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Aus
„Rizopastis„
(15. Januar 2012)
DER
STANDPUNKT DER KOMMUNISTEN GEGEN JEDES IMPERIALISTISCHE BÜNDNIS IST EIN
GRUNDLEGENDES KRITERIUM
von
Elisseos Vagenas, Mitglied des ZK der KKE, verantwortlich für die
Internationale Abteilung des ZK der KKE
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 30. Januar 2012 – Die weltweite Krise hat
als Folge des Grundwiderspruchs der kapitalistischen
Gesellschaftsordnung zur immer stärkeren Verschärfung der
inner-imperialistischen Widersprüche, zur Entwicklung neuer starker
imperialistischer Mächte mit ihrem Streben nach neuen Staatenbündnissen
mit vielfältigen Zielstellungen geführt. Solchen Zielen wie der Stärkung
ihrer eigenen Position gegenüber ihren globalen Konkurrenten, der
Kontrolle über die Rohstoffe, über die Energieträger, über ihre
Transportwege, der Kontrolle der Marktanteile zugunsten ihrer eigenen
Monopole sowie der stärkeren Ausbeutung der Arbeiterklasse, dem
Wiedererstarken der bürgerlichen Macht in jedem Land unter Nutzung der
„Instrumente“ aus einem imperialistischen Staatenbündnis.
Dies
beobachten wir neben unseren „gut bekannten“ Bündnissen wie der EU
auch im Entstehen neuer Blöcke auf dem Boden der einstigen UDSSR und in
Lateinamerika. Diese Bündnisse mögen neu sein, aber die „Wurzeln“
zu ihrer Gründung sind keine anderen als jene, die durch die Arbeiten
von Lenin aufgedeckt wurden: daß im Zeitalter des Imperialismus,
welcher das Endstadium des Kapitalismus ist, internationale Bündnisse
der Kapitalisten gebildet werden, welche die Welt aufteilen.
EIN
TÄUSCHUNGSVERSUCH
Von
gewissen Kräften wird ein Versuch ausgeführt, um über dieses Ziel der
bürgerlichen Klassen in diesen Regionen hinwegzutäuschen, und zwar im
Namen der Bildung einer „multipolaren Welt“. Gemäß dieser Ansicht
ist es positiv für die Völker, daß andere starke „Pole“ in der
Welt derzeit aufkommen, und zwar über die USA und die EU hinaus. Und
als ein zusätzliches Argument wird auf die Epoche verwiesen, als die
UDSSR existierte, welche als „Gegengewicht“ fungierte.
Gleichzeitig
behauptet der Täuschungsversuch für die Staatenbündnisse, daß diese
Staatenbündnisse derzeit entstehen, um dem „nationalen Kapital“
gegen das sogenannte „Kompradorenkapital und unterwürfig gegenüber
ausländischem Kapital“ agierende Kapital zu helfen, somit
„Entwicklung“ zu verstärken, das Eindringen der USA und der anderen
imperialistischen Organisationen wie der NATO und der EU in diesen
Regionen zu verhindern und sogar die „nationale Souveränität“ zu
schützen, die ansonsten vom internationalen Imperialismus bedroht wird.
Leider
werden diese Ansichten nicht nur von den bürgerlichen Kräften unterstützt,
sondern auch von Parteien, die als „links“ oder sogar als
kommunistische Parteien charakterisiert werden. Dazu gehören die KP
Brasiliens (bezüglich der Staatenbündnisse in der Region
Lateinamerikas) oder die KP der Russischen Föderation (in der sog.
Eurasien-Region).
WAS
SIE VERGESSEN
Bei
all dem haben diese Parteien vergessen, den Gegenstand vom
Klassenstandpunkt aus zu betrachten! Hätten sie dies getan, so würden
sie sehen, daß die Sowjetunion zu diesen neuen Staatenbündnissen
keinen Bezug hat. Dies weil wir es mit Bündnissen zu tun haben, die auf
dem Gebiet des Monopolkapitalismus aufgebaut werden, sozusagen im
Imperialismus.
Hinzuzufügen
ist, daß der Imperialismus nicht vereinfacht als eine aggressive
Politik der stärksten Mächte aufzufassen ist, die sich den Völkern
von außen her mit der Macht des Geldes und mit Waffengewalt aufzwingt.
In den heutigen Bedingungen ist jedes Land, wo die kapitalistischen
Produktionsverhältnisse unabhängig von der Entwicklungsstufe seiner
Produktivkräfte herrschen, in das imperialistische Weltsystem
eingebettet. Es bildet einen Teil dessen.
Wenn
wir dann vom Klassenstandpunkt her an die Entwicklung der Bildung von
neuen Staatenbündnissen herangehen, welche derzeit in Eurasien oder in
Lateinamerika gebildet werden, dann werden wir sehen, daß sie nicht
dazu geschaffen worden sind, um den Interessen der Völker zu dienen,
sondern um die Interessen des Kapitals dieser Länder und ihrer
Monopolbourgeoisien zu bedienen.
