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KKE-Generalsekretär
Nikos Zachariadis rehabilitiert
Von
mh (Schweiz)
Kommunisten-ch
vom 6.10.2011 (auf Kommunisten-online.de am 9. Oktober 2011) – Die
Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) hat
ihren historischen Parteiführer Nikolaos Zachariadis vollumfänglich
rehabilitiert.1
Am 2. Oktober fand in Athen eine Veranstaltung zu Ehren Zachariadis’
statt. Eine Delegation des Zentralkomitees der KKE
unter der Leitung von Aleka Papariga legte einen Kranz am Grab von
Zachariadis nieder. Anwesend war auch der Sohn des langjährigen KKE-Generalsekretärs.
Aufgrund von jahrelangen Untersuchungen des Archivmaterials ist die KKE
zum Schluss gekommen, dass Zachariadis ein kompromissloser Volksführer
und Vertreter der Sache der Arbeiterklasse war, und dass die seinerzeit
gegen ihn erhobenen Vorwürfe haltlos sind.
Zachariadis
wurde 1903 in Edirne (Adrianopel) geboren. In Istanbul schloss er sich
der KP der Türkei an. Nach Studien an der Kommunistischen Universität
für die Arbeiter des Ostens in Moskau ging er 1924 nach Griechenland,
arbeitete in der Leitung der Kommunistischen Jugendorganisation und in
der Partei. 1931 wurde er Sekretär der KKE
und war 1935-1956 ihr Generalsekretär. In der Metaxas-Diktatur
(1936-41) lebte Zachariadis als Gefangener in Arbeitslagern. 1941 wurde
er den deutschen Besatzern ausgeliefert und von der Gestapo ins
Konzentrationslager Dachau gebracht, von wo er im Mai 1945 zurückkehrte.
Im Abkommen von Variza (12.2.45) hatte die zwischenzeitlich von Georgios
Siantos geführte KKE in die einseitige
Entwaffnung der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS
eingewilligt, die bis Herbst 1944 etwa 90 Prozent des Landes von den
deutschen Besatzern befreit hatte. Zachariadis kritisierte dieses
Abkommen als Kapitulation vor den monarcho-faschistischen Kräften und
den Engländern. Die Engländer liessen den faschistischen
Todesschwadronen freie Bahn zur Verfolgung der entwaffneten Demokraten.
Nach
der Niederlage im Griechischen Bürgerkrieg (1946-49) emigrierte
Zachariadis in die Sowjetunion, wo sich eine grosse griechische Kolonie
bildete. Kurz nach Stalins Tod begann die Chruschtschow/Mikojan-Clique,
massiven Druck auf die KKE auszuüben, die
sich in der Sowjetunion reorganisiert hatte. Die Chruschtschowianer
verlangten von Zachariadis vor allem drei Dinge: (1.) die Anerkennung
Tito-Jugoslawiens als sozialistischer Staat, (2.) die Abfassung von
Prawda-Artikeln zur Verurteilung des sogenannten Personenkultes, (3.)
die Zustimmung zur Auflösung der Kominform. Zachariadis lehnte in allen
Punkten ab. An einem Treffen der Parteikader in Taschkent rief er aus:
“Genossen, verschiedene Redner haben Gen. Demetriou angegriffen und
betrachten diesen mehr oder weniger als Führer der Revisionisten. Aber
Demetriou ist bloss das Schwanzende eines schlecht verborgenen Elefants.
Unsere ernste und historische Aufgabe ist es, an diesem Schwanz zu
ziehen, damit die ganze Welt den Elefanten sieht: Chruschtschow.”
Im
September 1955 schlug die revisionistische Führung der Sowjetunion
gegen die KKE zu. In Taschkent, der Hauptstadt
der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik, wurde eine
Protestkundgebung von rund 200 gedungenen griechischen Kommunisten gegen
die eigene Parteiführung organisiert. Diese überfielen KKE-Parteibüros
und griechische Buchhandlungen, wobei sie es besonders auf die Werke von
Zachariadis abgesehen hatten. Aber die griechischen Exilkommunisten, die
nach dem Bürgerkrieg zu Tausenden in Usbekistan Exil gefunden hatten,
eilten in grossen Massen herbei, um die KKE
gegen diese Provokateure zu verteidigen. Es kam zu Strassenschlachten
zwischen Griechen beider Gruppen. Die sowjetische Polizei machte
Hunderte von Festnahmen und lieferte unbeugsame Verteidiger der KKE-Führung
dem Justizapparat aus. Im Februar 1956, während des 20. Parteitages der
Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), begannen in Taschkent
Schauprozesse gegen griechische Kommunisten. Männer, darunter solche,
die ein Jahrzehnt bewaffneter Kämpfe hinter sich hatten wie General
Giorgos Kalianesis, wurden zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.
Die Parteiführung liess sich durch die Taschkenter Vorfälle nicht
beirren und schloss die dortige Fraktion aus der KKE
aus. Erdrückende Mehrheiten der griechischen Exilkommunisten in
Taschkent selbst, in ganz Usbekistan und in den anderen Sowjetrepubliken
standen auf Seiten ihrer Parteiführung. Ein Grossteil der Aktivisten
der KKE, ihres Apparates und ihrer zentralen
Strukturen befanden sich allerdings auf sowjetischem Territorium, und
dies gab dem Staats- und Parteiapparat der Sowjetunion, die als
sozialistischen Führungsmacht und als Gastland ohnehin hoch geschätzt
war, einen gewaltigen Einfluss und Druckmöglichkeiten.
Am
20. Parteitag der KPdSU liess Chruschtschow eine “Internationale
Kommission” aus Vertretern der Kommunistischen Parteien Bulgariens,
Polens, Rumäniens, Ungarns, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei
einsetzen, angeblich um die Spannungen innerhalb der KKE
zu lösen. Dieser Kommission gelang es, einen Kongress von willfährigen
Griechen (darunter ausgeschlossene KKE-Mitglieder)
einberufen und diesen im Namen der KKE die
Absetzung von Zachariadis beschliessen zu lassen. Die aus diesem Putsch
hervorgegangene KKE-Führung übernahm die
revisionistischen Thesen des 20. Parteitags der KPdSU und schloss
Tausende von widerspenstigen Genossen aus der Partei aus. Zachariadis
wurde als Parteifeind, Agent des Imperialismus und Anti-Internationalist
hingestellt, der die Grundsätze der innerparteilichen Demokratie
verletzt habe. Um sich gegen die Vorwürfe zu wehren, versuchte
Zachariadis in den 1960er Jahren, aus der Sowjetunion auszureisen, wurde
aber gewaltsam dort festgehalten und nach Sibirien verbannt, wo er 1973
unter ungeklärten Umständen starb. Eine Kurzmeldung der
Nachrichtenagentur TASS sprach von einem
Selbstmord.
Der
von Nikos Zachariadis geführten KP Griechenlands gebührt das
Verdienst, sich als erste Kommunistische Partei offen gegen den
Chruschtschow-Revisionismus gestellt zu haben. Ebenso wie andere
internationale Parteiführer (Gottwald, Bierut, Thorez und Togliatti)2
hatte Zachariadis für seine Haltung einen hohen Preis zu bezahlen.
(6.10.2011/mh)
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