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DIE
KOREANISCHE ARBEITERPARTEI UND DER REVISIONISMUS
Von
Bill Bland
Auf
Kommunisten-online am 10. Januar 2012 -
Inhalt:
Einleitung
1.
Die Definition von Revisionismus
2.
Marxistisch-leninistische Fassetten des Kimilsungismus
3.
Revisionistische Fassetten des Kimilsungismus
4.
Pseudo-Sozialismus
5.
Juche
Schlussfolgerung
Quelle:
‘The International Marxist-Leninist Review’, Frühjahr 2000, Band 2
Einleitung
In
seinem Aufsatz ‘Der Kampf der Koreanischen Arbeiterpartei gegen den
Revisionismus’ stimmt Dermot Hudson der Einschätzung von Nina Andrejewa
zu, dass die Kritik der Koreanischen Arbeiterpartei am modernen
Revisionismus „...gründlicher und ausgereifter...“(Nina
Andrejewa, Erklärung auf dem Kopenhagener Seminar zur Juche- Ideologie,
1995, zitiert nach Dermot Hudson, ‘Der Kampf der Koreanischen
Arbeiterpartei gegen den Modernen Revisionismus’, S. 1) sei als die der
Albanischen Partei der Arbeit.
Zwei
kurze Zitate reichen aus, um die Fragwürdigkeit von Andrejewas Behauptung
aufzuzeigen:
„Nach
ihrer Machtergreifung arbeiteten Chruschtschow und seine revisionistische
Gruppe folgenden umfassenden Plan aus: Der Marxismus-Leninismus sollte
verworfen werden und alle Strömungen und Personen, die entlarvt,
attackiert und als Anti-Marxisten besiegt worden warren oder die durch den
Marxismus-Leninismus in Aktion liquidiert worden waren, sollten
rehabilitiert werden ... . Das bedeutete, dass sowohl Stalin als auch
Lenin angegriffen werden mussten... .Heute wird immer deutlicher, dass
diese Intriganten, Lügner, Opportunisten und Revisionisten all diese
Dinge ganz offen tun ... . Unsere Partei ist der festen Überzeugung, dass
diese monströsen Anschuldigungen und Verleumdungen gegen Stalin erhoben
wurden, um nicht nur ihn als Person zu diskreditieren, sondern auch das
Werk dieses großen Marxisten-Leninisten ... . Chruschtschow und seine
Gruppe befinden sich auf einem revisionistischen Weg.“
(Enver
Hoxha, Schlussrede auf dem 21. Plenum des ZK der Partei der Arbeit
Albaniens, Dezember 1960, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 3, Tirana 1980,
S. 167-68, 169)
Im
Unterschied dazu hatten nach Ansicht der nordkoreanischen Delegation, die
sich im Juli 1961 in Moskau aufhielt und dort eine gemeinsame Erklärung
unterschrieb, die Gespräche, die dort geführt worden waren, eine „ ...
‘vollständige Übereinstimmung der Ansichten’ zwischen den
sowjetischen und nordkoreanischen Verantwortlichen in Fragen die
internationale kommunistische Bewegung betreffend ergeben.“ (Gemeinsames
sowjetisch-koreanisches Kommunique vom 10. Juli 1961, in:’Keesings
Archiv für Zeitgeschichte’, Band 13, S. 18, 246)
Dabei
erkannte die Koreanische Arbeiterpartei die von Chruschtschow geführte KP
der Sowjetunion als „ ... die international anerkannte Vorhut der
weltweiten kommunistischen Bewegung“ (ebenda) an.
Darüberhinaus
behauptet Dermot Hudson, dass die Koreanische Arbeiterpartei der Meinung
sei, dass „ ... der moderne Revisionismus schon in den 50iger Jahren
entstand und ... und nicht erst ein Phänomen der späten 80iger Jahre
ist, das mit Gorbatschow zusammenhängt.“ (D. Hudson, ebenda)
Und
dennoch: Als Kim Il sung im Oktober 1986 die Sowjetunion besuchte, brachte
er gegenüber den sozio-ökonomischen Reformen, die auf dem 27. Parteitag
der KPdSU verabschiedet worden waren, seine Unterstützung zum Ausdruck
und pries in seiner Tischrede Gorbatschow, als er sagte:
„Dieser
Wandel, der sich jetzt in der Sowjetunion ereignet, wäre undenkbar ohne
die entschlossenen Taten des Genossen M.S. Gorbatschow, einem standhaften
Marxisten-Leninisten.“ (Kim Il Sung, Moskauer Tischrede vom 24. Oktober
1986, in: ‘Dae-Bo Byun, ‘Nord Koreas Außenpolitik. Die
Juche-Ideologie und die Herausforderung durch Gorbatschows Neues
Denken’, Seoul 1991, S. 186)
Daraus
ergibt sich, dass die Einstellung der Koreanischen Arbeiterpartei gegenüber
dem Revisionismus keineswegs eine prinzipienfeste Opposition seit den
50iger Jahren darstellt, so wie dies D. Hudson unterstellt.
1.
Die Definition von Revisionismus
Lenins
Definition von Revisionismus ist die, dass er „ ... eine Strömung
innerhalb des Marxismus darstellt, die dem Marxismus feindlich gegenübersteht.“
(Wladimir I. Lenin, ‘Marxismus und Revisionismus’, in: ‘Gesammelte
Werke’, Band 11, London 1943, S. 704)
Eine
vielleicht etwas umfassendere Definition wäre die, dass der Revisionismus
eine Ideologie darstellt, die behauptet, eine Weiterentwicklung des
Marxismus zu sein, jedoch in Wirklichkeit eine Abweichung vom Marxismus
ist, die den anti-sozialistischen Zielen der kapitalistischen Klasse
Vorschub leistet. Es leuchtet ein, dass der Revisionismus nur für Leute
eine direkte Relevanz hat, die meinen, sie seien Marxisten. In dem Maße
wie er in der Lage ist, solche Leute von seiner Gültigkeit zu überzeugen,
unterscheiden sie sich von wahren Marxisten und lenkt ihre Aktivitäten in
anti-marxistische Bahnen. Der Kampf gegen den Revisionismus ist deshalb
vor allem in einer Zeit, in der eine marxistisch-leninistische Partei
aufgebaut werden soll und in Ländern von Bedeutung, in denen noch keine
solche Partei existiert. Einige Genossen haben keine Probleme damit, den
revisionistischen Charakter chruschtschowscher Prägung in der Art des
‘Britischen Wegs zum Sozialismus’ (das revisionistische Programm der
KP Großbritanniens - Übers.) zu durchschauen, der eindeutig
anti-revolutionär ist. Sie verstehen jedoch oft nicht andere Formen des
Revisionismus.
Aber
wenn wir sagen, dass der ‘Revisionismus die anti-sozialistischen Ziele
der kapitalistischen Klasse’ unterstützt, dann muss man versuchen zu
verstehen, dass die anti-sozialistischen Ziele aller kapitalistischer
Klassen nicht einem einheitlichen Schema entsprechen, so dass wir
verschiedene Arten von Revisionismus unterscheiden müssen, die diesen
unterschiedlichen Zielen der kapitalistischen Klassen entsprechen.
Insbesondere
unterscheiden sich die Ziele von Revisionisten in entwickelten
kapitalistischen Ländern von jenen von Revisionisten in kolonialartigen Ländern.
