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„Unsere
Einschätzung ist es, daß wir es da derzeit mit einer umfassend
liquidatorischen Plattform von 29 Thesen zu tun haben, die der
kommunistischen Weltbewegung vorgelegt worden sind und die
vollständige Revision der Grundsätze und revolutionären
Traditionen der kommunistischen Bewegung vorschlagen.“ |
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Der
Ultrarevisionist und Vorsitzender der KP der USA
Sam
Webb |
Mitteilung
der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) vom 13. April
2011
Standpunkt
der KKE zur Webb's Plattform und den Entwicklungen in der KP der
USA
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Auf
Kommunisten-online am 18. April 2011 |
Mitteilung
der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) vom 13. April 2011
Standpunkt
der KKE zur Webb's Plattform und den Entwicklungen in der KP der USA
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Auf
Kommunisten-online am 18. April 2011
An
die Mitglieder und Kader der Kommunistischen Partei der USA!
An
die in den USA kämpfenden Arbeiter!
An
die kommunistischen und Arbeiterparteien!
Liebe
Genossen,
im
Februar 2011 veröffentlichte der Vorsitzende der KP der USA, Sam Webb,
einen Artikel in der elektronischen Publikation der KP der USA „Political
Affairs“ unter dem Titel „Partei des Sozialismus im 21. Jahrhundert:
Wie sie aussieht, was das aussagt, und was es tut“. Auch wenn der
spezifische Artikel mit einer redaktionellen Anmerkung versehen ist,
welche behauptet „Der folgende Artikel vertritt die Ansichten allein
seines Verfassers. Er widerspiegelt nicht unbedingt die offiziellen
Auffassungen einer Organisation oder eines Kollektivs“, ist
offensichtlich für uns, daß der öffentlich vertretene Standpunkt des
Vorsitzenden einer Kommunistischen Partei bezüglich eines so wichtigen
Gegenstands besondere Beachtung erfordert.
Am
16. Februar erhielten wir einen Brief von der Redaktionsgruppe von
Political Affairs, mit welchem wir dazu eingeladen wurden, unsere
Meinung einzusenden.
Nach
dem Studium dieses Artikels und den Reaktionen, welche er in den Reihen
der Kommunisten in den USA wie auch weltweit hervorgerufen hat, hält
unsere Partei es für erforderlich, einen öffentlichen Standpunkt mit
diesem Brief zu beziehen, weil dies durch ihre Verantwortung als Teil
der kommunistischen Weltbewegung notwendig ist.
Unsere
Einschätzung ist es, daß wir es da derzeit mit einer umfassend
liquidatorischen Plattform von 29 Thesen zu tun haben, die der
kommunistischen Weltbewegung vorgelegt worden sind und die vollständige
Revision der Grundsätze und revolutionären Traditionen der
kommunistischen Bewegung vorschlagen.
Die
KKE als Teil der kommunistischen Weltbewegung hält die Zurückweisung
dieser Plattform für ihre Pflicht, denn diese Plattform stellt die
Notwendigkeit des Vorhandenseins einer Partei der Arbeiterklasse in den
USA in Frage und ist im allgemeinen gegen die revolutionäre und
antiimperialistische Bewegung im Weltmaßstab gerichtet. Der 18.
Parteitag unserer Partei hob hervor: „Der Kampf gegen
Sozialdemokratisierungstendenzen in Kommunistischen Parteien - durch die
Einmischung der imperialistischen Mechanismen, des Antikommunismus und
der bürgerlichen Medien - muß standhaft und konsequent durch das
Verteidigen der historischen Mission der Arbeiterklasse und ihrer
organsisierten Vorhut, der Grundsätze des Marxismus-Leninismus und des
Sozialismus bekämpft werden.
