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Die
marxistisch-leninistische Partei
von:
Ernesto Che Guevara
(aus
dem Vorwort zum Buch „El partido marxista-leninista“, veröffentlicht
von der Nationalleitung der Sozialistischen Einheitspartei Kubas, Havanna
1963)
Aus:
Tribuna
Popular vom 25. Juni 2007
Übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel/28. Juli 2007
Dieses
kleine Buch ist dazu bestimmt, die Mitglieder der Partei an die umfassende
und äusserst reichhaltige Schatzgrube der marxistischen-leninistischen
Ideen heranzuführen.
Die
Themenwahl ist einfach und effektiv. Es handelt sich um ein Kapitel aus
dem Handbuch des Marxismus-Leninismus von Otto V. Kuusinen und einer Reihe
von Reden von Fidel Castro. Die Auswahl ist gut, denn im Kapital aus dem
Handbuch des Marxismus-Leninismus wird die Erfahrung der Bruderparteien
verkörpert und ein allgemeiner Einblick dessen gegeben, was eine
marxistisch-leninistische Partei sein soll, und wie sie handeln soll. Und
in der Folge von Reden des Genossen Fidel läuft die politische Geschichte
unsere Landes mit Worten zu einigen autobiografischen Geschehnissen des
Revoutionsführers ab. Die zwei Dinge hängen eng miteinander zusammen,
die allgemeingültige Theorie als Ausdruck der Erfahrungen der KPdSU und
der marxistisch-leninistischen Parteien der gesamten Menschheit und die
praktische Anwendung dieser allgemeingültigen Ideen auf unsere besonderen
Wesenszüge. Von den Besonderheiten her, die den Entwicklungsrahmen für
die gesellschaftlichen Ereignisse in dieser Region der Welt abgeben, darf
nicht unterschätzt werden, dass historische Ausnahmen bestehen; schlicht
im Rahmen der Theorie als Tochter der Erfahrung liegt der Sonderfall der
kubanischen Lage, die der internationalen Arbeiterbewegung neue
Erfahrungen zuführt.
Das
Handbuch lehrt uns mit aufleuchtender Klarheit, was eine
marxistisch-leninistische Partei ist: „Menschen, gegründet auf eine
Gemeinschaft von Ideen, die sich zusammenfinden, um die marxistischen
Konzeptionen mit Leben zu erfüllen, d.h. um die historische Mission der
Arbeiterklasse zu erfüllen.“ Es erklärt ausserdem, wie eine Partei
nicht isoliert von den Massen leben kann, wie sie in ständigem Kontakt
mit ihnen sein muss, wie sie die Kritik und Selbstkritik ausführen muss
und sehr ernst mit ihren eigenen Fehlern umzugehen hat, wie sie nicht nur
negative Konzepte des Kampfes gegen etwas zur Grundlage haben kann. Wie
die marxistischen Parteien nicht die Arme verschliessen dürfen in
Abwarten, dass die objektiven und subjektiven Bedingungen, wie sie vom
komplexen Mechanismus des Klassenkampfes gebildet werden, all das nötige
Rüstzeug angehäuft haben werden, damit die Macht in die Hände des
Volkes wie eine reife Frucht hineinfällt. Das Buch lehrt die führende
und katalysierende Rolle dieser Partei als Vorhut der Arbeiterklasse und Führer
ihrer Klasse, die weiss, ihr den Weg zum Sieg aufzuzeigen und den
Durchbruch hin zu neuen gesellschaftlichen Situationen zu beschleunigen.
Es besteht darauf, dass auch in den Momenten des gesellschaftlichen Zurückweichens
es notwendig ist, die Kader zurückzuziehen und stark zu halten, um sich
in der nächsten Welle einzubringen und weiter voranzuschreiten hin zum
grundlegenden Ziel der Partei in der ersten revolutionären Phase, welche
die Erringung der Macht ist. Und es ist logisch, dass diese Partei eine
Klassenpartei ist. Eine schlechte marxistisch-leninistische Partei könnte
anders sein. Ihre Mission ist es den kürzesten Weg zur Diktatur des
Proletariats zu suchen. Und ihre wertvollsten Mitglieder, ihre Führungskader
und ihre Taktik kommen aus der Arbeiterklasse.
Es
kann nicht konzipiert werden, dass der Aufbau des Sozialismus mit einer
Partei aus der bürgerlichen Klasse eingeleitet wird. Mit einer Partei,
die unter ihren Mitgliedern eine gute Zahl von Ausbeutern hat, welche
beauftragt sind, ihre politische Linie zu bestimmen. Offensichtlich
kann eine Gruppierung solchen Typs nur den Kampf in einer Etappe der
nationalen Befreiung führen, bis hin zu gewissen Stufen und in bestimmten
Umständen. Im folgenden Moment würde die revolutionäre Klasse reaktionär
werden. Und es würden sich neue Bedingungen entwickeln, die zum Auftritt
der marxistisch-leninistischen Partei als Führerin des revolutionären
Kampfes zwingen.Und zumindest schon in Amerika ist es praktisch unmöglich,
von einer von der Bourgeoisie geführten Befreiungsbewegung zu sprechen.
Die kubanische Revolution hat Kräfte gegenüber dem Elend des Volkes oder
Imperialismus polarisiert. Die schwachen einheimischen Bourgeoisien wählen
den Imperialismus und verraten definitiv ihr Land. Fast total geht die Möglichkeit
verloren, dass in diesem Teil der Welt ein friedlicher Übergang zum
Sozialismus erfolgt. Wenn die marxistisch-leninistische Partei fähig ist,
die zu überwindenden historischen Etappen vorherzusehen und fähig ist,
Banner und Vorhut eines Volkes zu werden noch bevor die Etappe der
nationalen Befreiung beseitigt worden ist -hier geht es um unsere
kolonialisierten Länder- dann wird diese Partei eine doppelte historische
Mission erfüllt haben. Und sie wird die Aufgaben beim Aufbau des
Sozialismus mit mehr Kraft und mit mehr Ansehen unter den Massen bewältigen
können.
