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Korea:
Quelle:
DDR-Handbuch „Länder der Erde“ (1985).
Auf
Kommunisten-online am 3. Januar 2012 – Wirtschaft, Allgemeines.
Nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges im Fernen Osten und der
Befreiung K.s durch die Sowjetarmee, errichteten die Werktätigen K.s
unter Führung der Kommunistischen Partei bzw. der Partei der Arbeit
Koreas in K. einen sozialistischen Industriestaat mit entwickelter
Landwirtschaft. Die sozialökonomische Basis der KDVR ist durch die
sozialistischen Produktionsverhältnisse in allen Bereichen der
Volkswirtschaft gekennzeichnet. Rd. 70% des produzierten
Nationaleinkommen; werden von der Industrie erbracht. Auf die Bereiche
Landwirtschaft und Dienstleistungen entfallen 16 bzw. 14%.
Bis
zu seiner Befreiung diente K., dessen Wirtschaft koloniales Gepräge
trug, dem imperialistischen Japan als Lieferant von Rohstoffen und Rüstungsgütern.
In Vorbereitung ihrer Eroberungskriege verstärkten die japanische
Militaristen den Aufbau einer Rüstungsindustrie in K. Während des
Krieges gegen China deckte Japan seinen Bedarf an Wolfram zu 83 %, an
Zinn zu 74,1 %, an Molybdän zu 96,8%, an Kobalt, Graphit und Glimmer zu
je 100% aus K. Im zweiten Weltkrieg wurden jährlich rd. 8 Mill. t Kohle
gefördert sowie mehr als 1 Mill. t Roheisen und 650.000 t Stahl
erzeugt. Die chemische Industrie, die einen schnellen Aufschwung
genommen hatte, war 1939 mit 35 % an der gesamten Industrie beteiligt.
Zur Versorgung der Rüstungsindustrie mit Elektroenergie wurden große
Wasserkraftwerke errichtet. Die einseitige industrielle Entwicklung führte
zu schweren Disproportionen zwischen der extraktiven und der
verarbeitenden Industrie. Der Anteil der Maschinenbaus belief sich nur
auf rd. 2 % der gesamte Industrieproduktion.
Die
Landwirtschaft war durch intensiven Ackerbau und Parzellenwirtschaft
gekennzeichnet. Fast das gesamte Gutsbesitzerland wurde zu knechtenden
Bedingungen verpachtet. Die Pacht betrug im Durchschnitt rd. 70 % der
Ernte. Fast 80 % aller Bauern waren Voll- oder Halbpächter. Nach der
Befreiung verlief die Entwicklung im nördlichen und südlichen Teil
unterschiedlich.
Laut
Gesetz vom 5.März 1946 wurde im N eine Bodenreform durchgeführt. Im
Verlaufe dieser Reform wurden eine Mill. Tschöngpo (3 Tschöngpo = 0,99
ha) Land, das früher japanischen Kolonialherren und koreanischen Gutsbesitzern
gehörte hatte, beschlagnahmt und an mehr als 17.000 Landarbeiter,
442.000 Landlose sowie 260.000 landarme Bauern verteilt. Das Gesetz vom
10. August 1946 legte die Nationalisierung der Groß- und
Mittelindustrie der Banken sowie der Transport- und Nachrichtenmittel
fest.
Die
demokratischen Reformen trugen zu einem schnellen Wiederaufbau der von
den Japanern zerstörten Wirtschaft sowie zur Hebung des materiellen und
kulturellen Lebensstandards der Bevölkerung bei. Der Gesamtzuwachs der
industriellen Bruttoproduktion belief sich von 1946 bis 1949 auf 337%.
Der
verbrecherische Überfall von 1950 verursacht der KDVR ungeheure Zerstörungen
und Verluste. Einstellung der Kriegshandlungen wurde durch den jahrplan
(1954-1956) der Wiederaufbau in Angriff genommen. Die industrielle
Bruttoproduktion war 1956 um 278% höher als 1949. 1957 begann ein Fünfjahrplan,
in dessen Verlauf die Bruttoproduktion anstieg (Jahreszuwachsrate in
der Zeit des Fünfjahrplans durchschnittlich 44,6%). Die KDVR
entwickelte sich zu einem Industrie-Agrar-Staat.
Die
sozialistischen Staaten erwiesen der KDVR in der Periode des
Wiederaufbaus umfangreiche Hilfe. Die UdSSR stellte über 1 Mrd. Rubel
zur Verfügung und erließ der KDVR die Rückzahlung großer Kredite.
Auch andere sozialistische Staaten halfen in brüderlicher Solidarität,
erbauten Maschinenfabriken und Hüttenwerke. Viele koreanische
Facharbeiter wurden durch Spezialisten ausgebildet. Die DDR half beim
Aufbau der Stadt Hamhyng und rüstete u.a. ein großes
Druckereikombinat in Phjöngjang aus.