Diese Aufgabe gewinnt eine noch größere Bedeutung angesichts der
wachsenden antikommunistischen Offensive in der EU und im Weltmaßstab.“
Liebe
Genossen,
die
heute durch den Artikel des Vorsitzenden der KP der USA vorgestellte
Plattform bildet den Höhepunkt eines Kurses der „Anpassung“ in den
letzten Jahrzehnten, wie es der Verfasser selbst ausführt. Es hat
bereits solche Entwicklungen in diesem Zeitraum der Einmischung gegeben,
die Kommunisten in Griechenland wie in den USA und anderen Ländern mit
Sorge zur Kenntnis genommen haben. Und zwar:
-
Die Aushändigung der Archive der Partei an die Imperialisten, an den bürgerlichen
Staatsapparat der USA, im Jahr 2007;
-
Die Schließung der Druckausgabe der Parteizeitung People's Weekly World
und das Journal Political Affairs bei gleichzeitiger Änderung von
dessen Wesen;
-
Die organisatorische Schrumpfung und Verlegung der Partei;
-
Das politische „Andocken“ bei einer der beiden Säulen des bürgerlichen
politischen Systems der USA, sozusagen an die Demokratische Partei;
-
Die Haltung bezüglich der Bestrebungen des US-Imperialismus (z.B. Zurückweisung
der Forderung nach dem sofortigen Truppenabzug aus dem Irak);
-
Das Blockieren der Gemeinsamen Erklärung der Außerordentlichen
Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien in Damaskus, weil in
der Endfassung die Parteinahme für den Abzug der imperialistischen
Besatzungskräfte aus dem Irak stand;
Diese
Elemente verstärkten sich nach dem 29. Parteitag der KP der USA. Es war
kein Zufall, daß unmittelbar nach dem Parteitag ein Artikel auf
Political Affairs veröffentlicht wurde, welcher dazu aufrief, nicht nur
die Beibehaltung des Namens der Partei in Frage zu stellen, sondern auch
die Möglichkeit und gar die Notwendigkeit eines Vorhandenseins einer
Kommunistischen Partei in den USA heute in Frage stellte.
Heute
kommt die Webb Plattform als Höhepunkt dieses Kurses daher und
propagiert offen die Abkehr von der marxistisch-leninistischen
Weltanschauung, die Abschaffung des demokratischen Zentralismus und das
Unterlaufen der Grundsätze der Partei neuen Typus.
Wir
möchten Eure Aufmerksamkeit auf die folgenden grundlegenden Aspekte
dieser Plattform lenken:
-
ZUR FRAGE DER THEORIE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI
Die
Plattform schlägt die Ablösung unserer Theorie durch ein
eklektizistisches Sammelsurium vor, welches nicht über die Grenzen der
liberalen bürgerlichen Ideologie hinausgeht. Sie greift den
Marxismus-Leninismus direkt an, welcher eines der zentralen Gesetze des
Vorhandenseins und der Aktivität der Partei neuen Typus ist, wie es W.
I. Lenin ausführte: „Ohne revolutionäre Theorie kann es keine
revolutionäre Bewegung geben ... die Rolle der Avantgarde-Kämpfer kann
nur von einer Partei erfüllt werden, die von der fortgeschrittensten
Theorie geleitet wird.“ In dieser besonderen Plattform werden etliche
äußerst alte opportunistische Positionen als neu dargestellt (z.B. der
Marxismus-Leninismus ist fremd, undemokratisch, eine Verfälschung des
Marxismus durch Stalin, usw.). Dies sind Positionen, die die
Arbeiterbewegung entwaffnen und sie kapitulieren lassen, ohne
theoretisches Rüstzeug gegenüber den Klauen der Ausbeuterordnung.
