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Panama:
Unterdrückung forderte 4 Tote und über 150 Verletzte
VOLK
PANAMAS KÄMPFT GEGEN SEINE ENTRECHTUNG
Eine
Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Tage in diesem Land
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Panama-Stadt,
9. Juli 2010, Tribuna Popular TP.-
Die jüngsten Ereignisse in Panama führten zu einer Bilanz
von 4 Getöteten und über 150 Verletzten infolge des Einsatzes
bewaffneter Sicherheitskräfte gegen zivil und unbewaffnet
demonstrierende Angehörige der Massenorganisationen der Bauern, Indios,
Studenten und des gesamten Volkes sowie der Gewerkschaften. Die
Auseinandersetzungen begannen am Morgen des 8. Juli 2010 im Distrikt
Changuinola in der Provinz Bocas del Toro im Nordosten des
Isthmus-Landes. Das panamaische Volk protestierte massenhaft. Die
Demonstranten forderten die Abschaffung des Gesetzes 30, welches verächtlich
Wurstgesetz, Langustengesetz und ähnlich oder Gesetz 9 in 1 wegen
seiner Form genannt wird, in welcher es Präsident Ricardo Martinelli
dem Parlament vorlegte, damit es dort hinter verschlossenen Türen und
unter Einschüchterungseinsätzen der Polizeibeamten am 12. Juni 2010
angenommen wurde. Das Gesetz wurde im Amtlichen Mitteilungsblatt am 16.
Juni 2010 der Öffentlichkeit bekanntgegeben.
Dieses
besagte 9 in 1 - Gesetz trägt den Titel Förderung des Kommerziellen
Flugwesens. Sein Inhalt besteht aus Veränderungen des Arbeitsrechtes
wie der Streichung des Streikrechtes und auch der Abschaffung des
gesetzlichen Zuschusses zum Gewerkschaftsbeitrag sowie der Veränderung
des Strafrechtes und der Rechtssprechung allgemein und sechs Gesetzen,
darunter einem Umweltgesetz, welches der Regierung ermöglicht, umwebt
schädigende Vorhaben für außerhalb des sozialen Interesses zu
betrachten und sie damit vor Umweltverträglichkeitsprüfungen und dem
Einfluss der Bürger zu bewahren. Das Polizeigesetz wurde insofern geändert,
als dass den Polizeibeamten künftig Straffreiheit für Folgen aus dem
Einsatz von Waffen gewährt wird. Dieses Gesetz wurde von Justizminister
Raúl Mulino und Sicherheitsministerin Roxana Méndez vorgelegt, die es
ohne gesetzliche Vollmacht einfach unterschrieben, denn sie waren im
Moment der Unterzeichnung in anderen Ministerämtern als den für diesen
Bereich zuständigen.
Laut
Aufschrei der Massenorganisationen aus dem Gewerkschafts-,
Umweltschutz-, Bauern-, Frauen-, Studenten- und Indiobereich gefährdet
dieses Gesetz die Interessen des panamaischen Volkes und wirft es Panama
um 20 Jahre zurück in Sachen gesellschaftliche Entwicklung und
Menschenrechte. Dies sei ein reiner Willkürakt der Regierung. Die
katholische Kirche bot sich bei dieser Auseinandersetzung als
Vermittlerin an und wurde von der Arbeitsministerin dafür gerüffelt.
Die
derzeitige Regierung Panamas hat in den letzten Monaten die organisierte
Zivilgesellschaft immer wieder angegriffen. So im Fall des Bürgerbündnisses
Pro Gerechtigkeit, welches sich den Menschenrechten und der sozialen
Gerechtigkeit widmet. Diese engagierten Bürger wurden abgekanzelt, dass
sie sich Regierungsvollmachten anmaßen würden und falsche Gruppen wären.
Derlei Intoleranz seitens der Regierung mündete jetzt in die gewaltsame
Verfolgung von Aktiven der Volksbewegung, wobei das Spektrum der Unterdrückungsmaßnahmen
von Inhaftierung bis zu Morddrohungen per Telefon reicht. Hinzu kommt
die Anfeindung auch gegenüber fortschrittlichen Journalisten, die über
die Ungerechtigkeiten und gewaltsamen Übergriffe der staatlichen
Unterdrückungskräfte berichten. Die Panameños fühlen sich betrogen
und sind enttäuscht von der Regierung, die ihre Wahlzusagen bricht.
Opfer der Unterdrückung sind die Journalisten Jean Marcel Cherry von
der Tageszeitung El Siglo, der Bildreporter Mauricio Valenzuela von der
Tageszeitung Panamá América, der noch immer seit dem 26. Juni 2010
inhaftierte und gesundheitlich sehr leidende Journalist Carlos Núñez
sowie dieser Tage der entlassene Journalist Paco Gómez Nadal.
Angesichts
dieser Tatsachen ist die Informationsarbeit für Regierungskritiker
immer schwieriger. Das neue Strafgesetz bestraft diejenigen, die auf den
Straßen demonstrieren. Bereits das Gesetz 14 vom 13. April
kriminalisierte öffentlich Protestierende und drohte ihnen Haftstrafen
von 6 Monaten und 2 Tagen an. Auch kam es im Parlament zur Zustimmung zu
11 Militärstützpunkten an verschiedenen ge0strategisch wichtigen
Orten, angeblich damit die US-Luftwaffe den Drogenschmuggel bekämpft.
