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Chávez
geht voran
Von
Harald Neuber, Caracas
Quelle: jungeWelt
vom 02.05.2007
Die
Neuigkeit hatte sich Hugo Chávez für den 1. Mai aufgehoben: Vor mehreren
Tausend Arbeiterinnen und Arbeitern kündigte der venezolanische Präsident
am Montag abend (Ortszeit) im Teresa-Carreño-Theater im Zentrum
Caracas’ den Austritt seines Landes aus dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) und der Weltbank an. Die beiden Institutionen seien »Mechanismen
des Imperialismus«, begründete Chávez seine Entscheidung.
Den
beiden Bretton-Woods-Institutionen warf der linke Staatschef die
Ausbeutung der Länder des Südens vor. »Wir haben es nicht nötig, dort
vertreten zu sein«, fügte er an, um von beiden Institutionen zurückzufordern
»was sie uns schulden«. Zugleich kündigte Chávez zum »Tag der Arbeit«
die Anhebung des Mindestlohn um 20 Prozent auf rund 615000 Bolívares
(rund 210 Euro) an. Auch die Renten werden ab Dienstag um 20 Prozent
steigen.
Der
Austritt Venezuelas aus IWF und Weltbank kommt nicht überraschend. Es ist
der vorläufige Höhepunkt einer finanzpolitischen Emanzipation Südamerikas
von den beiden Institutionen. So hatte Argentinien Ende 2005 überraschend
seine Schulden beim IWF in Höhe von umgerechnet 9,8 Milliarden US-Dollar
beglichen. Möglich war das, weil Venezuela zuvor argentinische
Staatsanleihen in Höhe von 900 Millionen US-Dollar angekauft hatte. Fast
zeitgleich hatte damals Brasilien seine Schulden beim IWF getilgt.
Venezuela beglich seine Ausstände beim Währungsfonds und der Weltbank
erst in den vergangenen Wochen.
Beide
Organisationen gehen auf die Bretton-Woods-Konferenz zurück, bei der rund
50 Staaten im Sommer 1944 eine Abstimmung des internationalen
Finanzsystems durch feste Wechselkurse beschlossen hatten. Nach dem
Zusammenbruch des Systems Anfang der siebziger Jahre entwickelten sich IWF
und Weltbank zunehmend zu Instrumenten der neoliberalen Politik des
Nordens gegenüber dem Süden. Damals bekamen Entwicklungs- und Schwellenländern
zunächst günstige Kredite von privaten Banken gewährt. Durch den
Anstieg der Zinsen und den Verfall der Exportpreise gerieten sie nach 1989
in die »Schuldenfalle«. Die Kredite von IWF und Weltbank dienten seither
zum Großteil nur noch der Tilgung des Schuldendienstes. Zugleich knüpften
die beiden Organisationen ihre Gelder an rigide neoliberale Auflagen:
Deregulierung, Privatisierung, Rückzug des Staates aus Wirtschaft und
Sozialsystemen. »Es ist besser, daß wir uns nun zurückziehen, bevor sie
uns weiter ausplündern«, kommentierte Chávez diese Politik am Montag.
Mit
dem von Venezuela geleiteten Integrationskurs haben sich die Widersprüche
zwischen den südamerikanischen Entwicklungsstaaten und den
Finanzorganisationen zugespitzt. In der vergangenen Woche erst hatte
Ecuadors sozialistische Regierung den Vertreter der Weltbank in ihrem
Land, Eduardo Somensatto, ausgewiesen. Staatschef Rafael Correa warf der
Weltbank Erpressung durch das unbegründete Zurückhalten eines bereits
zugesagten Kredits vor. Ecuador gehört zu den Gründungsmitgliedern der
»Bank des Südens«. Das regionale Kreditinstitut war auf Initiative von
Venezuela und Argentinien im Februar ins Leben gerufen worden und soll in
Lateinamerika IWF und Weltbank bis Mitte des Jahres ersetzen. |