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Krieg
gegen das eigene Volk eskaliert weiter, anders kann sich das US-hörige
Arroyo-Regime
auf den Philippinen nicht halten
Solidaritätsaufruf
Die
Leninschen Kriterien für das Bestehen einer revolutionären Situation
im Lande treffen auf den Philippinen seit Ende der 60er Jahre bereits
zu. Aus der damals nahe Manila in einem Gebiet rebellischer Landbevölkerung
in ihren bescheidenen Anfängen operierenden kommunistisch-maoistischen
Guerrillagruppe von ca. 30 NPA-Kämpfern ist unter Führung der KP der
Philippinen (CPP) eine Kader- und Massenorganisation der bewaffneten
Widerstand leistenden Bevölkerung im ländlichen Raum geworden. Die NPA
kämpft an mehr als 100 Frontabschnitten auf allen nennenswert bevölkerten
Inseln der Philippinen. In ihr sind die verschiedenen großen
Sprachgruppen der Philippinen vereint (Tagalog, Cebuano, Ilonggo usw.).
Nachdem in Gestalt von MNLF und MILF die nennenswert großen bewaffneten
Widerstandsorganisationen der muslimischen Bevölkerung großer Teile
Mindanaos, welche nicht unter Führung der KP der Philippinen kämpften,
den bewaffneten Kampf in den letzten Jahren aufgegeben haben, konnte
sich auch in diesem Teil der Philippinen bei den Muslimen die NPA eines
Zustroms erfreuen und ausdehnen. Wobei die NPA dort die
Autonomieforderungen der diskriminierten Muslime unterstützt, sich
jedoch sehr von der kleinen (einst von der CIA ins Leben gerufenen!)
kriminellen Abu Sayyaf – Gruppe und deren Lösegelderpressungen durch
Entführungen distanziert.
Nach
dem Sturz der Marcos-Diktatur und Freilassung des KP-Gründers Jose
Maria „Ka Joema” Sison bildete sich in den 80er Jahren die
National-Demokratische Front der Philippinen (NDFP) aus verschiedenen
fortschrittlichen antiimperialistischen Parteien auf Initiative der KP
der Philippinen. Während die Regierenden die NPA zu unterwandern und
aufzuspalten versuchten und führende Vertreter der progressiven
Parteien und Bewegungen mit Morddrohungen ins politische Exil zwangen,
ging die kämpfende Volksbewegung dazu über, auch den Weg von
Friedensverhandlungen für ein Erreichen ihrer Ziele zu nutzen. So
wurden in den 90er Jahren wichtige Vereinbarungen zwischen der NDFP und
der philippinischen Regierung unterschrieben, um die Zivilbevölkerung
von Kampfhandlungen zu verschonen und politische Lösungen zu
diskutieren.
Mit
dem Amtsantritt von Gloria Arroyo kam dann eine besonders eifrige
Komplizin von George W. Bush auf den Präsidentenstuhl, welche den 1992
mit Verabschiedung der US-Truppen aus den Philippinen eingeleiteten Kurs
auf größere Eigenständigkeit des Landes wieder ins Gegenteil
verkehrte. Seitdem boomen auf den Philippinen die Profite vornehmlich
US-amerikanischer Konzerne wie Dole, Del Monte sowie im Bergbau- und
Dienstleistungsbereich (Callcenter-Branche, wo 10% der US-Lohnkosten
anfallen und die hunderttausenden philippinischen Arbeitskräfte in
Nacht- und Mehrarbeit ausgebeutet werden und Extraprofite für US-Großaktionäre
erbringen). Im Bergbau- und agro-industriellen Bereich ist
philippinisches Militär mit US-Beratern oft dauerhaft an den
Produktionsstätten vor Ort direkt im Einsatz, um die Beschäftigten bei
unmenschlichen Arbeitsbedingungen mit vorgehaltener Feuerwaffe zur
Maloche gegen Hungerlöhne zu zwingen. Hier in Belgien mobilisieren
Gewerkschaften und Solidaritätsgruppen mittlerweile eine vierstellige
Zahl von Demonstranten alljährlich zur offenen Protestaktion vor der
philippinischen Botschaft in Brüssel, weil die Philippinen allein bei
politisch motivierten Morden an Linksoppositionellen auf dem traurigen
Platz 2 der Weltrangliste hinter Kolumbien und vor Guatemala zu finden
sind. Willkürliche Verschleppungen von Menschen, die einfach nur „zum
falschen Zeitpunkt am falschen Ort” angetroffen und so sich verdächtig
machten, sind ebenso blutiger Alltag auf den Philippinen wie
systematische Verschleppungs- und Massakeraktionen an Straßenkindern
von als Todesschwadronen organisierten Polizisten, die im Auftrag von
auf „Ruhe und Ordnung” („law and order“) bedachten Oberbürgermeistern
Straßen in Großstadtrevieren „von kriminellen Elementen säubern”,
wie es dort zynisch heißt. Dass unter Lebensbedingungen extremer Armut
schlimmste Auswüchse von Kinderprostitution und Sextourismus boomen,
hat selbst in den bürgerlichen Medien des sog. Westens mittlerweile
Eingang gefunden.
