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KP
Venezuelas:
PSUV-Zugehörigkeit
heißt nicht Revolutions-Zugehörigkeit
„Die
Konterrevolutionäre und Verräter sind nicht in der Kommunistischen
Partei“
von
Genosse Oscar Figuera, Generalsekretär der KP Venezuelas
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas
,
11. Oktober 2008,
Tribuna Popular TP.- Wegen
der andauernden Erklärungen in dieser Woche seitens Präsident Chávez
gegen die Kommunistische Partei Venezuelas, in denen er sie der
Konterrevolutionäre und Verräter bezichtigt bis hin zur Warnung
„dass wir sie verschwinden lassen werden (...) Ich werde mich damit
befassen“, sprach Tribuna Popular mit Genossen Oscar Figuera, dem
Generalsekretär der KP Venezuelas. Genosse Figuera machte damit erste
Bemerkungen zu diesem Thema. Er kündigte an, dass das Politbüro der
Partei in kollektiver Form diese Äußerungen von Chávez analysieren
wird, um eine gründliche Stellungnahme herauszubringen. Der
kommunistische Funktionär bedauerte, dass Präsident Chávez im Rahmen
des Wahlkampfes sagt, dass wir Kommunisten Verräter und
Konterrevolutionäre sind. „Ich denke, dass ihn sein Gewissen wehtun
muss, so etwas zu sagen“, meinte Genosse Figuera.
KEIN
VERRÄTER UND KONTERREVOLUTIONÄR IST MITGLIED DER KP VENEZUELAS
Genosse
Figuera betonte sehr nachdrücklich, dass kein Verräter und
Konterrevolutionär Mitglied der Kommunistischen Partei ist. Dabei
erinnerte er daran, dass Präsident Chávez und das Volk wissen, dass
die Konterrevolutionäre und Verräter weder jetzt noch jemals in der
Kommunistischen Partei gewesen sind. „Sie alle sind aus ganz anderen
Organisationen als der Kommunistischen Partei gekommen“, so Genosse
Figuera wörtlich. Er erinnerte daran, dass „das Volk weiß, wo
Miqhelena, Pena Mitglied war, auf was General Rosendo antwortete, wo
Acosta Carlez Mitglied war. Das Volk weiß, wo Bürgermeister,
Gouverneure, Abgeordnete, Minister Mitglieder waren, die die Seite
gewechselt haben. Keiner von denen ist Mitglied der Kommunistischen
Partei gewesen.“
Und
weiter: „Es gibt die historische Tatsache, es gibt die empirische
Feststellung. Nach all dem stimmt es nicht, dass die Kommunistische
Partei Verrat begangen hat und sich gegen die Revolution verschwört“,
erklärte Figuera. Der Generalsekretär der KP Venezuelas wies auf das
Gefährliche hin, welches diese Signale darstellen, weil sie ermöglichen,
dass die Verräter und Konterrevolutionäre diese Signale nachahmen, während
der Kurs gegen die KP Venezuelas gerichtet wird, was der Revolution
nicht dient. „Keine Revolution, die sich als solche bezeichnet, kann
antikommunistisch sein“, urteilte Genosse Figuera.
„PSUV-ZUGEHÖRIGKEIT
HEISST NICHT REVOLUTIONSZUGEHÖRIGKEIT“
Oscar
Figuera betonte in seiner Bewertung der Erklärungen des Präsidenten,
dass „die Zugehörigkeit zur PSUV nicht die Zugehörigkeit zur
Revolution heißt“. Er erinnerte daran, dass die Kommunistische Partei
im Moment des Aufbaus der Präsidentenpartei im März 2007 einen
Sonderparteitag machte, auf welchem 95% ihrer Mitglieder demokratisch
beschlossen, die KP Venezuelas nicht aufzulösen, um in der Bildung der
neuen Partei aufzugehen. Genosse Figuera betonte, dass einer der Gründe
jenes Beschlusses der venezolanischen Kommunisten darin bestand, „dass
der Charakter der Partei nicht klar war, welche der Präsident förderte“.