Danach
kommen im Buch: Die kubanische Erfahrung als reiche Erfahrung wegen all
des Neuen, wegen all des Gesetzmäßigen, was sie in dieser
Entwicklungsetappe der amerikanischen Revolution hat. Und auch wegen der
Reichhaltigkeit an Lehren, die ihre öffentlich in Kontakt mit den Massen
und vor dem Urteil der Öffentlichkeit analysierten und korrigierten Irrtümer
sind. Besonders wichtig sind die vom Genossen Fidel über die
Einheitspartei der Sozialistischen Revolution und die in den ORI
angewendeten Arbeitsmethoden gehaltenen Reden, welche zwei grundlegende
Etappen unserer Entwicklung kennzeichnen. In der ersten Etappe drückt
sich die freie Verwirrung eines Revolutionsoberhauptes aus, der auf dem
Gipfel des aufsteigenden Weges aus der Entwicklung seines Denkens
angekommen ist und dann zweifelsfrei vor der Welt seine Berufung als
Marxist-Leninist proklamiert. Aber er tut dies nicht als einfache verbale
Bejahung, sondern indem er die Wesenszüge zeigt, die zumeist aus der
Entwicklung der Führungspersönlichkeit hervorgehenden Taten zeigt. Aus
der Entwicklung der Bewegung und der Partei hin zu einem Zusammenspiel,
welches bestimmt ist, die Sozialistische Einheitspartei zusammenzuführen.
Indem er sich selbst analysiert, erkennt der Genosse Fidel die Zahl rückläufiger
Konzeptionen an, die die Umgebung ihm eingeprägt hatten. Er berichtet,
wie er instinktiv gegen diese Konzeptionen ankämpfte und im Kampf
erstarkte. Er berichtet von seinen Zweifeln. Und er erklärt, warum es
diese Zweifel gab. Und wie sie sich auflösten.
Etwas
Neuartiges und sehr schwierig zu Definierendes bildete diese Etappe der
Bewegung des 26. Juli. Fidel Castro als Held der Moncada und Gefangener
auf der Pinieninsel trainiert eine Gruppe von Expeditionsteilnehmern, die
als Mission hat, die Küsten von Oriente zu erreichen, das revolutionäre
Feuer der Provinz Oriente zu entfachen und sie vom Rest der Insel in einem
ersten Moment abzutrennen oder unaufhaltsam gemäss den objektiven
Bedingungen bis selbst nach Havanna in einer Abfolge von mehr oder weniger
blutigen Siegen voranzuschreiten. Die Wirklichkeit schlug auf uns ein.
Nicht alle notwendigen subjektiven Bedingungen waren gegeben, um jene
Absicht umzusetzen. Es waren nicht alle Regeln des revolutionären Krieges
befolgt worden, die wir nachher mit unserem Blutzoll und dem Blutzoll
unserer Brüder in zwei harten Kampfjahren erlernten. Wir wurden
zerschlagen. Und da begann die wichtigste Geschichte unserer Bewegung. Da
zeigte sich ihre wahre Stärke, ihr wahrhaftiger historischer Verdienst.
Wir wurden uns der begangenen taktischen Fehler bewusst. Und dass einige
wichtige subjektive Faktoren fehlten. Das Volk hatte das Bewusstsein der
Notwendigkeit einer Veränderung. Jedoch fehlte die Gewissheit, dass sie möglich
war. Diese Gewissheit zu schaffen, das war die Aufgabe. Und in der Sierra
Maestra begann der lange Prozess, der als Katalysator der gesamten
Bewegung auf der Insel diente. Und der ununterbrochene Hurrikane
hervorbrachte, ununterbrochenes revolutionäres Feuer auf dem ganzen
Territorium. Es wurde begonnen, mit den Taten aufzuzeigen, dass die
Revolutionäre Armee richtig auf den Weg gebracht mit dem Vertrauen und
der Begeisterung des Volkes in günstigen Kampfbedingungen ihre Kraft
mittels verhältnismäßigem Waffengebrauch erhöhen kann und eines Tages
die gegnerische Armee zerschlagen wird. Das ist eine grosse Lehre unserer
Geschichte. Vor Erreichen des Sieges ist das Kräfteverhältnis geändert
worden, bis es sich gewaltig zugunsten der revolutionären Bewegung
gedreht hatte. Es sind die notwendigen subjektiven Bedingungen geschaffen
worden, um die Veränderung durchzuführen und die Krise der Macht für
die Macht selbst zu erzeugen. Es wurde eine neue revolutionäre Erfahrung
für Amerika weitergegeben.
Es
wird gezeigt, wie die grossartigen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus
sich stets erfüllen. In diesem Fall ist die Mission der Führungspersonen
und der Parteien, alle notwendigen Bedingungen für die Machtergreifung zu
schaffen. Und nicht zu neuen Zuschauern der revolutionären Welle zu
werden, die im Schoße des Volkes geboren wird. Gleichzeitig zeigte sich
die Notwendigkeit, dass die bewaffneten Kernzellen bei der Verteidigung
der Souveränität des Volkes vor überraschenden Handlungen, Angriffen
und Vernichtungen geschützt sind, was die Bedeutung unterstreicht, dass
der bewaffnete Kampf die für den Guerrillakrieg günstigsten Gebiete als
Szenario haben muss, d.h. die unwegsamsten Orte der ländlichen Gegenden.
Dies ist ein weiterer Beitrag der Revolution für unseren Kampf der
amerikanischen Emanzipation. Vom Lande geht man zur Stadt, vom Niederen
zum Höheren. So wurde die revolutionäre Bewegung geschaffen, die in
Havanna ihren Höhepunkt erreichte.