Gegen
das eigene Volk verkündete Gloria Arroyo den „all-out war”, den „Rundum-Krieg”.
Hitler und Goebbels nannten eine solche Kriegshysterie einst „totalen
Krieg” … nur eben im Falle der Philippinen unterstützt lediglich
die US-Regierung mit Finanz- und Militär-“Hilfe” offen die
Verbrechen des Arroyo-Regimes am eigenen Volk. Wer wie ich mehrfach die
Philippinen bereiste und das Land und die Mentalität der Menschen dort
kennenlernte, wird die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit
und Gastlichkeit der einfachen Menschen dort nur rühmen können. Die
einfachen Menschen aus den arbeitenden Klassen sind stolz und klagen
nicht über die Existenzängste und die argen Hungersnöte, die sie
immer wieder auszuhalten haben.
Im
Rahmen des „Rund-um-Krieges” wird nun jedem öffentlichen Protest
gegen die Regierung vom Regime unterstellt, dass es sich lediglich um
eine Vorfeldaktion der Kommunisten und der NPA handeln würde, um
anschließend die Entmachtung der Regierung vorzunehmen. So
verlautbart vom Chef des Militärkommandos im Hauptstadtbezirk Metro
Manila, Generalmajor Fernando Mesa. „Ka
Roger” als Sprecher der KP der Philippinen bezeichnete diese
Bemerkungen als neue Finten der psychologischen Kriegsführung gegen das
Volk. Er teilte mit, dass die NPA-Angehörigen mit großer Sympathie
jeden Protest der Volksmassen aufnehmen. Jedoch, „wie auch immer, den
bewaffneten Revolutionären ist explizit untersagt, sich an zugelassenen
Demonstrationen in Metro Manila und anderswo zu beteiligen, denn dies würde
lediglich dem Militär und der Polizei die Rechtfertigung liefern,
brutale und blutige Unterdrückungsmaßnahmen durchzuführen.” So
Gregorio „Ka Roger” Rosal.
Militarisierter Alltag von Landarbeiterdörfern
zwischen den Fronten
NDFP-Pressemitteilung
vom 4.1.2008
Elemente
des 21. Infanteriebataillons verschleppten den 25 Jahre alten
Landarbeiter Marvin „Piltok“ Mendez am 24. Dezember 2007 im Barangaz
Virginia, Piat, Cagayan
Mendez
aus dem Barangay Villagracia, Maddela in der Quirino-Provinz besuchte in
:Piat seine Freunde, als dort operierende Trupps des 21. IB ihn
gewaltsam festnahmen und in ihr Lager im Barangay Virginia
verschleppten. Zeugen äußern, dass sie uniformierte Soldaten sahen,
die Mendez mit vorgehaltenen Gewehrläufen im Barangay Lipatan, Sto.
Nino, Gagayan, festnahmen. Er wurde zuletzt im 21. IB-Lager im Barangay
Virginia am 25. Dezember 2007 gesehen.
Mendez
vermisst bis jetzt
Seine
Verschleppung gehört zu den Verbrechen der 5. Infanterie-Division unter
Kommando der Arroyo-Regierung, die für die Weihnachtsfesttage einen
Waffenstillstand verkündet hatte. Die 5. Infanterie-Division operiert
in zahlreichen Ortschaften in Cagayan und Isabela seit der ersten
Dezemberwoche bis heute.
