobachtet werden und die Gefahr
eines Attentates besteht.
Im
Jahr 2009 mussten über 20 Polizisten ihr Wohnhaus verlassen und an
geheime Orte gebracht werden, da ihr Leben bedroht gewesen ist. Der
Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses von Maghaberry musste nach nur
fünf Monaten seinen Dienst quittieren, da er von der republikanischen
Organisation Real IRA Drohungen erhielt. Drei Bomben wurden vor seinem
Haus nahe Belfast entschärft. Seine Familie zog aus Angst zurück nach
England, er selbst lebte wochenlang versteckt im Hotel.
„Ich
selbst kenne zwei Beamte, die in den letzten vier Wochen ihr Haus
verlassen mussten. Du bist zu Hause und plötzlich kommt die [britische]
Armee. Dein Haus wird leer geräumt und du und deine Familie werden an
einen sicheren Ort gebracht.“
Im
März wurden zwei britische Soldaten von der Real IRA und ein britischer
Polizist von der Continuity IRA erschossen. „In den letzten Wochen war
es einfach nur Glück, dass nicht mehr Polizisten starben. Ich habe da
gar keine Zweifel, es werden weitere Polizisten sterben.“
Polizisten
nehmen aufgrund der Bedrohungen ihre Waffen nun mit nach Hause. „Wir
wollen nicht in die Arbeit gehen und erschossen werden. Wir wollen nicht
nach Hause gehen und erschossen werden. Das alles lässt dich nicht mehr
in Ruhe, es beeinflusst dein ganzes Leben.“
Er
berichtete, man könne sich nicht mehr frei bewegen, er müsse ständig
überlegen, wohin er gehen könne: „Ständig blickst du über deine
Schulter und schaust, wer sich hinter dir befindet. Wenn du in ein
Restaurant gehst, ist das erste, wenn du es betrittst, dass du schaust,
wer noch da ist und wo der Notausgang ist. Ständig blickst du im Raum
herum und überlegst, wie der schnellste Weg zum Ausgang ist. Du kannst
das Leben nicht mehr genießen.“
„Doch
nicht jedes Gebiet ist gleich. Es gibt gefährlichere und weniger gefährlichere
Gegenden“, erklärt der Polizist weiter. „Noch vor 18 oder 19
Monaten wärst du bei einem Anruf einfach hinausgegangen und hättest
geschaut, was los ist. Nun dauert es länger. Du musst bei Notrufen zunächst
gewisse Dinge prüfen. Mehr Beamte müssen nun zu Einsätzen fahren als
damals. Man fährt nicht mehr alleine. Die Zeit, die es nun dauert, zum
Einsatzort zu gelangen hat, sich um vieles verlängert.“
„Die
Moral unter den Polizisten ist am Boden. Bei jedem Einsatz gehst du
hinaus und denkst dir: ‚Das könnte er sein. Das könnte dein letzter
Einsatz sein.’“
Er
berichtete, dass immer mehr britische Polizeibeamte in den Krankenstand
gehen, da sie den psychischen Stress nicht mehr aushalten.
Als
Reaktion auf die Aktivitäten militanter republikanischer Organisationen
ordnete der britische Polizeichef in Irland Matt Baggott an, 600 weitere
Polizeibeamte auf die Straßen des besetzten Irland zu bringen.
Zudem
ist die britische Armee wieder aktiv in Irland. Bei Verhinderung eines
Attentatversuchs in der Kleinstadt Garrison Ende November war eine
geheime Spezialeinheit der britischen Armee aktiv. Diese Einheit, die
den Namen Special Reconnaissance Regiment (SRR) trägt,
operiert völlig klandestin und war in den 1980er Jahren an der
Exekution von dutzenden irischen Nationalisten beteiligt. Bereits im
Februar 2009 wurden Mitglieder dieser Einheit abermals nach Irland
verlegt.
Weiters
berichtete der irische Fernsehsender RTÉ, dass bei der Entschärfung
der Autobombe letzten Mittwoch mehrere Mitglieder der britischen Armee
beteiligt waren.
Irish
Republican Correspondent, 1ú Mhi na Eanáir 2009
Published
by the Republican Sinn Féin International Relations Bureau, http://rsf-europe.blogspot.com/
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