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Honduras:

Deutsche Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP putschte mit

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online vom 1. Juli 2009 – Man muss sich schon wundern, wenn nicht bei den Schweinereien in dieser Welt, deutsche Institutionen verwickelt sind. So auch beim Putsch in Honduras. Diesmal war die FDP-Stiftung, die Friedrich-Naumann-Stiftung. Mit ihr arbeitet ein deutscher Politikberater, der bereits seit einigen Jahren in Honduras mitmischt. Und zwar ein gewisser Peter Schröder[1] Dieser war Landesgeschäftsführer in Schleswig-Holstein der FDP bi er sich mit einer Firma für Politikberatung selbständig machte.[2]

Der jetzt gestürzte Präsident Manuel Zelaya war ursprünglich einer der Ziehkinder des FDP-Vereins. Manuel Zelaya aber wandte sich nach links, näherte sich dem antiimperialistischen Staatenbündnis ALBA an, dem Venezuela, Kuba und Bolivien angehören. Diese Länder wenden sich bekanntlich für die territoriale Unabhängigkeit von den USA und von den europäischen imperialistischen Mächten. Eine unverzeihliche Sünde.

Es lief das Szenario ab, das bereits Jahre vorher in Venezuela gegen Präsdent Chavez und voriges Jahr gegen den Präsidenten Boliviens, Morales, ablief.

Reaktionäre pro-imperialistische Kräfte versuchen Stimmung gegen den Präsidenten zu machen, inszenieren Unruhen und einen Putsch. In Venezuela scheiterten sie. Ob sie in Honduras Erfolg haben werden, ist fraglich.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung ist durch ihre guten Beziehungen mitten drin in den Schweinereien, sie animierte die Gegner de Präsidenten und mischt nun kräftig it. (siehe auch Artikel unten). Wie es derzeit aussieht, spielt das Volk von Honduras nicht mit, ignoriert de Ausgangssperre und stellt sich hinter Manuel Zelaya.

G.A.


[1]  Peter Schroeder, Wilhelmstr. 26, 53721 Siegburg, Telefon 02241 844231, e-Mail: Schroeder@polcon.de

Die Naumann-Fraktion

TEGUCIGALPA/BERLIN

german-foreign-policy vom 30.06.2009 – FDP-nahe Kreise haben bis unmittelbar vor dem Staatsstreich gegen den honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya dessen liberale Gegner unterstützt. Zu diesen gehört der Zelaya-Rivale und aktuelle Präsidentschaftskandidat Elvin Santos; Kontakte gab es außerdem zu Roberto Micheletti, der nach Zelayas gewaltsamer Entführung am Wochenende das Präsidentenamt an sich gezogen hat. Zelaya, der noch vor wenigen Jahren selbst von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützt worden war, hatte sich im Laufe seiner Präsidentschaft von der neoliberalen Politik der deutschen Organisation abgesetzt und sich stattdessen dem Staatenbund ALBA (Alternativa Bolivariana para las Américas) um Venezuela, Bolivien und Kuba angenähert. Heftige Machtkämpfe mit innerparteilichen Gegnern, die der Naumann-Stiftung eng verbunden sind und zuletzt vor zwei Wochen von einem FDP-nahen Strategen beraten wurden, waren die Folge. Mit dem Staatsstreich wurde der Konflikt zugunsten der Naumann-Partner gelöst. Wie der Repräsentant der Stiftung in Tegucigalpa schreibt, trage Zelaya eine Mitschuld an dem Militärputsch und sei „mehr Täter als Opfer“.