Dieser
Tage Mitte Februar 2008 erreichte mich eher beiläufig die Meldung, dass
in den Dörfern bei Bislig (Mindanao) seit 2. Februar 2008 die Armee
eingerückt ist. Mit vorgehaltener Waffe werden die Landarbeiter und
ihre Familien wieder tagtäglich traktiert. In den Bergen des dem
US-Holzkonzern PICOP gehörenden riesigen Geländes dort wurde ein
Landarbeiter vom Militär aufgespürt und erschossen, welcher aus der
Gegend stammte und der NPA zugeordnet werden konnte. Dies ist der Auslöser
einer neuerlich jetzt dort entfesselten Hexenjagd gegen wehrlose
Menschen in einer paradiesischen Tropenlandschaft.
Meiner
Freundin dort brachte ich eine Armbanduhr aus Venezuela mit. Das Foto
von Comandante Hugo Chavez Frias mit rotem Käppi ziert das
Ziffernblatt. Meine Freundin ist eine hübsch anzuschauende junge Frau.
Solchen Frauen stellen natürlich auch die die Besatzungsmacht dort repräsentierenden
Söldner nach. Sie erklärte ihrem Belästiger, dass sie mit einem Ausländer
verheiratet sei. Der Söldner ließ jedoch nicht locker. Er wollte
wissen, wer denn der Mann auf ihrer Uhr ware. Sie sagte, dies sei ihr
Ehemann, ein niederländischer Armeeangehöriger. Tags darauf verfolgte
der Belästiger ihren Bruder. Er erschien im Hause der
Landarbeiterfamilie. Er wolle sich vergewissern, dass die junge Frau
wirklich verheiratet sei. So zeigten sie ihm dort das Foto von ihr und
mir an der Wand … was bin ich vorerst erleichtert, dass so ein
philippinischer Söldner mich mit Comandante Chavez verwechselt … .
Infolge
der Feuergefechte in den Bergen rechnen die Menschen dort mit der üblichen
wochenlangen Abriegelung ihres Dorfes durch das Militär. Dies droht in
solchem Fall an, auf jeden außerhalb der Dorfgrenzen im Gelände sich
bewegenden Menschen zu schießen, wegen Verdacht auf NPA-Zugehörigkeit.
Damit wird den Landarbeitern der Zugang zu ihren Arbeitsplätzen auf den
Reisfeldern der PICOP-Gesellschaft verwehrt. Ohne Arbeit kein Lohn in
Form von Naturalien, etwas Reis, den die Menschen
von der Arbeit mit nach Hause bringen. Wenn sie mal einen Pesoschein im
Wert von gut 3 Euro erhalten, dann ist dies für den betreffenden
Landarbeiter so etwas wie ein kleiner Lottogewinn für unsereins in der
EU. Die PICOP mag solche Militäraktionen, denn sie hofft, dass das
Militär die Landarbeiterfamilien dazu bewegt, in andere Gegenden
weiterzuziehen, so dass noch mehr Boden von der enormen Fläche dieses
Konzerns für Holzplantagen nutzbar wird.
Da
ich weiß, was die Dorfabriegelung für die armen Landarbeiterfamilien
faktisch an Hunger und Entbehrung bedeutet, sandte ich für den Kauf von
etlichen Sack Reis sofort 200 Euro an meine Freundin vor Ort. Um ihrer
eigenen Sicherheit willen bat ich sie, das Dorf umgehend zu verlassen
und bei Freunden in einer anderen Gegend unterzukommen. Immerhin bin ich
dort vor Ort bereits Menschen begegnet, die vom Militär wegen
NPA-Verdacht verschleppt und monatelang hart gefoltert worden waren. Die
NPA foltert ihrerseits nicht, ihre Kampfhandlungen richten sich
ausschließlich gegen militärische Ziele. Die Söldner im Dorfe halten
sich in Missbrauch zwischen der NDFP und Regierung geschlossener
Vereinbarungen vornehmlich innerhalb des Geländes der Elementary School
(Grundschule) und Highschool auf, wo sie Kinder als menschliche
Schutzschilde missbrauchen und vor Angriffen der NPA absolut sicher sein
können. Denn die NPA greift niemals Objekte der Zivilbevölkerung an.
Sie halt sich an alle geschlossenen Vereinbarungen.
