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APPELL
DER KOMMUNISTISCHEN ORGANISATION GRIECHENLANDS (KOE)
LASST
UNS AUFSTEHEN UND SIE STÜRZEN!
HERAUS
ALLE MITEINANDER - FÜLLT DIE STRASSEN!
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Athen,
30. Mai 2011, KKE-Website. (auf Kommunisten-online am 3. Jun i 2011) –
Dieser Moment ist kritisch für den Kurs des Landes. Das Meer von
Menschen, welches gestern den Platz der Verfassung in Athen bedeckte,
wie auch die nie dagewesenen Massenkundgebungen in Dutzenden Städten in
ganz Griechenland kennzeichnen den Eintritt in eine neue Phase. Der am
25. Mai außerhalb von Parteien und Gewerkschaften geborene Moment ist
eine ganz bedeutende Entwicklung. Das Volk überflutet spontan die
Schauplätze und macht die ersten Schritte hin zu einem großen
sozialen, demokratischen und landesweiten Aufstand.
Ein
solcher Aufstand ist die notwendige Vorbedingung, um unser Volk
erfolgreich beim Erringen einer wirklichen Veränderung vorankommen zu
lassen. Um einen Übergang des Volkes stattfinden zu lassen, welcher dem
Volk die Hoffnung und das Lächeln in unsere Gesellschaft bringen wird.
Um solche politischen Spielarten und solche Politiker zu verhindern, die
jahrzehntelang regiert haben und bei jeder Wiederkehr die Zerstörung
brachten.
Die
Regierung, die IWF-EU-EZB-Troika, die zugunsten deren Vereinbarung
eintretenden Parteien, das korrupte und bankrotte politische System, die
regierungsnahen Medienleute müssen jetzt die Stimme der Empörung des
Volkes hören: Genug ist genug! Es ist an der Zeit, dass sie gehen!
Ein
ganzes Jahr lang haben die Politiker des Systems, die Bankiers und die
ausländischen Kreditgeber gegen das arbeitende Volk intrigiert, es verhöhnt
und terrorisiert, die Volksmassen in Armut und Massenarbeitslosigkeit
gestoßen, die Jugend zur Zukunftslosigkeit und Depression verurteilt.
Denken sie immer noch, dass sie ungestört mit ihren zerstörerischen
politischen Spielarten weitermachen können?
Vor
einem Jahr stimmte das Parlament für die Vereinbarung mit der
IWF-EU-EZB-Troika und brach damit die Verfassung. Heute sind die dem
Volk abverlangten Opfer unerträglich, und sie fordern da immer noch
mehr. Sie bringen die Volksmassen an die Grenzen des Überlebens. Und
sie verschärfen die Pleite.
Seit
einem Jahr setzen die Regierung, die Troika, ihr politisches System und
ihre Medien die Umgestaltung Griechenlands in ein „Drittweltland“
durch. Die Vereinbarung verwandelte Griechenland in eine Müllhalde
voller Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Sackgassen. In wenigen
Monaten erlebten wir einen gigantischen Rückschritt.
Die
Regierung von Papandreou und PASOK opfert den Boden und das Blut
Griechenlands. Diese Regierung ist politisch, moralisch, der Nation
gegenüber und rechtlich verantwortlich und schuldig. Die derzeit
stattfindende Zerstörung ist historisch beispiellos. In der
Vergangenheit fand Ausplünderung und soziale Barbarei ähnlichen Ausmaßes
nur in Kriegen und während der Nazi-Besatzungszeit statt.
„Premierminister“ Papandreou begeht derzeit vorsätzlich Verbrechen.
Er muß nicht länger an der Macht bleiben!
Die
Bewegung des 25. Mai brach aus und fordert wirkliche Demokratie.
Das ist eine gerechte und zeitgemäße Forderung, weil in unserem Land
sowie überall in Europa die „Märkte“ und die Banken und nicht die
Völker an der Macht sind. Zur gleichen Zeit stampft die Troika
die Würde und die Verfassung unseres Landes nieder. Sie ist
dabei bestrebt, auf arroganteste Weise einen erzwungenen Konsens der
politischen Parteien durchzusetzen.
Das
griechische Volk brachte auf den Plätzen eine mitreißende
Stellungnahme an die „Regierung“, die Troika und deren Lakaien
hervor: Nicht nur stimmen wir Euch nicht zu, sondern wir erkennen Euch
nicht an. Wir sehen Euch nicht als rechtmäßig an. Wir sagen Euch, dass
Ihr zu gehen habt.