Der
vom IV. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas beschlossene
Siebenjahrplan (1961-1967) wurde auf Grund der durch die verschärfte
Kriegspolitik der USA und des südkoreanischen Regimes bedingten erhöhten
Aufwendungen für die Landesverteidigung um 3 Jahre verlängert. Mit
seiner Erfüllung im Jahre 1970 wurde die industrielle Bruttoproduktion
im Vergleich zu 1960 auf das 3,3fache gesteigert. Der V. Parteitag
(November 1970) beschloß den Sechsjahrplan (1971-1976) für die
Fortsetzung der sozialistischen Industrialisierung, in dessen Ergebnis
die industrielle Bruttoproduktion auf das 2,2fache anwuchs.
Die
im Sechsjahrplan mit Hilfe der UdSSR errichteten neuen Werke erhöhten
im Vergleich zu 1970 die Produktion bei Stahl um 30%, Walzstahl um
40%, Kohle um 30 %, Elektroenergie um rd. 40 % und bei Stickstoffdünger
um 25%. Im Jahre 1982 produzierten diese Betriebe 63% der
Elektroenergie, 33 % des Stahls, 38 % des Walzstahls, 20 % der
Textilerzeugnisse und förderten 40 % des Eisenerzes. Der VI.
Parteitag der PdAK (1980) stellte fest, daß der Sechsjahrplan
(1971—1976) vorfristig erfüllt werden konnte und bereits große
Erfolge bei der Realisierung des zweiten Siebenjahrplans (1978-1984) zu
verzeichnen waren. Der Siebenjahrplan sieht vor, die Produktion von
Eisen und Stahl auf 14-15 Mill. t, von Kohle auf 70-80 Mill. t, von
Elektroenergie auf 5,6-6 Md. kWh, von Zement auf 12-13 Mill t, von
Meeresprodukten auf 3,5 Mill. t, von Kunstdünger auf 5-6 Mill. t und
von Getreide auf 10 Mill. t zu steigern.
Auf
dem VI. Parteitag der Partei der Arbeit wurde für die 80er Jahre die
Aufgabe gestellt, eine der vollständig siegreichen sozialistischen
Gesellschaft entsprechende materiell-technische Basis zu schaffen und
das materielle und kulturelle Lebensniveau des Volkes entscheidend zu
erhöhen. So sollen bis 1990 jährlich 100 Md. kWh Elektroenergie,
15 Mill. t Stahl, 1,5 Mill. t Buntmetall, 20 Mill. t Zement, 7 Mill. t
chemische Düngemittel, l,5 Md. m2 Stoffe, 15 Mill. t Getreide und 5
Mill. t Meeresprodukte erzeugt bzw. produziert sowie 120 Mill. t Kohle
gefordert werden.
Rd.
45 % der Gesamtbevölkerung sind berufstätig. Davon arbeiten 35 % in
der Industrie, 20 % im Handel bzw. Dienstleistungsbereich und 45 % in
der Land- und Forstwirtschaft bzw. Fischerei.
In
S-K. ist die wirtschaftliche Entwicklung von Anfang an durch den Einfluß
der neokolonialistischen Wirtschaftspolitik der USA gekennzeichnet.
Dies zeigt sich vor allem in der Überschwemmung der Wirtschaft durch
ausländisches Kapital und dessen enge Verbindung mit der einheimischen
Bourgeoisie. Seit Beginn der 60er Jahre dient die sogenannte
USA-Wirtschaftshilfe (1959 bis 1982 rd. 6,4 Mrd. US-$) vor allem der
Militarisierung der Wirtschaft, während insbesondere Japan umfangreiche
Kapitalinvestitionen (1962 bis 1982 insgesamt 1,3 Mrd. US-$) vor allem
der Militarisierung der Wirtschaft, während insbesondere Japan
umfangreiche Kapitalinvestitionen (1962 bis 1982 insgesamt 1,3 Mrd.
US-$) vornahm.
Die
in S-K. bestehenden kapitalistischen Produktionsverhältnisse sind
durch eine starke Konzentration und Zentralisation der Produktion und
des Kapitals gekennzeichnet. Große Industrie-Finanzvereinigungen mit
der koreanischen Bezeichnung Tschäbol, deren wirtschaftlicher und
politischer Einfluß von Jahr zu Jahr zunimmt, haben sich in enger
Zusammenarbeit mit dem Auslandskapital herausgebildet. Sie stellen eine
horizontal organisierte Vorform des Monopols dar.
Zehn
Tschäbol beherrschen bereits 60 % der Produktion. 10% aller südkoreanischen
Unternehmen produzieren fast 50 % des Bruttosozialprodukts. Die
kleineren und mittleren Betriebe sollen künftig mit Hilfe ausländischen
Kapitals stabilisiert und ausgebaut werden, Ende 1982 gab es in S-K.
34.257 kleinere und mittlere Industriebetriebe, in denen 47,4% der
Werktätigen beschäftigt waren.
