Proletarischer Internationalismus

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Leserbrief von Ulrich aus Nikaragua zum Aufruf italienischer Kommunisten zur einheitlichen Kommunistischen Partei siehe

„Da ist nirgends die Rede von einem Klassenbezug, bzw. Standpunkt, auch nicht von einer Einheit, die auf Klarheit basiert.“

Lieber Günter,

eine Bemerkung zum Aufruf zur Einigung der italienischen Kommunisten. Selbstverständlich ist es ein nobles Unterfangen die Kommunisten einer Nation einigen zu wollen. Auch finde ich es in Ordnung, daß ihr das abgedruckt habt.

Trotzdem habe ich meine Bedenken beim Lesen dieses Textes. Da ist nirgends die Rede von einem Klassenbezug, bzw. Standpunkt, auch nicht von einer Einheit, die auf Klarheit basiert. Ich meine damit den Marxismus - Leninismus im Allgemeinen und die Klassenkampferfahrungen, die inzwischen immer mehr zu wissenschaftlichen Binsenweisheiten werden für den, der sein Herz und sein Hirn wirklich auf unserer Seite hat. Wo ist da die Arbeiterklasse und ihre historische Avantgarde-Position?

Ich lebe in einem Land, mit einem nur kleinen proletarischen Anteil, einer rachitischen Entwicklung der Produktivkräfte und dessen Revolution bzw. deren Reste zur Zeit in stinkender Fäulnis versinken, gerade aus Mangel an wissenschaftlicher, ethischer und professioneller, klassenbewusster Prinzipienfestigkeit.

In 25 Jahren Erfahrung mit dieser Revolution - eine nicht-proletarische - an der ich sowohl aufbaumäßig, politisch als auch militärisch teilgenommen habe, bin ich heute zu folgenden Schlüssen gekommen.

 1. Nicht jeder der im Widerspruch zum Kapitalismus oder zum Imperialismus steht ist deswegen schon ein Linker, so sehr er auch links auf die Pauke haut. Es kann sich dabei objekltiv um ausgesprochene Reaktionäre handeln. Je weniger der proletarische Standpunkt zugegen ist, um so mehr kann es da zu äußerst tragischen Irrtümern kommen.

2. Eine Klassenanalyse ist unabkömmlich, bei Allem was was man macht. Dazu braucht es sehr wohl Genauigkeit und wissenschaftlich professionelles Herangehen. Das muß die anderen Elemente nicht außschließen vom Kampf und bedeuted alles andere als Sektieretum. Aber wenn wir von Kommunisten reden, muß da irgendwo eine Abgrenzung sein.

3. Nachsichtigkeit mit Dingen, die im detail unkorrekt sind, ist ein grober Fehler, weil meistens dann auch das große Konzept einer Bewegung nicht stimmt.

4. Es ist tausendmal besser, klein, aber qualitativ gut gewappnet zu sein, als eine groß Masse zu sammeln die ideologisch formlos oder inkonsistent[1] ist. Wenn man qualitativ gut ist, entspringt daraus der Massenerfolg notwendiger Weise. Ohne Kompass keine Reise. Erinnern wir uns an Lenin und die revolutionäre russische Linke nach dem Jahr 1905. Das waren keine hundert Menschen in diesem Moment. aber die Kaft des korrekten Standpunkts, professionelles Herangehen haben dann den roten Oktober geboren. 

Ihr könnt meinen Sandpunkt vielleicht für zu verkniffen halte. Ich kann euch aber versichern, daß ich brutal schweres Lehrgeld dafür bezahlt habe.

Mit kommunistischem Gruß

Ulrich aus Nikaragua

Ich stimme Ulrich vorbehaltlos zu. Das war mein Eindruck auch.

Ohne proletarischen Klassenstandpunkt, kann es keine kommunistische Partei geben.

Der Rote Webmaster


[1]  Inkonsistenz (v.lat.:in nicht, con zusammen, sistere halten) bezeichnet einen Zustand, in dem zwei Dinge, die beide als gültig angesehen werden sollen, nicht miteinander vereinbar sind. siehe  

zurück

Leserbrief von Gerrit:

Wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung zur Verfügung, doch auch die verbreitet sich nicht von allein.

Hier noch mal mein Kommentar zu Ulrichs Leserbrief:

Ulrich hat absolut recht. Sein Standpunkt ist also keineswegs „verkniffen“, sondern sehr wohl marxistisch. 

Man kann diese einfachen Wahrheiten gar nicht oft genug wiederholen. Wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung zur Verfügung, doch auch die verbreitet sich nicht von allein. Ohne marxistische Theorie wird es keine revolutionäre Praxis geben. Wir müssen also etwas tun gegen die Verdummung der Menschheit durch die bürgerlichen Massenmedien. Das ist ein Kampf um die Köpfe! 

Klassenbewusstsein entwickelt sich auch nur in der Auseinandersetzung mit dem Klassengegner. Und eine kommunistische Partei kann in diesem Kampf nur dann eine führende Rolle für sich beanspruchen, wenn deren Mitglieder zumindest das Kommunistische Manifest gelesen (und verstanden!) haben. Das ist aber bei einigen dieser Aktivisten, die sich da mit ihrem Aufruf an die offenbar etwas in Verwirrung geratenen Kommunisten Italiens wenden, wohl eher zu bezweifeln.