-
ZUR FRAGE NACH DEM POLITISCHEN VORSCHLAG DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI
Die
Plattform vertritt die Ansicht, daß es Lösungen zugunsten der
Arbeiterklasse innerhalb des Rahmens des Kapitalismus geben kann. Auf
diese Weise befördert sie als alternative Lösung die Linie sogenannter
„grüner“ kapitalistischer Umstrukturierungen. Darüber hinaus hält
die Plattform die Charakterisierung der Krise als kapitalistische Überproduktionskrise
für unzureichend. Sie verfälscht das Wesen der Überakkumulation des
Kapitals, weil sie es in Verbindung bringt mit ... Einem Mangel an
Investitionsmöglichkeiten. Bei ihr heißt es bezeichnenderweise: „Außerhalb
eines Neuen Grünen Deals im Weltmaßstab ist schwer zu sehen, wo die
Dynamik für einen neuen langanhaltenden Aufschwung zu einem lang
anhaltenden Boomen der Wirtschaft derzeit herkommen soll.“
Diese
Sichtweisen graben sozialdemokratische und opportunistische Theorien über
die wirtschaftliche Rezession und Entwicklung wieder aus, welche den
Kapitalismus reinwaschen und sein Klassenwesen verbergen und die
Kommunistische Partei dahin führen, ihr strategisches Ziel aufzugeben
und politische Vorstellungen zu unterstützen, die das Erlangen von
neuen Extraprofiten durch die Kapitalisten im Namen der „Ökologie“
zur selben Zeit zu ihrem Ziel haben, wo die Kapitalisten die Natur und
den Naturreichtum zu Waren machen und den Planeten auf verschiedene
Weise zerstören.
-
DIE FRAGE DER SOZIALISTISCHEN PERSPEKTIVE
Die
Plattform verzichtet auf den Kampf für den Sozialismus. Der Begriff
Revolution fehlt völlig. Die Plattform schlägt einen endlosen Prozeß
von aufeinanderfolgenden Stufen vor, bei welchem die Bündnisse nicht
auf der Grundlage des Kriteriums der Epoche und der Klasseninteressen
der Arbeiterklasse gebildet werden. Webb schlägt vor, daran zu
arbeiten, daß „das Kräfteverhältnis sich in eine fortschrittliche
Richtung verschiebt“. Diese Auffassung verurteilt die Partei dazu,
sich selbst vorübergehenden Umständen zu unterwerfen und nicht mit
einer Strategie an der Überwindung des Kapitalismus durch die
Konzentration der Kräfte zu arbeiten.
Bei
all dem liegt für uns auf der Hand, daß die Taktiken der
Kommunistischen Partei ihrer Strategie dienen müssen, welche die Überwindung
des Kapitalismus und der Aufbau einer sozialistisch-kommunistischen
Gesellschaft ist. Die Position von Webb schafft in der Praxis das
strategische Ziel der Kommunistischen Partei ab und zielt letztendlich
darauf ab, das gesamte Wesen der Kommunistischen Partei abzuschütteln.
Der Sozialismus steht auf jeden Fall auf der Tagesordnung, und zwar seit
dem Zeitpunkt, seit welchem wir im Zeitalter des Imperialismus, der höchsten
und letzten Stufe des Kapitalismus leben. Die Aktualität und
Notwendigkeit des Sozialismus-Kommunismus wird von den Sackgassen des
Kapitalismus, den imperialistischen Kriegen, den Wirtschaftskrisen, den
gewaltigen sozialen, wirtschaftlichen, Umwelt- und anderen Problemen
veranschaulicht, welche die Kapitalistenklasse anwachsen läßt. Eine
Kommunistische Partei muß Taktiken und Bündnisse formen, die die
Konzentration der Kräfte, die Klasseneinheit der Arbeiterklasse und das
gesellschaftliche Bündnis mit den Schichten des Volkes mit dem Ziel
bewerkstelligen, den subjektiven Faktor für die Machteroberung durch
die Arbeiterklasse reifen zu lassen und dabei nicht in Bündnisse und
Stufen zu gehen, welche sie dazu führen, unter „fremder Flagge“ in
der Logik der Verwaltung des Kapitalismus zu kämpfen.
