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Die kommunistische
Bewegung des 21. Jahrhunderts entwickelt sich und wächst in den Kämpfen
Eine
Stellungnahme der Kommunistischen Initiative Österreich (KI)
| „So
wie es keine kurzen Wege zur Veränderung der gesellschaftlichen
Verhältnisse gibt, gibt es sie auch nicht zur Einschätzung der
Vorgänge der Vergangenheit. Wir lehnen die Etikettierung
„Stalinismus“ als Kampfbegriff des Gegners zur
Diskreditierung des Marxismus, der kommunistischen Idee und
Weltanschauung ab. Wir bezeichnen uns selbst als Marxisten-
Leninisten und erstreben als solche die klassenlose
Gesellschaft, den Kommunismus.“ |
Die
kommunistische Bewegung des 21. Jahrhunderts entwickelt sich und wächst
in den Kämpfen
Eine
Stellungnahme der Kommunistischen Initiative Österreich (KI)
Quelle:
NVS Nr. 18 von Dezember 2009
Auf
Kommunisten-online veröffentlicht am 17. Dezember 2009 –
Das
20. Jahrhundert brachte – beginnend mit der Oktoberrevolution 1917 –
eine Welle sozialer und nationaler Befreiung hervor, deren deutlichstes
Ergebnis das jahrzehntelange Bestehen eines sozialistischen
Staatenbundes war. Während der Kapitalismus im 20. Jahrhundert den
Faschismus mit seinen Millionen Toten, mit Krieg, KZs und Genozid
hervorbrachte, waren es die sozialistische Sowjetunion, ihr heldenhaftes
Volk sowie dessen Rote Armee und Kommunistische Partei, die wesentlichen
Anteil an der Beendigung des 2. Weltkrieges und der Zerschlagung des
Faschismus hatten.
Auch
in anderen Ländern – nicht zuletzt in Österreich – leisteten
KommunistInnen einen bedeutenden und vielerorts entscheidenden Anteil an
den antifaschistischen und nationalen Befreiungskämpfen. Die Zeit
zwischen 1945 und 1989/90, in der wesentliche Teile Europas und Asiens
dem Einfluss des Monopolkapitals entzogen und volksdemokratisch oder
sozialistisch regiert waren, brachte dem europäischen Kontinent eine
mehr als vier Jahrzehnte andauernde Periode des Friedens, wenn auch der
Kalte Krieg dem Sozialismus Rüstungs- und Verteidigungsausgaben
aufzwang, welche die Prosperität und Produktivität der
Volkswirtschaften entscheidend hemmten.
Die
UdSSR und die sozialistische Staatenwelt lieferten auch wichtige Impulse
für antikoloniale und antiimperialistische Befreiungsbewegungen in
Asien, Afrika und Lateinamerika. Die indirekte und direkte Unterstützung
durch den Sozialismus ermöglichte es einer Reihe von abhängigen Ländern
und Nationen, die Fesseln des Kolonialismus und zum Teil des
Imperialismus abzuwerfen sowie – mit unterschiedlichem Erfolg –
alternative Entwicklungswege zu beschreiten. Die bloße Existenz der
sozialistischen Länder trug auch dazu bei, dass etwa in der BRD und in
Österreich das Kapital sozial- und wirtschaftspolitische Zugeständnisse
an die Arbeiterschaft machen musste, welche zu deren wachsendem
Wohlstand beitrugen.
