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„GEHEIMPAKT
PREVAL-OBAMA“ ÜBERLÄSST KONTROLLE HAITIS DEN USA:
VERRÄT
HAITIS PRÄSIDENT SEIN VOLK?
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas,
20. Januar 2010, Tribuna Popular TP.-
Laut Website von „Patria Grande“ gibt es starke Gerüchte,
wonach Haitis Präsident René Préval die Kontrolle über das Land
mittels eines von Obama unterschriebenen Geheimpakts an die USA übergeben
hat und parallel dazu gemäß einem Memorandum die Kontrolle über die
Regierung Haitis der US-Regierung überlassen haben soll.
Die
Kontrolle „der Fakten“ am Flughafen von Port-au-Prince, im
Zusammenhang mit dem Regierungspalast, dem Parlament und den anderen
strategischen Einrichtungen in der Hauptstadt Port-au-Prince bestätigen
dieses Gerücht vollauf, so „Patria Grande“.
Hillary
Clinton, die als erster hochrangiger US-Vertreter in das verwüstete
Haiti reiste, kam in Port-au-Prince um 13 Uhr am 16. Januar in einem
Transportflugzeug der US-Küstenwache voll mit Gütern wie Trinkwasser,
Seife, Nahrungsmitteln und Toilettenpapier an. Sie traf sich sofort mit
Haitis Präsident Préval. Die US-Staatssekretärin des State Department
(Außenministerin) reiste in Begleitung des Leiters der USAID, Rajiv
Shah.
Gemäß
dem Wortlaut besagten „Memorandums“ mit den Unterschriften der
Regierenden der USA und Haiti begann die US-Luftwaffe mit der Kontrolle
des Flugverkehrs auf dem internationalen Flughafen von Port-au-Prince.
Das von schwerbewaffneten US-Truppen hermetisch abgeriegelte
Flughafengelände verließ Hillary Clinton nicht einen Moment lang. Dies
liegt an den Ratschlägen, wonach ihre Anwesenheit in Haiti
Missbilligung in der Bevölkerung erzeugen könnte, was wiederum direkt
die Rettungsaktionen schädigen würde.
Préval
fürchtet, dass er zerschlagen wird. Die Situation der Unregierbarkeit
ist ganz offenkundig. Der Regierungspalast ist zerstört, ebenso der
Parlamentssitz. Etliche Parlamentsabgeordnete werden vermisst. In diesem
Klima voller Unruhen verschanzen sich die USA, um die Kontrolle über
das Land voller Ruinen zu übernehmen.
Hillary
Clinton betonte bei ihrem Besuch die Schwierigkeiten, die die Lage in
Haiti mit sich bringt, weil die Regierung nicht funktionsfähig ist und
beunruhigende Nachrichten über zunehmende Gewaltausbrüche und
Unsicherheit die Runde machen.
Die
im Stich gelassene Bevölkerung
Die
ganze Welt hat sich mit Haiti solidarisiert, bewegt von der
bürgerlichen karitativen Hilfe oder von der proletarischen
Solidarität. Das Ausmaß der Katastrophe war dermaßen groß, dass es
die Herzen der Bewohner des Planeten erreichte. Trotzdem ist die Hilfe
nicht beim Volk von Haiti angekommen.
Der
Flughafen ist in den Händen der US-Truppen. Ein System der Kontrolle
und der Warenschieberei bei Nahrungsmitteln, Trinkwasser und all der
humanitären Hilfe ist erzeugt worden.
Quellen,
die lieber anonym bleiben wollen, sind Zeugen, dass nur ein ganz
geringer Teil der internationalen Hilfe beim leidenden armen Volk in
Haiti ankommt. Oft können anfliegende Flugzeuge nicht einmal auf dem
Flughafen von Port-au-Prince landen, weil die USA keine Lande-Erlaubnis
erteilen. Oder sie geben die Lande-Erlaubnis nur dann, wenn die
Bedingungen äußerst gefährlich sind und keine Landung zulassen, wie
beispielsweise in den dunklen Nachtstunden. Wir erinnern daran, dass die
Elektrizität zusammengebrochen ist und auch der Flughafen nicht
beleuchtet wird.
Hilfspersonal
aus Venezuela musste mit eigenen Händen die von der bolivarischen
Regierung Venezuelas geschickten Produkte schützen, um zu gewährleisten,
dass die Hilfe des Volkes von Venezuela Hunger und Durst des
Brudervolkes von Haiti zu stillen beiträgt.
