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1. Politik- und Kulturfestival der Partei der Arbeit Belgiens (PTB)

MANIFIESTA 2010

Bilder von der Veranstaltung mehr

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel, 26. September 2010

auf Kommunisten-online am 28. September 2010 – In 47 Bussen fuhr ein Großteil der insgesamt 4440 Teilnehmer aus ganz Belgien am 25. September 2010 Richtung Ostende an die belgische Küste in den kleinen Ort Bredene, der durch seine Dünenabschnitte beliebt ist. Ziel der vielen Anreisenden war ein Ereignis namens MANIFIESTA, zu dem David Pestieau als Chefredakteur der PTB-Zeitung www.solidair.org sowie Dirk van Duppen als Vorsitzender der Medizinervereinigung „Medizin für das Volk“ eingeladen hatten.

In der Einladung werden alle freundlichen Flamen, Wallonen und Brüsseler sowie andere Nationalitäten auf MANIFIESTA, dem Fest der Solidarität, herzlich willkommen geheißen. Es wird zum Tanz SOLIDARIDANCE von 1000 Menschen für Solidarität und die Einheit Belgiens und des belgischen Volkes als Auftakt zur Massenveranstaltung gebeten. Ferner bieten die „Mediziner für das Volk“ eine Dünenwanderung an. Es soll durch etliche Kulturgruppen und ein tagsüber durchgängiges Kinderprogramm für viel Spaß und Freude gesorgt werden. Und natürlich gibt es Bücherstände, Filmschauen und Foren zu aktuellen politischen Themen sowie die zentrale Schlußkundgebung mit Reden von Vertretern der beiden größten Gewerkschaftsverbände Belgiens und des Parteivorsitzenden Peter Mertens. Auch für abwechslungsreiche Angebote an Speisen und Getränken ist natürlich gesorgt, denn dies gehört unbedingt zur Lebensweise der Belgier. Und es sind einige ausländische Info-Stände vertreten, die einen Besuch wert sind.

Sinn des Veranstaltungsereignisses: „Auf dass die Energie der Solidarität von heute abend an aufwacht und du sie morgen mit nach Hause nimmst. Unser Land hat dies bitter nötig.“

Um 8 Uhr morgens ging es dann auch für mich los, per Sonderbus und gratis bis zum Veranstaltungsort in Bredene. Wie wohl an Sonnabendvormittagen üblich, staute sich der Verkehr auf den letzten Kilometern der E40 kurz vor Ostende. Das Wetter machte einen wechselhaften Eindruck, mal Sonne, mal Regen, also eher aprilmäßig. Aber es gab bereits Stimmung im Bus, denn die Aktivisten überzeugten alle für den SolidariDance ... auch wenn Tanzen nicht jedermans Sache ist. Internationale antiimperialistische Solidarität und die Einheit Belgiens als Land und der Belgier als Volk aber ist Herzenssache aller fortschrittlichen Menschen in Belgien, erst recht von uns Kommunisten. Daher waren wir rasch überzeugt mitzutanzen für diese Herzenssache. Dazu erklang der aufmunternde Afrika-Fußball-WM-Song von Shakira im Bus, so dass die Stimmung wirklich ganz fröhlich war. Eine Liste der Rückreisenden wurde angelegt, eine Rufnummer für den Fall von Änderungen angegeben, Ort und Zeit der Rückreise (22 Uhr) ab Bredene durchgesagt. Und schon waren wir am Zielort.

Au backe, hier war es sehr sehr windig. Genosse Wout nahm uns nochmals kurz zusammen. Er war gerade telefonisch informiert worden, dass es große Probleme gab. Ein Sturm hatte in den letzten Tagen verheerend für unsere Zeltstadt gewütet. Es stand auf der Kippe, ob die Zeltstadt wenigstens teilweise zur öffentlichen Nutzung freigegeben werden konnte. Denn niemand sollte gefährdet werden.

Wir waren zeitig angekommen. Im Veranstaltungsgebäude waren die Aktiven dabei, Bücherstände, Fototafeln, Mikrofone und Projektoren herzurichten. Ich erwischte eine englischsprachige Ausgabe des „Manifest der Kommunistischen Partei“ von Karl Marx, die sich bestens als Geschenk auf einer meiner Urlaubsreisen eignen wird. Anschließend ging es draußen vor jenem Gebäude mit der Musik los. Auftakt zum SolidariDance, dem Tanz der 1000 Menschen für Solidarität und Einheit Belgiens. Natürlich war ich dabei. Und ich machte auch einige Fotos, wie hier zu sehen. Die Menschen waren durchaus mit Lust dabei.