Die
gestrige Erklärung der Massenkundgebung auf dem Platz der Verfassung
„Wir werden nicht gehen, bis Ihr gegangen seid“ hat die Plätze des
ganzen Landes in Bollwerke der Demokratie, der Hoffnung, der Anteilnahme
und der Solidarität verwandelt. Dieser Kampf darf nicht enden, bis er
das politische System des Bankrotts und der Korruption auf den Müllhaufen
der Geschichte befördert hat!
In
diesen kritischen Momenten richtet die Kommunistische Organisation
Griechenlands (KOE) einen Aufruf an die gesamte Mitgliedschaft und an
die Freunde der KOE:
Genossen!
Bietet
Euer Bestes auf in diesem einzigartigen Volksbegehren!
Arbeitet
hart, um es noch massiver und noch entschlossener zu machen!
Spielt
Eure Rolle, damit weitere hunderttausende und gar Millionen Menschen die
Plätze und Straßen des Landes füllen!
Kämpft
zur Vertreibung jener Schuldigen und zum Erringen einer besseren
Zukunft!
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Die
Kommunistische Organisation Griechenlands
richtet auch einen
Aufruf
an die gesamte Linke:
Der
beste Dienst, den die gesamte Linke heute anbieten kann, besteht darin,
den Rahmen dieses politischen Systems zu verlassen
und keine Scheu zu haben dazu beizutragen, es zu überwinden!
Mehr noch, die Linke muß die unabhängige Volksbewegung respektieren
und nicht ängstlich versuchen, diese oder jene einzelne Einschätzung
dem Volk aufzudrücken. Bis heute stellt das unabhängige, entschlossene
und demokratische Wesen dieser großartigen Massenbewegung ihren
Massencharakter sicher und läßt sie zu einem wahren Ausdruck des
Volkswillens werden.
Wir
durchleben bedeutende Momente! Indem wir die Kraft von Zehntausenden und
Hunderttausenden Menschen spüren, die täglich die Plätze des Landes
besetzen, setzen wir all unsere Kräfte für eine große Veränderung
frei!
Fegt
die Regierung, die Troika und die Vereinbarung hinweg!
Überwindet
das politische System des Bankrotts und der Korruption!
Wahre
Demokratie, JETZT!
Athen,
30. Mai 2011
Kommunistische
Organisation Griechenlands
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RESOLUTION
DER VOLKSKUNDGEBUNG AUF DEM PLATZ DER
VERFASSUNG (SYNTAGMA-PLATZ)
Seit
langer Zeit sind Entscheidungen uns betreffend ohne uns getroffen
worden. Wir sind Arbeiter, Arbeitslose, Rentner, Jugendliche. Wir sind
auf den Platz der Verfassung (Syntagma-Platz) gekommen, um für unser
Leben und unsere Zukunft zu kämpfen und zu ringen. Wir sind hier, weil
wir wissen, dass die Lösungen unserer Probleme nur von uns selbst
kommen kann.
Wir
rufen alle Einwohner von Athen, die Arbeiter, die Arbeitslosen und die
Jugendlichen dazu auf, auf den Platz der Verfassung (Syntagma-Platz) zu
kommen. Wir rufen alle in der Gesellschaft dazu auf, die öffentliche Plätze
zu füllen und das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Auf diesen öffentlichen
Plätzen werden wir gemeinsam unsere Forderungen und Ansprüche
formulieren. Wir rufen alle in den kommenden Tagen streikenden Arbeiter
dazu auf, ihre Gesichter zu zeigen und auf dem Platz der Verfassung (Syntagma-Platz)
zu bleiben.
Wir
werden die Plätze nicht eher verlassen, bis jene, die uns gezwungen
haben, hierher zu kommen, abhauen: Die Regierungen, die Troika (EU. EZB
und IWF), die Banken, die IWF-Vereinbarungen, und jeder, der uns
ausbeutet. Wir senden an sie die Botschaft aus, dass die Schulden nicht
unsere Schulden sind.
DIREKTE
DEMOKRATIE JETZT!
GLEICHHEIT
- GERECHTIGKEIT - MENSCHENWÜRDE!
Der
einzige verlorene Kampf ist derjenige, der nie geführt worden ist!
Syntagma-Platz,
28. Mai 2011
Die
Volksversammlung
Quelle:
Rundmail der KP der Philippinen
Anmerkung
von Jens-Torsten Bohlke: Die KOE ist nicht identisch mit der KKE. Eine
Beschreibung der KOE findet sich hier:
http://en.wikipedia.org/
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Griechenland
Anmerkungen
zum Text der Kommunistischen Organisation Griechenlands (KOE)
Kann
es eine Revolution ohne die Führung durch eine revolutionäre Partei
geben?