Quelle:
La Patria Grande
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/
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Boliviens
Präsident Evo Morales ruft die Völker der Welt auf:
NEIN
ZU US-TRUPPEN IN HAITI - SONDERSITZUNG DER UNO WEGEN MILITÄRISCHER
BESETZUNG HAITIS DURCH DIE USA
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
La Paz, 20. Januar 2010, Tribuna Popular TP / TELESUR.-
Der Präsident von
Bolivien, Evo Morales, ersucht die Vereinten Nationen (UNO) um eine
Dringlichkeitssitzung zur Zurückweisung der militärischen Besetzung
Haitis durch die USA nach dem Erdbeben der Stärke 7,3 auf der
Richterskala vom Dienstag vergangener Woche. Evo Morales sagte, dass er
das Wort der Völkergemeinschaft und der Massenorganisationen der Welt
erwartet, um die Stationierung der US-Truppen in Haiti zurückzuweisen.
„Wir
werden die Kanzlei der Vereinten Nationen um eine Dringlichkeitssitzung
ersuchen, um diese militärische Besetzung der Vereinigten Staaten in
Haiti zurückzuweisen und abzulehnen“, so der Präsident Boliviens vom
Palacio Quemado, dem Regierungssitz in La Paz / Bolivien, aus.
Evo
Morales wies die von den USA eingeleiteten Handlungen zurück: „Es ist
nicht möglich, dass die Vereinigten Staaten eine Naturkatastrophe
benutzen, um einzumarschieren und Haiti militärisch zu besetzen (...)
die Stationierung von US-Streitkräften auf der Karibikinsel wegen
Erdbeben ist opportunistisch, lächerlich und unmenschlich.“
Der
bolivianische Staatschef fragt sich: „Wie viel Geld, wie viele
Lebensmittel und wie viel Trinkwasser werden benötigt werden“, um die
nach Haiti entsandten 12.000 US-Soldaten zu versorgen? „Das Geld dafür
müsste für die Leidenden ausgegeben werden“, so Evo Morales.
Er
klagt an, dass die Stationierung der US-Truppen seitens der Regierung
von Barack Obama eine „militärische Intervention“ ist.
Die
militärische Besetzung der USA im Karibikstaat Haiti umfasst ca. 11.000
Soldaten seit Ausbruch des Erdbebens. Hinzu kommen 2.200
Marine-Infanteristen mit schwerer Technik, um humanitäre Hilfe zu
leisten, welche die Tausenden Opfer des gewaltigen Erdbebens benötigen.
Wegen
der starken Anspannung und Verzweiflung unter den armen Haitianern wegen
des Mangels an Nahrungsmitteln und Trinkwasser sagte der haitianische Präsident
René Préval, dass die US-Soldaten der Stabilisierungsmission der
Vereinten Nationen in Haiti (Minustah) helfen würden, die öffentliche
Ordnung in den Straßen aufrecht zu erhalten.
Laut
der Regierung des mit dem Friedensnobelpreis dekorierten Barack Obama
geht die massive Präsenz von US-Soldaten im verwüsteten Land auf eine
Bitte von Préval an die USA, die Vereinten Nationen und die
internationalen Partner zurück, um die Sicherheit im Lande erhöhen.
In
der Nacht des Dienstags vergangener Woche verwüstete ein Erdbeben der
Stärke 7,3 der Richterskala das arme Karibikland. Laut Schätzungen des
Internationalen Roten Kreuzes verloren 90.000 Menschen ihr Leben infolge
dieser Naturkatastrophe.
Die
Vereinten Nationen schätzten ein, dass 50% der Stadtgebiete der
haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince vollständig zerstört worden
sind.
Quelle:
TELESUR
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/
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Attacken
auf Haiti
Seit
Generationen schüren die USA das Chaos in dem Karibikstaat und stützten
seine Diktatoren
Von
Mumia Abu-Jamal
Übersetzung:
Jürgen Heiser
Junge
Welt; 06.02.2010 – Drei Wochen nach dem furchtbaren Erdbeben in
Haiti und den erschreckenden Nachbeben, von denen vor allem die
Hauptstadt Port-au-Prince und der Ort Zacmel betroffen waren, gehen die
US-amerikanischen Medien wieder dazu über, Stein für Stein eine
undurchdringliche Nachrichtenmauer um das Land hochzuziehen.