Jene nehmen dort die Gestalt von einem Revisionismus chruschtschowscher Prägung
an wie der Revisionismus vom Typ der ‘Britischen Wegs zum
Sozialismus’. Der Revisionismus in kolonialartigen Ländern hingegen ist
bis zu einem bestimmten Grade revolutionär, was den Wunsch der nationalen
Bourgeoisien in kolonialartigen Ländern widerspiegelt, das
nationaldemokratische Stadium des revolutionären Prozesses zu
durchschreiten, diesen Prozess aber rechtzeitig anzuhalten, damit er sich
nicht bis zum sozialistischen Stadium fortsetzt. Diese zweite Form von
Revisionismus ist die der ‘Mao-Tse-tung-Ideen’ oder, wie wir sehen
werden, die des ‘Kimilsungismus’
2.
Marxistisch-leninistische Fassetten des Kimilsungismus
In
einigen wichtigen Beziehungen befindet sich der Kimilsungismus in voller
Übereinstimmung mit den marxistisch-leninistischen Prinzipien des
revolutionären Prozesses in kolonialartigen Ländern. Zu diesen
Prinzipien gehört
1.
... dass der revolutionäre Prozess in solchen Ländern aus zwei Etappen
besteht: aus der der nationaldemokratischen Revolution und der der
sozialistischen. In dem ersten Stadium steht ‘das koreanische Volk vor
der Aufgabe, eine anti-imperialistische, anti-feudal demokratische
Revolution durchzuführen’.(Kim Il Sung, ‘Über den Aufbau des Neuen
Korea und die Nationale Befreiungsfront’, in: ‘Gesammelte Werke’,
Band 1, Pyongyang 1975, S. 3)
„Kim
Il Sung ... wies auf die Notwendigkeit hin, die Revolution nach der
Vollendung der anti-imperialistischen, anti-feudal demokratischen
Revolution fortzusetzen, um eine sozialistisch-kommunistische Gesellschaft
aufbauen zu können.“ (Kim Han Gil, ‘Moderne Geschichte Koreas’,
Pyongyang 1979, S. 34)
2.
... dass die marxistisch-leninistische Partei ihr Möglichstes tun muss,
um ein Maximum an Klassenkräften für jede Etappe der Revolution zu
mobilisieren:
„Es
ist nur dann möglich, den mächtigeren Feind zu besiegen, wenn man sich
unbedingt auf die gründlichste, vorsichtigste, umsichtigste und
geschickteste Weise jede, ja jede kleinste Gelegenheit zunutze macht,
einen Massenverbündeten zu gewinnen, auch wenn dieser Verbündete nur ein
zeitweiliger, schwankender, labiler, unzuverlässiger und bedingter Verbündeter
sein mag. Die Leute, die das nicht einsehen können, die haben auch nicht
das kleinste Bisschen vom Marxismus verstanden.“ (Wladimir I. Lenin,
‘Der ‘linke’ Radikalismus: die Kinderkrankheit des Kommunismus’,
in: ‘Gesammelte Werke’, Band 10, London 1946, S. 112)
„Die
kommunistische Partei eines jeden Landes muss unbedingt jede auch noch so
kleine Gelegenheit ausnutzen, um für das Proletariat einen Massen- verbündeten
zu finden, auch wenn dieser Verbündete nur ein zeitweiliger, schwankender
und wenig zuverlässiger Verbündeter ist.“ (Josef W. Stalin,
‘Anmerkungen zu zeitgenössischen Themen’, in: ‘Werke’, Band 9,
Moskau 1954, S. 337)
3.
... dass im ersten Stadium des revolutionären Prozesses, dem
demokratischen Stadium, zu diesen Kräften auch die nationale Bourgeoisie
gehört:
„Um
eine Demokratische Volksrepublik zu errichten, ist es notwendig, eine
vereinigte Front aus allen patriotisch gesinnten demokratischen Kräften,
einschließlich ... der nationalen Kapitalisten, zu bilden.“ (Kim Il
Sung, ebenda, S. 4)
„Die
nationalen Kapitalisten haben sich an der demokratischen Revolution
beteiligt.“ (‘Die sozialistische Transformation des privaten Handels
und der Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S. 20)
4.
...dass die Partei sich bemühen sollte, die führende Rolle in diesem
Stadium der Revolution zu erlangen:
„Im
Kampf um die Errichtung einer Demokratischen Volksrepublik sollten die
Kommunisten ... sich an der Spitze der Volksmassen befinden und sie anführen.“
(Kim Il Sung, ebenda, S.5)
3.
Revisionistische Fassetten des Kimilsungismus
Die
revisionistischen Fassetten des Kimilsungismus beziehen sich auf die
Periode des Übergangs zur sozialistischen Revolution und auf die
sozialistische Revolution selbst.
Die
Frage der Diktatur des Proletariats.
Dem
Marxismus-Leninismus zufolge ist es nur möglich, den Sozialismus
aufzubauen, wenn vorher die Diktatur des Proletariats errichtet wurde.
„Zwischen
der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die
Periode des Übergangs von der einen in die andere Gesellschaft. Dem
entspricht eine Periode des politischen Übergangs, in der der Staat
nichts anderes sein kann als die revolutionäre Diktatur des
Poletariats.“ (Programm der Kommunistischen Internationale, in: Jane
Degras, Hrsg., ‘Die Kommunistische Internationale: 1919-1943.
Dokumente’, Band 2, London 1971, S. 490)
„Die
Revolution wird nicht in der Lage sein, den Widerstand der Bourgeoisie zu
brechen, ihren Siegeszug fortzusetzen und zum schließlichen Sieg des
Sozialismus voranzuschreiten, wenn sie nicht in einem bestimmten Stadium
ihrer Entwicklung ein besonderes Organ in der Form der Diktatur des
Proletariats schafft, das ihr als Hauptstützpunkt dienen kann.“ (Josef
W. Stalin, ‘Die Grundlagen des Leninismus’, in: ‘Werke’, Band 6,
Moskau 1963, S. 112)
Dem
Kimilsungismus zufolge ist jedoch die Diktatur des Proletariats in einem
kolonialartigen Land wie Korea unnötig:
„Die
Demokatie, die wir anstreben, unterscheidet sich grundsätzlich von der in
westlichen kapitalistischen Ländern, aber sie ist auch keine sklavische
Kopie von der in einem sozialistischen Land ... . Unsere Demokratie stellt
eine neue Art von Demokratie dar, die der Realität Koreas am besten
gerecht wird.“ (Kim Il Sung, ‘Über fortschrittliche Demokratie’, in
‘Werke’, Band 1, Pyongyang 1980, S. 257)
„Die
Errichtung der Diktatur des Proletariats durch Gewalt war in einigen Ländern
das letzte Mittel ... In der nördlichen Hälfte ( von Korea - Verf.) ...