Dies
trifft beispielsweise auf Brasilien zu, wo das Kapital heute eine
erhebliche Zunahme an seiner Profitabilität erlebt. Brasilien ist als
der „Motor“ in den neuen Staatenbündnissen tätig, die in
Lateinamerika gebildet werden. Die wirtschaftliche und diplomatische Tätigkeit
des brasilianischen Staates hat das Ziel, Brasilien zu einem starken
kapitalistischen Spieler im Rahmen der imperialistischen „Pyramide“
zu machen. In gewissen Märkten in Lateinamerika sind die
brasilianischen multinationalen Konzerne, welche mit öffentlichen
Geldern unterstützt werden, bereits vorherrschend! Russland geht ähnlich
vor, wie auch die russischen Monopole, auf dem Gebiet der ehemaligen
UDSSR.
Mit
der Bildung der neuen Staatenbündnisse, welche Ausdruck der regionalen
kapitalistischen Einigung sind und stets auf der Basis der Gesetze der
Marktwirtschaft entstehen, strebt die bürgerliche Klasse danach, ihre
Kräfte gegen ihre Konkurrenten und zu Lasten der Arbeiterklasse zu bündeln.
Die Politik der Unterstützung dieser Bündnisse lässt die
kommunistische und Arbeiterbewegung zu einem Instrument der Unterstützung
der kapitalistischen „Entwicklung“ werden, und zwar für den
sozialen Konsens für das Anwachsen der „Konkurrenzfähigkeit“ der
„nationalen Wirtschaft“ und die Stärkung des diesbezüglichen
imperialistischen Staatenbündnisses.
Auch
ist die „multipolare Welt“ in Wirklichkeit nicht friedlicher und
sicherer für die Volksmassen, als es eine Welt offener
imperialistischer Machtblöcke und -konflikte ist, die in jeder Form
agieren: wirtschaftlich, politisch, diplomatisch, bei der Spionage, auf
militärischem Gebiet, usw.
GEFÄHRLICHE
FOLGEN
So
ein Ansatz einer Unterstützung der neuen imperialistischen Staatenbündnisse
könnte katastrophal für die kommunistische Bewegung sein, die dann das
Volk zugunsten des Imperialismus mobilisiert. Das könnte zu Positionen
und Handlungen führen, die das aufzeigen würden. Wir werden ein
anschauliches Beispiel dafür bringen.
Wie
gut bekannt ist, ereignete sich Ende vorigen Jahres in der Stadt
Shanaosen in Kasachstan ein großes Massaker, als die Behörden mit
Waffengewalt den Protest der streikenden Arbeiter unterdrückten, welche
bereits die Armutsgrenzen nach einem viel monatlichen Streik in einem
großen kasachisch-chinesischen Erdölkonzern überschritten hatten. Die
Arbeiter forderten Lohnerhöhungen und die Verbesserung der
Arbeitsbedingungen sowie die Freilassung ihrer Genossen, die
ungehinderte Tätigkeit ihrer Gewerkschaften und das Beenden von
Hunderten einschüchternder Entlassungen. Die Verhandlungen zwischen den
Arbeitern und den Bossen brachten keinerlei Ergebnisse. Und die Arbeiter
fingen an, nicht nur ökonomische Forderungen zu stellen, sondern auch
politische Forderungen zu stellen, und zwar solche wie die nach Rücktritt
des Staatspräsidenten und Nationalisierung der Bodenschätze des
Landes. Die gewaltsame Unterdrückung führte zum Tod von 16 Arbeitern
und zu Dutzenden verletzten Arbeitern.
Die
große Mehrheit der kommunistischen und Arbeiterparteien, welche an der
jüngsten 13. Internationalen Beratung, ausgerichtet von der KKE in
Athen teilnahm, verurteilte die Unterdrückung des Kampfes der
Arbeiterklasse und drückte ihre Solidarität mit den streikenden Erdölarbeitern
Kasachstans aus.
Am
4. Januar veröffentlichte man in der Zeitung der KP der Ukraine
„Kommunist“ einen Artikel mit dem Titel „Der 'orange' Express
Moskau-Astana“, in welchem die Entwicklungen in Kasachstan sowie die
Demonstrationen in Russland gegen den Wahlbetrug bei den
Parlamentswahlen und die Hindernisse für etliche politische Kräfte in
ihrer Tätigkeit dort als etwas eingeschätzt werden, was
„Bestrebungen der USA zur Destabilisierung der politischen und
wirtschaftlichen Lage in diesen beiden Ländern Kasachstan und Russische
Föderation darstellt, welche vom Wesen her durch die Eurasiatische
Wirtschaftsgemeinschaft unterstützt wird“. Es sollte erwähnt werden,
daß die KP der Ukraine dafür eintritt, daß die Ukraine der
Eurasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft beitritt, an welcher bis jetzt
Russland, Kasachstan und Weißrussland teilnehmen.