Durchbrochen wird diese Medienwand nur, wenn es gilt, eine sensationelle
Meldung zu bringen, der auf dem Nachrichtenmarkt ein besonderer Wert
zugemessen wird. Es gehört zur Natur der kommerziellen Medien, daß sie
von Ereignis zu Ereignis weiterziehen und ihre grellen Scheinwerfer auf
neue Sensationen richten müssen – das Allerneueste, das Superaußergewöhnliche,
das Ausgeflippte. Vielleicht das neueste Al-Qaida-Video, der
verruchteste Sex-Skandal, der letzte Gefühlsausbruch der Gespielin
eines prominenten Politikers – was es auch sei, der Propagandazug der
Meinungsmacher muß weiterrollen!
Die Bevölkerung Haitis war schon lange vor dem Erdbeben am 12. Januar
2010 Attacken ohnegleichen ausgesetzt, weil sie gewagt hatte, vor
zweihundert Jahren für ihre Freiheit zu kämpfen und zu siegen – die
Freiheit der schwarzen Sklaven. Heute wundern sich viele Menschen, daß
Erdbebenopfer manchmal noch lebend gefunden wurden, obwohl sie bereits
zehn, elf oder zwölf Tage ohne Essen und Wasser unter Tonnen von Trümmern
eingeschlossen waren. Dabei wird vergessen, daß die Armut und mangelnde
Versorgung mit Nahrung für die Haitianer immer schon bedeutete, daß
sie in der Regel nur alle zwei oder drei Tage eine richtige Mahlzeit
bekamen.
Während
der stundenlangen Live-Berichte im Fernsehen, mit denen uns in den
ersten Tagen nach der Katastrophe die überlebenden Erdbebenopfer vorgeführt
wurden, sah man keine molligen oder dicken Menschen. Niemand, der
vergleichbar gewesen wäre mit den von Fotoaufnahmen hinlänglich
bekannten übergewichtigen US-Amerikanern. Die Menschen auf Haiti sind
auch ohne Diätprogramme von »Jenny Craig« oder »Slim-Fast«
gezwungenermaßen schlanke Menschen und müssen sich nicht den Spruch
auf die Stirn kleben »Fang’ heute an, dein Leben zu ändern!«. Diese
Entscheidung wird ihnen schon lange abgenommen, weil die Löhne in Haiti
äußerst niedrig sind, Arbeit sowieso schwer zu bekommen und der Kampf
ums Überleben hart ist.
Auch
ohne Erdbeben haben die Haitianer jahrzehntelang in einem politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Chaos gelebt, das zumeist von den USA
geschürt und aufrechterhalten wurde. Seit Generationen haben die USA
Haitis Diktatoren gestützt, die das Land ausgeplündert und sich mit
Repression und Folter an der Macht gehalten haben. Der haitianische
Historiker und Anthropologe Ralph Troullot sagte über die Invasion
durch die USA im Jahr 1915 und die bis 1934 dauernde militärische
Besetzung des Inselstaats, die US-Amerikaner hätten in dieser Zeit »nichts
gelöst, aber alles verkompliziert«.
Die
Haitianer sind ein starkes, kluges und bewundernswertes Volk. Sie haben
vor 200 Jahren etwas vollbracht, das Millionen von Schwarzen rund um den
Globus die Augen und Herzen geöffnet hat. Deshalb ist es nicht gerecht,
daß sie für etwas bestraft werden, an dem der berühmte Sklavenführer
Spartacus und seine Getreuen während des Römischen Reiches gescheitert
sind. Die afrikanischen Sklaven Haitis haben das französische Imperium
besiegt und Napoleon Bonaparte, einen der größten Feldherrn der
Geschichte, zur Kapitulation gezwungen.
Die
Menschen Haitis haben weitaus mehr Solidarität verdient, als ihnen
zuteil wird. Ihre Vorfahren haben einst den Duft der Freiheit geatmet
und mit Millionen anderen Unterdrückten geteilt – nicht nur mit
Schwarzen, sondern auch mit Lateinamerikanern, die unter der
Kolonialherrschaft der spanischen Krone geschunden wurden. Die Haitianer
verdienen, was ihnen seit zweihundert Jahren vorenthalten wird: ein
gutes Leben, Gesundheit, Selbstbestimmung, Wohlstand, Gerechtigkeit und
Frieden.
