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PvdA/PTB-Maifeier
in Brüssel:
WIR
KOMMUNISTEN RINGEN UM DIE HERZEN DER ARBEITENDEN MENSCHEN
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel/2. Mai 2008
Trotz
viel Regen haben sich am 1. Mai 2008 ab 13 Uhr viele gute Genossen und
Freunde aus ganz Belgien auf der Maifeier der Pvda/PTB auf dem Campus
der Freien Universität Brüssel getroffen. Bereits vor dem Eingang
stimmte die Kampagne der belgischen Friedensbewegung gegen die
Entsendung belgischer F16-Kampfbomber nach Afghanistan die ca. 1700
eintreffenden Roten auf den kämpferischen Charakter auch der diesjährigen
Maifeier der Partei ein. 850 Unterschriften unter die dort ausliegende
Petition wurden bei dieser Gelegenheit gesammelt.
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„Keine belgischen F16...“ |
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„US-Terrorism...“ |
Die
Parteispitze kennt www.kommunisten-online.de inzwischen so gut, dass ich
erstmals auf der Maifeier fotografieren durfte. Die philippinischen
Genossen und Freunde von der NDFP freuten sich sehr mich wiederzusehen.
Sie knipste ich selbstverständlich nicht. Da flossen Tränen, als sie
meine doch recht phantasievollen und hoffentlich nicht zu phantastischen
Gedanken hörten. Unsere Redaktion erhielt als Dank und Anerkennung für
die von uns übersetzten Veröffentlichungen über den revolutionären
bewaffneten Kampf des philippinischen Volkes ein Buch geschenkt. Titel:
„US TERRRORISM & WAR in the
Philippines
“ (Jose Maria Sison), ISBN 971-92460-3-0. Mehr
dazu werden wir nach der Lektüre dieses Buches hier bringen.
Auch lateinamerikanische Genossen traf ich dann im Solidaritätszelt 1,
welche Freude! Leider war die angekündigte Kommunistin aus Venezuela
dann doch nicht erschienen. Vielleicht kommt sie eine Woche später,
meinten die Latinos. Nun ja, immerhin trafen zwei Exemplare der „Tribuna
Popular“ ein, die ich dann hochzufrieden entgegennehmen konnte. Wir
diskutierten über Venezuela und insbesondere die immer noch nicht geklärte
Sozialismusauffassung von Hugo Chávez Frias. Ich sprach die Äusserungen
des bolivarischen antiimperialistisch-demokratischen Revolutionsführers
an, wo er sich gegenüber dem Marxismus-Leninismus distanzierte. Die
lateinamerikanischen Genossen meinten nur abwinkend, dass Hugo
grundehrlich und undiplomatisch drauflosreden würde und dabei immer fähig
sei, sich selbst zu korrigieren, wenn er zu neuen Erkenntnissen kommen würde.
Sie fanden die Idee gut, ihm beim Sammeln neuer Erkenntnisse durch Übersetzen
der wissenschaftlichen Schriften von Kurt Gossweiler zu helfen. Denn es
sei wirklich schwer zu verstehen, warum die Arbeiterklasse in den
einstigen sozialistischen Ländern des Warschauer Vertrages den dortigen
Sozialismus nicht vor der Übernahme durch den Imperialismus verteidigt
habe.
In
Sachen proletarischer Internationalismus und internationale Solidarität
standen jedoch auf dieser Maifeier der belgischen Genossen klar die
verbrecherische israelische Besatzungs- und Kriegspolitik gegen das Volk
Palästinas im Mittelpunkt, wie auch diese Fotos belegen:
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„Solizelt1“ |
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„Solizelt2“ |
Übrigens,
im Gegensatz zu UZ-Pressefesten lief trotz letztlich gutem Biergenuss
die gesamte Maifeier sehr unalkoholisch mit nüchternen Menschen an den
Ständen ab. Irgendwelche Lumpenproleten gab es auf dieser Feier nicht
zu sehen. Statt dessen tanzten die Belgier gerne mit den Ausländern zu
Klängen palästinensischer Musik. Dabei konnten sich auch die Frauen
bestens amüsieren, angemacht wurden sie nicht. Undenkbar für die
meisten deutschen Linken, die sich immer noch bereitwillig vom Spaltpilz
namens „Antideutsche“ ins Boxhorn von Imperialisten und Zionisten
abdrängen lassen! Dass Israel existiert und daher dessen Existenz keine
Debatte mehr wert ist, darüber ist sich die Linke in Belgien sehr
einig. Sehr wohl sehen aufgeklärte Belgier jedoch hin, welche Folgen
die Kriegs- und Besatzungspolitik Israels für das Volk der Palästinenser
hat, so dass die Kampagne gegen Israels Verbrechen hier auf vollen
Touren läuft. Vor vielen Supermärkten finden sich Aufkleber zum
Boykott aus Israel stammender Waren.