In
einem anderen Teil erklärt Fidel klar: wesentliche Bedingung des
Revolutionärs ist es, die Realität zu verstehen. In Bezug auf den
Aprilstreik erklärt er, wie wir sie in diesem Moment nicht zu verstehen
begannen und deshalb eine Katastrophe erlitten. Warum wird der Aprilstreik
erklärt? Weil es inmitten der Bewegung eine Reihe von Widersprüchen gab,
die wir die zwischen dem Hochland und dem Tiefland nennen. Und die offen
dargelegt wurden mittels der Analyse von den für grundlegend gehaltenen
Elementen, um den bewaffneten Kampf zu entscheiden, welche in jedem der Flügel
diametral verschieden waren. Der Hochlandflügel war bereit, die Armee zu
zerschlagen, so oft dies notwendig sein würde. Schlacht für Schlacht zu
gewinnen, ihre Waffen zu erobern, und eines Tages zur völligen
Machtergreifung für das Volk auf der Basis seines Rebellenheeres zu
gelangen. Der Tieflandflügel war Parteigänger des allgemeinen
bewaffneten Kampfes im ganzen Land mit einem Epilog des revolutionären
Generalstreiks. Der die Batista-Diktatur rausschmeissen würde, und die
Autorität der „Zivilen“ als Regierende einsetzen würde. Wobei die
neue Armee „apolitisch“ werden sollte. Der Zusammenprall mit dieser
These hält an, sie eignet sich nicht für für die Einheit des Kommandos,
welche in Momenten wie diesem erforderlich ist. Der Aprilstreik wird von
der Tieflandfraktion vorbereitet und ausgerufen mit der Ankündigung der
Hochlandfraktion. Die sich ausserstande sieht, ihn zu verhindern. Obwohl
sie mit den Reserveleuten der Sozialistischen Volkspartei (PSP)* ernste
Zweifel über sein Ergebnis hegt. Und die PSP uns vor der Gefahr
rechtzeitig warnt. Die revolutionären Comandantes gehen ins Tiefland, um
beim Streik zu helfen. Und so startet Camilo Cienfuegos, unser
unvergesslicher Armeechef, seine ersten Angriffe im Gebiet von Bayamo.
Diese Widersprüche haben eine tiefere Wurzel als die taktischen
Diskrepanzen. Das Rebellenheer ist schon ideologisch proletarisch und
denkt in der Funktion der nichts besitzenden Klasse. Die Tieflandfraktion
bleibt noch weiterhin kleinbürgerlich mit künftigen Verrätern in ihrer
Führung und sehr beeinflusst durch das Milieu, in dem sie sich
entwickelt. Dies war zumindest ein Kampf um die innere Kontrolle im Rahmen
des grossen revolutionären Kampfes um die Macht.
Die
kürzlichen Ereignisse Algeriens erklären sich klar aus der Analogie mit
der kubanischen Revolution. Der revolutionäre Flügel lässt sich nicht
von der Macht verdrängen und kämpft für ihre volle Übernahme. Die
Befreiungsarmee ist der wirkliche Vertreter der Revolution, die siegt.
Die
Auseinandersetzungen ereignen sich periodisch. Und es wird erst dann bei
uns die Einheit des Kommandos erreicht (dennoch noch immer nicht von allen
wahrgenommen), als Fidel zum Ministerpräsidenten ernannt wird, einige
Monate nach dem Sieg der Revolution. Bis zu jenem Moment: Was haben wir
getan? Wir haben, wie Fidel sagen würde, das Recht auf einen Anfang
erworben. Wir haben nur den Höhepunkt einer Etappe bewirkt, die im Kampf
auf Leben und Tod gegen das in Kuba errichtete System basierte, welches
repräsentiert war von Diktator Batista. Aber die Tatsache, konsequent
eine revolutionäre Linie zu verfolgen, die darauf abzielt, den Staat
unserer neuen Gesellschaft zu verbessern und weitestmöglich von allen ökonomischen
Fesseln freizumachen, führte uns mit voller Kraft zu einem frontalen
Kampf gegen den Imperialismus. Für die Entwicklung und Vertiefung unserer
Ideologie ist der Imperialismus ein sehr wichtiger Faktor gewesen. Jeder
Schlag, den er uns versetzte, erforderte eine Antwort. Jedes Mal
reagierten die Yankees mit ihrer üblichen Arroganz und ergriffen eine Maßnahme
gegen Kuba. Wir mussten die notwendige Gegenmaßnahme ergreifen und auf
diese Weise vertiefte sich die Revolution.
Die
Sozialistische Volkspartei (PSP) trat in diese Front ein. Und die Genossen
mit alter revolutionärer Mitgliedschaft und die Genossen, die mittels der
Kämpfe im Hochland zur Macht gelangten, begannen eine Arbeit der Fusion.
Schon in jenem Moment warnte Fidel vor einigen Gefahren des Sektierertums
und kritisierte, wer an der Nase des Anderen kratzt zwischen den 15 oder
20 Jahren der Mitgliedschaft und dem Sektierertum der Bärtigen aus dem
Hochland oder dem der Geiferer aus der Stadt. In der Zeit des bewaffneten
Kampfes gab es eine Gruppe von Genossen, die den angeblichen Caudillismus
des Genossen Fidel zu verteidigen versuchten. Sie begingen dabei denselben
Fehler, der sich in der späteren Zeit des Sektierertums wiederholte. Sie
verwechselten die grossen Verdienste des Revolutionsführers und seine
unbestreitbaren Führungseigenschaften mit der einzelnen Persönlichkeit,
deren einzige Sorge wäre, sich der unbedingten Unterstützung der Seinen
zu versichern und ein Caudillo-System zu etablieren. Dies war ein Kampf
der falschen Prinzipien, geführt von einer Gruppe von Genossen. Ein
Kampf, der nicht aufhörte, nicht mal am 1. Januar 1959 oder jenem Moment,
als Fidel das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Erst viel später,
als der rechte Flügel der Bewegung des 26. Juli zerschlagen worden war.