Hinterher konnte ich Fotos von der Fotogalerie im Brecht-Foyer machen. Dort hatten die Veranstalter beeindruckende Aufnahmen vom Klassenkampfgeschehen in Belgien und in der Welt eingestellt. Vom Vietnamkrieg bis zu den großen Streiks in den 80er Jahren war dort für jedes der letzten 40 Jahre ein Foto postiert.

Durch weitere ankommende Busse wurde es in dem nicht gerade geräumigen Hauptgebäude immer enger, zumal das Wetter draußen mal wieder auf Sturm und Regen stand. Ein Teil der Zeltstadt aber war nun doch freigegeben worden. Da war erst das sehr große „Bierzelt“, wo allerdings die Familien und Freundeskreise der Genossen nicht nur beim Bier saßen. Es gab Muscheln, die belgische Nationalspeise sind, obwohl sie aus dem nicht unbedingt in Belgien beliebten Holland importiert werden müssen und es den Belgiern auch nach jahrzehntelangen Anstrengungen immer noch nicht gelungen ist, an ihrer eigenen Nordseeküste Muscheln zu züchten. Es sah lustig aus, so viele Muschelesser auf einem Haufen zu sehen!

Anschließend ging es durch ein Stück sehr nasse Wiese hin zu jenem freigegebenen ersten Abschnitt der Zeltstadt. Verschiedene Organisationen wie der Freundschaftsverein Nord- und Südkorea, eine Bürgerinitiative von jungen irakischen Emigranten zur Freilassung ihres im Irak festgenommenen Freundes trotz dessen belgischen Passes, eine weitere Gruppe des irakischen Widerstandes, die KP Libanons bildeten den Eingangsbereich.

Dann gab es den Stand der Partei der kommunistischen Wiedergeburt Frankreichs, der KP der Türkei. Dann kam das Zelt mit den Ständen der DKP und der KP Luxemburgs, wo dann auch die griechischen Genossen von der KKE ihren Stand noch aufbauten. Die Drittwelt-Solidaritätsgruppen unter dem Dachverband www.intal.be hatten eine eigene Zelt-Strasse, an deren Ende sich unter „Hände weg von Venezuela“ eine trotzkistische Gruppe breitmachte.

Am Anfang aber ließ sich das Zelt der Initiative Sozialistisches Kuba besichtigen. Dort hatten die Genossen Obama aufgestellt, bei dessen Anblick mit seinem zähnefletschenden Grinsen mir die Galle hochkommen wollte. Aber darüber stand „Obama, laß die 5 frei! Ja, das kannst du“. Recht so!

Neben der großen Kubasolidaritätsbewegung befand sich der Stand der Freunde des kolumbianischen Volkes, wo darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sich 7500 politische Gefangene in den Kerkern jenes engsten Verbündeten des US-Imperialismus in der Nachbarschaft Venezuelas befinden. Der Schwerpunkt von INTAL lag auf Palästina und der Solidarität mit dem palästinensischen Volk im eingemauerten und von Israel widerrechtlich blockierten Gaza-Streifen.

Zwischen Kuba-Solidarität und Palästina-Solidarität konnte der aufmerksame Besucher die SDAJ finden, die ebenfalls einen eigenen Stand aufgebaut hatte, - fernab der DKP. Dort lagen auch aktuelle Exemplare der „jungen Welt“, wie schön!

Nebenan fand sich der Stand der KP Frankreichs. Belgiens Jungkommunistinnen von COMAC boten die beliebten TShirts „CHEnge the world“ an und sammelten Unterschriften für einen Appell zur Einheit Belgiens. Eine Palästinenserin dekorierte junge Frauen mit Henna-Mustern am Arm, die nach zwei Wochen wieder verschwunden sein werden. Daneben befand sich der Stand mit Büchern zu Themen wie Palästina und „Die 7 Sünden des Hugo Chávez“ von Michel Collon, wo auch Eva Golingers Buch zu den CIA-Umtrieben gegen Venezuela angeboten wurde.

Der Rundgang lohnte sich, zumal unsereiner mit Magdalena Taufenbach eine gut bekannte einst KPD- und jetzt DKP-Genossin aus Aachen wiedersah und mit Aachener Printen beschenkt wurde. Natürlich gab es auch viel zu erzählen, beispielsweise wegen des am 25.9.2010 in Aachen angesagten Aufmarsches militanter Nazibanden aus NRW.

