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Ahmed Saadat (archive photo)

In israelischer Haft:

Generalsekretär der PFLP 
Ahmed Saadat

Erklärung der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP)[1]

Quelle: Labournet Austria/August 2007

Die letzten Wochen waren eine schwarze Periode im Leben und der Geschichte unseres Volkes, eines geduldigen und kämpferischen Volkes, das, während des hundertjährigen Kampfes gegen die zionistische koloniale Invasion, bereits einen schweren Tribut in Form von Hunderttausenden Toten, Verletzten und Gefangenen bezahlt hat.

Unsere ersten Pflichten als Palästinenser sind:

die Beendigung dieser schwarzen Periode und die Blockade ihrer desaströsen und zerstörerischen Konsequenzen für unser Volk und unsere nationale Sache,

die schnellstmögliche Überwindung dieser Krise, um gemeinsam auf den richtigen Weg, den Weg der Einheit unseres Volkes und seiner politischen und sozialen Kräfte zurückzukehren,

die erneute Überprüfung der Realität und des Erscheinungsbildes unseres Volkes, ein Erscheinungsbild, das das palästinensische Volk in seinem langen Kampf bestätigt hat, das heißt ein Volk der Entschlossenheit, des Heldentums und des Widerstandes zu sein, und nicht das elende und traurige Bild, das die mörderischen Kämpfe verkörpern, die uns brandmarken.

Die PFLP bekräftigt:

Nach unserer wiederholten Verurteilung der Kämpfe erklären wir und bekräftigen wir unsere Ablehnung und unsere Verurteilung der von der Hamas vorgenommenen militärischen Regelung <der politischen Auseinandersetzungen> im Gaza-Streifen. Das sind um sich greifende Praktiken der Bereinigung <von Auseinandersetzungen>, die verwerflich und dem nationalen Erbe unseres Volkes und seiner moralischen Werte fremd sind. Diese Art Dinge zu regeln, ist in jedem Fall schädlich und entehrend, wobei die schweren und komplizierten Konsequenzen für unser Volk, unsere Sache und unsere politischen und sozialen Beziehungen nicht bedacht wurden. Dies ebnet, bei all dem, was sich als Gefahr für unser nationales Projekt, für die Einheit unseres Volkes und sein soziales Gefüge erweisen kann, negativen Einmischungen von außen den Weg.

Wir lehnen es ab, dieses Feuer und diese bewaffnete Radikalisierung mit überstürzten und radikalen politischen Reaktionen wie der Ausrufung des Ausnahmezustandes, der Auflösung der amtierenden Regierung und der Bildung einer Notstandsregierung zu beantworten. Das wird zu einer Vertiefung der gegenwärtigen Krise und zu ihrer Ausweitung führen. Genauso wie der Aufruf zur Entsendung ausländischer Streitkräfte in diesem Kontext zu einer Einmischung von außen führen wird.

Wir rufen dazu auf, eine zeitweilige nationale Führung zu bilden, an der sich alle politischen Kräfte und die Vertreter der Zivilgesellschaft mit all ihren unterschiedlichen Sektoren beteiligen. Diese Führung muss ein vereinigter und der einzige Bezugspunkt für unser Volk sein. Ein Bezugspunkt, der die politischen und sozialen Angelegenheiten der Palästinenser verwaltet. Das wird den Beginn eines umfassenden nationalen Dialogs bilden und ein wirkliches und verantwortungsbewusstes Heilmittel, das die Einheit unseres Volkes wahrt und unsere politische Sache nach all den ihr zugefügten Schäden schützt.

Wir fordern die Arabische Liga und alle Teile Arabiens, die mit uns zusammen diese Krise erlebt haben, auf, sich für einen umfassenden, palästinensischen nationalen Dialog, an dem alle politischen Kräfte und die Vertreter der Zivilgesellschaft teilnehmen, auszusprechen und ihn zu beherbergen. Dieser Dialog muss unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga stattfinden und zur Umsetzung eines Dokumentes der nationalen Übereinkunft führen, das für uns den gemeinsamen Nenner bildet und unserem Volk mit allen seinen Kräften und Teilen die vereinigten, nationalen und demokratischen Grundlagen sichert.

Trotz der Härte und der Bitterkeit dieser Periode behaupten wir, dass unsere Einheit, unsere nationale und demokratische Wahl, unser Insistieren auf der Fortsetzung des Kampfes für die Unabhängigkeit, das Rückkehrrecht und die Bildung eines unabhängigen Staates keine Entscheidung neben anderen ist. Dies ist eine einzigartige Entscheidung, die wir zusammen mit all unseren Kräften aufrechterhalten und schützen müssen. Wir bekräftigen unsere Warnung und unsere Ablehnung aller Versuche, aus den Geschehnissen der letzten Tage Nutzen zu ziehen und die uns zu einer elenden Wahl zurückwerfen, welche unser Volk während seines langen Kampfes immer abgelehnt hat.

Schließlich rufen wir unser gesamtes Volk, die Palästinenser in Palästina und die Palästinenser in der Diaspora, Fatah und Hamas auf, wieder zu Bewusstsein zu kommen und zur Vernunft und zu den nationalen Interessen zurückzukehren. Wir rufen unser Volk auf, durch die Verurteilung der blutigen Lösungen und die Missbilligung der Aufstandslogik, von welcher Seite sie auch immer verfolgt werden, zur Einheit, zum Zusammenhalt, zur Heilung der Wunden und zur Beendigung der Leiden zu gelangen, den negativen Folgen geschlossen zu begegnen und unser nationales Projekt, unsere Ziele und unser nationale Standhaftigkeit zu sichern.


[1]  Die revolutionär-sozialistische Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) ist die größte Organisation der palästinensischen Linken (…) Die Mitglieder der im Dezember 1967 von George Habash und anderen gegründeten PFLP entstammen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften. (…) Auf kommunaler Ebene stellt die PFLP u.a. die Bürgermeisterin von Ramallah, Janet Michael. Aufgrund ihrer unnachgiebigen Ablehnung des zionistischen Besatzungsregimes und ihres (auch bewaffneten) Widerstandes befindet sich die PFLP massiv im Visier der israelischen Repression. Neben zahlreichen Aktivist(inn)en befindet sich auch ihr aktueller Generalsekretär Ahmed Saadat seit März 2006 in israelischer Gefangenschaft. Als einzige der im palästinensischen Parlament vertretenen Parteien schloss sich die PFLP nicht der im März 2007 auf der Grundlage des Mekka-Abkommens gebildeten Regierung der Nationalen Einheit aus Hamas, Fatah, Mustafa Barghuits Al Mubadara, den (links)sozialdemokratischen Parteien DFLP, PPP und FIDA und dem rechtsliberalen Dritten Weg des jetzigen "Notstands"-Premiers und ehemaligen Weltbankers Fajad an. (Zu den Gründen siehe http://antifa.unihannover.tripod.com

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