war dies nicht nötig.“ (Baik Bong, ‘Kim Il Sung. Biografie’, Band
2, Beirut 1973, S. 176)
Dementsprechend
wurde die Volksdemokratische Republik Korea, die im September 1948 in Nord
Korea errichtet wurde, offiziell als ein Staat umschrieben, in dem mehrere
Klassen gemeinsam die Diktatur ausüben - die nationalen Kapitalisten
eingeschlossen:
„Eine
volksdemokratische Republik ... muss durch die Herstellung einer
demokratischen Einheitsfront ... , welche sogar die nationalen
Kapitalisten einschließt, errichtet werden.“ (Kim Il Sung, ‘Über den
Aufbau des Neuen Korea und die nationale Einheit’, in: ‘Werke’, Band
1, Pyongyang 1980, S. 298)
Dem
Marxismus-Leninismus zufolge stellt die Diktatur des Proletariats einen
Staat dar, in dem das Proletariat die Macht allein ausübt und diese nicht
mit anderen Klassen teilt:
„Die
Klasse, die die politische Macht an sich riss, tat dies in dem Wissen,
dass es ihr alleiniges Werk war. Das ist etwas, was zum Wesen der Diktatur
des Proletariats gehört. Sie hat nur dann Sinn, wenn eine Klasse weiß,
dass sie allein die Macht erobert.“ (Wladimir I. Lenin, Rede vor dem
landesweiten Kongress der russischen Transportarbeiter, in: ‘Gesammelte
Werke’, Band 32, Moskau 1965, S. 273- 74)
„Die
Klasse der Proletarier ... teilt nicht die Macht mit anderen Klassen und
kann dies auch nicht tun.“ (Josef W. Stalin, ‘Fragen den Leninismus
betreffend’, in: ‘Werke’, Band 8, Moskau 1954, S. 27)
In
Verletzung dieser marxistisch-leninistischen Prinzipien stellte um 1958
herum die Parteiführung der Koreanischen Arbeiterpartei den Staat der
gemeinsamen Diktatur verschiedener Klassen, einschließlich der
Bourgeoisie, als einen Staat hin, der ‘unter die Kategorie der Diktatur
des Proletariats fällt’.
„Einige
Leute sind der Meinung, dass unsere Volksmacht nicht eine Regierung ist,
die eine Diktatur des Proletariats darstellt, weil sie sich auf eine
vereinigte Front stützt. Das ist eine völlig falsche Vorstellung. Heute
ist unsere Volksmacht eine Staatsmacht, die unter die Kategorie der
Diktatur des Proletariats fällt.“ (Kim Il Sung, ‘Für die
erfolgreiche Verwirklichung des Ersten Fünfjahrplans’, in: ‘Werke’,
Band 12, Pyongyang 1983, S. 115)
Der
Übergang zum Stadium der sozialistischen Revolution.
Der
Marxismus-Leninismus behauptet, dass beim Übergang vom
nationaldemokratischen Stadium des revolutionären Prozesses hin zum
sozialistischen
„
... das Proletariat die nationale Bourgeoisie zur Seite stößt.“ (Josef
W. Stalin, ‘Fragen der Chinesischen Revolution’, in: ‘Werke’, Band
9, Moskau 1954, S. 225)
Unter
Verletzung dieses marxistisch-leninistischen Prinzips hält der
Kimilsungismus daran fest, dass der Übergang zum sozialistischen Stadium
des revolutionären Pro zesses im Bündnis mit der nationalen Bourgeoisie
vollzogen werden kann:
„Die
Unternehmer und Händler unseres Landes sind unsere Sympathisanten ... ,
nicht nur bei der Durchführung der demokratischen Revolution, sondern
auch beim Aufbau des Sozialismus.“ (Kim Il Sung, ‘Über die
unmittelbaren Augaben der Volksmacht beim sozialistischen Aufbau’, in:
‘Gesammelte Werke’, Band 2, Pyongyang 1975, S. 37)
„Von
Anfang an bestand unsere Politik gegenüber der nationalen Bourgeoisie
nicht nur darin, mit ihr zusammen die anti-imperialistische, antifeudal
demokratische Revolution durchzuführen, sondern sie auch mit uns zusammen
zu einer sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft zu führen.“ (Kim Il
Sung,’Lasst uns das sozialistische System in unserem Lande weiter
festigen’, ‘Gesammelte Werke’, Band 6, Pyongyang 1975, S. 317)
„Die
nationalen Kapitalisten ... unterstützten die Orientierung der Partei
einer sozialistischen Revolution“. (‘Die sozialistische Umwandlung von
privatem Handel und privater Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S. 20)
Die
friedliche Umerziehung der nationalen Kapitalisten.
Der
Kimilsungismus behauptet, dass es zwar das ‘Risiko’ eines
Klassenkampfes zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie
in einem kolonialartigen Land geben kann, dass dieser jedoch friedlich
beigelegt werden kann. Er kann dadurch friedlich beigelegt werden, dass
die nationalen Kapitalisten durch Umerziehung und Überzeugungsarbeit zu
arbeitenden Menschen umgeformt werden:
„Die
kapitalistischen Elemente in Stadt und Land müssen auf sozialistische
Weise ... umerzogen werden, statt sie zu enteignen.“ (Kim Il Sung,
‘Alles für die Wiedervereinigung des Landes und für den
sozialistischen Aufbau der nördlichen Hälfte der Republik’, in:
‘Werke’, Band 9, Pyongyang 1982, S. 201)
„Die
sozialistische Umgestaltung von privatem Handel und Industrie ... verlief
parallel zur Umerziehung der Menschen, mit dem Ergebnis, dass private Händler
und Hersteller in arbeitende sozialistische Menschen verwandelt wurden.“
( Kim Han Gil, ebenda, S. 387)
„Da
unsere Partei eine Politik der friedlichen Umformung von kapitalistischen
Händlern und Fabrikanten verfolgte, statt sie zu enteignen, konnte der
Klassenkampf nur einen besonderen Charakter annehmen. Der Klassenkampf,
der die sozialistische Umgestaltung des kapitalistischen Handels und der
Industrie begleitete, wurde hauptsächlich durch Überzeugung und
Erziehung entfaltet.“ (‘Die sozialistische Umwandlung von privatem
Handel und privater Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S. 26)
Schon
im April 1929 verspottete Stalin die revisionistische These von der
‘Umerziehung’ der Kapitalisten:
„Bis
heute sind wir Marxisten-Leninisten der Meinung, dass es zwischen den
Kapitalisten in Stadt und Land auf der einen Seite und der Arbeiterklasse
auf der anderen einen unversöhnlichen Interessengegensatz gibt. Das ist
es, worauf die marxistisch-leninistische Theorie vom Klassenkampf beruht.
Aber nach Bucharins Theorie vom friedlichen Hineinwachsen der Kapitalisten
in den Sozialismus wird all dies völlig auf den Kopf gestellt. Der unversöhnliche
Klassengegensatz zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten
verschwindet. Die Ausbeuter wachsen in den Sozialismus hinein ... .Das
eine oder das andere: Entweder Marx Theorie vom Klassenkampf oder die
Theorie, dass die Kapitalisten in den Sozialismus hineinwachsen.“ (Josef
W. Stalin, ‘Die rechte Abweichung in der KPdSU(B)’, in: ‘Werke’,
Band 12, Moskau 1955, S. 32, 33)
4.
Pseudo-Sozialismus
Wenn
in Nord Korea eine neue Gesellschaft zusammen mit der nationalen
Bourgeoisie aufgebaut wurde, dann kann es sich dem Marxismus-Leninismus
zufolge nicht um eine echte sozialistische Gesellschaft, sondern dann muss
es sich um eine pseudo-sozialistische Gesellschaft handeln.
Nun
unterscheidet sich der Kimilsungismus vom Maoismus dadurch, dass er die
Strategie, gemeinsame staatskapitalistische (gemeinsame staatlich-private)
Unternehmen zu gründen, zurückweist und dafür ist, ‘Kooperativen’
zusammen mit den nationalen Kapitalisten zu bilden:
„Unser
Land war das erste, das kapitalistische Händler und Hersteller durch die
Nutzung der kooperativen Wirtschaft auf sozialistische Weise umerzogen
hat.
... . Das ist eine ganz neue Erfahrung.“ (‘Sozialistische Umwandlung
von privatem Handel und privater Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S.