Übersetzung:
Jürgen Heiser [Junge Welt; 06.02.2010]
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Helft
Haiti, dem unverziehenen Land
AUTOR: Chris
FLOYD
Übersetzt
von Einar Schlereth
Durch
Mark Crispin Miller vom Center for Constitutional Rights (Zentrum für
verfassungsmäßige Rechte) erhielt ich die Hinweise, wie dem Volk von
Haiti geholfen werden kann: durch Partners
in Health und
the
Haiti Emergency Relief Fund.
I.
Der
unablässig aufrechterhaltene, absichtlich auferlegte politische und ökonomische
Ruin von Haiti hat einen direkten Bezug zu der Menge an Tod und Verwüstung,
unter dem das Land heute nach dem Erdbeben zu leiden hat. Er wird auch
außerordentlich jede Erholung von dieser natürlichen Katastrophe
beeinträchtigen. Wie unten detailliert beschrieben wird, hat die
raffgierige Wirtschaftspolitik Washingtons alle Versuche zunichte
gemacht, eine nachhaltige Wirtschaft in Haiti aufzubauen; sie hat die
Menschen von ihrem Land und aus ihren kleinen Dörfern vertrieben in die
überfüllten, gefährlichen, ungesunden Slums, wo sie versuchen, eine
erbärmliche Existenz in den Schwitzwerkstätten (sweatshops)
im Besitz von westlichen Eliten und ihren einheimischen Kumpanen zu
finden. Alle Versuche, eine offensichtlich ungerechte Gesellschaft zu
verändern, sind rücksichtslos unterdrückt worden von der direkten
oder helfenden Hand der westlichen Eliten.
Das
Ergebnis? Millionen Menschen – geschwächt durch Hunger, Entbehrung,
Unterernährung, Krankheit – leben zusammen in gefährdeten Häusern
mit erbärmlichem Standard. Es gibt keine physische, finanzielle und
zivile Infrastruktur, die nötig wäre, um ein anständiges Leben in
normalen Zeiten zu gewährleisten und den notwendigen Rahmen für den
Wiederaufbau, wenn eine Katastrophe eintrifft. Selbst ein weit schwächeres
Beben als jenes, das in dieser Woche stattfand, hätte eine
unvorstellbare Menge an unnötigem Leiden verursacht in einem Land wie
Haiti, das erbarmungslos und mit Absicht erdrosselt wurde.
Beim
Hurrikan Katrina sahen wir, wie herzlos und ungerecht Amerikas Eliten
auf die Zerstörung von einer seiner eigenen Städte reagierten.
Mississippi Millionäre mit guten politischen Beziehungen erhielten
sofortige und reichliche Unterstützung – während viele von New
Orleans einfachen Bewohnern immer noch Flüchtlinge sind, verstreut über
das ganze Land Jahre nach der Flut. Und dies in einem Land, wo die
Infrastruktur immer noch stark ist – obwohl sie rapide verrottet durch
die Korruption von Gier und Militarismus. Was gibt es da für eine
Hoffnung für Haiti?
Ja,
es wird eine Menge an unmittelbarer Hilfe geben, wie das immer nach
spektakulären Katastrophen der Fall ist. Und natürlich ist das löblich,
und ich ermuntere jeden, der kann, etwas zu diesen Anstrengungen
beizutragen. Aber bevor es nicht eine grundlegende Veränderung der
amerikanischen Politik gibt, bevor nicht endlich Schluß gemacht wird
mit dem Fluch, mit dem Haiti bedacht wurde – nicht durch Gott oder den
Teufel, sondern durch die hartherzigen Eliten, die blind den grausamen
Traditionen ihrer Vorgänger folgen – dann wird diese Aufregung
von Fürsorge und Aufmerksamkeit wie immer Platz machen der herzlosen
Nichtbeachtung, der brutalen Unterdrückung und der unmenschlichen
Ausbeutung.
Die
Geschichte dieser grausamen Traditionen – und die ”Kontinuität”
darin, die Obama bereits bewiesen hat – ist kein gutes Zeichen für
eine solche Veränderung. Aber, wie der weise Mann Edsel Floyd immer
sagt, wir leben mit der Hoffnung und sterben in Verzweiflung. Und eine
solche Hoffnung für Haiti ist es wert aufrechtzuerhalten und dafür zu
arbeiten.
