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Kommunistische
Partei Griechenlands (KKE):
Stellungnahme
zur Krise der Weltwirtschaft
Übersetzung
aus dem Englischen: Klaus von Raussendorff
KKE/Athen,
2. Oktober 2008 - Die Erscheinungen einer Krise in den
Volkswirtschaften der USA und der EU-Länder, die als Tendenz zu Pleiten
im Finanzsektor zum Ausdruck kommen, offenbaren den anarchischen
Charakter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Verfall und
Parasitentum des gegenwärtigen Wirtschaftssystems beruhen auf dem
Privateigentum und Aktieneigentum an konzentrierten Produktionsmitteln
als Quelle der täglichen Käufe und Verkäufe von Anteilscheinen (von
an sich wertlosen Finanztiteln auf künftige Profite) durch Banken,
Versicherungsgesellschaften, Aktienmärkte etc.
Krisenerscheinungen
waren, sind und bleiben das unausweichliche Schicksal aller
kapitalistischen Volkswirtschaften. Dies zeigt, daß der Kapitalismus
nicht allmächtig ist.
Es
gibt keine Form der organisatorischen Gestaltung, die das System seines
Verfalls entledigen könnte, ob der Staat nun den überschuldeten Banken
und anderen Firmen mit Bürgschaften aus der Klemme hilft oder es dem
Markt überläßt, über Rettung oder Wertverlust zu entscheiden.
Ungeachtet der Tiefe und des Umfangs, den die gegenwärtige Krise schließlich
annimmt, zittern die Manager mit Recht vor der Gefahr ihrer eigenen Unfähigkeit,
die Folgen zu beherrschen, durch die ihre politische Stabilität gefährdet
werden kann.
Die
Erhöhung der Ausbeutung der Angestellten und des Drucks auf die Selbständigen,
die im Interesse der Steigerung und Aufhäufung von Profiten erfolgte,
erfaßt und erwürgt die ganze Volkswirtschaft. Die Gefahr
atemberaubender Einbußen betrifft nun auch die gut bezahlten
Angestellten des Finanzsektors und der Mittelschichten, die bisher ihr
Einkommen durch Rentenpapiere, Anlagefonds, Aktien etc. erhöht haben.
Mit Sicherheit bedroht die Gefahr auch die einfachen Angestellten, die
massenweise ihre Arbeitsplätze und kleinen Spareinlagen verlieren können.
Was
für die Bourgeoisie eine Bedrohung ihrer wirtschaftlichen und
politischen Stabilität darstellt, bedeutet Hoffnung für die Kräfte
der Arbeiterbewegung und der breiten Bevölkerung. Es kommt entscheidend
darauf an, den einzig realen Ausweg nicht außer Acht zu lassen: Das
verwundete Tier sollte mit vereinten Kräften angegriffen werden, ihm
sollte keine Zeit, seine Wunden zu heilen, kein Raum zur Erholung
gelassen werden. Als unabdingbare Notwendigkeit erweist sich:
Gemeineigentum an den konzentrierten Produktionsmitteln, zentrale
Planung der gesellschaftlichen Produktion, Kontrolle durch die Arbeiter
und Kräfte der Gesellschaft, was einen Umsturz auf der Ebene der Macht
erforderlich macht.
Es
geht nicht um Untergangsstimmung oder Übertreibung. Wir behaupten
nicht, daß bereits eine Krise, ähnlich derjenigen von 1929, gekommen
ist. Doch die gewohnte Fähigkeit der Bourgeoisie, immer wieder
staatliche Regulierungsmaßnahme zu ergreifen, um das System durch Irreführung
und Einbindung der Kräfte der Arbeiterbewegung und der breiten Bevölkerung
zu retten, hat ihre Dynamik verloren, die sie in den ersten zwanzig
Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte.
Wir
appellieren an die Bevölkerung, sich von absichtlich irreführenden
Vorstellungen über eine Regulierung, eine Rationalisierung und
Humanisierung des Kapitalismus abzuwenden, die den Liberalismus dämonisieren,
um ihn zu retten.
