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Oscar
Figuera, Generalsekretär der KP Venezuelas, vor dem Parlament am
13. Juli 2010
KIRCHENFÜHRUNG
GEGEN VENEZUELAS KOMMUNISTEN
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Auf
Kommunisten-online am 18. Juli 2010 - ier der Wortlaut der
Rede des Genossen Oscar Figuera:
Guten
Abend, Genossen Abgeordnete.
Vielen
Dank Genossin Parlamentspräsidentin.
Ich
dachte, dass mir kein Rederecht mehr gewährt wird, denn die Aussprache
ist recht lang gewesen.
An
allererster Stelle wollen wir als Mitglieder der Kommunistischen Partei
Venezuelas UNSEREN TIEFEN RESPEKT VOR JEDER RELIGIÖSITÄT DES
VENEZOLANISCHEN VOLKES UNABHÄNGIG IHRER FORM UND ERSCHEINUNG bekunden.
Wir verstehen, dass die Religion ein Zustand oder eine Ebene des
kollektiven Bewusstseins ist. Folglich ist es notwendig, dass wir in
unserer Arbeit zur Veränderung der Gesellschaft dies berücksichtigen
und daran arbeiten.
Ich
selbst in meinem Fall und in meiner Eigenschaft als Mitglied der
Kommunistischen Partei bin nicht religiös und brauche keine Religion.
Aber ich respektiere sie. Das ist die erste Feststellung, die wir hier
treffen wollen.
Die
zweite Feststellung besteht darin, dass die ganze Debatte für uns in
ihrem Wesen nicht religiös, sondern politisch ist.
Ich
habe hier ganz richtig viel Gerede von der Geschichte der Religion und
so weiter gehört ... und ich respektiere viel von diesen Redebeiträgen,
in denen es darum ging, was die Priester tun und was sie nicht tun. Aber
für uns in der Kommunistischen Partei geht es bei dieser Debatte um was
ganz anderes. Wir sehen im internationalen Maßstab den Aufmarsch der
US-Streitkräfte, die Eröffnung eines weiteren US-Militärstützpunktes
in Kostarika. Und ganz konkret vor diesem Hintergrund IST DAS HANDELN
DER KIRCHENFÜHRUNG DARAUF GERICHTET, DIE PROZESSE DER DESTABILISIERUNG
UND DER AGGRESSION GEGEN UNSER VOLK ZU FÖRDERN. Darin liegt für uns in
der Kommunistischen Partei der politische Kern dieser Debatte.
Den
Rest können wir verwenden, aber damit reden wir um den heißen Brei
herum. Denn dieser ganze Rest würde einschließen, dass wir anfangen
aufzuzeigen: Was ist die Religion? Und was ist die Kirche? Das ist eine
sehr viel tiefgründigere Debatte. Oder wie wäre es damit: Welchem
Denksystem verschreibt sich die Kirche? Dem idealistischen oder dem
materialistischen, und welchem bedienen wir uns von der einen oder
anderen Blickrichtung aus? Das ist die politische Diskussion, die heute
und hier geführt wird.
Vom
Standpunkt der Kommunisten aus besteht der Kern der Diskussion darin,
dass es den bolivarischen revolutionären Prozess unter Führung des
Comandante der Revolution Hugo Rafael Chávez Frías gibt. IN DIESEM
PROZEß ENTWICKELT SICH EINE TIEFE EINHEIT IN DER VERSCHIEDENHEIT, WO IN
REVOLUTIONÄRER EINHEIT WIR CHRISTEN UND NICHTCHRISTEN, GLÄUBIGE UND
UNGLÄUBIGE, ZIVILPERSONEN UND MILITÄRANGEHÖRIGE TEILNEHMEN UND
HANDELN. DIE HALTUNG DER KIRCHENFÜHRUNG IST DARAUF GERICHTET, DIESE
REVOLUTIONÄRE EINHEIT DES VOLKES ZU SPRENGEN. Für uns ist ganz richtig
dies der eigentliche Kern des Problems.
Was
da der Bürger sagt, der im Namen der Kirchenführung redet, ist
einerseits der Vorwurf, dass wir die Verfassung missachten würden, wenn
wir die revolutionären Gesetze einzubringen vorhaben, welche die
Inhalte der Bolivarischen Verfassung bilden. Wenn wir in der
Nationalversammlung uns bemühen und daran arbeiten, damit der Artikel 2
der Verfassung entwickelt wird und zum Ausdruck gebracht wird. Dieser
Artikel 2 spricht von Gerechtigkeit, von Solidarität, von Gleichheit.