28)
„Genosse
Kim Il Sung behauptete, dass, im Unterschied zu einigen anderen
sozialistischen Ländern, es für die friedliche Umwandlung des
kapitalistischen Handels und der Industrie vollständig unnötig sei, die
Form des Staatskapitalismus zu wählen.“ (Baik Bong, ebenda, Band 2, S.
520)
Dieser
Prozess der Vergenossenschaftlichung wurde den nationalen Kapitalisten
nicht aufgezwungen, sondern war ein vollständig freiwilliger Prozess:
„Unsere
Partei machte sich die Linie der Umwandlung des kapitalistischen Handels
und der Industrie auf sozialistischer Basis zueigen und achtete darauf,
dass die kapitalistischen Händler und Hersteller sich verschiedenen
Modellen der kooperativen Wirtschaft unter strenger Beachtung des Prinzips
der Freiwilligkeit anschließen konnten.“ (Kim Il Sung, ‘Lasst uns das
sozialistische System unseres Landes weiter festigen’, in: ‘Gesammelte
Werke’, Band 6, Pyongyang 1975, S. 317)
„Die
wichtige Forderung des Prinzips der Freiwilligkeit besteht darin, ... sich
auf jeden Fall vor Methoden des Zwangs bei der Vergenossenschaftlichung zu
hüten und diese Bewegung unter Respektierung des freien Willens der
privaten Händler und Hersteller zu organisieren.“ (‘Die
sozialistische Umwandlung von privatem Handel und privater Industrie in
Korea’, Pyongyang 1977, S. 31)
Von
den drei Modellen von Kooperativen, die in Korea eingeführt wurden, waren
zwei auch für die nationalen Kapitalisten vorgesehen, denen sie, falls
sie dies wünschten, beitreten konnten. Beim zweiten Modell einer
Kooperative wurde den Kapitalisten, falls sie eintraten, ein Zinssatz auf
ihr eingebrachtes Kapital ausgezahlt:
„Die
zweite Form ( einer Kooperation - Verf.) war eine halb-sozialistische
Form, bei der die Produktionsmittel einer gemeinsamen
genossenschaftlich-privaten Kontrolle unterstanden und bei der sowohl das
sozialistische Verteilungsprinzip nach der geleisteten Arbeit als auch
dasjenige nach dem eingebrachten Kapitalanteil zur Anwendung kamen. Die
dritte Form war eine vollständig sozialistische, bei der ... nur das
sozialistische Verteilungsprinzip zum Zuge kam.“ (Kim Han Gil, ebenda,
S. 387)
Also,
den nationalen Kapitalisten stand nicht nur frei zu entscheiden, ob sie
einer Kooperative beitreten wollten, sondern auch, welcher Form sie sich
anzuschließen gedachten:
„Das
Entscheidende am Prinzip der Freiwilligkeit besteht darin, dass die
privaten Händler und Hersteller ... sich die Form (der Kooperation -
Verf.) selbst aussuchen können und ihnen nicht irgendeine aufgezwungen
wird.“ (‘Die sozialistische Umwandlung von privatem Handel und
privater Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S. 72)
„Das
Prinzip der Freiwilligkeit sowie das des gegenseitigen Vorteils wurden bei
der kooperativen Umwandlung von kapitalistischen Händlern und Herstellern
beachtet.“ (Baik Bong, ebenda, Band 2, S. 520)
Nicht
von ungefähr entschieden sich die meisten nationalen Kapitalisten für
die zweite Form der Kooperation, weil sie dadurch „ ... eine angemessene
Dividende auf ihre Investition erzielen konnten.“ (‘Die sozialistische
Umwandlung von privatem Handel und privater Industrie in Korea’,
Pyongyang 1977, S. 143)
„Die
zweite Form (der Kooperation - Verf.) war bei kapitalistischen Händlern
und Industriellen beliebt. Es handelte sich dabei um eine vernünftige
Form, die für die Kapitalisten sofort annehmbar war, weil die Verteilung
dem Betrag des eingebrachten Kapitals entsprechend geregelt wurde.“ (Kim
Han Gil, ebenda, S. 387)
Also:
Nach Ansicht der Koreanischen Arbeiterpartei verwandelte der bloße Akt
des Beitritts zu einer Kooperative die nationalen Kapitalisten in
‘arbeitende sozialistische Menschen’:
„Durch
ihren Beitritt zu Produktionsgenossenschaften wurden die Unternehmer und Händler
... in arbeitende sozialistische Menschen verwandelt.“ (Kim Il Sung,
‘Die Demokratische Volksrepublik ist das Banner von Freiheit und Unabhängigkeit
für Unser Volk ... ‘, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 5, Pyongyang
1975, S. 151)
Schon
im August 1958 „ ... belief sich der Anteil von privaten Händlern und
Industriellen, die sich den Kooperativen angeschlossen hatten, auf ...
100% ... .“ (‘Die sozialistische Umwandlung von privaterm Handel und
privater Industrie in Korea’, Pyongyang 1977, S. 153)
Vor
diesem Hintergrund konnte Kim Il Sung dann im September 1958 erklären:
„Die
sozialistische Umwandlung der Produktionsverhältnisse ist jetzt
abgeschlossen. ... Unsere Gesellschaft ist zu einer sozialistischen
geworden.“ (Kim Il Sung, ‘Gegen passive Tendenzen und Konservatismus
beim sozialistischen Aufbau’, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 2,
Pyongyang 1975, S.233)
Dem
Führer folgen.
Der
Marxismus-Leninismus verurteilt die Auffassung von der Loyalität gegenüber
einem Einzelnen. Dazu Stalin in einem Brief vom April 1930:
„Sie
sprechen von Ihrer ‘Ergebenheit’ mir gegenüber. ...Ich würde Ihnen
raten, das ‘Prinzip’ der Ergebenheir gegenüber Personen aufzugeben.
Das ist unbolschewistisch. Seien Sie der Arbeiterklasse gegenüber
ergeben, ihrer Partei, ihrem Staat. Das ist eine gute und nützliche
Sache. Aber verwechseln Sie das nicht mit der Ergebenheit Individuen gegenüber.
Das ist eitles und unnützes Geschwätz von charakterschwachen
Intellektuellen.“ (Josef W. Stalin, Brief an den Genossen Schatunowski,
August 1930, in: ‘Werke’, Band 13, Moskau 1955, S. 20)...und in einem
Gespräch mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig im Dezember 1931:
„Entscheidungen
von Individuen sind immer oder fast immer einseitige Entscheidungen ... .
Von 100 Entscheidungen, die von Einzelpersonen getroffen werden, ohne dass
sie kollektiv überprüft und berichtigt wurden, sind ungefähr 90
einseitig.“ (Josef W. Stalin, Gespräch mit dem deutschen Schriftsteller
Emil Ludwig, in: ‘Werke’, Band 13, Moskau 1955, S. 109)
Im
Unterschied dazu behauptet der Kimilsungismus, dass der Führer der
Entscheidungsträger der Politik ist, dem gegenüber Gefolgsschaftstreue
zu leisten eine unverzichtbare Notwendigkeit ist:
„Die
Linie und die Politik der Partei, ihre Strategie und Taktik werden vom Führer
der Partei entwickelt ... . Der Führer ist das höchste Kontrollorgan der
der Partei und die Führung der Partei ist genaugenommen seine Führung.