So verging die Zeit bis zur Schau des Filmes „Capitalism A Love Story“ von Michael Moore. Anschließend gab es eine Präsentation und Diskussion zum Thema „Arbeitsbedingter Stress“ mit Dr. Karel Van Bever, der eine Studie über die Folgen der hier in Belgien „Generationenvertrag“ genannten reaktionären Rentenreform vorstellte. Unsereins entsann sich an den Generalstreik mit zwei machtvollen Massendemonstrationen vor zwei Jahren in Brüssel, als die Regierung das Vorruhestandsalter von 58 auf 60 heraufsetzte.

„Doktor, ich bin fertig“, so das Thema. Stress, Überlastung, Burn-Out-Syndrom, Depressionen. Arbeitshetze und -intensität, die den menschlichen Organismus überfordert. Während dies vor 30 Jahren noch ein Manager-Problem war, hat es sich nun auf die Masse der in Call Centern, Putzfirmen und sonstigen Dienstleistungs- und Produktionsbereichen beschäftigten Arbeiter und Angestellten verlagert, so führt der Arzt von „Gesundheit für das Volk“ aus. Und es geht hier um jeden 4. arbeitenden Menschen in Belgien, womit das Risiko von schweren tödlichen Herzkrankheiten wie Infarkt oder Schlaganfällen um 50% für die Menschen zugenommen hat. Ausgiebig wurde über die jüngste Entlassungswelle beim US-Callcenter-Konzern Sitel in Diegem diskutiert, wo Dutzende Menschen kalt geschaßt worden sind, weil sie nicht binnen 7 Sekunden eingehende Anrufe angenommen hatten.

INTAL und die Initiative Sozialistisches Kuba organisierten dann im gleichen Raum die Veranstaltung „Lateinamerika in Bewegung“ mit Podiumsgästen wie Aleida Guevara, Kinderärztin in einem Krankenhaus in Kuba und Tochter von Ernesto Che Guevara, Antonio García, dem Botschafter Venezuelas in Belgien, Fernando Yépez, dem Botschafter Ekuadors in Belgien und Michel Collon, dem Autor von „Die 7 Sünden des Hugo Chávez“.

In der Einleitung hieß es, dass ein frischer Wind Lateinamerika erfaßt hat. Onkel Sam könnte nicht mehr so schalten und walten in seinem Hinterhof wie bisher. Mit der ALBA seien neue regionale Zusammenschlüsse lateinamerikanischer Länder unter Ausschluß der USA und Kanadas entstanden, in welchen Kuba und Venezuela eine herausragende Position einnehmen. Linke Volksbewegungen haben in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen, so dass Solidarität und Zusammenarbeit für die lateinamerikanischen Völker unter fortschrittlichen Regierungen immer mehr Gestalt annehmen. Der antiimperialistische Internationalismus des sozialistischen Kubas würde dabei sehr um sich greifen.

Das Wort ging zuerst an Antonio García, welcher die ALBA würdigte. Da ginge es eben nicht um Devisengeschäfte und Übervorteilungen und Profite, sondern um gemeinsame Entwicklungsprojekte zum Nutzen zwischenstaatlicher Regionen und aller Völker der betroffenen Regionen. Insoweit ist die ALBA eine völlig neue Qualität gegenüber der ALCA, dem Freihandelsvorhaben des US-Imperialismus zur kolonialistischen Ausplünderung der Rohstoffvorkommen Lateinamerikas durch US-Konzerne, was völlig gescheitert ist.

Aleida Guevara würdigte ebenfalls die ALBA und hob hervor, dass damit Kuba wieder im Bündnis der Staaten Lateinamerikas als geachtetes Mitglied dabei ist, während der US-Imperialismus in der ALBA nichts zu melden hat. Auch Fernando Yépez betonte die Vorzüge der ALBA für einen Typ Integration der Völker Lateinamerikas durch gemeinsame Wirtschaftsprojekte zum Wohle der betroffenen Völker und Regionen, zugunsten der Umwelterhaltung und der Entwicklung der Länder Lateinamerikas. Michel Collon hob die Rolle von Hugo Chávez beim Anknüpfen an das geistige Erbe von Simón Bolívar zugunsten der Stärkung der Souveränität der Länder Lateinamerikas durch die Bildung eines subkontinentalen Blocks hervor.

