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Über die soziale Lage in Russland

Übersetzung: v.m,

kprf.ru vom  30. Januar 2010 – Anläßlich des I. Gesamtrussischen Kongresses der Vertreter der Arbeitskollektive veröffentlichte die Kommunistische Partei der Russischen Föderation die folgende Einschätzung der sozialen Lage Rußlands

Soziale Ungerechtigkeit

Die langjährige, verderbliche ökonomische Politik der Führung des Landes hat zu einem völligen Ungleichgewicht auf sozialem Gebiet geführt. Durch eine minimale Finanzierung der Institutionen im Gesundheitswesens mußten in den letzten 8 Jahren 3.500 Krankenhäuser und 2.500 Polikliniken geschlossen werden. Dadurch hat sich die Erkrankungshäufigkeit der Bevölkerung wesentlich erhöht. Der Sterblichkeitsrate nach befindet sich Rußland heute bereits an 22. Stelle in der Welt, nach der Lebensdauer belegt es die 157. Stelle. Medikamente sind heute für die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr zugänglich, und die Korruption drang sogar vor bis in den Bereich der qualifizierten ärztlichen Betreuung.

Rußland stirbt aus

Nach 1991 erlebte Rußland einen drastischen Bevölkerungsrückgang um etwa 15 Millionen Menschen. Zudem kommen in Folge von Verkehrsunfällen täglich durchschnittlich 66 Menschen ums Leben, und die jährliche Anzahl der Morde beträgt 22 Menschen je 100.000 Einwohner. Das sind 20 mal mehr als in westlichen Ländern. Das Risiko, jung zu sterben, beträgt in Rußland 32 %. In Europa dagegen ist es dreimal geringer. Die russische Nation bewegt sich auf eine Katastrophe zu.
Das weltweit beste Bildungssystem wird zerstört

Durch das neu eingeführte einheitliche Staatsexamen hat sich die Qualität des Wissens der Absolventen nicht verbessert, sondern im Gegenteil – es führte zu massenhafter Korruption. Die Unterteilung der Hochschulabschlüsse in Bakkalaureus und Magister verminderte das Niveau der Hochschulbildung erheblich und entzog dem Land massenhaft vollwertigen Fachkräfte. Völlige Unordnung herrscht auch im Bereich der Grundschul- und mittleren Bildung. Etwa zehntausend Schulen wurden im Verlaufe der letzten 20 Jahre geschlossen, was dazu führte, daß drei Millionen Kinder keine Möglichkeit mehr haben, eine Schule zu besuchen. Da die Schulen aus drei verschiedenen Quellen finanziert werden, herrscht bei den für die Volksbildung zuständigen Beamten völlige Verantwortungslosigkeit. Es gibt im Land einen katastrophalen Mangel an Kindergärten und an Lehrkräften. Das ungerechte System der Bezahlung zwang die einfachen Lehrer dazu, sich woanders eine Arbeit zu suchen.

Ein Leben unter dem Existenzminimum

Mit jedem Jahr wird es schwieriger, in Rußland zu leben. So wurde das föderale Programm zur sozialen Entwicklung der Dörfer nicht erfüllt, sondern die finanzielle Unterstützung wurde von Jahr zu Jahr reduziert. In den letzten fünf Jahren wuchs das Realeinkommen der Bevölkerung um kaum weniger als die Hälfte, während sich die Preise um das zweieinhalbfache erhöhten. Die Renten liegen teilweise weit unter dem Existenzminimum, was eigentlich das elementare physische Überleben schon nicht mehr garantiert. In den letzten neun Jahren wurden die Tarife für die kommunalen Dienstleistungen 15 mal erhöht. Und rund 40 % der russischen Bürger verbrauchen dafür mehr als ein Viertel des Familienbudgets. Jeder siebente Einwohner Rußlands wendet für die Wohnung die Hälfte bis zu den drei Vierteln des Einkommens auf.
Die Reichen werden reicher – die Armen ärmer

In galoppierendem Tempo vergrößert sich die Spaltung der Gesellschaft – die Reichen werden immer reicher, und die Armen ärmer. Im Jahre 2009 eigneten sich 20 % der reichsten Menschen Rußlands 47 % der gesamten Geldeinnahmen an, während 20 % der ärmsten Bürger über nur fünf Prozent aller finanziellen Mittel verfügten. Die Einkommen der 10 % reichsten Bewohner des Landes übertrafen das durchschnittliche Einkommen der Ärmsten um das 16fache. Diese Disproportionen nahmen weiter zu. Besonders schlimm ist es bei der Verteilung der Ergebnisse der Arbeit. Je nach Industriezweig unterscheiden sich mittleren Gehälter um das 4-5fache. Und ein Top-Manager in einem Unternehmen erhält oft das hundertfache eines einfachen Arbeiters. Während sich der durchschnittliche Monatsdurchschnittlohn von 19.100 Rubeln (etwa 470 €) im Jahre 2009 gerade mal um 4,8 % erhöhte, wuchsen die Preise um 12 %. Somit verringerte sich die Lebensqualität der Bevölkerung um 7 Prozent. Infolge versäumter Gehaltszahlungen ist auch ein deutlicher Zuwachs bei der Verschuldung der Bevölkerung in Höhe von mehr als 5 Mrd. Rubel zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund verordnen sich die Leiter der staatlichen Banken Prämien in Höhe von jeweils 13 bis zu 43 Millionen Rubeln. Das Volk ist der Willkür des Schicksals ausgeliefert: 6 Millionen Arbeitslose suchen nach einer Existenzgrundlage, weitere 4 Millionen arbeiten verkürzt oder wurden in unbezahlten Urlaub geschickt.
Im Land herrscht die Willkür