Ohne Schwankungen dem Führer Loyalität zu erweisen ... ist eine natürliche
kommunistische Pflicht.“ (Kim Jong Il, ‘Die Arbeiterpartei Koreas ist
eine Juche-Partei’, in: ‘Über die Verbreitung des Juche-Gedankens’,
Pyongyang 1995, S. 86, 96, 106)
„Der
revolutionäre Kampf vollzieht sich unter der Leitung des Führers und in
Übereinstimmung mit seinen Ideen und seinem Willen ... . Je getreuer wir
uns der Ideologie und dem Willen des Führers gegenüber verhalten, ...
ein umso lebenswerteres Leben ... werden wir genießen können.“ (Kim
Jong Il, ‘Über die Verankerung der Juche-Weltanschauung in der
Revolution’, in: ‘Über die Verbreitung des Juche-Gedankens’,
Pyongyang 1995, S. 195)
Diese
anti-marxistisch-leninistischen Auffasungen führten zu einem übertriebenen
Personenkult sowohl bei Kim Il Sung als auch bei seinem Sohn und
Nachfolger Kim Jong Il:
„Der
Personenkult, so wie er in Nord Korea praktiziert wird, ist einzigartig.
Zum Beispiel werden die Geburtstage der beiden Kims planvoll gefeiert. Die
Vorbereitungen zu den Feiern zu Kim Il Sungs 80. Geburtstag beschäftigten
Tausende von Menschen, jung und alt, und dauerten bis tief in den Mai
hinein. Die Kosten wurden auf fast 1 Milliarde Dollar
geschätzt,
einschließlich vieler Millionen, die für die etwa 3000 Künstler aus
achtzig verschiedenen Ländern ausgegeben wurden.“ (Pong S. Lee, ‘Die
nordkoreanische Wirtschaft. Herausforderungen und Perspektiven’, in:
‘Sung Yeung Kwack, Hrsg., ‘Die koreanische Wirtschaft am Scheideweg.
Entwicklungsperspektiven, Liberalisierung und die wirtschaftliche Nord-Süd-Integration’,
Westport, USA 1994, S. 183)
Dazu
Kim Il Sungs Biograf:
„Die
nationale Geschichtsschreibung aller Länder berichtet von gefeierten
Helden und Führern. Wenn man sich mit ihr beschäftigt, dann wird man
kaum auf Berichte stoßen, in denen die Rede ist von einem solchen
Nationalhelden, von einem solch hervorragenden Führer wie den Genossen
Kim Il Sung, der der Revolution in seinem eigenen Land und der
Weltrevolution einen solch bemerkenswerten Dienst erwiesen hat ... . Wo
gibt es in der Geschichte einen Führer wie ihn? ... . Wo gibt es einen Führer,
der mit all diesen Eigenschaften ausgestattet ist, einen hervorragenden Führer
mit einer so reichen Erfahrung, die ihn in die Lage versetzt hat, die großartigsten
revolutionären Heldentaten zu vollbringen und das sogar in den Orkanen
der sich lang hinziehenden Revolution? Wo gibt es einen Führer, der sich
mit unserem Genossen Kim Il Sung vergleichen ließe, der ausgestattet ist
mit der Weisheit eines Genies und unbezähmbarem Kampfeswillen und
Ausdauer, mit tiefschürfender revolutionärer Theorie ...?“ (Baik Bong,
ebenda, Band 3, S. 621, 633)
Kim
Jong Il seinerseits wird in einer Biografie aus dem Jahre 1991 beschrieben
als „ ... großer Denker und Theoretiker, herorragendes Führungsgenie,
grenzenlos gutherziger Lehrer des Volkes und der große Mann dieses
Jahrhunderts.“ (Choe In Su, ‘Kim Jong Il. Der Volksführer’, Band 2,
Pyongyang 1991, S. 374)
Manchmal
wird sogar angedeutet, dass die Kims göttliche Eigenschaften besitzen.
Als Kim Jong Il zum Generalsekretär der Koreanischen Arbeiterpartei
ernannt wurde, berichtete die amtliche Koreanische Zentrale
Nachrichtenagentur von wundersamen Ereignissen am Paektu-Berg, dort, wo
Kim Jong Il geboren wurde:
„Um
ungefähr 05.10, als das Sonderkommunique die Menschen über die Wahl von
General Kim Jong Il zum Generalsekretär der Koreanischen Arbeiterpartei
informierte, erschien eine bunte Wolke über dem Paektu ... . Seine Ränder
färbten sich in sieben Farben ... . In diesem Moment waren mysteriöse
Geräusche, die an Jubel und Applaus erinnerten, über der Oberfläche des
Chon-Sees zu hören ... . Als die Einwohner dieses wunderbare
Naturschauspiel sahen, sagten sie, dass auch die Natur Kim Jong Ils Wahl
feierte.“ (Verlautbarung der Koreanischen Zentralen Nachrichtenagentur
vom 20. Oktober 1997, S. 3)
5.
Juche
Mit
Beginn der 30iger Jahre wurde der Begriff ‘Juche’ zunehmend in der
Koreanischen Arbeiterpartei verwendet, um ihre politische Linie zu
umschreiben. Es ist
ein
koreanisches Wort, das gewöhnlich mit ‘...Bauen auf die eigenen Kräfte’
übersetzt wird. (‘Europa World Year Book 1999’, Band 2, London 1999,
S. 2, 061)
Kim
Jong Il zufolge erläuterte Kim Il Sung im Juni 1930
„
... die Prinzipien der Juche-Idee auf einem Treffen von führenden
Funktionären des Bundes der Jungkommunisten sowie des Anti-imperialisti-
schen
Jugendbundes, das in Kalun im Juni 1930 stattfand.“ (Kim Jong Il, ‘Über
die Juche-Idee’, in: ‘Über die Verbreitung der Juche- Idee’,
Pyongyang 1995, S. 13)
Ursprünglich
wurde ‘Juche’ als Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus
aufgefasst:
„Die
Juche-Idee übernimmt vom Marxismus-Leninismus alle revolutionären
Prinzipien. ... Sie gibt die ideologischen und theoretischen
Errungenschaften des Marxismus Leninismus nicht auf, sondern entwickelt
sie weiter und bereichert sie.“ (Kim Jong Il, ‘Über einige Probleme
der Erziehung im Zusammenhang mit der Juche-Idee’, in: ‘Über die
Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang 1995, S. 148-49)
Im
April 1992 wurde jedoch die Verfassung der Demokratischen Volksrepublik
von Korea geändert
„
... um den Bezug auf den Marxismus-Leninismus zu tilgen und ihn zu
ersetzen durch den Bezug auf Kim Il Sungs Juche-Ideologie.“ (‘Keesings
Berichte von Weltereignissen’, Band 39, S. R73)
Artikel
3 der neuen Verfassung lautet:
„Die
Demokratische Volksrepublik von Korea lässt sich bei ihren Aktivitäten
von der Juche-Idee leiten, einer Weltanschauung, die in ihren Mittelpunkt
die Menschen stellt, einer revolutionären Ideologie, die darauf abzielt,
die Unabhängigkeit der Massen des Volkes zu erringen.“
(‘Sozialistische Verfassung der Demokratischen Volksrepublik von
Korea’, Pyongyang 1993, S. 1)
Der
demagogische Charakter der Erklärungen, dass es die Politik der
Koreanischen Arbeiterpartei sei, das Bauen auf die eigenen Kräfte zu fördern,
wird durch ihre der-
zeitige
Politik verdeutlicht - etwa mit Beginn der 80iger Jahre - , die darin
besteht, ausländische Investoren zu ermuntern, in Nordkorea zu
investieren, Gemeinschafts-
unternehmen
mit dem Auslandskapital zu gründen und ‘besondere Wirtschaftszonen’
nach chinesischem Vorbild einzurichten:
„Der
Staat wird Einrichtungen, Unternehmungen und Organisationen in unserem
Land dazu anhalten, mit ausländischen Gesellschaften und Individuen
Joint
Ventures und Kooperationsunternehmen einzugehen.“ (‘Sozialistische
Verfassung der Demokratischen Volksrepublik von Korea’, Pyongyang 1993,
S. 9)
Die
neue Verfassung fördert tatsächlich
„
...Auslandsinvestitionen und garantiert die Rechte und Profite von Ausländern,
die in Nord Korea aktiv sind.“ (‘Keesings Berichte von
Weltereignissen’, Band 39, S. R73)
...