Befragt nach der kürzlich veröffentlichten Ankündigung der Entlassung von ca. einer Million Menschen aus dem Staatssektor in Kuba äußerte Aleida Guevara, dass diesbezüglich die Dinge sehr im Zusammenhang gesehen werden müssen, um sie richtig zu verstehen. Sie sagte, dass das sozialistische Kuba sich als Teil der sozialistischen Ländergemeinschaft bis 1989 solide entwickeln konnte, weil das US-Wirtschafts- und Handelsembargo zumindest zu einem guten Teil durch die solidarische Hilfe und Zusammenarbeit der entwickelten europäischen sozialistischen Länder und insbesondere der UdSSR aufgefangen worden war. Faktisch über Nacht war Schluß mit den Erdöllieferungen aus der UdSSR, mit dem Warenaustausch zwischen Kuba und all jenen einst sozialistischen Ländern. Was wäre wohl wirtschaftlich los in Belgien, wenn die EU auf ein Mal zu existieren aufhören würde und Belgien von allen Seiten boykottiert werden würde? Könnte Belgien da alles selbst produzieren, was das belgische Volk braucht?

Und Belgien sei kein Entwicklungsland wie Kuba, sondern gehöre zu den anerkannten Industriestaaten mit relativ hohem Wirtschaftsniveau in der Welt. Für Kuba jedoch brachen ab 1989 sehr sehr harte und schwierige Jahre herein. Zuerst wurde mit dem Volk diskutiert, ob der gesamte revolutionäre Prozeß und die sozialistische Entwicklung gestoppt werden müsse, so dass Kuba wieder dem US-Imperialismus ausgeliefert wäre wie vor 1959. Kubas Volk, auf dass Aleida sehr stolz ist, entschied sich für Festhalten am Sozialismus und an der Revolution, und zwar koste es, was es wolle. Und dies kostete sehr viel! Der Preis war etliche Jahre lang sehr hoch. Sogar Auslandsinvestitionen wurden zugelassen, was äußerst schwerfiel. Mit den Dollars und dem grenzenlosen Ausbau des Tourismus hatte Kuba auf ein Mal Prostitution, was für viele Menschen dort völlig unvorstellbar vonstatten ging.

Das Publikum möge sich mal ein Land unter subtropisch heißen und feuchten Verhältnissen vorstellen, wo jeden Tag bis zu 10 Stunden lang und manchmal länger der Strom ausfällt. Das hält dann kaum noch ein arbeitender Mensch aus, unter solchen Bedingungen seine Arbeitskraft täglich wiederherzustellen. Ohne Strom bricht jede Produktion zusammen. Kühlschränke und Kühlanlagen gehen kaputt, zu kühlende Lebensmittel verderben in Massen. Die 90er Jahre waren eine unglaublich harte Zeit für das kubanische Volk.

Dazu die US-Wirtschafts- und Handelsblockade, die sich immer noch verheerend auf die Volkswirtschaft Kubas auswirken muß, zwangsläufig. Nur ein Beispiel: Kuba hat ein ganz neuartiges Medikament entwickelt und sehr erfolgreich ausgetestet, welches verhindert, dass Diabetikern in einem bestimmten Stadium ihrer Krankheit die Beine abgenommen werden müssen. Dieses Medikament wäre sicherlich auch für viele Patienten in der EU und in aller Welt sehr notwendig. Wenn nun eine belgische Firma auf die Idee kommt und in Kuba dieses Medikament einkauft, dann sperren die USA dieser Firma sofort alle Konten. Gelingt es dadurch nicht, diese Firma vom Geschäft mit Kuba abzuhalten, dann werden von den USA sehr rasch auch alle Geschäftspartner dieser Firma finanziell blockiert und beginnt ein Kesseltreiben des US-Imperialismus gegen die belgische Wirtschaft. Derlei Vorgehen seitens der USA hält keine noch so sehr an einem solchen Handel interessierte Firma aus. Und genaus so wirkt dieses verbrecherische Wirtschaftsembargo des US-Imperialismus zum Schaden nicht nur für das kubanische Volk, sondern zum Schaden für alle Völker der Erde.

Viele staatliche Kleinbetriebe und Einrichtungen arbeiten in Kuba derzeit hochgradig defizitär unter Bedingungen, die keinesfalls mit denen der 1990er Jahre vergleichbar sind. Das Lebensniveau der Menschen ist heute weitaus besser, auch die Zeit extremer Stromsperren ist vorbei. Dennoch kommt die Wirtschaft nicht in Gang und kann der Staat nicht unendlich Löhne und Gehälter und Leistungen zahlen, die nicht von dem gedeckt werden, was im Lande erarbeitet wird. Darum sind die betroffenen Menschen aufgefordert und aufgerufen, sich nach Alternativen umzuschauen.