Die
aufflammende Welle von Kriminalität, die Erhöhung der Mehrwertsteuer
von 5% auf 7% und der Preise für einige Grundbedarfswaren, die Öffnung
für die Ausbeutung der Bodenschätze und die beschlossene Schließung
der 110 Kilometer großen Lücke der Fernstraße Panamericana durch
vorgesehene Bauarbeiten in einem geschützten Tropenwaldgebiet an der
panamaisch-kolumbianischen Grenze, die üble Reform im Bildungswesen
nach neoliberalen Vorgaben und der Ausschluss der Bürger von jeglicher
Beteiligung an den Entscheidungen vor Ort sind der Zündstoff für
anstehende schwere Unruhen in Panama, wie sie mit den Ereignissen in
Bocas del Toro gerade erst begonnen haben. Dort streikten seit 2. Juli
2010 die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der Firma SITRIBANA im
Bereich der Bananenindustrie der Bocas Fruit Company.
Bei
den schweren Unruhen am Morgen des 8. Juli 2010 in den Landgütern und
Siedlungen von Chaguinola wurde der junge indianische Arbeiter Antonio
Smith getötet. Er war ungefähr 30 Jahre alt und erlag etlichen
Schussverletzungen im Gesicht. Drei weitere Menschen fanden ebenfalls
den Tod. Über 150 Menschen wurden verletzt, viele davon schwerverletzt.
Die Polizisten verhafteten etliche Aktive der Volksbewegung und suchen
mit Haftbefehl weitere von ihnen. Die ganze Ortschaft wurde mit Tränengas
beschossen. Am Ende waren die gesundheitlichen Einrichtungen völlig überfordert.
Außerdem
zogen sich Menschensperren aus verschiedenen Landgütern durch den
gesamten Bezirk bis hin in das Zentrum von Changuinola, um die
verschiedenen Fronten des städtischen Kampfes der Volksbewegung vor der
einsetzenden gewaltsamen Unterdrückung auf Befehl der Regierung zu
unterstützen. Seit der Nacht des 7. Juni bereiteten sich die Einsatzkräfte
der Regierung mit Kappen der Wasser- und Stromzufuhr und Zusammenziehen
von Militär und Polizei auf die gewaltsame Zerschlagung der
Volksbewegung vor Ort vor.
Während
Präsident Martinelli die Oppositionsparteien als Schuldige an den
Auseinandersetzungen ausmachte und in der Annahme seines Wurstgesetzes
keinerlei Verantwortlichkeit dafür sah, dementierten die Sprecher der
Volksbewegung, mit jenen Parteien überhaupt in Verbindung zu stehen. Für
die Nachtstunden verhängte die Regierung Panamas den Ausnahmezustand
mit Ausgangssperre über das Land, aber allerorts wurde dies von der
Volksbewegung vollauf unterlaufen.
Andere
Auseinandersetzungen fanden zwischen den mit der Verbreiterung des
Panama-Kanals beschäftigten Arbeitern und den bewaffneten Einsatzkräften
in der Provinz Colón statt. Sie arbeiten dort für das internationale
Konsortium „Vereint für den Kanal“ aus spanischen, italienischen
und panamaischen Firmen. Die Arbeiter erklärten sich für unbefristet
streikend. Grund dafür ist die Zahlung von lächerlich geringen Löhnen
für die harte Arbeit an der Verbindung zwischen den Ozeanen. Und
angesichts der finsteren Gesetze bringt der Gang zum Gericht keine
Gerechtigkeit für sie.
Auch
in der Provinz Veraguas kam es zu schlimmen Ereignissen. Die Vereinigung
der Erzieher von Veraguas (AEVE) beklagte die gewaltsame Entführung des
Lehrers Roberto Castillo durch Angehörige der Polizei. Der Genosse
hatte Zuflucht im Stadthaus von Changuinola gesucht, als Polizisten
diesen Ort stürmten und sich besonders
auf diesen Lehrer stürzten. Vor Dutzenden Augenzeugen wurde er
gewaltsam entführt. AEVE macht Präsident Martinelli für die
gewaltsame Entführung des Genossen Roberto Castillo verantwortlich.
Martinelli aber zog es vor, zur Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika
abzureisen und sich so den Ereignissen daheim zu entziehen.
AEVE
reagierte demgegenüber mit dem Verkünden des landesweiten
Lehrerstreiks und rief zu Demonstrationen am 9. Juli 2010 in Santiago de
Veraguas ab 10 Uhr sowie zu Aktionen in verschiedenen Orten auf.
A
las 4 de la tarde se dará una concentración por la ULIP (Unidad de
Lucha Integral de los Pueblos de Panamá) en la iglesia del Carmen hacia
el parque Andrés Bello ubicado en Vía Argentina de la ciudad de Panamá.
Auch
verfügte Präsident Martinelli die Schließung der Universität von
Panama, „um die Sicherheit und den Frieden zu erhalten“, was die
organisierten Studenten ihm allerdings nicht abnehmen. Um 11 Uhr am 9.
Juli 2010 begann ein Protest vor dem Obersten Gericht wegen der
Ereignisse und der Verfolgung von Journalisten.
Quelle:
Radio Temblor de Colectivo Voces Ecológicas
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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