Gleichzeitig
darf die Hoffnung nicht blind sein; man muß die grausigen Realitäten
zur Kenntnis nehmen, um zu wissen, wogegen man kämpfen muß. Werfen wir
also einen langen, intensiven Blick darauf.
II.
Wenige
Stunden nach dem Erdbeben war der Fernsehprediger Pat Robertson auf
Sendung und eiferte vor seinen Millionen Zuschauern, daß der Grund,
weshalb Haiti von der Katastrophe betroffen wurde – und seit 200
Jahren schwer gelitten habe – der wäre, daß die Haitianer ”einen
Pakt mit dem Teufel geschworen hätten”, um ihre Freiheit von ihren
französischen Kolonialherren Anfang des 18. Jahrhunderts zu gewinnen.
Und
während derlei erbrochene Äußerungen von diesem gut betuchten,
politisch-durchgedrehten, virulent extremistischen Mullah (einmal auf
diesen Seiten passend beschrieben als ein ”Diktatoren-Hätscheler,
Händler in Blutdiamanten,
Judenhasser
und Milchshake-Experte
zu erwarten sind, kann dieses Mal ein winziges Körnchen Wahrheit in der
spritzenden Menge von Robertsons Erbrochenen gefunden werden. Die
Haitianer sind in der Tat seit 200 Jahren verflucht worden, und der
Fluch geht in der Tat auf ihre Befreiung zurück. Aber langsam
Robertson, die Quelle dieses Fluches ist nicht metaphysischer Art. Wie
ich in einem Artikel festhielt,
den ich 2004 schrieb:
”Genau
vor 200 Jahren stürzten die haitianischen Sklaven ihre französischen
Herren – die erste erfolgreiche nationale Sklavenrevolte der
Geschichte. Wovon Spartacus träumte, das haben die haitianischen
Sklaven errungen. Es war eine gewaltige Leistung – und der weiße
Westen hat es ihnen niemals verziehen.
Um
internationale Anerkennung ihres neuen Landes zu erhalten, wurde Haiti
gezwungen, ”Reparationen” an die Sklavenhalter zu bezahlen – eine
erdrückende Schuldenlast, an der sie noch am Ende des 19. Jahrhunderts
zu zahlen hatten. Die Vereinigten Staaten, die sich mehr als 60 Jahre
lang weigerten, das Land anzuerkennen, überfielen Haiti 1915, in erster
Linie, um es für ”ausländischen Besitz an lokalen Unternehmen” zu
öffnen. Nach 19 Jahren Besatzung stützten die Amerikaner eine Reihe
blutrünstiger Diktatoren, um diese ”ausländischen Besitzer” zu schützen.
Und das hält immer noch an.
In
der Tat. Das Schmierenstück von 2004 erklärt Washingtons neuesten,
langen überparteilichen Auspressungs-Streich in Haiti, der in einem von
der Bush-Verwaltung ausgeheckten Staatsstreich kulminierte – das
zweite Mal, daß ein US-Präsident namens Bush den demokratisch gewählten
haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide aus dem Amt jagt. Das
ist eine Story, die es wert ist, nochmals erzählt zu werden:
Obwohl
der [2004] Haiti-Coup weithin als eine unaufhaltsame Welle der
Unzufriedenheit des Volkes dargestellt wurde, war er natürlich das
Ergebnis jahrelanger harter Arbeit von den hingebungsvollen
Demokratie-Zerstörern des Herrn Bush, wie William Bowles vom
Information Clearinghouse berichtet. Die bushistischen Handelsreisenden
finanzierten die politische Opposition gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide, schmuggelten Gewehre für die haitianischen Kriegsherren im
Exil und setzten eine unaufhörliche Strangulierung des Landes in Szene,
schnitten die seit langem versprochene finanzielle und strukturelle
Hilfe für eins der ärmsten Länder der Erde ab, bis die
Nahrungsmittelpreise in die Höhe schossen, die Arbeitslosenrate 70%
erreichte und die total zermürbte Regierung die Kontrolle über die
Gesellschaft an bewaffnete Banden von Kriminellen, Fanatikern und
einfach Verzweifelten verlor. Doch gleichzeitig war Haiti gezwungen,
monatlich 2 Millionen $ Schuldenlast bezahlen, die sich unter den mörderischen
(von den USA gestützten) Diktatoren angesammelt hatten, die die Insel
seit der amerikanischen Besatzung von 1915-1934 beherrschten ….