Die
Wirtschaft S-K.s erreichte von 1970 bis 1979 jahresdurchschnittliche
Wachstumsraten von 10%. Mit Beginn der 80er Jahre verlangsamte sich das
Wachstumstempo {1982; 6 %, 1983: 8,8 %). Solche Merkmale wie chronisches
Zahlungsbilanzdefizit (1982 über 2,5 Md. US-S), Handels-bilanzdefizit
(rd. 2,5 Mrd. US-S), hohe Inflationsraten und die Verschuldung im
Ausland (42 Mrd. US-$) sind Kennzeichen der wirtschaftlichen Krise, in
der sich S-K. befindet.
Bodenschätze.
Die erkundeten Vorräte an Steinkohle belaufen sich auf mehr als 6
Mrd. t und an Eisenerz auf rd. 2 Mrd. t. Die entdeckten Vorkommen an
Magnesit (über 3,5 Mrd. t) und an Graphit gehören zu den bedeutendsten
der Welt. Ferner besitzt K. bedeutende Ressourcen an Wolfram, Molybdän,
Kupfer, Zink, Kobalt, Nickel, Zinn, Blei, Lithium sowie Gold und Silber
und verfügt über ca. 200 nutzbare Minerale.
Industrie.
Die KDVR ist unter den sozialistischen Staaten Asiens (ohne UdSSR) das
am stärksten industrialisierte Land. Sie besitzt eine stark entwickelte
Grundstoffindustrie {Bergbau, Hüttenwesen, chemische Industrie) und
einen mit großer Energie vorangetriebenen Maschinenbau
(Werkzeugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Schiffe, Landmaschinen,
Bergbauausrüstungen). Der Maschinenbau ist in der Lage, Präzisionsmaschinen,
18-m-Karusseldrehmaschinen, Gashochdruckkompressoren,
6000-Tonnen-Pressen, Großgeneratoren, 200-MVA-Transformatoren, Bagger,
Diesel- und Elektrolokomotiven sowie Schiffe bis zu 20.000 BRT
herzustellen. Der hohe Energiebedarf wird durch Wasserkraftwerke (am
Amrokgang, Tschangdshingang und Pudshòngang), aber auch durch in jüngster
Zeit errichtete Wärmekraftwerke (u.a. in Puktschang) gedeckt. Das erste
Gezeitenkraftwerk am Gelben Meer wird gegenwärtig projektiert.
Landwirtschaft.
Die sozialistische Kollektivierung wurde in der KDVR bereits 1958
abgeschlossen. Gegenwärtig existieren rd. 3.800 Genossenschaften.
Wichtigster Zweig der Landwirtschaft ist der Ackerbau.
Bildungswesen.
1945 waren noch 80% der Erwachsenen Analphabeten. 1956 wurde in der KDVR
die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Seit 1975 besteht die
allgemeine 11jährige Schulpflicht (einschließlich einjährigem
obligatorischem Vorschulbesuch im Kindergarten).
In
der KDVR lernen z.Z. 5,1 Mill. Schüler und Studenten an 4.700
Grundschulen (1.-4. Klasse), 3.100 Mittelschulen (5.-10. Klasse),
einer staatlichen Universität und über 180 Hochschulen. Die Zahl der
Ingenieure und Techniker beläuft sich auf über eine Mill. Bei der
Ausbildung von Fachkräften erhielt die KDVR Unterstützung durch die
sozialistischen Länder, an deren Hoch- und Fachschulen seit Gründung
der KDVR über 4.000 Koreaner studierten.
Das
in S-K. bestehende Bildungssystem wurde nach dem zweiten Weltkrieg durch
die USA-Militärregierung nach dem Muster der USA eingeführt. Seit 1949
umfaßt das südkoreanische Bildungssystem den obligatorischen sechsjährigen
Grundschulbesuch (6.500 Schulen), einen je dreijährigen Besuch der
Mittel- und Oberschulen (3.500) sowie den Besuch der Hochschulen (85).
Gesundheitswesen.
Die medizinische Betreuung ist in der KDVR für alle Bürger kostenlos.
Gegenwärtig entfallen auf 10000 Ew. 24 Ärzte und 130
Krankenhausbetten. In allen Dörfern und Städten gibt es Krankenhäuser,
Polikliniken oder Landambulatorien. Dank der Gesundheitsfürsorge
des sozialistischen Staates erhöhte sich die Lebenserwartung der
KDVR-Bürger im Vergleich z.Z. vor der Befreiung um 30 Jahre und beträgt
heute bei Frauen 76, bei Männern 70 Jahre.
Im
Gesundheitswesen S-K.s nimmt der private Sektor eine dominierende
Stellung ein. Rd. 80% aller Kranken werden in diesem Bereich behandelt.
Auf 10.000 Ew. kommen 10 Krankenhausbetten und 29 Arzte. Die durchschnittliche
Lebenserwartung beträgt 66,3 Jahre.
Quelle:
Autorenkollektiv, Länder der Erde, Verlag Die Wirtschaft, Berlin (DDR),
1985, S.343-350
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