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
am 3. Juni 2011 – Mit sehr viel Sympathie habe ich den Text der
KOE gelesen und freue mich, dass das griechische Volk sich nicht dem
Diktat von IWF-EU-EZB und der Regierung Giorgos Papandreou kampflos unterwirft.
Dass
das griechische Volk sich heldenhaft gegen den Angriff des Imperialismus
auf seine Lebensgrundlagen wehrt, ist uns allen in Europa ein Vorbild.
Aber
es ist ein Abwehrkampf und bleibt – bei aller Radikalität der
Auseinandersetzung – ein solcher Kampf für soziale Rechte. Das ist wichtig, richtig und gut, wir sollten es nicht
klein reden.
Aber
es auch nicht groß reden. Die Genossen der KOE tun es, wenn sie schreiben:
„Die
Bewegung des 25. Mai brach aus und fordert wirkliche Demokratie. Das ist
eine gerechte und zeitgemäße Forderung, weil in unserem Land sowie überall
in Europa die „Märkte“ und die Banken und nicht die Völker an der
Macht sind. Zur gleichen Zeit stampft die Troika
die Würde und die Verfassung unseres Landes nieder. Sie ist
dabei bestrebt, auf arroganteste Weise einen erzwungenen Konsens der
politischen Parteien durchzusetzen…“
„Wirkliche
Demokratie“ kann es die im kapitalistischen System geben? Nicht das
werktätige Volk herrscht, sondern die Schmarotzer in den Großbanken
und Chefetagen der Konzerne. Was ist daran wirklich demokratisch?
Ferner
fordert Ihr:
„Wahre
Demokratie, JETZT!“ Im Kapitalismus? Wohl kaum.
Wahre
oder wirkliche Demokratie, also die Herrschaft der Mehrheit des Volkes,
ist erst möglich, wenn die Arbeiterklasse im Bündnis mit anderen
fortschrittlichen Klassen und Schichten, insbesondere den werktätigen
Bauern, die Herrschaft des Kapitals, also im gegenwärtigem Fall die der
Troika aus IWF-EU-EZB, gewaltsam gebrochen hat. Und hinter diesen drei
steht wiederum das Bankenviertel von Frankfurt am Main. Dahin fließen
die Gelder, die die Regierung Papandreou ihrem Volk abpresst.
Der
großartige Kampf der Griechen gegen diese Politik ist ein Kampf gegen
die Angriffe des Kapitals, aber (noch) nicht ein Kampf gegen die
Diktatur des Kapitals und ein Kampf um die Zerschlagung dieser Diktatur.
Der
Kampf in Eurem Land ist also ein Kampf gegen die Auswüchse des Systems
des Kapitalismus und noch keiner gegen den Kapitalismus selbst.
Es
muss jedoch auch festgestellt werden, er kann ein Kampf gegen das System
des Kapitalismus werden. Aber dazu muss es Euch und vor allem der KKE
gelingen, die griechischen Werktätigen davon zu überzeugen, dass nur
der Sturz des Kapitalismus eine wahre Demokratie schaffen kann und sich
die werktätigen Klassen und Schichten unter Führung der Arbeiterklasse
und deren Partei sich gegen das System selbst wendet, wenn das Volk die
Machtfrage stellt.. Nach meinen Informationen ist das griechische Volk
davon aber noch weit entfernt.
Das
geht nicht durch Aktionismus, sondern nur durch solide Basisarbeit unter
den Massen auf der Straße und den Betrieben. Wir meinen zu wissen, dass
da die KKE auf dem richtigen Weg ist. Ob es ihr gelingt, hängt von
vielen Faktoren ab – auch von dem, was in unserem Land, in Deutschland
und dem übrigen Europa, passiert.
Leider
kämpft unser Volk noch sehr zurückhaltend und unsere Gewerkschaften
verdienen diese Bezeichnung nicht. Eine kommunistische Partei, die über
Masseneinfluss, gepaart mit der richtigen marxistisch-leninistischen
Linie – gibt es bei uns nicht.
Ich
wünschen dem griechischen Volk viel Erfolg, vielleicht ist ihr Kampf
– aber auch der in Spanien – Vorbild für den Kampf der
Arbeiterklasse auch bei uns, vielleicht lößen diese Kämpfe sogar eine
Initialzündung aus.
G.A. |
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