Ebenso gab keine qualitative Einschätzung ihrer Mitgliedschaft. Jene
Partei öffnete sich allen, die eintreten wollten. Ihre Bedingung als
revolutionäres Mitglied, ihr gesellschaftliches Inneres, ob jemand
Unternehmer war, Großgrundbesitzer war, korrupt war, revolutionär war,
steht uns gegenüber, die wir Mitglied der Kommunistischen Partei sind.
Wir stellen Bedingungen, weil wir eine Klassenpartei sind, mit einem
Klassenprofil, mit einer bestimmten Ideologie, mit einer politischen
Haltung nationalen und internationalen Charakters, historisch
hergeleitet“, so der kommunistische Spitzenfunktionär.
Gegenüber
diesem politischen Rahmen der Bildung der PSUV ist die Kommunistische
Partei weder gestern noch heute in Bedingungen gewesen, dass wir uns
auflösen, um uns einer Struktur anzuschließen, wo die organisatorische
Konzeption nicht klar ist. „Obgleich sie vom antiimperialistischen
Wesen her allgemein gekennzeichnet ist, was wir teilen, ist dies nicht
genug für uns“, erklärte Genosse Figuera. Für die KP Venezuelas ist
es eine Überraschung, dass der Präsident zu einer Debatte zurückkehrt,
die voriges Jahr abgeschlossen worden war. Und dass er darauf beharrt,
dass wer nicht in der PSUV ist, nicht auf Seite der Revolution steht.
„Es scheint, als gibt es da einen Wunsch zur Abstrafung, weil die
Kommunistische Partei nicht beschlossen hat sich aufzulösen.“ Und
weiter hob er hervor: „Wie wir den Aufbau der PSUV für wichtig
halten, so muss auch der Position der venezolanischen Kommunisten
Achtung gezollt werden, die Partei nicht aufzulösen.“
Als
es die PSUV* oder die MVR* nicht gab, da waren viele Mitglied in der AD*
und COPEI*, die heute in die Hüllen von „Revolutionären“ geschlüpft
sind. Die Kommunistische Partei Venezuelas existierte bereits, als das
Wort Sozialismus verboten war und von den Diktaturen der Gómez, Pérez
Jiménez, von AD und COPEI verfolgt wurde. „Wir haben mehr als 77
Jahre in Venezuela für den Sozialismus gekämpft“, bekräftigte der
Spitzenfunktionär der KP Venezuelas. „Wir schätzen die Worte des Präsidenten
als reine Wahlkampfrhetorik ein. Wir befinden uns in einem Moment der
Wahlkampfauseinandersetzung, des Kampfes um die Wählerschaft. Und
allgemein in diesen Momenten wird das Wesen der Reden überbewertet. So
sehen wir diese Anwürfe“, sagte Genosse Figuera.
Es
reicht, daran zu erinnern, dass die Kommunistische Partei Venezuelas
derzeit für den Sieg der zur PSUV gehörenden Kandidaten in 17
Gouverneursämtern des Landes (einschließlich des Hauptstadtbezirkes
Caracas) arbeitet und diese Kandidaten unterstützt. Demgegenüber sind
es nur sechs Bundesstaaten, wo die Unterstützung der KP Venezuelas und
anderer politischer Kräfte des Landes nicht den zur PSUV gehörenden
Kandidaten zufällt. Zwei dieser sechs Kandidaten sind Mitglieder der KP
Venezuelas. Und bei all dem unterstützt die PSUV keinerlei Kandidaten für
ein Gouverneurs- oder Bürgermeisteramt, der nicht zur PSUV gehören würde.