Offenkundig wird er sich nicht in einer kapitalistischen Gesellschaft
umsetzen lassen. Er muss sich in einer sozialistischen Gesellschaft
umsetzen. Denn DIE SOLIDARITÄT, DIE GLEICHHEIT, DIE SOZIALE
GERECHTIGKEIT, DIE TEILNAHME, DIE SELBSTVERWIRKLICHUNG, DIE VERTEIDIGUNG
DER SOUVERÄNITÄT, DIE BEFREIUNG UNSERES VOLKES, DER AUFBAU EINER NEUEN
PRODUKTIONSWEISE OHNE AUSGEBEUTETE UND AUSBEUTER IST NUR MÖGLICH IN
EINER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFT. Offenkundig ist der Bürger
Abgeordnete der Kirchenführung mit seinem Vorwurf, wir würden die
Verfassung missachten, darauf aus, die Rechtmäßigkeit und die
Gesetzlichkeit dessen zu sprengen, was wir gerade machen. ES IST
NOTWENDIG, Dass DIESE NATIONALVERSAMMLUNG UND ALLE ÖFFENTLICHEN GREMIEN
AUFSTEHEN IN DIESER AUSEINANDERSETZUNG ANGESICHTS EINER KAMPAGNE, DIE
DAS REVOLUTIONÄRE VORHABEN IN DISKREDITIEREN WILL. Daher ist die
Diskussion grundsätzlich politisch. Das venezolanische Volk muss
wissen, dass diese Diskussion grundlegend POLITISCH ist, dass sie nicht
RELIGIÖS ist. Dass hier nicht mit der Kirche gesprochen wird. Dass hier
mit den Sprachrohren der Kirchenführung gerade diskutiert wird, die ihr
ganzes Leben lang im Verlauf der Geschichte die Interessen der
herrschenden Klasse zum Ausdruck gebracht haben. Darum muss man hier mal
schnell auf die Geschichte zurückgreifen.
Mit
welchen Gruppierungen der Gesellschaft sind die Kirchenführungen
historisch stets verflochten gewesen? Im Mittelalter, zu Beginn der
kapitalistischen Gesellschaft? IN DEN VERSCHIEDENEN FORMEN DER
GESELLSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG, WO DIE AUSBEUTUNG VORHERRSCHT, DA IST
DIE KIRCHENFÜHRUNG STETS AUF SEITE DER MACHTHABER GEWESEN: Aus ganz
einfachem Grunde, Genossen, was gestern unser Genosse Yul Jabour als
Sprecher der Kommunistischen Partei Venezuelas sagte: WEIL AUCH INMITTEN
DER KIRCHE DER KLASSENKAMPF STATTFINDET. Es findet der Kampf der Ideen
statt. Es findet der Kampf der Interessen statt.
Weil
die Kirche keine Organisation am Rande der gesellschaftlichen
Wirklichkeit, am Rande der vorhandenen Widersprüche in der
venezolanischen Gesellschaft ist. Die Kirche ist auch erfaßt von der
Auseinandersetzung der verschiedenen politischen und gesellschaftlichen
Vorhaben, die sich in der Gesellschaft miteinander auseinandersetzen.
Und die Mehrheit der Kultur dieser Einrichtung, bitte hören Sie, was
ich sagte, DIE MEHRHEIT, denn schon immer hat es Ausnahmen gegeben, die
Mehrheit hat sich immer den Interessen der Machthaber angepasst.
Das
ist Teil der Diskussion. Wir verstehen, dass dies in dieser
Nationalversammlung vonstatten geht, weil es uns vor dem Volk ermöglicht,
DAS WESEN UND DIE NATUR DES VERHALTENS DIESER BÜRGER ZU ENTLARVEN.
Gemäß
ihrer Rolle in der in Klassen gespaltenen Gesellschaft liegt mit einem
religiös verbrämten Ansatz ihre Absicht darin, die Entfremdung des
kollektiven Bewusstseins zu manipulieren und zu vertiefen, um das
kollektive Bewusstsein den Interessen der Herrschaftsblöcke unterworfen
zu halten, beim kapitalistischen Block, beim imperialistischen Block.
Diese Zielstellung lässt uns hier in dieser Diskussion das Wort
ergreifen.
Vieles
ist gesagt worden, worauf wir uns beziehen könnten. Der Abgeordnete Saúl
Ortega gab auf einige jener Anwürfe eine Antwort auf ganz eigene Art,
wonach vieles davon nicht den historischen Tatsachen entspricht.