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„Palästina Solidaritätsparty“ |
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„Palästina Solidaritätsparty1“ |
Viele
interessante Bücher und Poster wurden vom Pvda/PTB-Shop aus der
Lemmonierstrasse nahe dem Brüsseler Südbahnhof auf der Maifeier
angeboten, wie hier auf Bildern zu sehen ist:
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„PVDA-PTB-SHOP“ |
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„PVDA-PTB-SHOP1“ |
„Solidair“
ist Name der Parteiwochenzeitung, online zu finden auf www.solidair.org.
Die Redaktion von „Solidair“ arbeitet in Deutschland gerne und oft
mit der „Rotfuchs“-Redaktion zusammen.
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„www.Solidair.org“ |
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„Solizelt3“ |
Die
„Partei van de Arbeid“ nimmt für sich in Anspruch,
d i e A r
b e i t e r p a r t e i
Belgiens zu sein. Einstiges Elitedenken, überzogener
Avantgardismus, gewisse intellektuelle Arroganz gegenüber dem Volke
(gern hier gebrauchtes Stichwort „erhobener Zeigefinger“) ... davon
wollen sich die belgischen Genossen seit dem letzten Parteitag im März
2008 endgültig verabschiedet und konsequent getrennt haben. Nachdem vor
ca. 5 Jahren ein Wahlbündnis mit einer arabischen politischen
Gruppierung für dramatischen Mitglieder- und Wählerstimmenrückgang für
die Partei in Belgien sorgte, kritisieren jetzt nach dem jüngsten
Parteitag die älteren langjährigen Parteimitglieder, dass Hammer und
Sichel sowie bestimmte marxistisch-leninistische Begriffe aus dem Bild
und dem Programm der Partei rasch verschwinden. Statt
„Imperialismus“ zu benennen, spricht die Parteiführung nun von
„Neoliberalismus“. Ein gelbes Winkeldreieck im weissen Stern vor
rotem Hintergrund löst Hammer und Sichel ab. Aber natürlich ist
richtig und gut, eine Kampagne für die Absenkung der Mehrwertsteuer von
21% auf 6% bei den arg gestiegenen Energiekostenrechnungen durchzuführen,
auch die Kampagne der Partei für den Erhalt der Postämter kommt gut an
bei den Menschen vor Ort. Tom de Meester leitete die Kampagne für die
Absenkung der Mehrwertsteuer von 21% auf 6% bei den Energiepreisen für
Privathaushalte, welche Protest der Menschen bündelt und zeigt, dass
die Partei sehr wohl erfolgreicher als bisher auf die Menschen zugehen
kann.
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„Abschlussmeeting Energiekampagne“ |
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„Abschlussmeeting Mit Bildern Auch Aus Deutschland“ |
Für
aktive Gewerkschafter wie mich war natürlich auch das
Gewerkschaftertreffen „Lebenslängliches Job-Hopping?“ von grossem
Interesse. Dort diskutierten auf dem Podium Gewerkschafter Belgiens,
Frankreichs und der Niederlande. Es ging um Lohnklau-Strategien des
Kapitals, dessen „Agenda von Lissabon“ und das „neoliberale
Schlagwort“ „Flexicurity“ („Flexibilität im Arbeitskräfte-Einsatz
zur Profitmaximierungssicherung“). Einig waren wir uns darin, dass
Berufseinsteiger kaum noch Festarbeitsplätze bekommen, sondern an
Zeitverträge im Leiharbeitsverhältnis gewöhnt werden. Was jeglichen Kündigungsschutz
für sie aushebelt und sie dazu zwingt, aus Angst vor unmittelbar
drohendem Arbeitsplatz- und Lohnverlust besonders brav und diszipliniert
zu arbeiten. Mehr Arbeitsplätze schafft das Kapital derzeit durch
Privatisierung von solchen Teilen des öffentlichen Dienstes wie z.B.