Hier
der Verweis auf einen früheren Bericht von mir, als dasselbe Dorf unter
den drückenden militärischen Maßnahmen zu leiden hatte. Damals
spendete ich ebenfalls Geld gegen den Hunger der Landarbeiterfamilien. Männer
des Ortes schleusten den davon gekauften Reis in das Dorf zu den
hungernden Familien. Einer der Männer wurde von einer Patrouille
entdeckt und verschleppt, verdächtigt der Zusammenarbeit mit der NPA.
Der von ihm transportierte Sack Reis erreichte das Dorf nicht. Und jener
Mann tauchte bis heute nicht mehr lebendig auf. Er gilt mittlerweile als
vermisst und ermordet durch das Militär.
Pressemitteilung
des Informationsbüros der KP der Philippinen (CPP) vom 14.1.2008
CPP
fordert Aufkläruing und Freilassung des NDFP-Friedensberaters Glicerio
„Ka Choy“ Pernia
CPP-Sprecher
Gregorio „Ka Roger“ Rosal gab die folgende Stellungnahme heraus:
Die
Kommunistische Partei der Philippinen (CPP) fordert die unverzügliche
Aufklärung und Freilassung von Glicerio „Ka Choy“ Pernia, einem
akkreditierten Berater der National-Demokratischen Front der Philippinen
(NDFP) im Friedensverhandlungsprozess.
Ka
Choy wurde durch Beamte des Militärischen Sicherheitsdienstes der
Philippinen (ISAFP) und Elemente des 65. Infanterie-Bataillons der
phlippinischen Armee (65th IBPA) in Verletzung der Gemeinsamen
Vereinbarung über Immunitäts- und Schutzgarantien (JASIG) inhaftiert.
Diese Vereinbarung wurde von der NDFP und der Regierung der Philippinen
(GRP) in 1999 eingebracht und unterzeichnet, um Verhandlungsbevollmächtigte,
Berater, Mitarbeiter und anderes bei beiden Seiten in den
Friedensprozess beteiligtes Personal mit Schutz auszustatten.
Unter
JASIG genießt Ka Choy Immunität gegen Arrest und Festnahme durch
Regierungskräfte. Her muss auch aus humanitären Gründen unverzüglich
freigelassen werden, denn seine Festnahme erfolgte auf seinem Weg zu
medizinischer Behandlung wegen seines Bluthochdrucks und seiner
Herzerkrankung.
Solange
er sich in den Händen der philippinischen Streitkräfte befindet,
sollte er human behandelt und sollten seine Rechte als politischer
Gefangener geachtet werden. Dazu gehört auch das Recht, einen
Rechtsanwalt zu haben und von seiner Familie besucht zu werden.
Ka
Choy's Haft ist der letzte der harten Angriffe gegen NDFP-Berater, seit
das Arroyo-Regime die Friedensverhandlungen mit der NDFP eingestellt hat
und auf einen Rundum-Krieg gegen die revolutionäre Bewegung
umorientiert hat. Seit 2006 ist diverses NDFP-Schlüsselpersonal trotz
JASIG verschleppt und illegal inhaftiert worden.
Solidaritätsaufruf!
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe
Leserschaft!
Als
Redakion von www.kommunisten-online.de
rufen wir unsere Leserinnen und Leser auf, durch Geldüberweisung die
betroffenen Menschen jenes Dorfes bei Bislig auf der großen südlichen
Insel Mindanao in den Philippinen gegen die drohende Hungersnot zu
unterstützen.
Wer
helfen will und kann, überweist bitte mit Stichwort „Hungerhilfe
Mindanao”. Und wer eine Schule findet, die bereit ist, eine
Partnerschaft mit der Grund- oder Mittelschule jenes
nichtelektrifizierten armen Dorfes in paradiesischer Gegend möglicherweise
einzugehen, wird ebenfalls von uns um Kontaktaufnahme gebeten.
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Spenden
für „Hungerhilfe Mindanao“ (Philippinen)
Jens-Torsten
Bohlke
Kontonummer
305323860
BLZ
76026000
IBAN
DE40760260000305323860
Norisbank
Verwendungszweck
„Hungerhilfe Mindanao“
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Jens-Torsten
Bohlke, Brüssel
Quellen:
Pressemitteilungen der KP der Philippinen Jan/Feb 2008 (E-Mails an die
Redaktion); Kontakte und Fotos des Verfassers
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