und im Oktober 1992 billigte der Ständige Ausschuss der Obersten
Volksversammlung Nord Koreas erstes Gesetz über Auslandsinvestitionen:
„Das
neue Gesetz gestattete ausländischen Investoren, Unternehmen mit eigener
Kapitalbeteiligung sowie andere Gemeinschaftsunternehmen auf vertraglicher
Grundlage zu gründen, und in besonderen Wirtschaftszonen hatten sie sogar
die Möglichkeit, Unternehmen zu errichten, die sich vollständig in ausländischer
Hand befanden. Die ausländischen Unternehmen erhielten das Recht, einen
Teil ihres Gewinns ins Ausland zu überweisen.“ (‘Keesings Berichte
von Weltereignissen’, Band 38, S. 141-42)
Schon
1991
„
... verkündete die Regierung die Schaffung einer besonderen
Wirtschaftszone mit einer Gesamtfläche von 621 Quadratkilometern, ...die
im März 1993 auf 742 Quadratkilometer erweitert wurde. ... . Eine Fülle
weiterer Gesetze folgte, die den rechtlichen Rahmen für Auslandsfirmen,
die in Nord Korea
aktiv
sind, schufen.“ ( Marcus Noland, ‘Perspektiven einer nordkoreanischen
ökonomischen Öffnung’, in: ‘Thomas H. Hendriksen & Jongryn Mo,
Hrsg.: ‘Nord Korea nach Kim Il Sung’, Stanford, USA 1997, S. 55-56)
„Etwa
80 Joint Ventures sind bereits in Nord Korea errichtet worden. Die meisten
von ihnen werden von Japanern geführt, die ständig in Korea ansässig
sind.“
(Dae-Ho Bryn, ‘Nord Koreas Außenpolitik. Die Juche-Ideologie und die
Herausforderungen durch Gorbatschows Neues Denken’, Seoul 1991, S. 223)
Abgleiten
in den philosophischen Idealismus.
Der
Vorwand, der vom Kimilsungismus für die Revision des Marxismus genannt
wird, ist der, dass ‘er inzwischen veraltet’ ist:
„Der
Marxismus ... vertrat einen geschichtlichen Zeitabschnitt, als die
Arbeiterklasse in der historischen Arena auftrat und gegen das Kapital
einen Kampf entfaltete. ... Die Zeiten haben sich jedoch geändert und die
Geschichte ist weiter vorangeschritten, so dass der Marxismus
unvermeidliche historische
Einschränkungen
erfahren hat.“ ( Kim Jong Il, ‘Die geschichtliche Lehre beim Aufbau
des Sozialismus und die Generallinie unserer Partei’, in: ‘Über die
Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang 1995, S. 293-94)
Der
Hauptgrund für diesen Wandel sei angeblich die Tatsache, dass es jetzt
nicht mehr die ojektiven Bedingungen sind, die in der Geschichte die
Hauptrolle spielen,
sondern
der Mensch:
„Es
sind nicht die objektiven Bedingungen, die in der Geschichte die
entscheidende Rolle spielen, sondern der Mensch.“
(Kim
Jong Il, ‘Über einige Probleme der Erziehung im Zusammenhang mit der
Juche-Idee’, in: ‘Über die Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang
1995, S. 144)
Der
Marxismus jedoch betrachtet die Gesetze der Wissenschaft, einschließlich
die der Ökonomie, als objektive Entwicklungsgesetze, die sich unabhängig
vom Willen des
Menschen
durchsetzen.
„Der
Marxismus betrachtet die Gesetze der Wissenschaft - unabhängig davon, ob
sich um die Gesetze der Naturwissenschaften handelt oder um
die
der politischen Ökonomie - als Widerspiegelung objektiver Prozesse, die
sich unabhängig vom Willen des Menschen vollziehen. Dem Menschen mag es
gelingen, diese Gesetze zu entdecken, sie kennenzulernen, er kann sie
studieren, sie im Interesse der Gesellschaft ausnutzen, aber er ist nicht
in
der Lage, sie zu ändern oder sie aufzuheben; und noch weniger ist er
imstande, neue Gesetze der Wissenschaft zu schaffen oder
hervorzubringen.“
(
Josef W. Stalin, ‘Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR’,
Tirana 1979, S. 545)
Deshalb
bedeutet für Marxisten-Leninisten Freiheit nicht Unabhängigkeit vom
Wirken der Gesetze der Natur, sondern die Anerkennung der Existenz dieser
Gesetze, die ‘Einsicht in die Notwendigkeit’:
„Freiheit
ist Einsicht in die Notwendigkeit. ... Freiheit besteht nicht in dem Traum
von der Unabhängigkeit von Naturgesetzen, sondern in dem Wissen von
diesen Gesetzen und der Möglichkeit, die hierdurch entsteht, sie
systematisch für bestimmte Zwecke arbeiten zu lassen.“
(
Friedrich Engels, ‘Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft
-Anti-Dühring’, New York 1939, S. 125)
„Was
kann diese ‘Einsicht in die Notwendigkeit’ bedeuten? Sie bedeutet,
dass wenn der Mensch erst einmal die objektiven Gesetze (die
‘Notwendigkeit’) erkannt hat, er sie auch ganz bewusst für seine
Zwecke ausnutzen kann.“ ( Josef W. Stalin, ‘Ökonomische Probleme des
Sozialismus in der UdSSR’, in: ‘Gesammelte Werke’, Tirana 1979, S.
546)
Im
Unterschied dazu steht für den Kimilsungismus der Mensch über den
Gesetzen der Biologie:
„Im
Unterschied zu biologischen Wesen ist der Mensch der Meister und
Umgestalter der Welt. Er bestimmt selbst über sein Schicksal, indem er
die objektive Welt für seine Zwecke umgestaltet.“ (Kim Jong Il,
‘Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1994, S. 12)
Das
bedeutet, dass der Kimilsungismus der Ansicht ist, dass der Mensch nicht
an die Wirkungsweise der Naturgesetze gebunden ist:
„Der
Mensch ... ist ein unabhängiges, soziales Wesen, ... während die übrige
lebendige Materie sich dadurch am Leben erhält, dass sie sich der
objektiven Welt unterordnet und anpasst. ... Durch diese Eigenschaft ist
der Mensch in der Lage, die Fesseln der Natur abzustreifen.“
(Kim
Jong Il, ‘Über die Juche-Idee’, in: ‘Über die Verbreitung der
Juche-Idee’, Pyongyang 1995, S. 14, 15)
Aber
hierdurch gleitet man in den philosophischen Idealismus ab, der
„
... vom Vorrang des Geistes über die Natur“, (Friedrich Engels,
‘Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen
Philosophie’, in: Karl Marx, ‘Gesammelte Werke’, Band 1, London
1943, S. 431) ausgeht.