Wenn sie sich selbständig machen, leben sie immer noch unter sozialistischen Bedingungen. Sie bleiben staatlich kranken- und rentenversichert, in Kuba hungert niemand und wird niemand hungern. Aber es muß erarbeitet werden, was der Mensch als Lohn im Monat hat. Es kann nicht beibehalten werden, dass die Staatskasse für unerbrachte Arbeitsleistungen auf Dauer Löhne und Gehälter zahlt. Diesen Widerspruch gilt es zu lösen, und zwar gemeinsam mit den davon betroffenen Menschen.

Dass dies nun sehr rasch geschehen muß und geschehen wird, entspricht dem konsequenten Herangehen der Regierung an dieses drängende Problem. Und die Lösung wird kompliziert werden, denn Kuba ist immer noch ein Entwicklungsland und kein entwickelter Industriestaat mit vielerlei Optionen für die betroffenen Menschen.

Da die Zahl an dieser Veranstaltung interessierter Teilnehmer die Raumkapazität bei weitem überstieg, mußte auch unsereins nach einer Stunde den Raum verlassen, damit die zweite Welle von Genossinnen und Genossen dieses interessante Lateinamerika-Forum besuchen konnte. Dies war ganz demokratisch so entschieden worden, nachdem der Raum bis auf den letzten Quadratmeter mit Menschen gefüllt war und eine lange Schlange vor der Türe wartete.

Unsereins ging also nochmals zu den DKP-Genossen, deren Nachbarn von der KP Luxemburg so herzhafte Schinkenbrötchen für 50 Cents pro Stück anboten. Hinterher gab es noch leckere Likörchen aus Probiergläschen von den Genossen aus Lüttich, wo diese Art Schnaps eine jahrhundertelange Tradition besitzt.

Bei der zentralen Abschlußveranstaltung hörte sich unsereins dann Reden der Sprecher der beiden großen belgischen Gewerkschaftsverbände an. Sie verurteilten einhellig Pläne der Regierenden, durch weiteres Aufspalten des Landes soziale Rechte der Menschen abzubauen. Gefordert wurde die Besteuerung von Bankgeschäften und hohen Einkommen zum Zahlen der Krisenzeche durch jene, welche die Weltwirtschafts- und Finanzkrise zu verantworten haben. Es gab viel Beifall für die beiden Gewerkschaftssprecher.

Mit sehr leidenschaftlichen Worten wandte sich dann Peter Mertens als Vorsitzender der Partei der Arbeit Belgiens an das Publikum im prall gefüllten großen Saal. Er verurteilte insbesondere die Bestrebungen zur weiteren Spaltung Belgiens, den Separatismus der Bourgoisien Flanderns und der Wallonie. Unter großem lang anhaltenden Beifall rief er aus, dass ein Kind in Belgien dieselben Staatsbeihilfen für ein menschenwürdiges Leben braucht, ganz gleich ob es nun französisch oder niederländisch oder deutsch oder die Sprache von Migranten spricht. Immer wieder rief er fast beschwörend „Wir sind eins“. Nach seiner begeistert aufgenommenen Rede sangen wir gemeinsam in etlichen Sprachen DIE INTERNATIONALE. Viele Kommunisten hoben die Faust. Hauptsprache war deutlich die französische Sprache.

Danach konnte inhaltlich nichts mehr kommen. Unsereins gönnte sich ein Muschelessen für 13,50 Euro und ein paar gute belgische Biere zu den Gesprächen mit den Genossen. Gegen 22 Uhr war es dann recht lustig, einigen Mitmenschen weiterzuhelfen, die dem Alkohol sehr zugesprochen hatten. Da wurde dann noch im Bus ein Liedchen gesungen, bevor einige die Augen schließen konnten. Und es gab noch einen Umfragebogen auszufüllen, mit dem die Partei-Organisatoren die Zufriedenheit mit Manifiesta messen wollten.

Natürlich war ich hochzufrieden, denn auch meine spezielle Frage zu Kuba war weitreichend beantwortet worden. Und natürlich tankt unsereiner Kraft beim Anblick von vielen Gleichgesinnten, die einfach Mut machen, nicht nachzulassen und täglich den eigenen Beitrag im Kampf gegen Imperialismus und Krieg, für Sozialismus und Frieden und die Rechte der Völker zu leisten.

Fotos von Jens-Torsten Bohlke

Empfohlene Links:

www.solidair.org

www.cubanismo.net

www.intal.be

www.manifiesta.be

youtube (Suchwort Manifiesta)

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Bilder von der Veranstaltung

Fotografiert von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel, 26. September 2010

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