Dass
es dem Imperialismus letztlich gelang, die Hegemoniefrage in weiten
Teilen der Welt vorerst für sich zu entscheiden, hat sicher nicht eine,
sondern mehrere, miteinander verwobene Ursachen:
Da
ist ein Abgehen vom sozialistischen Entwicklungsweg (wo als eine
Weichenstellung in die falsche Richtung der XX. Parteitag der KPdSU
betrachtet werden kann), da ist die Übernahme von wirtschafts- und
gesellschaftspolitischen Termini und Zielvorgaben des Gegners; da sind
theoretische Fehleinschätzungen, die zu Ungleichgewichten, und eine
fehlgeleitete Praxis, die zu Ineffizienz in der Ökonomie führten und
einer gleichmäßigen, proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaften
zuwiderliefen; da sind Unregelmäßigkeiten in den wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen den einzelnen sozialistischen Staaten, wodurch
bestimmte nationale Ökonomien zusätzlichen Belastungen ausgesetzt
wurden; da sind Erscheinungen wie Erstarrung, Karrierismus,
Entpolitisierung, Korruption und Defätismus, die zum Vertrauensverlust
und zum Verlust der führenden Rolle der kommunistischen Parteien führten,
so wie Erfahrungen mit Fehlentwicklungen im Bereich der sozialistischen
Demokratie ebenso die Arbeiterklasse dem Arbeiterstaat entfremdeten und
die politische und gesellschaftliche Hegemonie der kommunistischen
Parteien beschädigten; und da ist nicht zuletzt die militärische,
politische und wirtschaftliche Macht des Imperialismus, die sich stets
jeglicher Mittel bediente, um den Sozialismus zu destabilisieren und zu
zerstören, damit verbunden die schon angesprochene, dem Sozialismus
aufgezwungene Last der Verteidigungsausgaben.
Aus
der Analyse der historischen Verdienste und zugleich der folgenschweren
Fehler des Sozialismus des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die
kommunistische Bewegung weiter, entsteht der Sozialismus des 21.
Jahrhunderts, dessen hoffnungsvollsten Impulse heute von Lateinamerika
ausgehen, vom sozialistischen Kuba, von den antimonopolistischen Umwälzungen
etwa in Venezuela, Bolivien oder Ekuador und vom gemeinsam geschaffenen
Bündnis gleichberechtigter, souveräner Nationalstaaten, ALBA.
Zu
den Hoffnungs- und Bannerträgern der kommunistischen Bewegung des 21.
Jahrhunderts gehören aber ebenso alle klassenverbundenen
kommunistischen und Arbeiterparteien auf allen anderen Kontinenten, zu
deren gewichtigsten in Europa die kommunistischen Parteien Griechenlands
und Portugals zählen.
Was
1917 mit dem Roten Oktober begann, ist nicht mit 1990 zu Ende gegangen.
Ja, der Kapitalismus hat gesiegt, er hat die Kommandohöhen der
Wirtschaft und der Politik, die ihm über Jahrzehnte entrissen waren,
zurückerobert. Er hat in den ehemals sozialistischen Staaten eine neue
kapitalistische Oligarchie, eine neue Oberschicht von Reichen,
gleichzeitig Armeen von Armen geschaffen. Auch in den kapitalistischen
Staaten ermöglichten die bürgerliche Konterrevolution und die
kapitalistische Restauration in Osteuropa neue Angriffe auf die sozialen
und demokratischen Rechte der Arbeiterklasse.
Doch
nicht zuletzt die brachiale Wiedereingliederung Osteuropas in das System
des Imperialismus trug dazu bei, dass wir es gegenwärtig weltweit mit
einer ökonomischen Krise gewaltigen Ausmaßes zu tun haben.
