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„In
unserem Land können die zur direkten
Alkoholerzeugung (für
Treibstoff, Red. K-online)
verwendeten Ländereien viel nützlicher zur
Nahrungsmittelherstellung für die Bevölkerung und für den
Umweltschutz genutzt werden.“ |
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Fidel
Castro und sein Bruder Raul |
Mehr
als drei Milliarden Menschen auf der Welt durch verhungern und Verdursten
vorzeitig zum Tode verurteilt
Kommentar
über die Zusammenkunft von Präsident Bush mit den wichtigsten Führungskräften
von US-amerikanischen Automobilgesellschaften
Von
Fidel Castro vom 28. März 2007
|
Mehr
als drei Milliarden Menschen auf der Welt durch verhungern und Verdursten
vorzeitig zum Tode verurteilt
Kommentar
über die Zusammenkunft von Präsident Bush mit den wichtigsten Führungskräften
von US-amerikanischen Automobilgesellschaften
Von
Fidel Castro vom 28. März 2007
Das
ist keine übertriebene Zahl, eher eine vorsichtige. Ich habe viel darüber
nachgedacht seit dem Treffen von Präsident Bush mit den US-amerikanischen
Automobilherstellern.
Die
unheilvolle Idee, die Nahrungsmittel in Kraftstoff zu verwandeln, wurde am
vergangenen Montag, dem 26. März, endgültig als Wirtschaftsleitlinie der
Außenpolitik der Vereinigten Staaten festgelegt.
Eine
Kabelnachricht der AP, einer US-amerikanischen Nachrichtenagentur, die
alle Winkel der Welt erreicht, lautet wörtlich wie folgt:
„WASHINGTON,
26. März (AP). Während einer Zusammenkunft mit Automobilherstellern, bei
der den Plänen für Alternativkraftstoffe Impulse verliehen werden
sollten, lobte Präsident Bush am Montag die Vorteile der Autos, die mit
Äthanol und Biokraftstoff betrieben werden.“
Bush
sagte, dass eine Übereinkunft der führenden einheimischen
Automobilhersteller darüber, ihre Produktion der mit
Alternativkraftstoffen betriebenen Fahrzeuge zu verdoppeln, helfen würde,
dass die Autofahrer von den Benzinmotoren abkommen und sich damit die Abhängigkeit
des Landes vom importierten Erdöl vermindern würde.
„,
Das ist ein großer technologischer Fortschritt für das Land´, sagte
Bush, nachdem er drei mit Alternativkraftstoffen betriebene Autos
angeschaut hatte. Damit der Benzinverbrauch der Nation gesenkt werden
kann, muss der Verbraucher die Möglichkeit haben, eine rationelle
Entscheidung zu treffen.
„Der
Präsident drängte das Repräsentantenhaus, jene von der Regierung
kürzlich vorgelegte Gesetzesvorlagen schnell zu verabschieden, die bis
zum Jahr 2017 die Verwendung von 132 Milliarden Litern (35 Milliarden
Gallonen) Alternativkraftstoffe anordnen und strengere Standards zur
Kraftstoffeinsparung bei Autos auferlegen.
„Bush
hatte ein Treffen mit dem Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektor der
General Motors Corp, Rich Wagoner; dem Generaldirektor der Ford Motor Co.,
Alan Mulally und dem Generaldirektor der Gruppe Chrysler der Daimler
Chrysler AG, Tom LaSorda.
„Die
Teilnehmer der Zusammenkunft diskutierten über Maßnahmen zur Unterstützung
der Herstellung von Alternativkraftstoff-Autos, Versuche zur Äthanolherstellung
ausgehend von solchen Quellen wie Rasen oder Sägemehl und einen Antrag
zur Verminderung des Benzinverbrauchs um 20% in zehn Jahren.
„Diese
Diskussionen fanden zu einem Zeitpunkt statt, wo die Benzinpreise
gestiegen sind. Eine kürzliche Studie der Organisation Lundberg Survey
zeigte auf, dass der einheimische Durchschnittspreis für Benzin in den
letzten zwei Wochen um 6 Cent pro Gallone (3,78 Liter) gestiegen ist, und
zwar auf 2,61Dollar.“
Ich
meine, dass die Verminderung und außerdem das Recycling aller Strom und
Kraftstoff verbrauchenden Motoren eine elementare und dringliche
Notwendigkeit der Menschheit insgesamt ist. Die Tragödie besteht nicht
darin, diesen Energieverbrauch zu senken, sondern in der Idee, die
Nahrungsmittel in Kraftstoff zu verwandeln.
