|
Konkrete
Analyse einer konkreten Situation
Zur
Kritik am „Aufruf
italienischer Kommunisten: »Beginnen wir bei uns«“
Von
Günter Ackermann/26. April 2009
Lenin
schreibt: „worin das
innerste Wesen, die lebendige Seele des Marxismus besteht: die konkrete
Analyse einer konkreten Situation.“
Wenn
wir den Text der italienischeren Genossen kritisch analysieren, so fällt
wirklich auf, dass an keiner Stelle der Klassenbezug der von ihnen
angestrebten vereinigten Kommunistischen Partei Italiens hergestellt wird.
Es geht abstrakt um die einheitliche Kommunistische Partei.
Das
ist sicher ein erstrebendwertes Ziel – hier wie da. Aber heute ist es
anders, als damals, als sich die Kommunisten von den Sozialdemokraten lösten.
Damals hatten die Sozialdemokraten – in Russland die Menschewiki –
offenen Klassenverrat begangen und die Revolutionen dem Klassenfeind
verraten oder verhindert, dass sich eine revolutionäre Bewegung
entwickelte.
Die
klassenbewussten Proletarier hatten diesen Verrat miterlebt und begannen
sich von den sozialdemokratischen Parteien abzuwenden. Die revolutionären
Kräfte sammelten sich in neu gegründeten Parteien und nannten diese
kommunistische Partei. Der Klassenbezug lag schon im Gründungsakt. Die
KPD zum Beispiel gründete sich am 31. Dezember 1918, als die deutsche
Revolution eben den rechten Sozialdemokraten von Ebert, Noske und
Scheidemann verraten worden war. Der Klassenbezug bestand schon darin,
dass die KPD eben diese Revolution der Arbeiter und Soldaten retten und für
die Zukunft die Voraussetzungen für eine erneute proletarische Revolution
schaffen wollte.
Lenin
und die anderen führenden Kräfte der revolutionären Bewegung nannten
ihre Partei kommunistische Partei (oder Kommunistische Internationale) um
sich schon vom Namen her von den Sozialdemokraten abzugrenzen – immerhin
nannten sich einige sozialdemokratische Parteien „Sozialistische
Partei“, so z.B. in Österreich bis 1991 oder in Frankreich nennt sie
sich heute noch Sozialistische Partei.
Heute
dagegen ist es anders. Die kommunistischen Parteien sind meist von der
Krebsgeschwulst des modernen Revisionismus zerfressen. Der Name
„Kommunistisch“ für diese Parteien soll nur alte Genossen bei der
Stange halten und die Menschen täuschen, die meinen, es handele sich um
eine Partei mit kommunistischem Gedankengut und kommunistischer Politik.
Eine
abstrakte Vereinigung von „Kommunisten“ und Kommunisten wäre nichts
anderes, als wenn Lenin zur Einheit mit den Menschewiki oder Karl
Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches zur Einheit mit Noske, Ebert
und Scheidemann aufgerufen hätten. In Russland wäre es nie zur
Oktoberrevolution gekommen.
Wollen
das aber die italienischen Genossen? Sagen wir mal: Sie sind da sehr
verwaschen und unklar. Dieser Aufruf ist
die Abgrenzung von Führern der beiden „Kommunistischen“ Parteien
Italiens, die eine prinzipienlose „Regenbogenallianz“ mit Linksliberalen und Sozialdemokraten anstreben. Diese Regenbogenallianz,
geführt vom EX-EU- Ratspräsidenten
Romano Prodi, war ein buntes Gemisch von
mehr oder weniger linker und linksliberaler Gruppen. Prodi war EU-
Ratspräsident als der Euro eingeführt wurde, was dem Kapital den
Vorteil des freien Zahlungsverkehrs in Europa brachte, dem Volk aber
Reallohnverlust, Preisssteigerungen und Abbau der Sozialleistungen.
Die
Führer der beiden KPs wollten nun, dass ihre Partei in dieser
„Regenbogenallianz“ aufgehen. Und dagegen wenden sie die Autoren des
Aufrufs.
Es
ist klar, was die Parteiführer vor haben: Die Einsatzbereitschaft, den
Elan kommunistischer Kräfte in ihren Parteien dem linksbürgerlichen Bündnis
zu unterwerfen, auf eigenständige Politik zu verzichten und letztlich dem
Weg der ehemaligen PCI (Partito Comunista
Italiano) unter Enrico Berlinguer, die sich erst „eurokommunistsich“
nannte und dann abdriftete in den Sumpf der Sozialdemokratie. Sie hat
inzwischen die letzte Scham abgeworfen. Ihre 1991 gegründete Nachfolgepartei der
Democratici di Sinistra hat sich 2007 mit den Überresten der Mafia-Partei
der Christdemokraten La
Margherita - Democrazia è Libertà vereinigt. Diese wiederum bildet den
Kern der Regierung Prodi und mit denen wollten sich die Führer der beiden
kommunistischen Parteien vereinen und ihre Partei aufgeben.
Dagegen
also gehen die Autoren des Aufrufs vor und wollen eine Partei gründen,
die sich davon abgrenzt.
Ich
finde, wenn es in der DKP offene Aufrufe gäbe, sich vom Schmusekurs der
Parteiführung mit der PDS abzuwenden und sich neu zu organisieren, so wäre
das unterstützenswert.
Aber,
das muss klar hervor gehoben werden, gelänge es, Stehr und seine Leute zu
isolieren, wäre die DKP noch lange keine kommunistische Partei.
Ohne
revolutionäre Theorie und Praxis, ohne Marxismus-Leninismus, ohne den
Kampf gegen den modernen Revisionismus und ohne revolutionäre
Organisierung des Proletariats zum Klassenkampf kann es keine
kommunistische Partei geben. So begrüßenswert der Vorstoß der
italienischen Genossen auch sein mag.
G.A.
|