So fielen, weil sie sich dem Willen des Volkes widersetzten, Urrutía, Miró
Cardona, Ray, Hubert Matos, David Salvador und weitere solche Verräter.
Es
entstand nach dem vollständigen Sieg über den rechten Flügel die
Notwendigkeit, eine Partei aufzustellen: die Einheitspartei der Revolution
als Exponent des Marxismus-Leninismus in den Bedingungen Kubas. Sie musste
eine mit den Massen verbundene Organisation aus streng ausgewählten
Kadern sein, eine sowohl zentralisierte als auch elastische Organisation.
Und für all dies vertrauten wir blind auf die Autorität, die in vielen
Jahren des Kampfes von der Sozialistischen Volkspartei erworben worden
war, wobei wir fast völlig unsere Organisationskriterien verliessen.
Dadurch wurde eine Reihe von Bedingungen hervorgebracht, damit die Frucht
des Sekteriertums reifen konnte. Beim Prozess der Strukturierung riss der
Genosse Anibal Escalante die Organisation an sich, und es begann eine
schwarze, obwohl glücklicherweise recht kurze Etappe unserer Entwicklung.
Es wurde geirrt in den Methoden der Führung. Die Partei verlor ihre
wesentlichen Qualitäten der Verbindung zu den Massen, der Ausübung des
demokratischen Zentralismus und des Geistes der Aufopferung. Zuweilen zurückgreifend
auf wirkliche Vorgaukeleien kamen Leute ohne Erfahrung und ohne Verdienste
in Führungspositionen, wegen der Tatsache, dass sie sich in der
herrschenden Situation breitmachten.
Die
ORI verlieren ihre Funktion als ideologischer Motor - und der Kontrolle
des Produktionsapparates mittels dieser Funktion - und werden ein
Verwaltungsapparat. In diesen Bedingungen gingen die Alarmrufe aus der
Provinz, die eine Reihe dort vorhandener Probleme erklärten, verloren.
Denn diejenigen, die die Arbeit der Verwaltungsfunktionäre analysieren
sollten, waren konkret die Führungsleute des Kernbereiches, welche in
Partei und öffentlicher Verwaltung eine Doppelfunktion erfüllten.
Die
Etappe der Fehlkonzepte, der Riesenirrtümer und der mechanischen
Verpflanzungen hat ihr Ende gefunden, glücklicherweise. Die alten
Grundlagen, die diesen sektiererischen Taugenichts begründeten, sind
zerstört worden. Gegenüber den Verhörern gab es den Beschluss der von
Fidel geleiteten Nationalleitung, zurückzukehren zu den Massen, zurückzugreifen
auf die Massen. Und so wurde ein System der Versammlung in allen
Arbeitszentren für die Wahl der beispielgebenden Arbeiter durch die
Massen etabliert. Und die Möglichkeit der Auswahl, um die Kernzellen der
Partei einzubeziehen, einer eng mit den Massen verbundenen Partei. Als
Teil der Veränderungen der Partei wurde das Bildungssystem reformiert.
Und zwar zugunsten nicht etwa wie in früheren Zeiten der Freunde, der
„Klaren“, der „bachelors“ des Marxismus, sondern zugunsten der
besten Werktätigen, der an der Spitze der Revolution mit tagtäglicher
Arbeit sich bewährt habenden Menschen, die mit ihrer Begeisterung und
ihrem Geist der Aufopferung die höchsten Eigenschaften als Mitglied der führenden
Partei aufweisen. Dementsprechend sind alle Kriterien geändert worden und
beginnt eine neue Etappe der Stärkung der Partei und der Methoden. Es öffnet
sich uns ein breiter und leuchtender Weg des sozialistischen Aufbaus, in
welchem der Partei die Führungsaufgabe zukommt. Diese Funktion wird nicht
mechanisch und bürokratisch sein, die der Kontrolle nicht engstirnig und
sektiererisch, die des Führens nicht im Ausführen lassen bestehen, die
der zu befolgenden Weisung nicht eine verbale Äusserung, sondern ein
lebendiges Beispiel bilden, - sie wird nicht die des Privilegs der Ideen
oder auf die vergangene Geschichte sein. Die Partei der Zukunft wird eng
verbunden mit den Massen sein und von ihnen die grossen Ideen beziehen,
die danach in konkrete Direktiven übersetzt werden. Eine Partei, die
streng ihre Disziplin gemäss dem demokratischen Zentralismus anwendet und
gleichzeitig, wo immer es sie gibt, die Diskussion, die offene Kritik und
Selbstkritik für die ständige Verbesserung der Arbeit nutzt. Sie wird in
dieser Etappe eine Kaderpartei sein, eine Partei der Besten. Und diese müssen
ihre dynamische Aufgabe im Kontakt mit dem Volk erfüllen, die Erfahrungen
zu den höheren Ebenen übermitteln, den Massen die konkreten Direktiven
übermitteln und bei ihnen sich an der Spitze in Marsch setzen. Die Ersten
beim Lernen, die Ersten bei der Arbeit, die Ersten in der revolutionären
Begeisterung, die Ersten in der Aufopferung. In jedem Moment die Besten,
die Reinsten, die Menschlichsten im Vergleich mit all den Anderen, - so müssen
die Kader unserer Partei sein.