NIEMAND
KANN DIE KOMMUNISTISCHE PARTEI VERSCHWINDEN LASSEN
Der
Parlamentsabgeordnete Oscar Figuera kam dann zu den Ausführungen des Präsidenten
Chávez „Wir werden sie verschwinden lassen (...) Ich werde mich damit
befassen“. Genosse Figuera sagte: „Präsident Chávez muss eines
klar sein: Die Kommunistische Partei ließ niemand verschwinden aus dem
Lande, aus Venezuela. Kein Juan Vicente Gómez, kein Marcos Péréz Jiménez,
kein bewaffneter Kampf der 60er Jahre, nicht all das um Korruption und
Klientelwirtschaft herum, kein Herumjonglieren, keine Epoche der
Herrschaft der liberalen Oligarchie in der sog. „Vierten Republik“.
Und wir sind überzeugt davon, dass uns auch der derzeitige Prozess
nicht verschwinden lassen wird.“
Genosse
Figuera bekräftigte, dass der revolutionäre Prozess der Partei die
Gelegenheit bietet, um zu wachsen und voranzukommen. „Und wir tun dies
von einer Haltung der Zugehörigkeit zur Revolution aus, mit
antiimperialistischem Engagement, mit Engagement für den Sozialismus,
und mit Parteinahme für die Arbeiterklasse“, so Genosse Figuera. Er
wies darauf hin, dass „schlechterdings wir Konterrevolutionäre und
Verräter genannt werden können, wenn wir mit Schwert und Schild die
Rechte des Volkes gegenüber dem Imperialismus verteidigen.“ Er
erinnerte daran, dass in den letzten Monaten die KP Venezuelas den Kampf
und die Begleitung der SIDOR-Arbeiter übernommen hatte, während sich
andere davor drückten, dies zu tun. Als die KP Venezuelas den
Neofaschismus in Kolumbien anprangerte und den Besuch von Uribe in
Venezuela ablehnte, „auch da weiß das venezolanische Volk, wer die
Kommunistische Partei Venezuelas ist“, so unser Generalsekretär.
DAS
PATRIOTISCHE BÜNDNIS HAT STRATEGISCHES WESEN
Den
kommunistischen Spitzenfunktionär befremdet der Standpunkt des Präsidenten
Chávez hinsichtlich der Kandidaturen. Was da abgelaufen ist, entspricht
den Richtlinien, welche er selbst verkündet hatte. Und zwar in jenem
Moment, als die Gründung des Bündnisses diskutiert wurde.
Genosse
Figuera erinnert daran, dass der Präsident darauf hingewiesen hatte,
dass das Patriotische Bündnis ein strategisches Wesen hat, obwohl die Wählerschaft
damit angesprochen wurde. Aber dass der Wahlkampf kein Faktor für den
Bruch zwischen den revolutionären Kräften sein sollte. Außerdem
erinnerte der kommunistische Parlamentsabgeordnete daran, dass es der Präsident
selbst war, welcher darauf hinwies, dass wir unsere Kandidaten
einbringen werden, und dass das Volk selbst über seine Stimme dafür
entscheiden soll. „Dies zog die Kommunistische Partei ganz richtig in
Betracht. Und in diesem Kontext haben wir 17 Kandidaturen zu Gouverneursämtern
von der PSUV unterstützt. Aber wir haben in sechs Bundesstaaten
befunden, von unserem Kriterium aus, sie nicht zu unterstützen. Dies
auf der Grundlage dessen, was der Präsident öffentlich erklärt
hatte“, so Genosse Figuera.
Am
Ende wies der Generalsekretär der KP Venezuelas darauf hin, das „wahr
ist und bleibt, dass wir dies nicht verstehen. Es scheint wie ein
Schicksalsschlag, dies nicht zu verstehen. Wir begreifen nicht, warum
eine Aussage dieser Art, die nur wenige Monate zurückliegt, heute
vergessen wird.“
Quelle:
Tribuna Popular
Anmerkung:
*
AD und COPEI sind die alten bürgerlichen Parteien, die sich
jahrzehntelang im Wechsel die Regierung Venezuelas teilten und durch
Klientelwirtschaft und Korruption berüchtigt wurden. PSUV ist die
Sozialistische Einheitspartei Venezuelas, welche Hugo Chávez Frías
gegründet hatte, ihr Vorläufer war die MVR. |