Derselbe
Artikel erwähnt, daß die „Mobilisierungen der Arbeiter beim Erdölkonzern
„Karashanbasmunai auf Initiative der Gewerkschaftsanwältin Natalia
Sokolowa stattfanden, die bei vielen Gelegenheiten von den Behörden
wegen administrativer Verstöße verurteilt worden war. Recherchen von
kasachischen Journalisten zu dieser Person enthüllten eine Reihe von
Provokationen gegen den Erdölkonzern. Wenn wir berücksichtigen, daß
Frau Sokolowa in der Vergangenheit als Übersetzerin in einer humanitären
Mission der US Army und Navy tätig war sowie in etlichen Zusammenhängen
mit der Agentur USAID vom US State Department zusammenwirkte, dann wird
das Bild deutlich!“
Wie
gut bekannt ist, wurde die Sokolowa zu 6 Jahren Freiheitsentzug
verurteilt. Sie ist jetzt im Gefängnis wegen Anklagen wegen
„Anstiftung zu gesellschaftlichem Hass“, „Verletzen der öffentlichen
Ordnung“ und „Organisierung von rechtswidrigen Demonstrationen,
Versammlungen, Kundgebungen“. Währenddessen ist die Information zu
ihrer Verbindung mit den USA zurückgewiesen worden und als eine
Provokation von einer Reihe von Organisationen aus Kasachstan bewertet
worden.
In
jenem Artikel gibt es sogar Empfehlungen zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten
(Erdöl, Silber, Kupfer, Zink, Nickel, Phosphor, Erdgas, Kohle, Mangan,
Gold und Bleivorkommen) in Kasachstan. Ebenso wird auf die geopolitische
Bedeutung von Kasachstan hingewiesen, seine Schlüsselposition zwischen
dem Mittleren Osten, Russland, China, der Region am Kaspisee und der
Kaukasusregion. Der Artikel kommt zu der Schlussfolgerung: „Die
Zukunft der Eurasiatischen Union ist direkt mit dem Schicksal von
Kasachstan verbunden. Die Führung von Kasachstan reagierte hart, klug
und kompetent.“
NEIN
ZU JEDEM IMPERIALISTISCHEN BÜNDNIS
Es
gibt keinen Zweifel daran, daß jede imperialistische Macht und ganz
oben die USA und die EU bestrebt sind, Hindernisse zu errichten, um dem
Entstehen und Funktionieren von anderen imperialistischen Bündnissen
zuvorzukommen, sofern sie in Konkurrenz zu ihren Interessen stehen.
Hinzu kommt, daß gut bekannt ist, daß die imperialistischen Mächte
vielfältige Mittel haben einzugreifen. Dies geht von den weltweit
genutzten elektronischen Mitteln bis hin zu den vielen
Nichtregierungsorganisationen, „Forschungsinstituten“, durch die sie
Geld verteilen, um Einfluss auszuüben und Bewusstsein zu korrumpieren
usw.
Es
gibt besondere Informationen zu der Rolle, die von einer Anzahl
imperialistischer Agenturen beim Training von Kräften gespielt wird,
die im sog. Arabischen Frühling aktiv wurden und/oder jetzt in Syrien tätig
sind. Natürlich müssen die Interessen und die Pläne jeder
imperialistischen Macht in den verschiedenen Regionen im gegebenen
Moment nicht ignoriert werden. Der Kampf gegen die imperialistischen Pläne
muß überall verstärkt werden. Dessen ungeachtet werden die
Kommunisten tragische Fehler machen und unannehmbare Positionen
einnehmen (solche wie der angeführte Artikel zeigt, wo sich Kommunisten
gegen Kämpfe der Arbeiterklasse stellen und ihrer blutigen Unterdrückung
zujubeln), wenn sie den Klassenstandpunkt beim Blick auf die Entwicklung
durch nichts mit dem Klassenstandpunkt zu tun habende angebliche
„geopolitische“ Theorien ersetzen. Theorien, welche erfordern, daß
wir für den Imperialismus Partei ergreifen, daß wir den
Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit negieren, welcher in allen
kapitalistischen Ländern derselbe ist.
Darum
ist es ein tragischer Fehler, die bürgerliche Klasse in eine
„nationale Bourgeoisie“
und eine „auslandsabhängige Bourgeoisie“ aufzuteilen. Und genauso
gefährlich und fehlerhaft ist es, Partei zu ergreifen für die Unterstützung
eines imperialistischen Bündnisses oder eines Imperialisten. Die
kommunistische und Arbeiterbewegung muß einen klaren Klassenstandpunkt
gegen jedes imperialistische Bündnis haben und für die Abkehr der Länder
von den imperialistischen Bestrebungen und den Austritt der Länder aus
den imperialistischen Bündnissen eintreten sowie für den
gleichzeitigen Sturz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung Partei
ergreifen, welche diese Bestrebungen und Bündnisse schafft.
Quelle:
http://inter.kke.gr/News/news2012/2012-01-19-elissaio/
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