Dabei
muss immer daran erinnert werden, dass der Marxist keine automatisch und
fanatisch geführte Maschine ist, wie ein Torpedo, mittels eines
Bedienmechanismus auf ein bestimmtes Ziel. Diesem Problem widmet sich
Fidel ganz ausführlich in einer seiner Reden: „Wer hat gesagt, der
Marxismus sei die Abkehr von allen menschlichen Gefühlen, gegen
Freundschaftspflege, gegen die Liebe zum Genossen, gegen die Achtung des
Genossen, gegen die Ansicht des Genossen? Wer hat gesagt, dass der
Marxismus keine Seele hat, keine Gefühle hat? Aber ganz konkret war es
die Liebe zum Menschen, die den Marxismus hervorbrachte. Es war die Liebe
zum Menschen, zur Menschheit. Der Wunsch, die Entsagung des Proletariats
zu bekämpfen. Der Wunsch, das Elend zu bekämpfen, die Ungerechtigkeit zu
bekämpfen, die Qual und all die vom Proletariat erlittene Ausbeutung zu
bekämpfen. Dies brachte aus dem Geist von Karl Marx den Marxismus hervor,
als konkret der Marxismus entstehen konnte, als konkret eine reale Möglichkeit
und mehr als eine reale Möglichkeit entstehen konnte: die historische
Notwendigkeit der gesellschaftlichen Revolution, deren Interpret Karl Marx
wurde. Aber: Was machte ihn zu jenem Interpreten, wenn nicht die Fülle
menschlicher Gefühle von Menschen wie ihm, wie Engels, wie Lenin?“
Diese
Wertschätztung von Fidel ist grundlegend für das Mitglied der neuen
Partei. Erinnert euch ihr immer, Genossen! Vergrabt sie im Gedächtnis als
wirksamste Waffe gegen die Abweichungen. Der Marxist muss der Beste sein,
der Fähigste, der Kompletteste der Menschen. Aber immer und über allen
anderen Dingen muss er ein Mensch sein. Ein Mitglied einer Partei, die
lebt und vibriert im Kontakt mit den Massen. Ein Wegaufzeiger, der
zuweilen die geheimsten Wünsche der Massen in konkrete Direktiven überträgt.
Ein unermüdlcher Arbeiter, der alles seinem Volke hingibt. Ein Arbeiter
mit Leiden, der seine Ruhestunden hingibt, seine persönliche
Behaglichkeit, seine Familie oder sein Leben an die Revolution, sich aber
niemals befremdet gegenüber der Wärme des menschlichen Kontaktes verhält.
Auf
internationalem Gebiet wird unsere Partei sehr wichtige Verpflichtungen übernehmen.
Als erstes sozialistisches Land Amerikas Beispiels zu geben, dem andere Länder
folgen wollen. Eine lebende Erfahrung zu sein, aus der die anderen
Bruderparteien schöpfen können. Eine lebendige, wiederholte und sich verändernde
Erfahrung zu sein, die im Lichte der öffentlichen Erkenntnis all ihre
Erfolge und Fehler aufzeigt. Dergestalt ist ihr Beispiel mehr ein Lehrstück
und hat nicht das Bestreben, über anderen zu stehen nur wegen der
Berufung für die Sache des Marxismus-Leninismus, sondern in den
Volksmassen Amerikas zu stehen.
Die
2. Deklaration von Havanna ist ein Leitfaden für das Proletariat, die
Bauernschaft und die revolutionären Intellektuellen Amerikas. Unsere
eigene Haltung wird ständiger Leitfaden sein. Wir müssen würdig dieses
Platzes sein, den wir haben. Wir müssen tagtäglich arbeiten und an unser
Amerika denken, und immer mehr die Grundlagen unseres Staates stärken,
seine wirtschaftliche Organisation und seine politische Entwicklung. Damit
wir auch gleichzeitig uns selbst intern übertreffen und immer mehr die Völker
unseres Amerikas von der praktischen Möglichkeit des Beschreitens des
sozialistischen Entwicklungswegs überzeugen, in der gegenwärtigen Etappe
des internationalen Kräfteverhältnisses.
All
dies ohne dass wir vergessen, dass unsere emotionale Fähigkeit gegenüber
den Ausschreitungen der Aggressoren und den Leiden der Völker nicht
begrenzt sein kann auf den Rahmen Amerikas, auch nicht auf den Rahmen
Amerikas und der sozialistischen Länder. Wir müssen den wahrhaftigen
proletarischen Internationalismus praktizieren und als eigenen Affront
jede Aggression, jeden Affront, jede Handlung gegen die Würde des
Menschen, gegen sein Glück an jedem Ort der Welt aufnehmen in uns. Wir
Mitglieder der neuen Partei in einer neuen befreiten Region der Welt und
in neuen Situationen müssen immer dasselbe Banner der menschlichen Würde
hochhalten, welches unser Martí hochhielt, der Leitfigur vieler
Generationen ist. Der heute unter uns ist mit seiner immerwährenden
Frische in der Realität Kubas: „Jeder wirkliche Mensch muss auf seiner
Backe den Schlag spüren, welcher auf irgendeine Backe irgendeines
Menschen ausgeführt worden ist.“
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Hervorhebung
durch Unterstreichen durch die Genossen der Redaktion von Tribuna Popular,
der Zeitung der KP Venezuelas, am 26.07.2007
*
Sozialistische Volkspartei (PSP), dies war die kleine Partei aus Zirkeln
der wenigen marxistischen Intellektuellen Kubas
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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Kann
Hugo Chávez Frías mit der einheimischen Bourgeoisie einen
venezolanischen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ als Sozialismus
aufbauen?
Von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel/1. August 2007
Comandante
Hugo Chávez Frías überrascht immer wieder mit Äußerungen, die von den
Kommunisten Venezuelas nicht unwidersprochen stehengelassen werden können.
Er tut den Marxismus-Leninismus als alten Hut ab, der historisch
gescheitert sei, und lehnt sich an den „Sozialismus des 21.