die Post, wobei da existenzsichernde feste Arbeitsplätze von
abgesicherten Arbeitern in prekäre Teilzeitarbeitsplätze von
Zeitniedriglöhnern dramatisch umgeschaufelt werden. Das dänische
Postwesen verkam auf diese Weise zum jetzt schlechtesten Postwesen in
der gesamten EU. Besondere Perversion ist die Einführung des Stücklohnsystems
in privaten Postfirmen, wo pro ausgetragenem Brief der Briefträger/Kurier
mit Hungerlohn direkt von der Auftragslage des Unternehmens lohnabhängig
gemacht wird bei lediglich gesicherter Profitmaximierung für die Aktionäre.
Im Festzelt wurde parallel in humoristischer Form der Kampf der roten
und grünen Gewerkschaften Belgiens dargestellt.
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„GRÜN-ROT-
GEWERKSCHAFSHUMOR“ |
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„Gewerkschaftsmeeting“
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Die
PvdA/PTB verfügt über die Frauenorganisation „Marianne“ und den
kommunistischen Jugendverband COMAC, wo ich nicht viel Zeit zubrachte.
Bei „Marianne“ kaufte ich 2 Lose aus der Maifeier-Tombola und gewann
ein rotes Jojo-Spiel „Weiss und Schwarz, alle zusammen, nie
getrennt“ (in französischer Sprache aufgedruckt) und einen
Che-Guevara-Büroblock:
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„Frauenorg-Marianne“ |
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„COMAC-Zelt“ |
Ich
möchte hier auch gerne meinen politischen Freund und Genossen Mario
Franssen von der belgischen Dachorganisation für internationale
antiimperialistische Solidarität namens INTAL vorstellen, deren Website
www.intal.be sehr interessant ist. Mario ist einfach ein grossartiger
sehr engagierter Internationalist. Die PvdA/PTB übergab dem kubanischen
Botschafter in Brüssel auf dem Abschlussmeeting einen symbolischen
Scheck von 14.000 Euro, die durch den Verkauf von Ostereiern durch die
Genossinnen und Genossen in ganz Belgien zugunsten Kubas
zusammengekommen sind.
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„Mario-Franssen-INTAL“ |
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„14.000 Euro für Kuba“ |
Beim
Abschlussmeeting spielte auch „Red de Solidariteit“, eine Kampagne
des Bekenntnisses von Flamen und Wallonen zur Einheit Belgiens und gegen
separatistische Bestrebungen flämischer Unternehmer für eine
„Aufspaltung des Arbeitsmarktes“ eine grosse Rolle. Die PvdA/PTB
unterstützt diese laufende Kampagne massiv. So besuchten sich
Parteigruppen aus Flandern und der Wallonie gegenseitig vor Ort und
organisierten gemeinsame Infotische dieser Kampagne. „Wir sind Flamen,
Wallonen, Brüsseler. Wir sind Belgier. Wir wollen nicht, dass hier neue
Mauern aufgebaut werden zwischen Menschen, zwischen Regionen und
zwischen Ländern. (...) Kurzum, wir wollen Solidarität und keine
Spaltung.“ Seit 27.09.2007 haben 120.151 Bürgerinnen und Bürger
Belgiens diesen Aufruf unterzeichnet. Bea Knaepen von der Firma Bosch in
Tienen berichtete von einem erfolgreichen Streik der Belegschaft dort für
eine Lohnerhöhung nicht nur in der Firma selbst, sondern auch bei
Zulieferfirmen.