-
ZUR FRAGE DER VERFASSTHEIT DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI
Die
Webb-Plattform schlägt vor, sich jenseits der Kommunistischen Parteien
zu bewegen. Sie sagt: „Eine Partei des Sozialismus im 21. Jahrhundert
nimmt den Marxismus wahr und versteht ihn als eine breite theoretische
Tradition,die über die kommunistische Bewegung hinausreicht.“ Eine
Partei also, die nicht für die Interessen der Arbeiterklasse kämpft,
sondern „sie kämpft für die Interessen der gesamten Nation“.
Diese
Position leugnet die Notwendigkeit des Vorhandenseins der
Kommunistischen Partei in den USA und faktisch in der ganzen Welt. Die
KKE hatte es mit ähnlichen Ansichten zu tun, als sie in unserer Partei
vor 20 Jahren unter dem Einfluß von „Gorbatschowschen“ Theorien
aufkamen. Die Kommunisten Griechenlands kämpften hart für die
Erhaltung der KKE, für die Erhaltung und die Stärkung ihres revolutionären
internationalistischen Klassencharakters, um diese opportunistischen
Ansichten abzuwehren. Heute, 20 Jahre später, können die Kommunisten
nicht nur in Griechenland, sondern in der ganzen Welt die positiven
Ergebnisse beurteilen, welche am Ende dieses Kampfes für die KKE
standen. Die KKE war fähig, auf ihren Füßen zu stehen, teifgreifende
theoretische und politische Themen zu erarbeiten, ohne dabei von den
Grundsätzen des Marxismus-Leninismus abzuweichen. Sie nahm ihr neues
Parteiprogramm an und kam zu wichtigen Schlußfolgerungen über die
Ursachen für den Sturz des Sozialismus, wodurch sie ihre
Sozialismuskonzeption bereicherte. Sie hat bedeutende Initiativen für
die Einheit der kommunistischen Bewegung auf regionaler und
internationaler Ebene ergriffen. Sie hat ihre Verbindung mit der
Arbeiterklasse und den anderen Volksschichten verstärkt. Der Einfluß
ihrer Standpunkte und ihr Ansehen ist gestärkt worden, weil sie die führende
Rolle in der Umgruppierung und Entwicklung der klassenmäßig
ausgerichteten gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung und in den harten
Streikdemonstrationen der Arbeiter in unserem Land spielt.
Keines
von oben Genanntem würde erreicht worden sein, hätte der Opportunismus
vor 20 Jahren die Oberhand in der KKE gewonnen. Die KKE wäre auf dem
Weg der Auflösung niedergegangen, und die Arbeiter- und Volksbewegung hätte
ihren grundlegenden Stützpfeiler verloren.
-
ZUM IDEOLOGISCHEN KAMPF
Die
Webb-Plattform verzichtet auf den Kampf gegen die bürgerliche Ideologie
und den Opportunismus. Die von Webb beschriebene Partei gibt den
ideologischen Kampf auf. Er schreibt: „Eine Partei des Sozialismus im
21. Jahrhundert wird nicht zum Gegner für Liberale, Befürworter von
Identitätspolitik, einzelnen Initiativen und Bewegungen, zentristischen
und fortschrittlichen Anführern von größeren gesellschaftlichen
Organisationen, Sozialdemokraten, nichtprofitorientierten Gruppen vor
Ort, Nichtregierungsorganisationen, unzuverlässigen Verbündeten und
das 'Volk' (laut einigen eine klassenlose Kategorie, die die klassenmäßige
rassische und geschlechtliche Unterdrückung verbirgt,“
Aber
kann eine Kommunistische Partei die Arbeiterklasse und die anderen
Volksschichten ansprechen, wenn sie keine ideologische Front gegen
Ansichten aufmacht, die den Kapitalismus als den einzigen
Entwicklungsweg vorstellen, die einfach verschiedene Arten der
Verwaltung der Ausbeuterordnung unterstützen? Die Antwort der KKE
darauf lautet, daß die Entwicklung des Kampfes des Volkes ohne eine
feste und konsequente ideologische Frontstellung gegen die
unwissenschaftlichen bürgerlichen und opportunistischen Theorien unmöglich
ist. Dies ist besonders wahr unter den heutigen Bedingungen, wo die
Rolle der verschiedenen Nichtregierungsorganisationen klar geworden ist,
welche finanziell und auf andere Weise mit den imperialistischen
Organisationen verbunden sind. Unter den Bedingungen der
Sozialdemokratie an der Regierung ist in der Praxis demonstriert worden,
daß die Sozialdemokratie ein Stützpfeiler für die bürgerliche
politische Ordnung ist. Unter diesen Bedingungen müssen die Kommunisten
nicht nur nicht die ideologische Arbeit und den ideologischen Kampf
aufgeben, sondern sie müssen ihren Kampf gegen diese Kräfte sogar noch
weiter verstärken.
