|
Ein
Tag im Leben eines republikanischen Gefangenen
Republican
Sinn Féin – International Relations Bureau
Auf
Kommunisten-online am 12. März 2010
Im
Folgenden veröffentlichen wir die Beschreibung eines Tages im Leben
eines republikanischen Gefangenen im Hochsicherheitsgefängnis von
Maghaberry, den die Redaktion der republikanischen Monatszeitung Saoirse
von einem entlassenen POW (Bezeichnung für politischen Gefangenen in
Irland) erhalten hat.
Der
Morgen beginnt zwischen 7 und 7.15 Uhr mit einem lauten Tritt gegen die
Zellentür, um sicherzugehen, dass wir noch unter den Lebenden sind.
Begleitet von einem kurzen „F*** dich“ aus der 4x2m kleinen
Zellenbox begibt sich der Knastwärter weiter zur nächsten
Zelle. Ich lausche, und lache, als der Wärter dieselbe Reaktion von
meinen Mitgefangenen erntet.
Zwischen
8.15 und 8.30 Uhr öffnen sich die Zellentüren. Nur drei
republikanische Gefangene dürfen zur gleichen Zeit die Zelle verlassen.
Diese drei werden unablässig von bis zu neun, in manchen Fällen sogar
elf Schlägern in britischer Uniform begleitet.
Als
Republikaner weigern wir uns, in dieser Zeit unser Frühstück
einzunehmen. Stattdessen fordern wir, in der Kantine das Essen zu uns zu
nehmen, da wir dort zusammenkommen und gemeinsam essen können. Es muss
darauf hingewiesen werden, dass die Gefängnisleitung von uns erwartet,
dass wir alle unsere Mahlzeiten in unseren Zellen einnehmen. Da aber die
Zelle eine Toilette enthält, weigern wir uns, im selben Raum zu essen,
in dem sich eine Toilette befindet.
Wenn
zu den festgesetzten Zeiten das Essen kommt, sammeln die
republikanischen Gefangenen ihre Malzeiten in einem Behälter. Diesen
tragen wir dann in die Kantine – wenn es uns am jeweiligen Tag
gestattet wird, uns dort zu versammeln – und nehmen dort das Essen zu
uns.
Zu
dieser Zeit, und zu allen Essenszeiten, sind verschiedenen Personen
bestimmte Aufgaben und Pflichten zugeordnet. Damit ist gemeint, dass zum
Beispiel einige das Essen kochen bzw. vorbereiten, während andere den
Abwasch erledigen, wenn wir fertig sind.
Hier
muss ich allerdings darauf hinweisen, dass, wenn ich von kochen spreche,
es lediglich bedeutet, dass wir unser Gefängnisessen in einer
Mikrowelle erhitzen.
Jeder
Tag ist gleich
In
Maghaberry ist jeder Tag gleich. Wir, die republikanischen Gefangenen,
haben zwei Trakte für uns, Gang 3 und Gang 4, in denen sich jeweils
rund 15 Personen befinden. (Insgesamt gibt es derzeit rund 100
republikanische Gefangenen in Irland, Anm. IRC.) Der Ablauf ist beiden
Bereichen nahezu gleich.
Aus
der Sicht eines republikanischen Gefangenen betrachtet, sieht das Ganze
wie folgt aus:
Montag
8.30-11.45
Uhr: Gang 3 hat Zugang zu Hof und Kantine.
8.30-11.45
Uhr: Gang 4 hat Zugang zur Kantine ihres Trakts, zur Dusche und zum
Telefon. Um 10 Uhr können sich die Insassen in den Zellen besuchen,
maximal drei Mann in einer Zelle.
11.45
Uhr: Gang 3 wird zum Einschließen aufgefordert. Auch für Gang 4 endet
die Zeit für Besuche zwischen den Zellen.
12
Uhr: Die Wärter zählen durch.
12.15
Uhr: Gang 4 wird in den Hof verlegt, immer drei Mann zusammen. Hier
sammeln sie ihre Mahlzeiten, die sie gemeinsam zubereiten und essen.
12.20
Uhr: Gang 3 fasst das Essen, immer drei gemeinsam, und verstaut es in
einem Behälter.
12.45
Uhr: In Gang 3 wird noch mal durchgezählt. Alle Räume im
republikanischen Trakt bleiben bis 14.15 Uhr verschlossen.
14.15
Uhr: Es wird schon wieder durchgezählt. Die Männer die Besucher haben,
werden, immer drei gemeinsam, zum Gefängnisbus gebracht. Die, die zurückbleiben
bekommen dann Zugang zur Dusche, zur Kantine im Trakt sowie zum Lernraum
und können sich untereinander besuchen.
