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Erklärung
des Genossen Jerónimo de Sousa, Generalsekretär
der KP Portugals, vom 24. November 2010
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MILLIONEN KÄMPFEN IM GENERALSTREIK
auszugsweise
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 28. November 2010 – Im ganzen Land
ließen die Arbeiter ihre Stimmen laut vernehmen. Der von der CGTP-IN
einberufene Generalstreik vom 24. November 2010 ist einer der stärksten
Kampfaktionen in Portugal seit dem 25. April 1974 und stellte eine
machtvolle Antwort auf den brutalen Angriff der Regierung aus PS und PSD
und all jene dar, die wie im Fall des Präsidenten der Republik Portugal
den Weg der unserem Land aufgezwungenen nationalen Katastrophe sich zu
eigen gemacht haben.
Ein
großer Generalstreik war es, der sich in die Geschichte der Kämpfe der
Arbeiter und des portugiesischen Volkes einschreibt und über 3
Millionen Arbeiter einbezog. Das war ein Sieg über die Resignation und
das Anpassungsverhalten. Eine Kampfaktion, die durch ihr Ausmaß den
hohen Wert von Kampf bekräftigte.
1.
Die Kommunistische Partei Portugals hebt das landesweite Ausmaß und den
übergreifenden Charakter des Generalstreiks hervor. Im ganzen Land, auf
dem Kontinent und in den autonomen Regionen wurde eine außerordentlich
hohe Beteiligung aller Wirtschaftsbereiche an diesem Generalstreik
verzeichnet.
Die
Kommunistische Partei Portugals unterstreicht die Bedeutung der starken
Beteiligung im Transportwesen wie bei der Metro Lissabon, Porto und Süd-Tejo,
Soflusa, Transtejo, CP, Refer, EMEF und in Dutzenden Unternehmen der
Speditionsbranche wie STCP, Carris, Rodoviária Entre-Douro e Minho,
Grupo Barraqueiro und Transdev. Die Schließung aller Seehäfen und des
Großteils der Fischereihäfen und die Lahmlegung des gesamten
Flugverkehrs von über 500 Flügen. Der Generalstreik hatte auch
schwerwiegende Folgen für den Produktionsbereich, so z. B. in der
Automobilproduktion bei Auto-Europa und dessen gesamten industriellen
Komplex mit Renault-Cacia, Mitsubishi, Tudor und Camac. In
der Metallindustrie bei
Estaleiros Navais de Viana do Castelo, Arsenal do Alfeite, Lisnave,
Sacti, Jado Ibéria, Camo. Im
Bereich Zement, Keramik und Glas bei CNE, Atlantis/Vista Alegre,
SaintGobain/Covina, Cinca und Lusoceran. Im Korkbereich bei der Grupo
Amorim. Im Bereich Textilien, Kleidung und Schuhe bei der Grupo Paulo
Oliveira, Têxtil Almeida
und Tochtergesellschaften, Califa, Triunph und KIAIA. Im Nahrungsmittel-
und Getränkebereich bei CentralCer, Kraft Foods. Und in hunderten
weiteren Firmen und anderen produktiven Bereichen.
Die
Kommunistische Partei Portugals unterstreicht die großartige Antwort
der Angestellten des öffentlichen Dienstes in einer Stärke, die
historische Niveaus erreichte. Praktisch war die Verwaltung des gesamten
Landes lahmgelegt, Bildungseinrichtungen blieben geschlossen, der
staatliche Finanzbereich ruhte. Sogar im Gesundheitswesen beteiligte
sich ein Großteil der Beschäftigten.
Die
Kommunistische Partei Portugals schätzt das Ausmaß und die Wirkung der
Beteiligung tausender und abertausender Arbeiter aus den verschiedensten
Bereichen und Firmen hoch ein (...).
Das
Streikausmaß ist um so höher zu würdigen angesichts des Drucks und
der Störversuche gegen die Arbeiter. Es gab viel ideologischen Druck
wegen der angeblichen Nutzlosigkeit des Kampfes. Es gab Störversuche
durch Einsatz von rechtswidrigem Mindestservice zum Unterlaufen des
Streikrechts. Es wurde wirtschaftlich Druck auf die Arbeiter ausgeübt,
indem ihnen Prekarisierung angedroht wurde, mit Entlassungen gedroht
wurde, ihnen Gehaltseinbußen und Prämienverluste angedroht wurden.
Rechtswidrig wurde in einigen Fällen staatliche Gewalt seitens der PSP
und GNR eingesetzt, um dadurch die Verletzung des Streikrechts
durchzusetzen. Der Erfolg war umso überwältigender, denn
hunderttausende Arbeiter sehen sich mit Notlagen und arg steigenden
Lebenshaltungskosten konfrontiert. Es geht hier um Arbeiter, die bei
einem Tag Streik einen Tag Lohnerhalt verlieren.