Das
bedeutet, dass man „ ... im Verhältnis von Denken und Sein“
(Friedrich Engels, ebenda, S. 430)
dem
ersten das Primat über das Zweite gibt, also dem Geist den Vorrang über
die Materie gewährt.
Nach
dem Kimilsungismus ist der Mensch im Unterschied zu den unteren Tieren
nicht an die Gesetze der Natur gebunden:
„Die
Tiere sind Teil der Natur und ihr Schicksal wird durch die natürlichen
Gesetze von Veränderung und Entwicklung bestimmt, während der Mensch ..
nicht
ein Wesen ist, das den Naturgesetzen von Wandel und Entwicklung gehorcht.
„
(Kim
Jong Il, ‘Über einige Probleme der Erziehung im Zusammenhang mit der
Juche-Idee’, in: ‘Über die Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang
1995, S. 144)
„Im
Unterschied zu der übrigen lebendigen Materie, die ... der objektiven
Welt untergeordnet ist, beherrscht der Mensch die Welt und verändert sie
seinem
Willen und seinen Wünschen entsprechend.“ (Kim Jong Il, ‘Über einige
Fragen, das Verständnis der Juche-Philosophie betreffend’, in: ‘Über
die Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang 1995, S. 5)
Dieses
idealistische Konzept findet sich auch in folgendem Leitspruch der
Arbeiterpartei Koreas:
„Wenn
die Partei dazu entschlossen ist, können wir alles tun.“ (Kim Jong Il,
‘Unser Sozialismus, der sich auf die Massen stützt, wird nicht
vergehen’, in: ‘Über die Verbreitung der Juche-Idee’, Pyongyang
1995, S.289)
Außerdem
behauptet der Marxismus-Leninismus, dass die Produktionsweise das
Bewusstsein des Menschen bestimmt:
„Die
Art und Weise der Produktion des materiellen Lebens bestimmt die sozialen,
politischen und geistigen Lebensprozesse im allgemeinen. Es ist nicht
das
Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern im Gegenteil, ihr soziales
Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“
(Karl
Marx, Einleitung zu: ‘Ein Beitrag zur Kritik der Politischen Ökonomie’,
in: ‘Gesammelte Werke’, Band 1, London 1943, S.356)
„Der
Marxismus wies den Weg zu einer umfassenden und in sich abgeschlossenen
Untersuchung des Prozesses der Entstehung, Entwicklung und des Untergangs
von sozial-ökonomischen Formationen. Die Menschen machen ihre eigene
Geschichte. Worin bestehen aber die objektiven Bedingungen der Produktion
des materiellen Lebens, die die Grundlage aller geschichtlichen Aktivitäten
des Menschen ausmachen? Worin besteht aber das Gesetz der Entwicklung
dieser Bedingungen? Auf all das lenkte Marx die Aufmerksamkeit und wies
den Weg zu einer wissenschaftlichen Untersuchung der Geschichte.“
(Wladimir
I. Lenin, ‘Karl Marx’, in: ‘Ausgewählte Werke’, Band 11, London
1943, S. 20)
Dieses
Prinzip nennt Lenin
„
... die materialistische Geschichtsauffassung.“
(Wladimir
I. Lenin, ‘Karl Marx’, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 11, London
1943, S. 19)
Der
Kimilsungismus jedoch weist diesen grundlegenden Aspekt des Marxismus-
Leninismus zurück:
„Die
Theorie des Sozialismus im vorigen Jahrhundert, die auf der
materialistischen Geschichtsauffassung beruhte, war nicht frei von
historischen Beschränkungen. Diese Theorie betrachtete die
sozialgeschichtlichen Bewegungen nicht als Bewegungen, denen Motive
zugrundelagen ..., sondern als naturgeschichtliche Prozesse, die sich den
materiellen und ökonomischen Faktoren entsprechend vollzogen. Da diese
Theorie des Sozialismus die materiellen und ökonomischen Faktoren als für
den revolutionären Kampf ausschlaggebend ansah, war sie nicht imstande,
die Aufgabe zu erkennen, die darin besteht, die subjektiven Faktoren für
die Revolution und ihre entscheidende Rolle bei ihrer Durchführung stärker
zu betonen.“ (Kim Jong Il, ‘Der Sozialismus ist eine Wissenschaft’,
Pyongyang 1994, S. 5-6)
Die
Verneinung des objektiven Charakters der Kategorien der Klassen.
Dem
Marxismus-Leninismus zufolge, sind die sozialen Klassen eine äußerst
wichtige objektive soziale Kategorie:
„Klassen
sind große Gruppen von Menschen, die sich dadurch unterscheiden, dass sie
in einem historisch entstandenen System gesellschaftlicher Produktion
unterschiedliche Positionen einnehmen, die sich unterscheiden durch ihr
Verhältnis ... zu den Produktionsmitteln, durch ihre Rolle in der
sozialen Organisation der Arbeit und dementsprechend durch den Umfang
ihres Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen
sowie durch die Art und Weise wie sie ihn erlangen. Klassen sind Gruppen
von Menschen, bei denen eine sich die Arbeit der anderen aufgrund der
unterschiedlichen Stellung, die sie in einem bestimmten System der
sozialen Ökonomie einnimmt, aneignen kann.“ (Wladimir I. Lenin, ‘Ein
großer Anfang’, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 29, London 1974, S.
421)
Aber
auch hier gleitet der Kimilsungismus in den philosophischen Idealismus ab.
Anstatt den objektiven Tatbestand der Einteilung der Gesellschaft in
Klassen anzuerkennen, unterteilt er sie in die ‘Massen des Volkes’ und
in andere Gruppen lediglich aufgrund der Ideen, die diese Gruppen
besitzen:
„Das
entscheidende Kriterium dafür, ob jemand zu den Massen des Volkes zu
rechnen ist oder nicht, ist nicht seine soziale und klassenmäßige
Herkunft, sondern seine Ideen. ... Jeder, der sein Land, sein Volk und
seine Nation liebt, ... kann zu den Massen des Volkes gezählt werden.“
(Kim
Jong Il, ‘Der Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1994, S.
19)
In
Übereinstimmung mit diesem philosophischen Idealismus weist der
Kimilsungismus das marxistisch-leninistische Prinzip zurück, dass die
Partei das Schwergewicht auf die Veränderung der objektiven
gesellschaftlichen Bedingungen legen sollte:
„In
der Vergangenheit entwickelten die Begründer des Marxismus die
sozialistische Theorie dadurch, dass sie die Betonung auf die materiellen
und wirtschaftlichen Bedingungen legten.“ (Kim Jong Il, ‘Der
Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1994, S. 8)
Der
Kimilsungismus legt das Schwergewicht auf die ideologische Erziehung des
Menschen:
„In
der sozialistischen Gesellschaft erhält die Umformung des Menschen, seine
ideologische Umerziehung einen größeren Stellenwert und wird zu einer
vorrangigeren Aufgabe als die Schaffung der materiellen und ökonomischen
Bedingungen des Sozialismus.“
(Kim
Jong Il, ‘Der Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1994, S.