Strategieberatung

Manuel Zelaya war im November 2005 als Kandidat der Liberalen Partei (Partido Liberal de Honduras, PLH) bei den Präsidentschaftswahlen angetreten - und gewann. Bereits damals hatte der deutsche Politikberater Peter Schröder den PLH im Wahlkampf unterstützt, damals allerdings noch auf Seiten Zelayas. Schröder war von 1971 bis 1982 für die FDP tätig gewesen, zuletzt als Abteilungsleiter „Kommunikation und Service“ in der FDP-Bundesgeschäftsstelle. Heute leitet er eine eigene Kommunikations- und Beratungsfirma bei Bonn (Nordrhein-Westfalen), arbeitet jedoch immer noch für FDP-nahe Organisationen. Seiner Unterstützung maß Zelaya zu Beginn seiner Amtszeit große Bedeutung bei. Er hätte „die Wahlen ohne die Strategieberatungen mit Peter Schröder (...) nicht gewonnen“, urteilte der honduranische Staatspräsident im Januar 2006.[1]

Mit Stiftungshintergrund

Über die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hielten die deutschen Liberalen damals eine ungewöhnlich starke Position im PLH. Mehr als die Hälfte der 62 PLH-Parlamentsabgeordneten hatten Kontakte zu der deutschen Stiftung geknüpft und etwa deren Aus- und Fortbildungsseminare absolviert. „Im honduranischen Parlament haben wir jetzt eine 39-köpfige Naumann-Fraktion“, triumphierte nach den Wahlen Ende 2005 die Projektkoordinatorin der Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras, Rosbinda Sabillón.[2] Wie die Stiftung damals mitteilte, besaßen vier Minister sowie vier stellvertretende Minister der neuen Regierung Zelaya einen „Stiftungshintergrund“, acht Personen „aus dem unmittelbaren Projektumfeld“ der Stiftung stiegen unter dem neuen Präsidenten zu Leitern höchster Staatsbehörden auf. „Unter den 165 gewählten liberalen Bürgermeistern befinden sich rund 60 Politiker aus dem Umfeld der Projektarbeit mit der liberalen Jugend“, teilte die Naumann-Stiftung damals mit - und sah ihren Nachwuchs „in den Startlöchern für eine politische Karriere“. Sie werde sich „in den kommenden vier Jahren liberaler Regierung“ bemühen, an der „Konsolidierung dieses Erfolges“ mitzuwirken und vor allem die Umsetzung der aus ihrer Sicht „dringend erforderlichen liberalen Reformen in Honduras zu unterstützen“.

Richtungsstreit

Eine Wende der gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen Zelaya und der Friedrich-Naumann-Stiftung trat ein, als der Staatspräsident sich Laufe seiner Präsidentschaft dem lateinamerikanischen Staatenbündnis ALBA und dessen politischen Zielen zuwandte. ALBA sucht sich aus der US-amerikanisch-europäischen Hegemonie zu lösen und hat eine scharfe Abkehr von neoliberalen Wirtschaftsmodellen vollzogen. Mit der deutschen Stiftung ist eine solche Politik nicht zu machen. Die Berliner Naumann-Zentrale reagierte empört, als zwei ihrer Zöglinge entlassen wurden, weil sie sich Maßnahmen des Präsidenten verweigerten. So verlor Präsidialminister Yani Rosenthal sein Amt; Zentralbankpräsidentin Gabriela Nuñez musste gehen, als sie sich hartnäckig weigerte, Banktransfers aus dem ALBA-Mitgliedstaat Venezuela durchzuführen.[3] Mit der Ankündigung des Staatspräsidenten, eine Volksbefragung anzuberaumen, eskalierte schließlich der Streit. Durch dieses Votum sollte die honduranische Bevölkerung darüber entscheiden, ob im kommenden November parallel zu den allgemeinen Wahlen (Präsident, Parlament, Kommunalräte) eine „vierte Urne“ („cuarta urna“) eingerichtet wird. Mit dieser „vierten Urne“ sollte über ein Referendum zur Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung abgestimmt werden. Ein solcher Schritt gilt als Charakteristikum der ALBA-Staaten und als Maßnahme zu entschlossener Abkehr von neoliberaler Wirtschaftspolitik.

Intensivierte „Beratung“

Um diesen Absichten entgegenzuwirken, verstärkten FDP-Kreise zuletzt ihre Bemühungen. Bereits im Februar vergangenen Jahres beriet sich der stellvertretende Vorsitzende und außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Werner Hoyer, mit dem damaligen Parlamentsvorsitzenden und nunmehrigen Putschpräsidenten Micheletti. Dabei ging es laut FDP um eine „Intensivierung der Beratungstätigkeit der (Friedrich-Naumann-)Stiftung besonders im Hinblick auf die im November (2008, d. Red.) anstehenden parteiinternen Vorwahlen.“[4] Aus diesen ging schließlich der ehemalige Vizepräsident Elvin Santos als Sieger hervor. Santos ist dem „traditionellen“ Parteiflügel des PLH zuzurechnen, der stets eng mit der Naumann-Stiftung und der FDP kooperiert; er hat für den Fall seines Wahlsieges den ALBA-Austritt angekündigt.