Gleichzeitig
hat die ungehemmte Neuentfaltung des aggressiven und
repressiven Wesens des Imperialismus zu einer globalen ökologischen und
humanitären Krise in Permanenz geführt. Heute ist mit der stetigen
Vernichtung menschlicher Lebensgrundlagen das Überleben des Menschen
als Spezies auf unserem Planeten selbst ernsthaft gefährdet. Die
Fragestellung: Sozialismus oder Barbarei, hat sich zugespitzt auf die
Alternative: Sozialismus oder Untergang. Die Niederlage von 1989/90 ist
gewaltig, nicht nur für uns KommunistInnen, in allen Teilen der Erde
hat sie zu einer Verbesserung der Verwertungsbedingungen des Kapitals
beigetragen und zu einer Verschlechterung der Lage und des Lebens vieler
Millionen. Es geht der Kampf in die nächste Etappe. Für diese – wie
für alle – sollten wir Karl Marx beherzigen: „Proletarische
Revolutionen (…) kritisieren beständig sich selbst, unterbrechen sich
fortwährend in ihrem eigenen Lauf, kommen auf das scheinbar Vollbrachte
zurück, um es wieder von neuem anzufangen, verhöhnen grausam-gründlich
die Halbheiten, Schwächen und Erbärmlichkeiten ihrer ersten Versuche,
… schrecken stets von neuem zurück vor der unbestimmten
Ungeheuerlichkeit ihrer eigenen Zwecke, bis die Situation geschaffen
ist, die jede Umkehr unmöglich macht, und die Verhältnisse selbst
rufen: Hic Rhodus, hic salta!“
Einige
Schlussfolgerungen und Perspektiven:
Wir
teilen die Einschätzung starker kommunistischer Parteien wie der KP
Griechenlands, dass es in der gegenwärtigen Phase des Kampfes sowohl
darauf ankommt, einen breiten demokratischen und antimonopolistischen
Volkswiderstand gegen die Offensive des Kapitals und des Imperialismus
zu organisieren als auch am Aufbau eines klassenkämpferischen und
revolutionären kommunistischen Pols zu arbeiten.
Wir
sehen die Notwendigkeit, auch in Österreich unseren Beitrag zur
Erreichung dieser Ziele zu leisten. Die Gründung der KI im Jänner 2005
war ein Schritt in diese Richtung. In der Zwischenzeit hat sich die
Richtigkeit unserer Analyse vertieft und bestätigt, dass in absehbarer
Zeit aus der KPÖ keinerlei Impulse für eine kommunistische Politik zu
erwarten sind. Auch die bedeutendste Kraft in ihr, die steirische KP,
scheint sich mit dieser Situation und deren klassenindifferenten bis
antikommunistischen Tendenzen strukturell arrangiert zu haben und macht
keine erkennbaren Anstalten, verändernd aktiv zu werden oder
einzugreifen. Zugleich ist es erfreulich, dass die Kommunistische Jugend
Österreichs auf dem besten Weg ist, sich zu einer kämpferischen
ArbeiterInnen-, Lehrlings- und SchülerInnenorganisation zu entwickeln,
und einen dynamischen, selbstbewussten Faktor in der fortschrittlichen
und kommunistischen Bewegung in Österreich darstellt.
Die
KI ist seit ihrem Bestehen bemüht, eigenständige kommunistische
Politik mit breiter Aktionseinheits- und Bündnispolitik zu verknüpfen.
Ein sehr konkretes und erfreuliches Ergebnis ist die Aktionseinheit mit
der Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich
(ATIGF) und unorganisierten Linken in der Liste Kommunistische
Gewerkschaftsinitiative – International (KOMintern), die seit Mai 2009
mit einem Mandat in der Wiener Arbeiterkammer vertreten ist. Die KI wird
dazu beitragen, dass sich diese Aktionseinheit weiter entwickelt, die Möglichkeiten
der Vertretung in der AK wahrgenommen und die Arbeit über Wien hinaus
ausgedehnt wird.
Die
KI sieht es auch als ihre Pflicht an, in ideologischer Hinsicht für die
Verteidigung und schöpferische Weiterentwicklung des Marxismus-
Leninismus zu wirken. KommunistInnen müssen ihre Theorie und
Programmatik stets aus den Grundpositionen des Marxismus-Leninismus
entwickeln und auf ihnen aufbauen. Wir wenden uns ebenso gegen
Revisionismus und Opportunismus wie gegen linken Radikalismus und
ideologische Erstarrung.