Der
offensichtliche Grund für den Auspressungsstreich von Bush waren die
strittigen Wahlen von 2000 in Haiti. Jene Wahl, erst die dritte freie
Wahl in 200 Jahren, wurde tatsächlich durch Berichte über Unregelmäßigkeiten
entstellt – obwohl die nicht annähernd so ungeheuerlich waren wie die
gut dokumentierten Streiche, bei denen im selben Jahr ein gewisser
Zweit-Kandidat für das Weiße Haus bestimmt wurde. Es war keine Frage,
daß Aristide und seine Partei eine überwältigende Mehrheit der gültigen
Stimmen erhalten hatten; die Wahlbeobachter fanden jedoch, daß von 7500
zur Wahl stehenden Posten ganze sieben Senat-Ergebnisse zweifelhafter
Herkunft waren.
Und
was geschah dann? Die sieben Senatoren traten zurück. Neue Wahlen für
die sieben Senatorensitze wurden festgesetzt, aber die Opposition –
zwei elitäre Gruppen, finanziert von Washingtons beliebtesten
Subversions-Maschinen, mit den Orwell-inspirierten Spitznamen
”National Endowment for Democracy” und ”International Republican
Institute” (Nationalstiftung für Demokratie und Internationales
Republikanisches Institut) – weigerte sich, daran teilzunehmen. Die
Regierung brach zusammen, weil die Legislative nicht zusammentreten
konnte. Als Bush ans Ruder kam, zog er die Schrauben der internationalen
Blockade der Insel noch mehr an und bestand darauf, daß 500 Millionen $
an verzweifelt benötigter Hilfe nicht freigegeben würden, bevor nicht
die Opposition an neuen Wahlen teilnehmen könnte – während er
gleichzeitig die Opposition bezahlte, nicht daran teilzunehmen.
Das
eigentliche Ziel dieser Brezel-Logik war es, das notleidende
haitianische Volk noch mehr in den Dreck zu stoßen und Aristides Möglichkeit
zu regieren zu zerstören. Sein wirkliches Verbrechen war natürlich
nicht ein Wahlbetrug à la Florida oder die berichtete ”Tyrannei”.
… Nein, Aristide tat etwas viel Schlimmeres, als Wahlen zu fälschen
oder Menschen umzubringen – er versuchte, den Minimallohn anzuheben
auf den märchenhaften Betrag von 2 $ pro Tag. Dieser Zug trieb die
US-amerikanischen Konzerne zum Wahnsinn – und ihre Lakaien vor Ort –
die seit Generationen Haiti als einen Pool für superbillige Arbeitskräfte
und haushohe Profite benutzt haben. Das war der entscheidende Strohhalm
für die elitären Gruppen, von denen eine von einem amerikanischen Bürger
und ehemaligen Reagan-Bush Beauftragten geleitet wird, dem
Industriemagnaten Andy Apaid. [Es handelt sich um die ”Gruppe der
184”, geführt von Andy Apaid, einem Duvalier-Anhänger und US-Bürger,
der einen haitianischen Paß erhielt, indem er betrügerisch behauptete,
in Haiti geboren zu sein. Apaid besitzt 15 Fabriken in Haiti und war der
Hauptgegner von Aristides Kampagne im Jahr 2003, den Minimallohn
anzuheben, der niedriger war als zehn Jahre zuvor. Siehe auch http://www.spectrezine.org/global/Haiti2.htm.
D.Ü.]
Apaid
war der Weichensteller für die Reagan-Bush ”Markt-Reform” in Haiti.
”Reform” bedeutet natürlich in dem erbärmlichen Jargon der
Couponschneider selbst die Mittel zum Überleben und Versorgung der
Verheerung durch die mächtigen korporativen Interessen auszusetzen. Der
Reagan-Bush-Plan zum Beispiel zwang Haiti, die Import-Zölle für Reis
zu beseitigen, der seit alters her ein örtlich angebautes
Grundnahrungsmittel war. Dann überschwemmte man Haiti mit stark
subventioniertem amerikanischem Reis, wodurch der einheimische Markt
zerschlagen und tausende selbstversorgende Bauern ihre Arbeit verloren.