Jahrhunderts“ an. Derzeit verkündete er auch ein „strategisches Bündnis
zwischen Staatseigentum und Privateigentum“ (1)
zugunsten der Sicherung des Gemeinwohls. Auch die historische
Mission der Arbeiterklasse als des gesellschaftlichen revolutionären
Subjekts lehnt er ab und gibt diesbezüglich schlicht Meinungsunterschiede
mit Fidel Castro in der venezolanischen Öffentlichkeit zu. Wie sind diese
Äußerungen zu bewerten? Outet sich der im venezolanischen Volke und darüber
hinaus bei den Völkern insbesondere Lateinamerikas beliebte Comandante
als Antikommunist? Hängt er dem trotzkistischen deutschen Prof. Dieterich
und dessen kleinbürgerlichen Konzept vom „Sozialismus des 21.
Jahrhunderts“ (2) an?
Für
die Kommunisten Venezuelas ist klar, dass Venezuela derzeit einen Prozess
der nationalen Befreiung, aber noch keinen Aufbau des Sozialismus erlebt,
auch wenn der Comandante dieses Ziel verfolgt (3). Wie nun bewerten
Kommunisten eine in Gründung befindliche Sozialistische Einheitspartei
Venezuelas (PSUV) mit fast 6 Millionen Bewerbern um die Mitgliedschaft
(bei 26 Mio Einwohnern!!!), der der Comandante als maßgeblichster
Sozialist die Abkehr vom Marxismus-Leninismus vorschreibt? Die KP
Venezuelas hat immerhin einige ihrer besten Fachkader in die PSUV entsandt
und unterstützt bisher und auch weiterhin den Comandante vorbehaltlos.
Sie begrüßt es sehr, dass sich die antiimperialistisch-demokratischen Kräfte
in der neu sich formierenden Massenpartei PSUV sammeln können. Wie
zwischen guten Freunden üblich, schreckt die KP Venezuelas bei all dem
auch nicht vor sachlicher und deutlicher inhaltlicher Entgegnung auf die
og. Postulate des Comandante zurück.
Es
kann „eine Revolution nur das Werk der Massen selbst sein“, so
Friedrich Engels (4). Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der
gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit
dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was
sie mit Leib und Leben eintreten (...) Damit die Massen aber verstehen,
was zu tun ist, dazu bedarf es langer, ausdauernder Arbeit, und diese
Arbeit ist es gerade, die wir jetzt betreiben, und das mit einem Erfolg,
der die Gegner zur Verzweiflung bringt.“ (5)
Im
Mittelpunkt des revolutionären Prozesses steht die Arbeiterklasse. W. I.
Lenin nannte die „Klärung der weltgeschichtlichen Rolle des
Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft“ das
Wichtigste in der Marxschen Lehre (6). Bürgerliche und
rechtsopportunistische Auffassungen halten diese Erkenntnis für eine
Mythologisierung der Arbeiterklasse, deren revolutionäre Rolle aber
nichts Mythisches an sich hat. (7). Folgerichtig sehen auch die
Kommunisten Venezuelas in der Arbeiterklasse die Vorhut des revolutionären
Prozesses in jeder Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus.
Kubas
Erfahrung zeigte nun aber bereits, dass unter bestimmten Bedingungen
nichtproletarische Kräfte an die Spitze des revolutionären Kampfes
treten können. Schon Arismendi betonte in den 70er Jahren, dass andere
poliische Kreise der revolutionären Avantgarde zuvorkommen können, wobei
belanglos sei, ob dies mit der geringen zahlenmäßigen Stärke der Partei
der Arbeiterklasse oder mit der Uneinigkeit der revolutionären Hauptkräfte
zu tun hat (8). Lenin lehrte dazu: „Ohne die Einheit der Arbeiterklasse,
kann ihr Kampf keinen Erfolg haben.“ (9) Die venezolanische
Arbeiterklasse ist gegenwärtig keinesfalls geeint, sondern in
verschiedenen Gewerkschaften organisiert. Mit einer Bewerberzahl von fast
6 Millionen befinden sich derzeit viele Arbeiter unter der begeisterten
Anhängerschaft des Präsidenten Chávez und organisiert sich das
Proletariat derzeit nicht vornehmlich in der marxistisch-leninistischen KP
Venezuelas, auch wenn die venezolanischen Kommunisten zweifellos über ein
hohes und derzeit weiter wachsendes Ansehen in der Arbeiterbewegung des
Landes verfügen. Dies unterscheidet sie von der einstigen Sozialistischen
Volkspartei (SVP), den Kommunisten Kubas zur Zeit der dortigen bewaffneten
antiimperialistisch-demokratischen Volksrevolution, welche vornehmlich aus
wenigen Bildungszirkeln von Studenten bestanden. Auch ist die
venezolanische KP eine sehr kämpferische leninistische Partei, welche
Hauptkraft einer Guerrillabewegung in den 60er Jahren war, jahrzehntelange
Illegalität und blutige Verfolgung dank ihrer Verwurzelung im Volke überstanden
hat und heute auch beim Comandante sehr wohl eine gewisse Hochachtung
genießt. Die Gleichsetzung der SVP Kubas mit der KP Venezuelas, wie der
Ex-DDR-Botschafter in Venezuela sie im aktuellen „Rotfuchs“ vornimmt
(10), wird der KP Venezuelas nicht gerecht. Denn natürlich geht es der KP
Venezuelas darum, den wissenschaftlichen Sozialismus als
revolutionstheoretische Grundlage jeglichem diffusen kleinbürgerlichen
„Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ gegenüberzustellen und die für
den erfolgreichen Aufbau des Sozialsmus notwendige Hegemonie der
Arbeiterklasse durchzusetzen. Und es geht auch nicht darum, wie Otto
Pfeiffer in falschem Analogschluss zu Kubas Entwicklung seinerzeit
formuliert, dass der Comandante auf eine ihm nachtrabende KP Venezuelas
„warten“ solle, wo doch die KP Venezuelas im Juli 2006 ein klares auf
sozialistische Revolution gerichtetes marxistisch-leninistisches Programm
vorgelegt hat (11).