Dieser
Generalstreik kam aus den Zentren jedes Unternehmens und jeder
Arbeitsstelle, er entsprach der bewussten Entscheidung jedes
teilnehmenden Arbeiters. Er kam aus der Proteststimmung, aus der Empörung
und dem Kampfwillen von Millionen Arbeitern, die einfach nur „ES
REICHT“ sagen wollen. ES REICHT mit den Ungerechtigkeiten! ES REICHT
mit den Opfern für immer dieselben. Der Generalstreik bildete einen
einzigartigen Moment der Bekräftigung der Würde der portugiesischen
Arbeiter.
2.
Der Generalstreik war ein gerechter und notwendiger Kampf gegen den
Lohn- und Rentenraub. Gegen die Kürzungen bei den öffentlichen
sozialen Leistungen, der Familienfürsorge oder den Arbeitslosenunterstützungen.
Gegen die Erhöhung der Preise für grundlegende Waren und
Dienstleistungen des alltäglichen Bedarfs wie im Verkehrswesen oder bei
den Medikamenten. Gegen die Zerstörung der öffentlichen
Dienstleistungen und gegen die Privatisierung von strategischen
Betrieben.
Dieser
Generalstreik war eine gerechtfertigte und notwendige Antwort auf die
Verschlimmerung bei der Arbeitslosigkeit, der Ausweitung prekärer
Arbeitsverhältnisse, die Zunahme der Massenverelendung. Eine
gerechtfertigte und notwendige Antwort auf den Prozess der Beseitigung
des produktiven Bereichs, der Verschuldung des Landes und den Verlust
der nationalen Souveränität.
Dieser
Generalstreik war eine gerechtfertigte und notwendige Antwort auf die
skandalöse Anhäufung von Luxus seitens wirtschafts- und finanzstarker
Gruppen, die im Namen der Krise und des Defizits der öffentlichen
Kassen den Arbeitern eine schlimmere Ausbeutung und die Ausplünderung
der nationalen Reserven aufzwingen wollen.
3.
Die Kommunistische Partei Portugals beglückwünscht alle
portugiesischen Werktätigen zu ihrer Teilnahme am Generalstreik.
Wir
beglückwünschen vor allem die tausende Jungarbeiter, die erstmals an
einem Kampf dieser Härte teilnahmen, was von unschätzbarem politischem
Wert ist und eine wichtige Garantie für die Zukunft des Kampfes ist.
Die
Kommunistische Partei Portugals beglückwünscht die CGTP-IN, die
einheitliche Gewerkschaftsbewegung und alle repräsentativen Strukturen
der Werktätigen für ihr Handeln und die gezeigte Organisationsfähigkeit.
Die CGTP-IN bestätigt sich als große zentrale Gewerkschaft der
portugiesischen Werktätigen, die eine unverzichtbare Kraft für die
Verteidigung der Interessen der Werktätigen und für die Zukunft des
Landes ist.
4.
Dieser Generalstreik war nicht ein Ausgangspunkt, sondern eine Etappe
eines langwierigen und herausfordernden Kampfes, welchen die nationale
Situation Portugals erfordert. Dei Regierung und die Parteien, die die
Politik und den Präsidenten der Republik unterstützen, erhielten eine
ganz klare Absage durch diesen Kampf, eine ernste Warnung und eine
knallharte Forderung, mit dieser von ihnen da geführten Politik zu
brechen.
Der
Generalstreik bildete eine machtvolle Demonstration der Werktätigen und
des portugiesischen Volkes, seiner Bereitschaft, die Fortsetzung der
gegenwärtigen Politik zu verhindern, bestimmender Teil für den Bruch
und die Veränderung zu sein, welche dieses Land braucht.
Die
Kommunistische Partei Portugals steht auf der Seite dieses
Generalstreiks, weil sie für den Kampf der Werktätigen Partei
ergreift, weil sie zur Forderung nach Lohnerhöhung steht, nach
Entwicklung des produktiven Bereichs, nach Förderung von Investitionen
und der öffentlichen Leistungen. Die Kommunistische Partei Portugals
war und ist Teil des Kampfes der Werktätigen, denn ihr Kampf ist der
Kampf für ein Land des Fortschritts, der sozialen Gerechtigkeit, für
ein souveränes und unabhängiges Portugal.
Die
Kommunistische Partei Portugals erneuert ihre Verpflichtung für diesen
Kampf. Die Kommunistische Partei Portugals bestätigt den Werktätigen
und dem portugiesischen Volk, dass sie sich auf die Kommunistische
Partei Portugals verlassen können.
Quelle:
http://www.pcp.pt/ |