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Gewerkschaften
einig gegen Regierung
GRIECHENLAND
IM GENERALSTREIK
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Athen,
24. Februar 2010, Tribuna Popular.-
Ein massiver Generalstreik legte Griechenland heute tagsüber völlig
lahm. Die werktätige Bevölkerung befolgte dabei gleich zwei Aufrufe:
einen vom Verband der Griechischen Werktätigen (GSEE), welcher
regierungsnah ist und durch seine Einzelgewerkschaften erheblich unter
Druck gesetzt worden ist. Und einen weiteren von der Kommunistischen
Gewerkschaft der Werktätigen (PAME), welcher auch die
Massenprotestkundgebungen auslöste.
Es
gab nicht einmal mehr Flugverkehr im griechischen Luftraum. Auch der
Schiffsverkehr und der Zugverkehr kamen völlig zum Erliegen. Die
Krankenhäuser behandelten lediglich noch Notfälle. Schulen und
Universitäten blieben geschlossen. Die staatlichen Verwaltungen wurden
nicht für die Öffentlichkeit geöffnet. Ebenso blieben die Museen
geschlossen. Natürlich gab es auch Angestellte und Arbeiter, die den
Lohn nicht verlieren wollten und an diesem Tage zu ihren Arbeitsplätzen
gingen. Am Streik beteiligten sich sogar die Journalisten und die
Fernsehtechniker.
„Die
Reichen sollen zahlen“, so der Ruf der protestierenden Arbeiter und
Angestellten an die Regierung, welche sich als sozialistisch bezeichnet
und dennoch die Lohn- und Gehaltsempfänger arg beutelt und die
Unternehmer unterstützt, welche die Krise verursacht haben.
Die
zum Streik aufrufenden Gewerkschaften vertreten ca. zwei Millionen Werktätige
im öffentlichen und privatkapitalistischen Wirtschaftsbereich. Sie
protestierten gegen die Kürzungsmaßnahmen der „sozialistischen“
Regierung von Iorgos Papandreu. In allen größeren Städten gab es
friedliche Massendemonstrationen unter der Parole „Die Reichen sollen
die Krise zahlen“. In Athen kam es zu großen Massendemonstrationen,
die von der Polizei gewaltsam unterdrückt wurden, welche die
Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit des Volkes nicht respektierte.
Ianis
Papagopulos, der Vorsitzende des Verbandes der Griechischen Werktätigen,
äußerte: „Die Griechen sind sich der schlechten Wirtschaftslage
bewusst. Aber die Maßnahmen sind nicht gerecht. Wir fordern eine
richtige Lastenverteilung, damit die Werktätigen und die Rentner nicht
für eine Krise zahlen, die sie nicht verursacht haben.“ Und er stellt
fest, dass über 80% der griechischen Werktätigen am Streik
teilgenommen haben.
Dieser
Massenprotest ist zur ersten Auseinandersetzung zwischen der Regierung
von Iorgos Papandreu und dem werktätigen Volk geworden. Dies nach Verkündung
des Stabilitätsprogramms, welches die Löhne der öffentlich Beschäftigten
einfriert, die Staatsausgaben um 10% kürzt (durch Verkleinerung des
gigantischen öffentlichen Dienstes) und eine Steuer- und Rentenreform
einleitet. All dies empört faktisch alle Arbeiter und Angestellten
Griechenlands.
Die
Gewerkschaften widersetzen sich gemeinsam mit der Kommunistischen Partei
Griechenlands und den Linkskräften diesen harten Sozialkürzungen. Sie
sehen es so, dass wieder einmal die Werktätigen, die Angestellten und
die Rentner den Preis der Krise zahlen sollen, nicht jedoch die die
Krise verursachenden Kapitalisten und Bevölkerungsschichten mit den höchsten
Einkommen. Sie fürchten die Rezession, den Verlust sozialer
Sicherheiten und glauben nicht mehr an die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.
Sie befürchten fernen, dass es zusätzlich auf Druck der EU Maßnahmen
der Regierenden geben wird, die jeglichen Kündigungsschutz aufheben und
Massenentlassungen zur Folge haben werden, betriebliche
Kollektivvereinbarungen außer Kraft setzen und das Eintrittsalter in
die Altersrente hoch setzen.
Griechenland,
lt. EU schlechtestes Land der Euro-Zone
Die
Regierung Griechenlands hat sich verpflichtet, das öffentliche Defizit
um 4 Prozentpunkt zu senken, denn es liegt jetzt bei 12,7% des
Brutto-Inlands-Produktes. Die Regierung ringt politisch tagtäglich
darum, die Kreditwürdigkeit des Landes zu verbessern, welche in den
internationalen Finanzmärkten und in der Euro-Zone stark angeschlagen
ist. Bis zum 15. März muss die griechische Regierung in Brüssel
beweisen, dass die ergriffenen Maßnahmen wirken. Wenn nicht, muss sie
neue Maßnahmen ergreifen. Die Beschuldigungen bewusster Verfälschung
der Wirtschaftsdaten in den letzten Jahren hat die Lage des Landes mit
dem höchsten Defizit und der höchsten öffentlichen Verschuldung in
der Euro-Zone weiter verschlechtert. Auf diese Beschuldigungen aus der
EU reagierte die griechische Regierung mit dem Vorwurf der Doppelmoral
an die EU.
Die
EU bezeichnete gestern die Erklärungen als „unvollständig“, die
Griechenland ihr gegenüber über die Verwendung der Finanzhilfe der
Investitionsbank Goldman Sachs abgegeben hatte. Konkret soll
Griechenlands Regierung sein wirkliches Ausmaß an öffentlicher
Verschuldung durch Devisenschiebereien verschleiert haben. Die
griechischen Erklärungen darauf erfolgten mit einer Verzögerung von
vier Tagen.
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/
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