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„Für Einheit Belgien...1“ |
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„Bosch Tienen...“ |
Parteivorsitzender
Peter Mertens hielt das Abschlussreferat. Wenn er niederländisch
sprach, wurde der Wortlaut in französischer Sprache auf den beiden
grossen Leinwänden im Auditorium angezeigt. Wenn er französisch
sprach, erfolgte die Textanzeige in niederländischer Sprache. Ich übersetze
mal den Beginn seiner Rede zum 1. Mai 2008 in die deutsche Sprache:
„Liebe
Freunde und Genossen!
Der
1. Mai hat begonnen in den Vereinigten Staaten. 340.000 Arbeiter
streikten dort für den 8-Stunden-Arbeitstag. Das war 1886. Zwei Tage später
schoss die Polizei auf die Arbeiter. Hierbei wurden 6 Arbeiter getötet.
Der
1. Mai ist der Kampftag der Arbeit: '8 Stunden Arbeit, 8 Stunden
Erholung, 8 Stunden Schlaf'. Das ist die Losung dieses 1. Mai -
Streikkampfes von 1890.
8
Stunden arbeiten, 8 Stunden erholen, 8 Stunden schlafen. Eine besonders
zeitgemässe Losung.
Abendarbeit,
Wochenendarbeit, Nachtarbeit. Überstunden. Abschaffung der
verpflichteten Mittagspause. Wochenarbeitsverträge. Leiharbeit. Und so
weiter.
Er
zog den Blaumann an und ging 9 Monate lang als Zeitarbeiter arbeiten bei
Katoennatie. Wir haben unseren eigenen Günter Wallraff. Er schrieb hier
ein Buch darüber. Doktor im Blaumann. Doktor Karel Van Bever aus
Zelzate.
Des
Morgens nicht wissen, ob du am folgenden Tag auf's neue kommen musst.
Und, wie spät du kommen musst. Doppelte Schichten. Unmöglich, um auch
mal was mit der Familie zu planen. Das ist die neue unsichere Arbeit.
(...)“ (1) Wer wie ich im
Call Center arbeitet, der kennt diese Problematik zur Genüge und
spendet dem Redner viel Beifall.
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„Parteivorsitzender“ |
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„Maifest-Zelt“ |
Ich
filmte auch das Absingen der Internationale im Abschlussmeeting, welches
im Wechsel der Strophen in französisch und niederländisch erfolgte.
Hinterher traf ich überraschend einen jungen ehemaligen Kollegen und
guten Genossen, der mir seine Eltern vorstellte, die seit Jahrzehnten
Kommunisten in Belgien sind. Sie erinnern sich noch gut an die Zeiten
der Resistance, des belgischen Widerstandes gegen die Besetzung des
Landes durch die faschistische Wehrmacht. Auch in Albanien war er einst
gewesen, vor Jahrzehnten, als sein Sohn noch nicht geboren war und er zu
den Aktivisten der Partei der Arbeit Belgiens zählte. Wie der Name der
Partei bis heute zeigt, hatten die Parteigründer beste Sympathien für
das sozialistische Albanien seinerzeit unter Führung der Partei der
Arbeit Albaniens (PAA).
Nicht
erstmals werde ich auf dieser Maifeier gefragt, welcher Partei in
Deutschland ich als Kommunist denn angehöre würde. Ich antworte, dass
es in Deutschland derzeit leider keine Kommunistische Partei
Deutschlands gibt, die diesen Namen verdienen würde. Der Kommunismus in
Belgien sei so tot wie seit 100 Jahren nie gewesen, meint der alte
Genosse daraufhin. Ärger und Bitterkeit schwingen in seiner Stimme mit.
Ich bestätige dies auch für Deutschland und füge hinzu, dass Belgien
zumindest mit dieser Partei noch über die Hauptwaffe der Kommunisten
verfügt, während wir in Deutschland uns diese Hauptwaffe verbieten und
nehmen liessen und leider auf absehbare Zeit die KPD wohl nicht
aufgebaut haben werden. Und ich blicke ihn traurig an. Er umarmt mich.
Wir seien doch noch jung, sein Sohn und ich, wir würden das schon
machen. Er kenne hier fast niemanden mehr im Saal. Aber die Faust müsse
oben bleiben! So standen wir 3 Sekunden da und hoben kämpferisch die
linke Faust.
Fotos:
Jens-Torsten Bohlke
Quellen:
(1) http://www.pvda.be/nl/ |