-
ORGANISATORISCHER OPPORTUNISMUS
Webb
lehnt die leninistische Organisation, die Organisation der Vorhut der
Arbeiterklasse ab, welche den Erfordernissen des Klassenkampfes für die
Abschaffung der Ausbeutung entspricht. Er lehnt die leninistische
Organisation ab, weil er den Kampf für den Sozialismus ablehnt und sich
auf die Seite der bürgerlichen Klasse für den Fortbestand des
Kapitalismus gestellt hat.
Und
auf diese Weise wird einem erfahrenen und mächtigen Staatsapparat laut
Webb durch eine „Partei“ begegnet, die sich nach einem
Organisationsgrundsatz mit einer Politik der offenen Tür für neue
Mitglieder auf das Internet gründet: „Beitreten sollte nicht
schwieriger sein als der Beitritt in andere gesellschaftliche
Organisationen“.
Daraus
können wir ersehen, daß Webb nicht nur die bewährten und geprüften
organisatorischen Grundsätze der Kommunistischen Partei neuen Typus
ablehnt, welche im Zeitalter Lenins begründet wurden, sondern daß er
die Idee einer Partei einer Art Nichtregierungsorganisation befördert,
die dem von ihm selbst vorgebrachten Inhalt entspricht und von der
Ausrichtung her eine in der bürgerlichen Ordnung verankerte
„Kommunistische Partei“ ist, die für das Heil und die
„Korrektur“ des Kapitalismus und nicht für seine Überwindung
arbeiten würde.
-
EINE PARTEI DER REVOLUTION ODER DER REFORM?
Reform
ist die Antwort von Webb auf diese fundamentale Frage, die vor hundert
Jahren gestellt wurde. Seine Ansicht bestreitet, daß die Partei die
Vorhut der Arbeiterklasse ist und ordnet ihr Handeln der untersten Stufe
des Klassenbewußtseins zu („Eine Partei des Sozialismus im 21.
Jahrhundert nimmt als ihren Ausgangspunkt die Themen, für die die
Massen (relativer Begriff) zu kämpfen bereit sind“). Natürlich wird
da eine reformistische Linie sowie die Vorrangigkeit der Einmischung in
die Einrichtungen des bürgerlichen Staates vorgebracht. Der Kampf für
Reformen innerhalb des Imperialismus wird nicht nur als ein
„Mittel“, sondern als Endziel für diese „neue Partei“ gefeiert.
Wann
hat der Weg des Reformierens der kapitalistischen Ordnung in
Wirklichkeit jemals zur Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch
den Menschen und zur Erfüllung der Erwartungen der Arbeiter geführt?
Das „Rezept“ der Reformen ist vom Volk durch etliche
sozialdemokratische und Mitte-Links-Regierung ausgetestet worden und hat
sich in der Praxis als Hauptträger für die Durchsetzung von gegen das
Volk und gegen die Arbeiter gerichteten Maßnahmen sowie Stützpfeiler für
die imperialistischen Organisationen und Kriege erwiesen.