Jetzt
ist schon genau bekannt, dass eine Tonne Mais im Durchschnitt nur 413
Liter Äthanol (in Abhängigkeit der Dichtewerte) erzeugen kann, das
entspricht 109 Gallonen.
Der
Durchschnittspreis von Mais ab US-amerikanischen Häfen beträgt 167
Dollar pro Tonne, sodass 320 Millionen Tonnen Mais benötigt werden, um 35
Milliarden Gallonen Äthanol zu erzeugen.
Angaben
der FAO zufolge betrug die Maisernte von 2005 in den Vereinigten Staaten
280,2 Millionen Tonnen.
Obwohl
der Präsident davon spricht, Kraftstoff ausgehend von Rasen oder Sägemehl
zu erzeugen, kann jedermann begreifen, dass diese Worte absolut
wirklichkeitsfremd sind. Man muss das verinnerlichen: 35 Milliarden
Gallonen, das sind eine 35 und anschließend neun Nullen!
Dann
werden wunderschöne Beispiele darüber angeführt, was die erfahrenen und
gut organisierten Landwirte in den Vereinigten Staaten als Produktivität
pro Person und pro Hektar erreichen: der Mais in Äthanol verwandelt; die
Rückstände von diesem Mais in Viehfutter mit 26% Protein verwandelt, die
Exkremente der Tiere als Rohstoff zur Gaserzeugung verwendet. Natürlich
wird alles das nach reichlichen Investitionen erreicht, die nur den mächtigsten
Unternehmen möglich sind, bei denen sich alles um den Strom- und
Kraftstoffverbrauch drehen muss. Wendet man dieses Rezept in den Ländern
der Dritten Welt an, sieht man wie viele Menschen unter den Hunger
leidenden Massen unseres Planeten dann keinen Mais mehr essen können.
Oder noch schlimmer: Wenn man den armen Ländern Finanzierung zur Äthanolherstellung
aus Mais oder jeglichem anderen Nahrungsmittel verleiht, dann wird kein
Baum übrig bleiben, um die Menschheit vor dem Klimawechsel zu schützen.
Andere
der reichen Länder der Welt haben vorgesehen, nicht nur Mais, sondern
auch Weizen, Sonnenblumenkerne, Rapssamen und andere Nahrungsmittel zur
Herstellung von Kraftstoff zu verwenden. Für die Europäer wäre es zum
Beispiel ein gutes Geschäft, alle Sojabohnen der Welt zu importieren, um
den Kraftstoffverbrauch ihrer Autos zu verringern und ihr Vieh mit den Rückständen
dieser Hülsenfrucht zu ernähren, die besonders reich an jeder Art
essenzieller Aminosäuren ist.
In
Kuba wurden die Alkoholarten als Nebenprodukte der Zuckerrohrindustrie
hergestellt, nachdem das Zuckerrohr dreimal ausgepresst wurde. Der
Klimawechsel schädigt schon unsere Zuckerproduktion. Große Dürreperioden
im Wechsel mit Rekordniederschlägen ermöglichen kaum eine
Zuckerproduktion mit ausreichendem Ertrag über einhundert Tage während
unseres sehr milden Winters, sodass aufgrund der langen Dürreperioden in
den Aussaat- und Anbaumonaten nicht genügend Zucker pro Tonne Zuckerrohr
erzeugt wird, oder nicht genügend Zuckerrohr pro Hektar.
Soweit
ich weiß, wird der Alkohol in Venezuela nicht zur Ausfuhr bestimmt sein,
sondern um die Umwelteigenschaften ihres eigenen Kraftstoffs zu
verbessern. Deshalb, und unabhängig von der vorhandenen ausgezeichneten
brasilianischen Technologie zur Alkoholherstellung, stellt für Kuba die
Anwendung einer Technologie zur Alkoholherstellung direkt aus dem
Zuckerrohrsaft nur einen Traum dar oder einen Fieberwahn derjenigen, die
sich mit dieser Idee falsche Hoffnungen machen. In unserem Land können
die zur direkten Alkoholerzeugung verwendeten Ländereien viel nützlicher
zur Nahrungsmittelherstellung für die Bevölkerung und für den
Umweltschutz genutzt werden.