Und als die amerikanischen Gesellschaften erst einmal den Markt in der
Hand hatten, trieben sie die Preise hoch und verbreiteten Verderben und
Hunger in der haitianischen Gesellschaft. Die arbeitslosen Bauern
lieferten noch mehr Futter für die Fabriken von Apaid und seinen
Kumpanen. Reagan und Bush setzten noch einen drauf, indem sie die
amerikanischen Firmen, die Schwitzwerkstätten in Haiti gründeten, von
der Steuer befreiten. Das Ergebnis war ein steiler Absturz der Löhne
und – der Lebenserwartung. Aristides erste Wahl 1990 bedrohte diese
Idylle, so daß er rechtzeitig durch einen Militärstreich entfernt
wurde, mit Bush des I gar nicht so stillschweigendem Einverständnis.
Aber
wie wir sagten: die letzte Runde der Bestrafung für Haiti war eine gründliche
überparteiliche Angelegenheit:
Bill
Clinton setzte 1994 Aristide wieder ins Amt ein - aber erst,
nachdem er ihn gezwungen hatte, den – ach ja, den ”Markt-Reformen”
zuzustimmen. Es war tatsächlich Clinton, der Kumpel der
Couponschneider, der das Hilfsembargo nach den Wahlen anzettelte, das
Bush II dann mit solch verheerenden Auswirkungen in Anwendung brachte.
Aristides größtes Versagen als Führer war sein Versuch, diese überparteiliche
Erpressung zu erfüllen. Wie in jedem anderen Land, das der Peitsche des
IMF zum Opfer fiel, brach Haitis bereits fragile Wirtschaft zusammen.
Die Stützen der Familie Bush wie Apaid stürzte das Land dann völlig
ins Chaos, wodurch es eine leichte Beute für die Kriegsherren wurde,
die von Bushs Leuten mit Waffen versehen wurden – darunter viele alte
Iran-Contra-Spezialisten – über die Dominikanische Republik, wie der Boston
Globe berichtete …
Als
Aristide in einen Deal einwilligte, der von seinen Präsidenten-Kollegen
in der Karibik ausgehandelt wurde, der effektiv die Macht der von Bush
finanzierten Opposition übergeben hätte, aber zumindest die Grundzüge
der haitianischen Demokratie erhalten hätte, lehnten Apaid und seine
Kumpane das Angebot ab mit dem Segen ihrer Zahlmeister in Washington,
die plötzlich behaupteten, daß sie keinen Einfluß auf ihre
widerspenstigen Söldner hätten . …
Stattdessen
wurde Aristide von amerikanischen bewaffneten Räubern gesagt, dass man
ihn, falls er nicht in seinen Rücktritt einwilligen würde, dem Tod
durch die Rebellen überlassen würde. Dann wurde er in ein wartendes
Flugzeug gepackt und mitten in Afrika rausgeworfen. Innerhalb weniger
Stunden marschierten die von Bush unterstützten Terroristen offen durch
Port-au-Prince und erschossen die Anhänger von Aristide.
Man
rate, warum sie jetzt nicht um 2 $ pro Tag bitten, na? Mission
accomplished!
III.
Natürlich
passierte all dies in den schlimmen alten Tagen, bevor Barack Obama uns
in eine neue,”nach-rassistische” Ära führte. Sicher würde dieser
Mann der Visionen und des Mitgefühls, selbst ein Sproß Afrikas,
endlich der Bestrafung Haitis für seine Erhebung gegen seine weißen
Herren ein Ende bereiten.
Aber
es sollte nicht sein. Wie hier im vergangenen Jahr in ”Weint um das
Land, dem nicht verziehen wird” geschrieben wurde:
Obama
und seinem ”Superstar” Außenminister Hillary Clinton verteidigen
lauthals die neueste empörende, brutale Farce, die Washington und der
Westen den dreisten Bewohnern Haitis aufgezwungen haben.
Die
in diesem Monat abgehaltenen Senatswahlen, die von der Regierung Haiti
nach dem von den USA unterstützten Staatsstreich von 2004 aufgezwungen
wurden … erzielte eine Wählerbeteiligung von weniger als 10%: ein
Ergebnis, das jeder Vorstellung von einer legitimen Demokratie Hohn
spricht. Aber das kommt nicht daher, daß die Haitianer so faul und
uninteressiert sind und sich nicht darum kümmerten zu wählen. Auch
nicht daher, daß sie so zufrieden mit der wohlwollenden, väterlichen Fürsorge
ihrer von den USA bestimmten Herren sind, so daß sie keinen Anlaß
sahen, ihr bukolisches Leben durch dumme Wahlen beeinträchtigen zu
lassen.