Von
wegen „die Bourgeoise ist das Problem der Frauen und Kinder, was Lenin
sagte“, den historischen Bezug sagte Marx, nicht Lenin, - zuerst sagte
es Marx, nicht um die Bourgeoisie zu bewerten, sondern um darzustellen,
was das Beste und Bewahrenswerteste an dieser Produktionsweise der
Ausbeuter war, nicht um die Bourgeoisie zu bewerten zu versuchen.
Weil
DIE BOURGEOISIE, GENOSSEN, SICH ALS GESELLSCHAFTLICHE KLASSE DEFINIERT,
EINE GESELLSCHAFTLICHE KLASSE IM BESITZ DER PRODUKTIONSMITTEL. UND ALS
BESITZERIN DIESER PRODUKTIONSMITTEL KAUFT SIE DIE LOHNARBEITSKRAFT UND
BEUTET SIE AUS. UND AM ENDE EIGNET SIE SICH DEN MEHRWERT AN, DEN DIE
ARBEITSKRAFT BEI IHREM EINSATZ AN DER VERGEGENSTÄNDLICHTEN ARBEIT
ERZEUGT, UND SIE MACHT DEN ARBEITER FOLGLICH ALS JENE ARBEITSKRAFT ZUR
WARE. Dies ist die Definition der Bourgeoisie.
Das
Andere ist eine ergänzende Bemerkung, die seinerzeit von Marx gebraucht
wurde. Wichtig ist für diese Diskussion, Genosse, und das unterstreiche
ich, dass wir immer wieder bei den Klassikern nachlesen: Die Heilige
Familie. Die Familie, das Privateigentum und der Staat, wo uns gesagt
wird, wie die Religion entstand. Wie das religiöse Denken sich in der
Menschheit entwickelte, welches infolge der Unmöglichkeit für die
primitiven Menschen entstand, sich die Gründe für die Sonnenstrahlen,
den Mond, den Regen, die vier Jahreszeiten zu erklären. Aber ich
wiederhole, dass dies eine andere Diskussion ist, wie sie nicht heute
hier aufgeworfen worden ist, weil sie mit anderen Dingen zu tun hat.
(Noch
eine Minute, Abgeordneter.)
Verflixt,
Präsidentin, wenn Sie das sagen. Sie wissen es, Sie sind die schlagende
Uhrzeit.
Gut,
Genossen ... Es gibt noch viel Wichtiges zu erklären ... Nur eines
davon will ich in dieser Minute fordern.
ICH
WERDE DEN KOMMUNISMUS FORDERN.
Wir
verteidigen uns angesichts des Angriffs der Barbaren, wie Chávez sie
nannte. Die Barbaren sind Höhlenmenschen, daher verbleiben sie in der
Vergangenheit. Den Kommunismus ihnen gegenüber zu verteidigen und zu
sagen „Nein, Bürger, wir gehen nicht zum Kommunismus“ hieße, dass
wir Zugeständnisse an die Reaktion machen, an den Stammtisch der
Ultrareaktionäre. Und wir sind nicht bereit zu Zugeständnissen an den
Ultrareaktionären in diesem Land. Weil DER SOZIALISMUS DIE HÖCHSTE
ENTWICKLUNGSPHASE DER MENSCHHEIT IST.
Der
Kommunismus ist nicht das Rückständigste, er ist das
Fortschrittlichste. (Beifall)
Den
Kommunismus aufzubauen heißt eine Gesellschaft ohne gesellschaftliche
Klassen aufzubauen, wo keine gesellschaftlichen Klassen die anderen
gesellschaftlichen Klassen ausbeuten. Den Kommunismus aufzubauen heißt
Abschaffung des Staates als Machtinstrument einer Klasse gegen eine
andere Klasse. Den Kommunismus aufzubauen heißt eine Gesellschaft
aufzubauen, wo die Entwicklung der Produktivkräfte so gewaltig ist,
dass jeder nach seinen Bedürfnissen befriedigt wird, und zwar unabhängig
davon, ob er es produzieren kann. DER KOMMUNISMUS IST DIE GESELLSCHAFT HÖCHSTER
SOZIALER GERECHTIGKEIT. Darum, in diesem Saal, FORDERN WIR, von der
Kommunistischen Partei aus, DEN KOMMUNISMUS ALS HÖCHSTE
ORGANISATIONSFORM DER MENSCHHEIT.
Vielen
Dank, Genossin Präsidentin.
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
Anmerkung:
Titel von Jens-Torsten Bohlke hinzugefügt
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