-
MARXISMUS ... OHNE MARX
Webb
stellt das Klassenwesen der bürgerlichen Demokratie in Frage. Wenn er
schreibt: „Was ich gerade herausfordere, das ist die Vorstellung, daß
sich alles der Klasse und dem Klassenkampf unterordnet, ganz egal, was
die Umstände sind.“ Er stellt das Klassenwesen des bürgerlichen
Staates in Frage, welches in Worten die Diktatur der US-Monopole ist,
und er behauptet: „Daher ist das Wesen des Kampfes nicht einfach das
Volk gegen den Staat, sondern das Volk beim Gewinnen von Positionen und
Einfluß im Staat und dann ihrem Nutzen, um Veränderungen (innerhalb
und außerhalb des Staates) vorzunehmen“.
Das
ist ein alter opportunistischer Standpunkt, welchen Marx schon zu seiner
Zeit zurückgewiesen hatte, und der dann von der bankrotten
eurokommunistischen Strömung wiederbelebt worden war. Und allein dies würde
für uns genug sein, um zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß der
„Marxismus“, welcher als die theoretische Grundlage der „Partei
des 21. Jahrhunderts“ erwähnt wird, nichts mit Marx und seinem
theoretischen Beitrag zu tun hat, sondern auf seine vulgäre Verzerrung,
das Begraben der revolutionären Theorie und die Täuschung der Arbeiter
abzielt.
-
ILLUSIONEN ZUR ROLLE DER US-REGIERUNG UND DER MONOPOLE
Die
Webb-Plattform fördert Illusionen und arbeitet an der Unterordnung des
Volkes unter die Regierung der USA, welche sozusagen die führende
imperialistische Weltmacht ist: „Der Punkt ist nicht für die
US-Regierung, einfach in eine nationale Schale kriechen zu wollen,
sondern sich selbst in die Weltpolitik auf der Grundlage der
Zusammenarbeit, des Friedens, der Gleichheit und des gegenseitigen
Nutzens ... einzubringen“
Gleichzeitig
befördert die Webb-Plattform Illusionen hinsichtlich einer
„vermenschlichten“ Version der Monopole: „große Teile der
transnationalen Unternehmensklasse haben den Stecker gegen das
amerikanische Volk, die Wirtschaft und den Staat gezogen ... das
Engagement von großen Teilen der transnationalen Elite für einen
volksfreundlichen öffentlichen Bereich, eine pulsierende einheimische
Wirtschaft und eine moderne Gesellschaft hat nachgelassen ...“
Wenn
der Vorsitzende der KP der USA die klassenmäßige Haltung gegenüber
der Gesellschaft aufgegeben hat, dann sind die obigen Standpunkte zu
erwarten. Dies sind Standpunkte, die nicht nur nichts mit der Geschichte
und den Kämpfen der Partei zu tun haben, welche er repräsentiert,
sondern sie entbehren jeglichen Bezugs zur Wirklichkeit. Die andauernde
Besetzung Iraks und Afghanistans, der neuerliche imperialistische Krieg
in Libyen zeigen, welche Art Handeln die US-Regierung außerhalb ihrer
„nationalen Schale“ entfaltet hat. Und sie führt ein ähnliches
gegen das Volk gerichtetes Handeln zur Verteidigung der Interessen der
Monopole innerhalb ihres eigenen Landes aus.
-
VERSTÄRKEN DER LINIE DES „ANSCHLIESSENS“ BEIM KAPITAL UND DER
DEMOKRATISCHEN PARTEI
Die
untrennbar mit dem Imperialismus verbundene Ausweitung der politischen
reaktionären Kräfte und ihre Verstärkung unter den Bedingungen der
Krise wird als „ultrarechter Extremismus“ gedeutet. Dies führt zu
Schlußfolgerungen, welche die Wahrheit und Wirklichkeit mißachten. So
etwas wie „wir sagen auch endgültig, daß der Standpunkt der unabhängigen
Kräfte keine Chance hat, von der Demokratischen Partei übernommen zu
werden. Das kann noch der Fall sein, aber es ist ein Fehler, es jetzt an
dieser Stelle völlig auszuschließen.“ Die Gleichsetzung der
Arbeiterklasse und ihrer Bewegung mit der Gewerkschaftsbürokratie der
AFL-CIO ist Bestandteil der politischen Bündnislinie mit Teilen des
Kapitals.