Verweigerung

Mit Santos und dessen Anhängern wiederum traf vom 13. bis 16. Juni dieses Jahres der ebenfalls FDP-nahe Politik- und Strategieberater Peter Schröder zusammen.[5] Die Zusammenkunft, die unter dem Mantel der Naumann-Stiftung abgehalten wurde, stand im Zeichen der für Sonntag angesetzten Volksbefragung. Von dieser habe man annehmen müssen, dass die von Zelaya gewünschte „cuarta urna“ und damit das Referendum über die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung Zustimmung fände, erklärte Schröder gegenüber german-foreign-policy.com. Ihm zufolge wurde bei seinen Gesprächen ein Auftritt des Zelaya-Gegners Santos für den gestrigen Montag (29. Juni) vereinbart. Dabei sollte der Präsidentschaftskandidat des PLH öffentlich dazu aufrufen, das durch die Volksbefragung - wie man vermutete - beschlossene Referendum über eine Verfassunggebende Versammlung zurückzuweisen, berichtet Schröder. Zelaya, behauptet der deutsche Strategieberater im Einklang mit den meisten westlichen Medien, habe mit der „cuarta urna“ ausschließlich seine Amtszeit verlängern wollen. Tatsächlich hat Zelaya diese Anschuldigungen noch kurz vor dem Putsch zurückgewiesen. „Ich habe keine Option, an der Macht zu bleiben“, erklärte er gegenüber der spanischen Zeitung „El País“: „Die einzige wäre, die Verfassung zu verletzen, und das werde ich nicht tun. (...) Ich werde meine Regierungszeit am 27. Januar 2010 beenden.“[6]

„Keine andere Wahl“

Nach dem Putsch schreibt nun der Repräsentant der Naumann-Stiftung in Tegucigalpa Zelaya selbst eine Mitschuld an dem Staatsstreich zu. Demnach sei Zelaya nicht „ganz unschuldig“ an der Entwicklung, da er Legislative sowie Exekutive mit der Volksbegragung provoziert habe. Der entführte Präsident sei „mehr Täter als Opfer“. Letztlich habe sein Vorgehen den Putschisten „keine andere Wahl“ gelassen.[7]

Anti-ALBA-Interventionen

Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit politischen Aktivitäten gegen die Regierungen von ALBA-Staaten hervorgetan, etwa mit der Unterstützung von Sezessionisten, die auf eine erhebliche Schwächung der Regierung Boliviens abzielten (german-foreign-policy.com berichtete [8]). Dabei stößt die Stiftung immer wieder, ohne dass dies in ihrem Heimatland wahrgenommen wird, auf öffentlichen Protest gegen ihre Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten.[9] Ihre Unterstützung für Zelayas Gegner in Honduras setzt ihre politischen Interventionen in Lateinamerika fort.

[1], [2] Ex-Alumni der Stiftung in politischen Spitzenpositionen; www.freiheit.org
[3] Christian Lüth: Opportunismus und 'Kontinuismus'. Der Präsident von Honduras missachtet die Verfassung und seine Liberale Partei; Hintergrundpapier der Friedrich-Naumann-Stiftung Nr. 5, April 2009
[4] Hoyer trifft liberale Spitzenpolitiker Nicaraguas und Honduras; www.liberale.de
[5] Peter Schröder en Honduras; www.la.fnst-freiheit.org
[6] „El jefe del Ejército desobedeció a su comandante, que soy yo“; El País 28.06.2009
[7] Mehr Täter als Opfer; www.freiheit.org 28.06.2009
[8] s. dazu Balkanisierung in Südamerika, Spalte und herrsche, Neoliberale Netze und Profit und Autonomie
[9] s. dazu Neoliberale Netze

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