Hugo
Chávez Frías favorisiert derzeit nichtproletarische, kleinbürgerliche
Kräfte an der Spitze der revolutionären Massenbewegung. Wie er ja auch
neben Arbeitern die Mittelschichten und die einheimische Bourgeoisie
eingeladen hat, Mitglied der PSUV zu werden (12). Dies manifestiert sich
in seinen jüngsten Äußerungen mit ihrem klar rechtsopportunistischen
Inhalt.
Was
nicht heißt, dieser großartige Antiimperialist würde sich nicht eines
Tages neuen Erkenntnissen beugen und seine Position ändern, wie es ja vor
ihm schon etliche revolutionäre Demokraten taten. In seinem Aufruf zur
Bildung der PSUV vom 15. Dezember 2006 findet sich auch sein Bekenntnis
zum wissenschaftlichen Sozialismus in Absage an den utopischen Sozialismus
(13). Diese Widersprüche werden den Comandante auch in seiner
Grundposition des revolutionären Demokraten, des prinzipienfesten
Humanisten und des für sein Volk ehrlich sich aufopfernden Präsidenten
zwingend weiterentwickeln. Der Comandante wird sehen, wie weit oder wie
unweit er mit seinen Avancen an auch den Marxismus-Leninismus ablehnende
Kreise der einheimischen Bourgeoisie beim Festigen der Basis für einen Übergang
zur sozialistischen Gesellschaft kommen wird. Wohin ein „strategisches Bündnis
zwischen Staatseigentum und Privateigentum“ letztlich führen muss, was
er sich da für Grenzen selbst setzt. Die er andererseits auch wieder wird
überwinden können, wie unterstrichen werden muss. Wir
Marxisten-Leninisten verteufeln kein Privateigentum, wie es manche
Linksradikale tun. Wir Marxisten-Leninisten sind durchaus zu taktischen Bündnissen
mit bürgerlichen Kräften, mit den Mittelschichten, mit kleinen und
mittleren Privateigentümern von Produktionsmitteln und zuweilen gar der
binnenmarktorientierten einheimischen Großbourgeoisie unter Berücksichtigung
des jeweiligen konkreten gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses fähig
und bereit, - jedoch handelt es sich dabei stets und grundsätzlich um Bündnisse
taktischer Natur, nicht strategischer!
Der
Comandante hat bereits zwei Bewegungen bzw. Parteien (MBR-200 mit unter
tausend Mitgliedern, MVR 1997-2007, zuletzt tausende Mitglieder)
verschlissen, die jeweils aus seiner Anhängerschaft bestanden
haben. Für die bis Jahresende 2007 in der Gründungsphase befindliche
PSUV forderte er, dass sie die stärkste demokratischste revolutionärste
Massenpartei in der Geschichte Venezuelas sein müsse (14). Die
Programmdebatte der in der Tat massiv sich formierenden Partei findet
gegenwärtig statt, bis Jahresende sollen dann auch die Mitgliedschaften für
die Bewerber geklärt sein. Da nun aber der Comandante mit seiner Absage
an den Marxismus-Leninismus inhaltliche Vorgaben schon zu Beginn der
Programmdebatten in der PSUV macht, sieht die KP Venezuelas zu recht sehr
skeptisch, dass die PSUV zur demokratischsten und revolutionärsten Partei
in der Geschichte Venezuelas werden könne. Gemessen an ihren Taten in den
Jahrzehnten ihres Bestehens kann allein die KP Venezuelas diesen Anspruch
sehr zu recht für sich selbst reklamieren, ohne dies vordergründig in
der venezolanischen Öffentlichkeit vollmundig zu tun. Dabei gehen die
venezolanischen Kommunisten geschickt in die öffentliche inhaltliche
Debatte der sich in der PSUV sammelnden Anhänger einer sozialistischen
Revolution.
So
veröffentlichten sie beispielsweise einen von Ernesto Che Guevara
verfassten Text in der KP-Zeitung Tribuna Popular, in welchem sich Che
Guevara ausdrücklich zum Marxismus-Leninismus bekennt und schildert, wie
Fidel Castro zum Kommunisten geworden ist (15). Wird es vom Revolutionsführer
Hugo Chávez beeindruckte Menschen unbeeindruckt lassen, dass es dermaßen
große Widersprüche zwischen politischen Grundaussagen von Ernesto Che
Guevara und Hugo Chávez derzeit gibt? Immerhin spielt sich die
inhaltliche Debatte in Lateinamerika ab, und immerhin geht es bei vielen
PSUV-Anhängern und den Kommunisten gleichermaßen um den Anspruch,
revolutionäre Führungsrollen im Kampf für eine sozialistische
Gesellschaft innezuhaben und jetzt einzunehmen. Diese recht
freundschaftlich und im de facto strategisch zu nennenden Bündnis geführte
inhaltliche Auseinandersetzung zwischen dem Comandante und der KP
Venezuelas kann die Erkenntnisprozesse innerhalb der revolutionären
Arbeiter- und Volksbewegung, auch in der PSUV, auch die des Revolutionsführers
Hugo Chávez selbst nur voranbringen.
Die
KP Venezuelas ist und bleibt die Partei der Arbeiterklasse, des revolutionären
Subjekts im Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit. Sie unterstützt
jedes weitere Herankommen an die sozialistische Revolution und analysiert
genau, ob die revolutionäre Situation entsprechend den Leninschen
Kriterien bereits besteht, inwieweit die Arbeiterklasse reif genug für
die Übernahme der führenden Rolle an der Spitze der politisch immer
aktiver werdenden Volksmassen ist, wie sich die Kommunisten konkret unter
den Bedingungen vor Ort zu positionieren und einzubringen haben. Sie übt
keinerlei ideologische Wächterrolle aus, sondern beweist sich als das,
was Kommunisten im besten Marxschen und Leninschen Sinne sind: der
bewusste und organisierte Vortrupp, die höchste Form der Organisation der
revolutionärsten Klasse in der Geschichte, der Arbeiterklasse, deren
theoretische Grundlage der Marxismus-Leninismus ist (16).