Wir
mögen heute noch nicht alle Bedingungen für den Umsturz der
kapitalistischen Macht geschaffen haben, aber die gegebenen Bedingungen
signalisieren die Möglichkeit einer beschleunigten Bewegung im
Interesse der Völker.
Die
KKE hat die Forderungen nach Sofortmaßnahmen zur Anhebung von Löhnen
und Renten befürwortet und unterstützt, während dies von ND, PASOK
und SYN geschlossen als maximalistisch angesehen wurde. Heutzutage sind
Versprechungen zugunsten des Volkes nichts als leere Worte. Das Volk muß
sie zurückweisen und sich sein Urteil nach der politischen Praxis der
Parteien bilden.
Die
ND-Regierung ist entschlossen, mit den so genannten Reformen zugunsten
des Großkapitals und der Monopole weiterzumachen. PASOK, die größte
Oppositionspartei, schlägt keine alternative Lösung vor. Mit Unterstützung
von SYN/SYRIZA führt die Partei in die Irre und verbreitet Illusionen,
indem sie überholte und bankrotte politische Theorien vertritt, die
sich für eine faire Wohlstandsverteilung im Rahmen des Kapitalismus
aussprechen. Doch wieder einmal haben die Entwicklungen in den
Volkswirtschaften der USA und der EU gezeigt, daß die bürgerlichen
Alternativen einer anderen Handhabung des Systems völlig widersprüchlich
und gegen die Interessen der breiten Bevölkerung gerichtet sind
Die
KKE fordert die Bevölkerung erneut dringend auf, zum Gegenangriff überzugehen
und den Kampf aufzunehmen, und zwar für:
-
Mietzuschüsse für Arbeitslose und Jugendliche. Zinsfreie
Immobiliendarlehen für junge Paare zum Erwerb eines Hauptwohnsitzes;
-
Einstellung aller Zwangsvollstreckungen und Versteigerungen von Eigentum
von Werktätigen aufgrund von Darlehnsschulden für einen Hauptwohnsitz;
-
Abschaffung der künstlichen Vermischung von Zinsen für alle Darlehen;
-
Abzugsfähigkeit der Gesamtzinsen für Immobiliendarlehen für einen
Hauptwohnsitz vom steuerpflichtigen Einkommen;
-
Einfrieren der Darlehen von Arbeitern, die derzeit arbeitslos sind;
-
Staatliche Vorsorge für die Umsetzung von Wohnungsprogrammen. Moderne
und sichere Wohnungen zu niedrigen Mieten;
-
Wesentliche Anhebung von Löhnen gemäß den modernen Bedürfnissen der
Menschen. 1.400 Euro Mindestlohn, 1.150 Euro Mindestrenten,
Arbeitslosengeld (80 Prozent des Mindestlohns) für die ganze Zeit der
Arbeitslosigkeit. Entlassungsgeld für alle.
-
Anhebung des persönlichen Steuerfreibetrages (ohne Kinder) auf 15.000
Euro;
-
Abschaffung der Umsatzsteuer auf Güter des Massenverbrauchs und
Treibstoff für Heizung und Fahrzeuge für Bauernhaushalte wie für den
allgemeinen Verbrauch der Bevölkerung.
-
Öffentliche Sozialversicherung ausnahmslos für alle, womit der Plünderung
der Pensionsfonds Grenzen gesetzt und nicht einfach nur die Anlage in »strukturierte
Obligationen« verhindert wird.
Die
KKE appelliert an Angestellte, Bauern, Selbständige, fortschrittliche
Bewegungen der Jugend und Frauen, zum Gegenangriff überzugehen und
vereint für die dringenden Bedürfnisse der Bevölkerung zu kämpfen,
sich von den Parteien zu trennen, welche die Einbahnstraße der
EU-Politik und „EU-Hörigkeit“ unterstützen, d.h. ND und PASOK
sowie ihre Verbündeten, die KKE zu unterstützen, d.h. die Partei,
welche die einzig reale wirtschaftliche und politische Alternativ-Lösung
für die Bevölkerung vertritt.
Athen,
2. Oktober 2008 |