Mit kommunistischem Gruß

Gerrit  

zurück

Konkrete Analyse einer konkreten Situation

Zur Kritik am „Aufruf italienischer Kommunisten: »Beginnen wir bei uns«

Von Günter Ackermann/26. April 2009

Lenin schreibt: „worin das innerste Wesen, die lebendige Seele des Marxismus besteht: die konkrete Analyse einer konkreten Situation.“[1]

Wenn wir den Text der italienischeren Genossen kritisch analysieren, so fällt wirklich auf, dass an keiner Stelle der Klassenbezug der von ihnen angestrebten vereinigten Kommunistischen Partei Italiens hergestellt wird. Es geht abstrakt um die einheitliche Kommunistische Partei.

Das ist sicher ein erstrebendwertes Ziel – hier wie da. Aber heute ist es anders, als damals, als sich die Kommunisten von den Sozialdemokraten lösten. Damals hatten die Sozialdemokraten – in Russland die Menschewiki – offenen Klassenverrat begangen und die Revolutionen dem Klassenfeind verraten oder verhindert, dass sich eine revolutionäre Bewegung entwickelte.

Die klassenbewussten Proletarier hatten diesen Verrat miterlebt und begannen sich von den sozialdemokratischen Parteien abzuwenden. Die revolutionären Kräfte sammelten sich in neu gegründeten Parteien und nannten diese kommunistische Partei. Der Klassenbezug lag schon im Gründungsakt. Die KPD zum Beispiel gründete sich am 31. Dezember 1918, als die deutsche Revolution eben den rechten Sozialdemokraten von Ebert, Noske und Scheidemann verraten worden war. Der Klassenbezug bestand schon darin, dass die KPD eben diese Revolution der Arbeiter und Soldaten retten und für die Zukunft die Voraussetzungen für eine erneute proletarische Revolution schaffen wollte.

Lenin und die anderen führenden Kräfte der revolutionären Bewegung nannten ihre Partei kommunistische Partei (oder Kommunistische Internationale) um sich schon vom Namen her von den Sozialdemokraten abzugrenzen – immerhin nannten sich einige sozialdemokratische Parteien „Sozialistische Partei“, so z.B. in Österreich bis 1991 oder in Frankreich nennt sie sich heute noch Sozialistische Partei.

Heute dagegen ist es anders. Die kommunistischen Parteien sind meist von der Krebsgeschwulst des modernen Revisionismus zerfressen. Der Name „Kommunistisch“ für diese Parteien soll nur alte Genossen bei der Stange halten und die Menschen täuschen, die meinen, es handele sich um eine Partei mit kommunistischem Gedankengut und kommunistischer Politik.

Eine abstrakte Vereinigung von „Kommunisten“ und Kommunisten wäre nichts anderes, als wenn Lenin zur Einheit mit den Menschewiki oder Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches zur Einheit mit Noske, Ebert und Scheidemann aufgerufen hätten. In Russland wäre es nie zur Oktoberrevolution gekommen.

Wollen das aber die italienischen Genossen? Sagen wir mal: Sie sind da sehr verwaschen und unklar. Dieser Aufruf ist die Abgrenzung von Führern der beiden „Kommunistischen“ Parteien Italiens, die eine prinzipienlose „Regenbogenallianz“ mit Linksliberalen und Sozialdemokraten anstreben. Diese Regenbogenallianz, geführt vom EX-EU- Ratspräsidenten Romano Prodi, war ein buntes Gemisch von mehr oder weniger linker und linksliberaler Gruppen. Prodi war EU- Ratspräsident als der Euro eingeführt wurde, was dem Kapital den Vorteil des freien Zahlungsverkehrs in Europa brachte, dem Volk aber Reallohnverlust, Preisssteigerungen und Abbau der Sozialleistungen.

Die Führer der beiden KPs wollten nun, dass ihre Partei in dieser „Regenbogenallianz“ aufgehen. Und dagegen wenden sie die Autoren des Aufrufs.

Es ist klar, was die Parteiführer vor haben: Die Einsatzbereitschaft, den Elan kommunistischer Kräfte in ihren Parteien dem linksbürgerlichen Bündnis zu unterwerfen, auf eigenständige Politik zu verzichten und letztlich dem Weg der ehemaligen PCI (Partito Comunista Italiano) unter Enrico Berlinguer, die sich erst „eurokommunistsich“ nannte und dann abdriftete in den Sumpf der Sozialdemokratie. Sie hat inzwischen die letzte Scham abgeworfen. Ihre 1991 gegründete Nachfolgepartei der Democratici di Sinistra hat sich 2007 mit den Überresten der Mafia-Partei der Christdemokraten La Margherita - Democrazia è Libertà vereinigt. Diese wiederum bildet den Kern der Regierung Prodi und mit denen wollten sich die Führer der beiden kommunistischen Parteien vereinen und ihre Partei aufgeben.

Dagegen also gehen die Autoren des Aufrufs vor und wollen eine Partei gründen, die sich davon abgrenzt.

Ich finde, wenn es in der DKP offene Aufrufe gäbe, sich vom Schmusekurs der Parteiführung mit der PDS abzuwenden und sich neu zu organisieren, so wäre das unterstützenswert.

Aber, das muss klar hervor gehoben werden, gelänge es, Stehr und seine Leute zu isolieren, wäre die DKP noch lange keine kommunistische Partei.

Ohne revolutionäre Theorie und Praxis, ohne Marxismus-Leninismus, ohne den Kampf gegen den modernen Revisionismus und ohne revolutionäre Organisierung des Proletariats zum Klassenkampf kann es keine kommunistische Partei geben. So begrüßenswert der Vorstoß der italienischen Genossen auch sein mag.

G.A.


[1]  Lenin, Werke, Bd. 21, S. 38

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!