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Flugblatt
der belgsichen Gewerkschaft ACV-CSC
zur
Vorbereitung des Generalstreiks und der Kampfdemonstration in Brüssel
am 24. März 2011
EUROPA
- FREUND ODER FEIND?
Die
Eurokraten schlagen uns Worte um die Ohren wie 'Wirtschaftsregierung', 'bottlenecks',
'frontloading' ... ! Eigentlich sagen sie, 'dass die Arbeiter die Krise
bezahlen müssen'.
Nicht
mit uns
Einer
bessere europäische Aufsicht bei den Haushalten der Mitgliedsländer,
eine starke Koordinierung, ein Mißmanagement in bestimmten Ländern
haben Auswirkungen auf andere Mitgliedsländer. Unter der Bedringung,
dass ein Gleichgewicht zwischen sozialen, wirtschaftlichen und
Umweltzielen da ist und das alles mit Respekt für die Sozialpartner
vonstatten geht.
Was
wir sehen
Das
europäische soziale Modell will man in den Boden stampfen. Das
belgische Modell will man zum Wohle der Finanzmärkte versenken. Irland
und Griechenland bieten dafür erträumte Vorwände. Die Staatsausgaben
sollen gekürzt werden! Der Arbeitsmarkt muß reformiert werden! Die
Mechanismen der Lohnbildung, die Indexierung, die
Arbeitslosenversicherung, der Kündigungsschutz, Vorruhestandsrenten und
Renten ab 65 sollen nicht mehr in diese Zeit passen!
Und
vor allem: Bloß nicht zu scharf Richtung Finanzmärkte ausholen!
Das
bedeutet, dass die Arbeiter die Rechnung dreifach zahlen: erst kommt die
zeitweilige oder völlig Arbeitslosigkeit unter Druck. Dann folgt die
haushaltsmäßige Axt auf die Arbeiterrechte. Und die soziale Sicherheit
und Löhne sollen schließlich angetastet werden!
Es
sah so schön aus
Was
war und ist unser Europäischer Traum geblieben: eine nachhaltige
Sozial- und Wirtschaftspolitik. Mit einem Gleichgewicht zwischen und
einer Vermischung von sozialen, wirtschaftlichen und Umweltzielen. Gegründet
auf eine nachhaltige Finanzpolitik. Mit Vorrang für die Regulierung der
Finanzmärkte. Ein Stopschild für das steuerliche und soziale Dumping a
la Deutschland. Wir haben keine Lektionen von Frankreich und Deutschland
erteilt zu bekommen. In nur vier Jahren ist dort die Zahl der Menschen
im Armutsrisiko um mehr als ein Viertel gestiegen. Derweil Europa dieses
Risiko nur um 25% vermindern will!
Noch
nicht zu spät
Bei
uns, aber auch in anderen Ländern nimmt die Unruhe zu. Handeln auf
europäischer Ebene ist notwendig, um unser soziales Modell zu retten.
Wir müssen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Rat und dem
Europäischen Parlament deutlich machen, dass es mehr als ein Schritt zu
weit ist, dass wir die Errungenschaften der Arbeiter nicht antasten
lassen. Dafür haben wir 125 Jahre lang gekämpft. Es sind nicht die
Arbeiter, die die Krise verursacht haben! Laßt die Finanzmärkte
bezahlen, nicht die Arbeiter.
10
Forderungen an Europa
-1-
Freiheit für den Index für Arbeiter, Angestellte und Beamte und die
Sozialleistungen.
Europa,
Hände weg vom Index.
Pack
die Probleme an der Wurzel an: überhöhte Preise für lebensnotwendige
Produkte: Elektrizität, Gas
Nahrungsmittel...
-2-
Raum für Lohnverhandlung in den Branchen und Betrieben.
Europa,
stopp das Eindreschen auf die Freiheit der Tarifverhandlungen.
Laß
die Arbeiter am Wachstum und an den Profiten teilhaben.
-3-
Bekämpfe die Armut bei Arbeitenden.
Europa,
sorge dafür, dass in jedem Land, in jeder Branche und fürf alle
Altersstufen menschenwürdige Mindestlöhne kommen. Stop die Kritik,
dass die heutigen Mindestlöhne zu hoch sind.
-4-
Menschenwürdige Leistungen für Langzeitarbeitslose.
Europa,
bekämpfe die Langzeitarbeitslosigkeit, nicht die Langzeitarbeitslosen.
Stop die Bestrebungen, ihre Leistungen einzustellen oder zu kürzen.
-5-
Fördere die Arbeitssicherheit.
Europa,
mach flexible Arbeitsverträge sicherer. Anstatt Festverträge durch
Abbau des Kündigungsschutzes unsicherer zu machen.
-6-
Wenn die Zeit kommt, den Ruhestand genießen.
Europa,
wage es nicht, die Rentenalter anzuheben. Pack die Arbeitslosigkeit der
18- bis 64-Jährigen an. Insbesondere bei Jüngeren.
-7-
Menschenwürdige Vorruhestandsregelungen.
Europa,
stop eine Angriffe auf den Vorruhestand. Überzeuge die Bosse, Älteren
nicht die Tür zu weisen, sondern sie einzustellen. Hilf älteren
Arbeitern, ihren Arbeitsplatz zu behalten oder an einen Arbeitsplatz zu
kommen.
-8-
Lebenssichernde Renten.
Europa,
die belgischen Renten sind nicht groß. Jage keinen Rentner in die
Armut, indem du die Renten nach Maßgabe der Steigerung der
Lebenserwartung senkst.
-9-
Saniere dich sozial.
Europa,
mißbrauche die Sanierung der Haushalte nicht, um blind auf die soziale
Sicherheit und die öffentlichen Dienstleistungen einzuprügeln. Schau
da auch mal, was an der Einnahmenseite gemacht werden kann. Durch stärkere
Besteuerung von Vermögen und Vermögen aus Vermögen einschließlich
einer Steuer auf finanzielle Transaktionen. Und durch Stopfen der Löcher
für Steuerbetrug, Beitragshinterziehung und Steuerflucht.
-10
Finanzmärkte an die Leine.
Europa,
stopp den Wahn, den Arbeitsmarkt zu reformieren. Beginn endlich mal mit
der Reform der Finanzen.
Hilf
Heinrich
Heinrich,
Hélène, Henry, Heidi, Hugo,… alle symbolisch für die Arbeits- und
Lebensumstände von immer mehr europäischen Arbeitern.
Dabei
verweisen die Medien auf Deutschland als Modell. Wir wollen mit
konkreten Beispielen das Bild zeichnen und korrigieren. Nicht mit großem
Getöse, sondern mit realistischen Beispielen.
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Quelle:
E-Mail der ACV-Gewerkschaft
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