7)
...und
das ‘Scheitern’ des Sozialismus in vielen Ländern war dem
Kimilsungismus zufolge nicht auf das Eindringen des Revisionismus in die
internationale kommunistische Bewegung zurückzuführen, sondern darauf,
dass es unterlassen wurde, der ideologischen Umerziehung der Massen des
Volkes Vorrang einzuräumen:
„Der
Hauptgrund für das Scheitern des Sozialismus in einigen Ländern besteht
darin, dass sie nicht das Schwergewicht auf die Stärkung des subjektiven
Faktors beim Aufbau des Sozialismus gelegt haben.“ (Kim Jong Il, ‘Die
historische Lektion für den Aufbau des Sozialismus und die Generallinie
unserer Partei’, in: ‘Über die Verbreitung der Juche-Idee’,
Pyongyang 1995, S. 293)
...und
als den
„
... subjektiven Faktor der sozialen Bewegung „
(Kim
Jong Il, ‘Der Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1994, S.
7)
sieht
der Kimilsungismus die
„
... Volksmassen“
(Kim
Jong Il, ‘Der Sozialismus ist eine Wissenschaft’, Pyongyang 1995, 7)
an.
Die
Verneinung des marxistisch-leninistischen Prinzips der Verteilung.
Marx
war der Ansicht, dass im Sozialismus, der unteren Entwicklungsstufe der
kommunistischen Gesellschaft, die Arbeiter entsprechend der Quantität und
Qualität ihrer Arbeit entlohnt werden sollten:
„Womit
wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie
sie auf ihrer eigenen Grundlage entstanden ist, sondern im Gegenteil, wie
sie sich aus der kapitalistischen Gesellschaft entwickelt hat, eine
Gesellschaft, der in jeder Beziehung - ökonomisch, moralisch und
intellektuell - noch die Muttermale der alten Gesellschaft, aus deren Schoß
sie geboren wurde, anhaftet. Dementsprechend erhält der einzelne
Produzent von der Gesellschaft ... genau das zurück, was er ihr gegeben
hat, und das, was er ihr gegeben hat, ist seine eigene Arbeitsmenge, ...
Die gleiche Menge an Arbeit, die er der Gesellschaft in der einen Form
gegeben hat, erhält er in einer anderen wieder zurück.“ (Karl Marx,
‘Kritik des Gothaer Programms’, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 2,
London 1943, S. 563)
Der
Kimilsungismus jedoch verurteilt Marx Position in dieser Frage als
‘antisozialistisch und revisionistisch’ und verlangt, dass im
Sozialismus politischen und moralischen Anreizen Vorrang einzuräumen ist:
„Die
Position, nur den materiellen Anreizen für Arbeit Vorrang einzuraümen,
muss auf die Vernachlässigung des kommunistischen Charakters der
sozialistischen Gesellschaft zurückgeführt werden. ... Jene, die die
materiellen Anreize als die wichtigste Forderung ansehen, verlangen auch,
dass ein ganzes System materieller Anreize in den gesamten ökonomischen
Rahmen eingebaut wird. Sie behaupten, dass materielle Anreize für die
arbeitenden Menschen die wirksamste Methode darstellt, um ihren
Enthusiasmus für die Steigerung der Produktion und die schnelle
Entwicklung der Wirtschaft anzustacheln. Sie argumentieren, dass sogar
noch nach der Errichtung des sozialistischen Systems die Überbleibsel der
alten Ideologie, die noch aus der Zeit des alten Ausbeutersystems stammen,
in sehr starkem Maße im Bewusstsein der Arbeiter vorhanden sind. ... Dies
ist eine antisozialistische und revisionistische Theorie. ... Wenn wir
aber die Frage aufwerfen, worauf denn das Schwergewicht gelegt werden
soll, dann kann die Antwort nur lauten, dass es auf die politischen und
moralischen Anreize zu legen ist.“
(Kim
Jong Il, ‘Über das richtige Verständnis der politischen, moralischen
und materiellen Anreize’, in: ‘Gesammelte Werke’, Band 1, Pyongyang
1992, S. 211)
Gegen
eine internationale marxistisch-leninistische Opposition.
Entgegen
marxistisch-leninistischen Prinzipien widersetzt sich der Kimilsungismus
dem Wiederaufbau einer marxistisch-leninistischen Organisation:
„Die
Zeiten haben sich geändert und die Tage sind für alle Zeiten vorbei, als
die kommunistische Bewegung ein mit Autorität ausgestattetes
internationales Zentrum benötigte. ... Es gibt keinerlei Grund für die
Existenz irgendeines internationalen ‘Zentrums’. ... Deshalb, so erklärte
der Genosse Kim Il Sung, sollte es innerhalb der internationalen
kommunistischen Bewegung nicht mehr zugelassen werden, dass ein solches
Beziehungsgefüge wieder ensteht.“
(Baik
Bong, ebenda, Band 3, S. 600-01)
Und
bei der Gelegenheit werden die Errungenschaften der alten Kommunistischen
Internationale schlichtweg geleugnet:
„Die
Zeiten sind längst vorbei, als es in der internationalen kommunistischen
Bewegung ein einheitliches Zentrum gab und als die einzelnen Parteien
seine Zweigstellen darstellten. ... In der Vergangenheit ... fügten die
Parteien einiger sozialistischer Parteien der Entwicklung der
internationalen kommunistischen Bewegung dadurch großen Schaden zu, dass
sie nicht die Gewohnheiten der Kommunistischen Internationale ablegen
konnten. Die Partei eines bestimmten Landes beanspruchte, das
‘Zentrum’ der internationalen kommunistischen Bewegung zu sein und
verlangte von anderen Parteien, dieses und jenes zu tun. Sie zögerte
nicht, auf andere Parteien Druck auszuüben und sich in ihre inneren
Angelegenheiten einzumischen, falls sie nicht bereit waren, ihrer Linie zu
folgen, selbst wenn es sich um eine falsche Linie handelte.“
(Kim
Jong Il, ‘Die historische Lektion für den Aufbau des Sozialismus und
die Generallinie unserer Partei’, in: ‘Über die Verbreitung der
Juche-Idee’. Pyongyang 1995, S. 301)
SCHLUSSFOLGERUNG
Dermot
Hudsons Behauptung, dass die Arbeiterpartei Koreas eine ‘gründlichere
und ausgereiftere’ Kritik am Revisionismus vornahm als dies bei der
Partei der Arbeit Albaniens der Fall war, lässt sich nicht mit den
Tatsachen in Einklang bringen.
Tatsächlich
grenzt die Einschätzung der Differenzen in der internationalen
kommunistischen Bewegung ans Absurde:
„Die
unterschiedlichen Meinungen der Bruderparteien und Bruderländer ... sind
vorübergehender Natur. Sie haben sich aus den unterschiedlichen
historischen und geografischen Bedingungen in den sozialistischen Ländern
entwickelt. ... Die Unterschiede stellen ideologische und theoretische
Differenzen zwischen Klassenbrüdern dar, die die gleiche politische und
ökonomische Bais besitzen und die gegen den Imperialismus und
Kolonialismus kämpfen mit dem gemeinsamen Ziel, den Sozialismus und
Kommunismus aufzubauen.“ (Baik Bong, ebenda, Band 3, S. 595)
Tatsächlich
jedoch ergibt sich aus der Analyse der Anschauungen der Arbeiterpartei
Koreas eindeutig, dass der Kimilsungismus oder ‘Juche’ eine Spielart
des Revisionismus ist, die entwickelt wurde, um der kapitalistischen
Klasse in kolonialartigen Ländern wie Korea zu dienen - eine Spielart des
Revisionismus, die darauf abzielt, den revolutionären Prozess im Stadium
der demokratischen Revolution zu stoppen und um zu verhindern, dass er in
das Stadium der sozialistischen Revolution übergehen kann. |