15.45
Uhr: Einschluss für Gang 4. Für Gang 3 endet die Versammlungszeit.
16.00
Uhr: Ein weiteres Mal durchzählen. Gang 3 kann in Gruppen zu je drei
Mann in den Hof. Die Männer nehmen ihr Essen aus dem Behälter. Zusätzlich
nehmen sie ihr Abendessen entgegen. Diese Mahlzeiten werden dann in der
Kantine von den dafür eingeteilten republikanischen Gefangenen
zubereitet.
Hier
muss besonders betont werden, dass die Männer von Gang 4 ebenfalls zu
dieser Zeit ihr Essen bekommen. Da wir uns weigern, in den Zellen zu
essen, versuchen sie schnell ein paar Bissen zu essen, oder aber sie
kehren in die Zellen zurück und essen nichts mehr bis zum nächsten
Morgen.
16.30
Uhr: Die Verlegung aus dem Hof ist abgeschlossen. Einschluss für Gang
4.
17.30
Uhr: Die Männer von Gang 4 haben die Möglichkeit zu einem Telefongespräch
von bis zu sieben Minuten.
19.45
Uhr: Die Männer von Gang 3 werden angewiesen sich einzuschließen.
20.15
Uhr: Einschluss im ganzen Gebäude. Alle Männer sind in den Zellen.
Dieser
Ablauf funktioniert nach dem Rotationsprinzip. Am folgenden Tag erhält
Gang 4 die zwei Gemeinschaftszeiten, Gang 3 nur eine.
Obwohl
das ein monotoner Alltag ist, ist es um ein vielfaches besser als die
Situation bis zum Protest von 2006. Damals wurde viel erreicht, aber es
gibt nach wie vor viel Arbeit, die noch gemacht werden muss. Und es wird
viel gemacht, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gefängnisses.
Falls
es aus dem, was bisher gesagt wurde, noch nicht deutlich geworden ist,
sage ich es noch mal: Wenn, aus welchem Grund auch immer, Einschluss
verordnet wird, weigern wir uns, irgendwelche Mahlzeiten in unseren
Zellen einzunehmen. In den vergangenen Wochen waren wir für fast 72
Stunden eingeschlossen, in diesem Zeitraum fasteten wir.
Wir
lassen uns nicht von einem System, dass von einem systematischen Hass
auf alles Republikanische getrieben wird, kriminalisieren! Das Northern
Ireland Office und das Gefängnissystem als Ganzes sind eine Bastion des
Unionismus und Loyalismus. Über Jahre haben sie versucht, schutzlose
Republikanische Gefangene einzuschüchtern und in Maghaberry versuchen
sie bis heute ihre Politik der Kriminalisierung weiter durchzusetzen.
Aber mit eurer Hilfe und mit unserem ungebrochenen Willen, werden wir
diese Ungeheuer des britischen Imperialismus besiegen.
Ich
würde gern damit enden, indem ich mich bei allen aufrichtigen
Republikanerinnen und Republikanern in Irland und im außerhalb bedanke;
ohne eure Hilfe und Unterstützung ist unser Kampf und der unserer
Genossinnen und Genossen vergebens!
Zuletzt
ein Wort des Lobes und des Respekts für alle politischen Gefangenen
rund um die Welt, ihr seit stets in unseren Gedanken: „Die Flamme des
Widerstandes brennt am hellsten in den Herzen derer, die für ihre Überzeugungen
eingesperrt sind.“
Go
raibh mile maith agaibh agus tiocfaidh ár lá!
Danke
für eure Unterstützung – gemeinsam werden wir siegen!
Published
by the Republican Sinn Féin International Relations Bureau, www.irish-solidarity.net
Republican Sinn Féin
International
Relations Bureau
Sinn
Feín Poblachtach Roinn Gnóthaí Idirnáisiúnta
E-Mail:
irish-solidarity@gmx.net
Web:
http://www.irish-solidarity.net/
Post:
Stiftgasse 8, 1070 Vienna, Austria
Sinn
Féin Poblachtach
www.rsf.ie
www.saoirse.info
Head
Office: 223 Parnell Street, Dublin 1, Éire.
Tel:
00353 872 9747
Fax:
00353 872 9757
e-mail:
saoirse@iol.ie
Belfast
Office: 229 Falls Road, Belfast, BT12 6FB, Co Antrim, Northern Ireland.
Tel:
0044 9031 9004
e-mail:
rsfbelfast@googlemail.com
Bankverbindung:
Name:
IREM
Account
number: 1071813503
Bank
Code: 390 500 00
Sparkasse
Aachen
IBAN:
DE50 3905 0000 1071 8135 03
BIC:
AACSDE33 |