Jens-Torsten
Bohlke, Brüssel
(1)
Chávez: Propondrán Alianza Estratégica entre el Estado y sector Privado,
siehe http://www.tribuna-popular.org/
(2)
Arnold Schölzel, Sozialismus des 21. Jahrhunderts«. Welche Bedeutung
haben Erfahrungen sozialistischer Länder? Ein Gespräch mit Heinz
Dieterich, in: „junge Welt“ 11.11.2006
(3)
Lenin Sevilla vom Zentralrat der Kommunistischen Jugend Venezuelas (JVC)
am 10.07.2007, siehe redglobe http://www.redglobe.de/
(4)
Friedrich Engels, Einleitung zu Karl Marx' Klassenkämpfe in Frankreich
1848 bis 1850, in: MEW Bd. 22, Berlin 1963, S. 523
(5)
ebda.
(6)
W.I. Lenin, Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx, in:
Lenin, W.I., Marx, Engels, Marxismus, Moskau 1947, S. 60
(7)
Philosophisches Wörterbuch, G. Klaus und M. Buhr, Leipzig 1974, S. 116f
(8)
W.W. Sagladin, Die kommunistische Weltbewegung. Abriss der Strategie und
Taktik., Berlin 1973, S. 173f
(9)
W.I. Lenin, Entwurf einer Plattform zum IV. Parteitag der Sozialdemokratie
Lettlands, in: Werke, Bd. 19, S. 95
(10)
„Rotfuchs“ Nr. 115, August 2007, S.29/30
(11)
zu finden hier: http://www.tribuna-popular.org/tribuna-popular.org/Linea_Política_2006.pdf
(12)
Hugo Chávez, el discurso de la unidad, in: Ediciones Socialismo del Siglo
XXI, Nr. 1 Jan. 2007, Caracas, S. 21
(13)
ebda., S. 46
(14)
ebda. S. 30
(15)
Ernesto Che Guevara, Vorwort zum Buch El partido marxista-leninista,
Havanna 1963, http://www.tribuna-popular.org
auf deutscch: mehr
(16)
Philosophisches Wörterbuch, a.a.O. S. 915
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„Sozialismus
im 21. Jahrhundert“
und/bzw.
(nationales) „Petroles
de Venezuela“
Anmerkungen
von Reinhold Schramm/3. August 2007:
British
Petroleum (BP) steht in wirtschaftlicher Verbindung mit der Accel
Energy AG. Die Accel Energy AG verweist in ihrer
Selbstdarstellung auf „exzellente politische und wirtschaftliche
Kontakte in China, den USA sowie im Mittleren und Nahen Osten.“
Die Accel Energy AG verweist auf ihre „Peer - Group“ und führt die
Unternehmen auf – so auch Petroles de Venezuela. In
ihrer Liste befinden sich die Unternehmen: „Petroleum de Venezuela,
Royal Dutch/Shell, BP, Marothon Oil, Valero Energy, Exxon Mobil, Colas,
CRH, APAC, GAF, Saint - Gobain, Owens Corning, CITGO Petroleum, Chevron,
Olof castle, Valoon Materials, Sem Materials, Certais Teed, ELKCorp, TAMKO,
Johns Manville und die IKO Group.“ Die Accel Energy AG ist nur eine
wirtschaftliche Institution der weltweit tätigen Energiekonzerne und
Monopolunternehmen.
In
ihren ökonomischen, politischen, geopolitischen und militärischen
Interessen bilden sie zusammen mit beauftragten Regierungen (weltweit) ein
Konglomerat gemeinsamer Abwehr- und Durchsetzungs-Interessen.
Die
Administrationen der Energieunternehmen handeln im Auftrag der weltweiten
privaten und staatlichen Eigentümer: Aktionäre und Hauptaktionäre (-Banken,
-Beteiligungen und deren Eigentümer etc.).
In
ihrem Interessengeflecht (u.a. Energie- und Rüstungsindustrie) bestimmen
diese Unternehmungen (Unternehmens-Administrationen) in Übereinstimmung
mit ihren beauftragten staatlichen Administrationen auch entscheidend die
jeweilige Regierungspolitik und damit auch den Einsatz militärischer
Gewalt (weltweit).
Die
Kommunistische Partei Venezuelas, Hugo Chàvez Frias und vor allem die
werktätige Bevölkerung Venezuelas, hat nicht nur den Widerstand der
nationalen Kollaborateure, Aristokraten, Teile des Militärs und die
(gesamte) nationale Bourgeoisie und deren Medien (einschließlich die
nationale und internationale Kirchenführung – Vatikan, etc.) gegen
sich – und diesen möglichen (gewaltsamen) Widerstand auch
gegebenenfalls mit Gewalt zu brechen!
Von
der Ernsthaftigkeit der Absicht und Durchführung der gesellschaftlichen Umwälzung,
für den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, nicht nur in Mittel- und
Südamerika, ist auch der Widerstand des (internationalen) Kapitals,
einschließlich aller militärischen Vernichtungsoptionen, abhängig.
Diese
Gefahren sind den Kommunisten Venezuelas, den nationalen und
internationalen Bündnispartnern und (zeitweiligen) populistischen Führern bekannt.
Auch hiervon wird deren taktisches und strategisches Handeln und auch
deren subjektive Absicht, Ausdauer und Beharrlichkeit, bestimmt.
Die
Gefahren sind den unmittelbaren Akteuren in den jeweiligen amerikanischen Regionen
und auch Hugo Chávez Frias bekannt!
Reinhold
Schramm |