Nein,
diese 90-prozentige Wahlenthaltung war in der Tat eine massive
Protestaktion, die hauptsächlich durch die Tatsache zustande kam, daß
die von Amerika unterstützte Regierung nicht der beliebtesten Partei
– der Partei jener Regierung, die beim Coup von 2004 abgesetzt wurde
– erlauben wollte, für die Wahlen eine Kandidatenliste aufzustellen.
Mit kaufmännischem Biegen und bürokratischem Brechen hatten Haitis
Wahlbeobachter Fanmi Lavalas Kandidatenliste im Februar ausgeschlossen.
Von dem Augenblick an wurden die April-Wahlen zu einem toten Buchstaben,
eine sinnlose Farce – ein weiterer grausamer Streich, den man dem Volk
von Haiti spielte.
Wie
haben die aufgeklärten Progressiven der neuen amerikanischen Verwaltung
reagiert? John Caruso berichtet:
CLINTON:
Die USA entfernten eine Militärdiktatur 1995 und bahnten den Weg für
Demokratie. Und nach einigen Jahren politischer Streitigkeiten, üblich
in allen Ländern, die eine Übergangsphase durchmachen, begann Haiti
Fortschritte zu machen. Und die nationalen und Präsidentenwahlen von
2006 führten Haiti wirklich vorwärts in Richtung Demokratie. Der Präsident
und der Premier-Minister versuchen im Grunde nur, eine starke
Verpflichtung demokratischer Regierungsweise aufrechtzuerhalten, die bei
den Wahlen für den Senat am Sonntag einen weiteren Schritt vorwärts
machen wird.
Übersetzen
wir das vulgäre Kauderwelsch von Clinton: 1) ”politische
Streitigkeiten” bezieht sich auf die überwältigend populäre Präsidentschaft
von Jean-Bertrand Aristide, die von den USA und ihrer fünften Kolonne
in Haiti ”bestritten” wurde; 2) Haiti ”begann Fortschritte zu
machen” dank des von den USA gestützten Staatsstreichs gegen Aristide
von 2004; und 3) die Wahlen von 2006, die ”wirklich Haitis Demokratie
vorwärts brachten” schlossen sowohl Aristide als auch Fls (Fanmi
Lavalas) bevorzugten Kandidaten an seiner Stelle aus (Pater Gérard
Jean-Juste, von der US-gestützten Regierung unter fabrizierten Anklagen
ins Gefängnis geworfen, damit er nicht kandidieren kann), was zum
Aufstieg von Rene Préval führte, der genau weiß, wer der Boß ist und
deshalb von Clinton auf die Schulter geklopft wird.
Das
bringt uns zu den heutigen Senator-Wahlen, bei denen die
amerikanisch-haitianische ”starke Verpflichtung gegenüber
demokratischer Regierungsweise … einen weiteren Schritt vorwärts
machen wird” via der berechneten Unterdrückung der Möglichkeit der
Mehrheitspartei, eine Kandidatenliste aufzustellen...
Das
jahrhundertealte US-Projekt der Demokratie-Verhinderung in Haiti geht
glatt weiter. Und jeder, der fürchtete, daß unser erster schwarzer Präsident
weniger verständnisvoll gegenüber der Zerschlagung demokratischer
Aspirationen der ersten freien schwarzen Nation in der Hemisphäre wäre,
kann beruhigt sein: Obama wird niemals Rasse – oder irgendetwas
anderes – davon abhalten, das dreckige Geschäft des Imperiums zu
verrichten.
Es
ist gewiß, daß derlei Drecksarbeit erneut in Gange sein wird – und
wir müssen sie bekämpfen, sie ins Licht rücken und dürfen nicht
Haiti wieder im Schatten des Imperialismus verschwinden lassen. Aber im
Augenblick ist das menschliche Leiden in Haiti die dringendste Aufgabe.
Also nochmals, schaut die oben genannten Hilfswerke an oder sonst
welche, die ihr vorzieht.
Quelle:
Empire Burlesque-Help
Haiti: The Unforgiven Country Cries Out
Originalartikel veröffentlicht am 13.1.2010
Über
den Autor
Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala,
dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese
Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der
Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer er
als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/ |