-
WENDUNG ZUM ANTIKOMMUNISMUS
Webbs
Artikel kennzeichnet eine offene Parteinahme für den Klassengegner und
ein völlige Angleichung an den derzeit staatlich betriebenen
Antikommunismus. Er fordert „einen eindeutigen Bruch mit Stalin“ und
geht einher mit dem verleumderischen Angriff auf den sozialistischen
Aufbau, welcher so viel für die sowjetischen Völker zu bieten hatte
und die entscheidende Rolle beim antifaschistischen Sieg der Völker
spielte. Vom Wesen her versuchen diese Positionen die Wirklichkeit, die
komplexen Probleme des Klassenkampfes in der UdSSR und die harte
Auseinandersetzung der Macht der Arbeiterklasse mit der bürgerlichen
Klasse auf dem Lande, den Kulaken, zu verhüllen.
Vom
Wesen her nimmt sie jede Art verleumderischer Vereinfachung von
komplexen Problemen an, wie beispielsweise die Verschärfung des
Klassenkampfes in der UdSSR. Der Artikel geht einen Schritt weiter und
reiht sich ein bei Havel, Walesa und all den reaktionären
Antikommunisten der EU, die von „Verbrechen gegen die
Menschlichkeit“ reden. Er schließt sich an die Tendenz an, welche
versucht, die Kommunistischen Parteien und die Verteidigung des
Sozialismus zu kriminalisieren: „um diese Grausamkeiten als Fehler zu
beschreiben, ist ein Fehler - kriminell“.
Wie
gut bekannt ist, vertritt die opportunistische Strömung in Europa in
Gestalt der sogenannten Partei der Europäischen Linken (ELP) eine ähnliche
im Widerspruch zur Geschichte stehende Position.
Liebe
Genossen der KP der USA,
Mitglieder,
Freunde und Kader der KP der USA,
Klassenbewußte
Arbeiter der Vereinigten Staaten,
in
diesem sehr kritischen Moment für Eure Partei ruft die KKE Euch dazu
auf, in Betracht zu ziehen, daß der ideologische Angriff auf die Partei
Neuen Typus mit Zielrichtung auf ihre Identität, ihr Wesen und ihre
Organisationsgrundsätze vom allerersten Moment ihres Vorhandenseins an
losgetreten wurde. Die Revisionisten haben stets die Auflösung der
Partei der Arbeiterklasse unterstützt, sie sind stets ein Stützpfeiler
für die Bourgeoisie gewesen. Die bürgerliche Klasse und ihre Unterstützer
verstanden vom ersten Moment an die Rolle der Partei bei der politischen
Emanzipation der Arbeiterklasse und ihrer Bewegung. Der eingeleitete
ideologische Angriff geht bis in die heutigen Tage weiter, wie durch
Webbs Artikel gezeigt wird.
Wir
rufen Euch dazu auf, in Betracht zu ziehen, daß die Partei nur unter
der Bedingung ihre Rolle als proletarische Vorhut erfüllen kann, wenn
sie mit der Einheit des Willens, der Einheit des Handelns und der
Einheit in strenger Disziplin ausgerüstet ist. Ihr
internationalistisches Wesen ergibt sich aus ihrer Natur. Sie bildet
einen untrennbaren Bestandteil der kommunistischen Weltbewegung.