So
wie es keine kurzen Wege zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse
gibt, gibt es sie auch nicht zur Einschätzung der Vorgänge der
Vergangenheit. Wir lehnen die Etikettierung „Stalinismus“ als
Kampfbegriff des Gegners zur Diskreditierung des Marxismus, der
kommunistischen Idee und Weltanschauung ab. Wir bezeichnen uns selbst
als Marxisten- Leninisten und erstreben als solche die klassenlose
Gesellschaft, den Kommunismus.
Die
Periode des Sozialismus im 20. Jahrhundert ist Teil unserer Geschichte
und unserer Erfahrung, so wie revolutionäre Politik sich niemals im
geschichtsleeren Raum bewegen kann. Das schließt auch ein, sich offen
nicht nur mit der Erfolgsbilanz, sondern auch mit politischen und ökonomischen
Fehlern, Verbrechen und Verstößen gegen die sozialistische
Gesetzlichkeit auseinanderzusetzen.
Als
KommunistInnen sehen wir jedoch keinen Anlass, uns vor dem politischen
Gegner, dem kapitalistischen System, für historische Begebenheiten zu
rechtfertigen. Die Geschichte der Klassenkämpfe ist eine Geschichte härtester
Auseinandersetzungen mit unzähligen Opfern. Der Kapitalismus verursacht
tagtäglich den Tod von Menschen und unter zugespitzten Bedingungen –
sei es im unmittelbaren konterrevolutionären Klassenkampf gegen das
Proletariat oder in innerimperialistischen Auseinandersetzungen –
nimmt der Kapitalismus Millionen Opfer im Kauf, so z.B. mit seinen
Weltkriegen und den faschistischen Diktaturen.
Der
Kapitalismus ist verantwortlich für die Verfolgung und Unterdrückung
von RevolutionärInnen in allen Teilen der Welt, für Elend, Hunger und
Krieg, und mit ihm haben wir daher nur eine Rechnung zu begleichen: ihn
zu stürzen. Die gegenwärtige kapitalistische Krise erfordert es,
sowohl in Tageskämpfen aktiv zu sein als auch die grundsätzliche
Kritik am kapitalistischen System zu verstärken. Jetzt in der Krise
versucht das Kapital, seine Bedingungen zur Ausbeutung und Unterdrückung
der Lohnabhängigen zusätzlich zu verbessern, was nur durch breiten
Widerstand abzuwenden sein wird.
Jetzt
in der Krise gilt es aber auch, die Menschen auf den Zynismus und die
Menschenverachtung des kapitalistischen Systems hinzuweisen, das nicht
dazu geschaffen und daher nicht einmal gewillt ist, ihnen dauerhaft
Frieden, Wohlstand und Entwicklung zu sichern. Es gilt, die
Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes für eine Welt ohne Ausbeutung,
Unterdrückung und Krieg zu propagieren. Dass es dazu einer
kommunistischen Formation bedarf, die sich als Klassenpartei des
Proletariats versteht und im Proletariat fest verankert ist, liegt auf
der Hand. Dass eine solche in Österreich gegenwärtig nicht existiert,
ebenso. Wir halten deshalb die Intensivierung der – zunächst
innerorganisatorischen – Debatte über die Schaffung einer solchen
Partei für nötig. Nach der erfolgreichen Konsolidierung der KI in
ihrem bald fünfjährigen Bestehen, nach der Herausbildung von
Landesorganisationen und nach dem erfolgreichen – gemeinsam mit
anderen initiierten Projekt KOMintern – halten wir das für den
notwendigen nächsten Schritt.
Die
Neuschaffung einer kommunistischen Klassenpartei des Proletariats in Österreich
erfordert unseren ganzen Einsatz, die Mobilisierung unserer ganzen
politischen, ideologischen und organisatorischen Fähigkeiten und Möglichkeiten,
denn sie ist eine historische Notwendigkeit. |