Alle
Länder auf der Welt, reiche und arme ohne jegliche Ausnahme, könnten
allein durch das Auswechseln aller Glühbirnen durch Leuchtstofflampen
Abermillionen Dollar an Investitionen und Kraftstoff sparen, was Kuba in
allen Haushalten des Landes getan hat. Das würde eine Atempause bedeuten,
um dem Klimawechsel standzuhalten ohne die armen Bevölkerungsmassen der
Welt an Hunger sterben zu lassen.
Wie
man beobachten kann, habe ich keine Adjektive verwendet, um das System und
die Beherrscher der Welt zu beurteilen. Die pflichtbewussten
Informationsexperten und Vertreter der sozioökonomischen und politischen
Wissenschaften verstehen es ausgezeichnet dieser Aufgabe nachzukommen. Sie
sind zahlreich auf der Welt und bohren ständig in der Gegenwart und
Zukunft unserer Gattung nach. Ein Computer und die steigende Anzahl von
Internet-Netzen ist ausreichend hierfür.
Heutzutage
kennen wir zum ersten Mal eine wirklich globalisierte Wirtschaft und eine
auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet dominierende
Macht, die dem Rom der Imperatoren überhaupt nicht ähnelt.
Manche
fragen sich, warum ich über Hunger und Durst spreche. Darauf antworte
ich: hierbei geht es nicht um die eine Kehrseite der Medaille, sondern um
mehrere Kehrseiten von etwas anderem, wie es zum Beispiel bei einem Würfel
mit sechs Seiten der Fall ist, oder bei einem Polieder mit vielen Seiten.
Ich greife in diesem Fall auf eine öffentliche Nachrichtenagentur
zurück, die 1945 gegründet wurde und im Allgemeinen gut über die
wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Welt informiert ist: die TELAM.
Sie lautet wörtlich wie folgt:
„Ungefähr
2 Milliarden Menschen werden in knapp 18 Jahren in Ländern und Regionen
leben, wo das Wasser nur noch eine entfernte Erinnerung darstellt. Es kann
sein, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung an Orten leben werden, wo die
Knappheit soziale und wirtschaftliche Spannungen solcher Größenordnung
hervorruft, dass es zu Kriegen um das geschätzte `blaue Gold` zwischen
den Völkern kommen könnte.
„Während
der letzten 100 Jahre wies der Wasserverbrauch eine zweimal größere
Wachstumsrate als das Bevölkerungswachstum auf.
„Im
Jahr 2015 wird gemäß Statistiken des Weltwasserrats (WWC in der
englischen Abkürzung) die von dieser schwerwiegenden Situation betroffene
Einwohnerzahl 3,5 Milliarden Menschen betragen.
„Die
Organisation der Vereinten Nationen hat am 23. März den Weltwassertag
begangen und dabei dazu aufgerufen, ab diesem Tag selbst der weltweiten
Wasserknappheit unter Koordinierung der Organisation der Vereinten
Nationen für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) zu begegnen, um die
wachsende Bedeutung der Wasserknappheit auf Weltebene hervorzuheben und
die Notwendigkeit von mehr Integration und Zusammenarbeit zu
unterstreichen, welche es ermöglichen, eine nachhaltige und effiziente
Verwaltung der Wasserressourcen zu garantieren.
„Viele
Gebiete des Planeten leiden an kritischer Wasserknappheit und müssen mit
weniger als 500 Kubikmetern pro Person jährlich auskommen. Immer mehr
Gebiete leiden an chronischem Mangel an diesem vitalen Element.
„Hauptsächliche
Folgen dieser Wasserknappheit sind die ungenügende Menge dieser kostbaren
Flüssigkeit zur Nahrungsmittelproduktion, die Unmöglichkeit der
industriellen, städtebaulichen, touristischen Entwicklung und
Gesundheitsprobleme.“
Soweit
die Kabelnachricht von TELAM. Ich
habe es in diesem Fall ausgelassen, weitere wichtige Tatsachen zu nennen,
wie die schmelzenden Eismassen von Grönland und der Antarktis, die Schäden
der Ozonschicht und die zunehmende Menge an Quecksilber in vielen
Fischarten, die gewöhnlich verzehrt werden.
Man
kann noch andere Themen behandeln, aber ich beabsichtige mit diesen Zeilen
nur, einen Kommentar über die Zusammenkunft von Präsidenten Bush mit den
wichtigsten Führungskräften von US-amerikanischen
Automobilgesellschaften zu machen.
28.
März 2007
Fidel
Castro |