Die
Erfahrung bestätigt es und ebenso die Praxis, welche Kriterium für den
Beweis der Wahrheit ist, daß die revolutionäre Linie des Kampfes nicht
nur die Massenarbeit nicht einschränkt, sondern sie verstärkt. Sie
verstärkt die Erwartungen des arbeitenden Volkes, sie liefert einen
Ausweg und eine Perspektive, sie trägt zur Veränderung des Kräfteverhältnisses
bei. Das unabhängige Handeln der Partei ist eine Voraussetzung für die
Entwicklung einer Bündnispolitik, welche der Strategie zur Überwindung
des Kapitalismus untergeordnet ist und ihr dienen wird.
Desweiteren
halten wir für erforderlich in Betracht zu ziehen, daß die
Notwendigkeit der sozialistischen Revolution und des Aufbaus der neuen
kommunistischen sozialökonomischen Gesellschaftsformation nicht vom Kräfteverhältnis
bestimmt wird, welches in den verschiedenen historischen Zeiträumen
ausgeprägt wird, sondern von der historischen Notwendigkeit, den
Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit zu lösen. Die
Konterrevolution in der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern
hat das Wesen unseres Zeitalters nicht verändert, welches die Epoche
des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist, welche zeitgemäß
und notwendig ist, wie sich an der Tragödie von Millionen Arbeitern und
Arbeitslosen zeigt, die unter der Ausbeutung und der Verschärfung der
von der Ausbeuterordnung hervorgerufenen Probleme leiden.
Wir
glauben, daß die Ablösung der Grundsätze des Marxismus-Leninismus
durch revisionistische Ansätze im Namen von nationalen Besonderheiten
viel Schaden für die kommunistische Bewegung verursacht hat und
weiterhin verursacht. Keine nationale Besonderheit kann die
Notwendigkeit der revolutionären Überwindung des Kapitalismus, die
Notwendigkeit der Eroberung der politischen Macht durch die
Arbeiterklasse, der Vergesellschaftung der Produktion und zentralen
Planung leugnen. Die in der kapitalistischen Welt ausgebrochene
Wirtschaftskrise und die Verschärfung der inner-imperialistischen
Widersprüche bekräftigen desweiteren die Aktualität des Sozialismus.
Unter diesen Bedingungen erlangt das Zurückdrängen der neuen Welle
staatlichen Antikommunismus, die Verteidigung des Sozialismus, wie wir
ihn kennen, mit seinem großartigen Beitrag für die weltweite
Arbeiterklasse, mit der Identität und den revolutionären Traditionen
der kommunistischen Bewegung eine besondere Bedeutung.
Liebe
Genossen,
die
historische Erfahrung, die Entwicklungen selbst haben die Ansichten
widerlegt, die da vom „Ende der Geschichte“, der „Überkommenheit
des Marxismus-Leninismus“ und dem „Ende der Kommunistischen
Parteien“ sprachen. Im Gegenteil, heute gibt es eine stärkere
Notwendigkeit für das Vorhandensein von Kommunistischen Parteien, die
in der Arbeiterklasse und an den Arbeitsplätzen Wurzeln haben, die den
Marxismus-Leninismus und den proletarischen Internationalismus
vertreten. Die Arbeiterbewegung muß bewußt handeln und sich der
Herausforderung stellen, das Vorhandensein einer revolutionären Partei
der Arbeiterklasse zu sichern. Dies ist eine entscheidende Pflicht und
eine Herausforderung für die am meisten fortgeschrittenen Arbeiter und
für die Kommunisten in allen Länder der Welt und vor allem in den USA.
Die
konsequente Auseinandersetzung und Ablehnung dieser
opportunistisch-liquidatorischen Plattform ist ein Erfordernis, welches
den historischen Traditionen der Arbeiter- und kommunistischen Bewegung
in den USA entspringt. Das ist die Bedingung für die Wiederbelebung der
revolutionären kommunistischen Ideale in der US-amerikanischen
Arbeiterbewegung und Gesellschaft.
Die
Abteilung Internationale Beziehungen des ZK der KKE
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Quelle:
http://inter.kke.gr/News/news2011/2011-04-13-kke-to-cpusa |