Die Bürger Rußlands fühlen sich demgegenüber machtlos. Die regionalen Haushaltmittel für 2010 wurden gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte gekürzt, ebenso die Anzahl der Beschäftigten. Man schickte die Angestellten in den unbezahlten Urlaub und kürzte den Lohn der Arbeiter im Vergleich zum Vorjahr um das 2-3fach. Mit einem solchen Einkommen zu existieren, ist einfach unmöglich. Die Krise wurde vom Staat auf die Schultern der Bevölkerung abgewälzt. Das kriminelle Regime rettet die Bankiers, und das Volk soll sich alleine retten.

Die Forderungen der Arbeiter
Der gesamtrussische Kongreß der Vertreter der Arbeitskollektive verlangt von der Führung des Landes, das Genozid des russischen Volkes unverzüglich zu beenden und die Voraussetzungen für normale Lebensverhältnisse und für die Beschäftigung eines jedes Bürgers entsprechend der Verfassung der Russischen Föderation und der Normen des internationalen Rechts zu schaffen.
Der Kongreß fordert, die Devisenmittel ins Land zurückzuholen und sie zur Ergänzung der regionalen Haushalte, für die Erhöhung der Lebensqualität des Volkes und der Bedürfnisse der Wirtschaft einzusetzen. Er fordert die Einführung einer Mehrwertsteuer auf die Supereinkommen der russischen Oligarchie, sowie die staatliche Regulierung der Entlohnung der Arbeit in der Wirtschaft. Die künstliche Preiserhöhung für Energieträger innerhalb des Landes, als Hauptquelle der Inflation ist aufzuhalten. Es ist eine staatliche Regulierung der Verbraucherpreise, einschließlich auf die Medikamente, vorzunehmen. Der Kosten für kommunale Dienstleistungen sollen 10 % des privaten Haushaltseinkommens nicht übersteigen.
Der Kongreß fordert eine Rückkehr zum staatlichen Gesundheitssystem, um es für alle Bürger zugänglich zu machen. Die Entlohnung des medizinischen Personals ist dabei zu verbessern.

Das einheitliche System des Staatsexamens im Bildungswesen ist aufzuheben. Das verfassungsmäßige Recht der Bürger auf kostenlose Bildung in staatlichen Bildungseinrichtungen wieder einzuführen. Den Lehrern und Erziehern ist ein mittleres Gehalt zu zahlen, das nicht niedriger sein sollte, als in der Industrie!

Der Gesamtrussische Kongreß der Vertreter der Arbeitskollektive ruft die Bürger des Landes dazu auf, die Forderungen des Kongresses zu unterstützen.

„Unsere Rechte sind verfassungsmäßig, unsere Forderungen sind gesetzlich!

Wer die Russische Verfassung verletzt, den fordern wir zum Rücktritt auf!“

 Moskau, den 30. Januar 2010

Quelle: kprf.ru vom  30. Januar 2010

Übersetzung: v.m,

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Gesamtrussische Protestaktion in Moskau:

Dreitausend Teilnehmer einer Kundgebung fordern den Rücktritt Putins

Übersetzung v.m.

Pressedienst der KPRF  vom 24.01.2010 – Ungeachtet des starken Frostes hatten sich am vergangenen Samstag etwa dreitausend Anhänger der KPRF auf dem Triumph-Platz in Moskau versammelt, um für die Verteidigung der Rechte der Arbeiter, gegen die Preiserhöhungen für öffentliche Dienstleistungen und gegen die Politik der Regierung Putin zu demonstrieren. Sie führten rote Fahnen und Transparente mit  Losungen mit sich wie:

« Kein Kapitalismus – keine Krise! »

« Nieder mit der kapitalistischen Sklaverei! »

« Unsere Heimat ist die Sowjetunion! »

« Nein zur Erhöhung der Preise und der Tarife! »

« Der einzige Ausgang aus dieser Situation » 

so betonte der stellvertretende Vorsitzende des ZK der KPRF und Dumaabgeordnete, W.I.Kaschin,  « besteht darin, alle gesunden Kräfte der Gesellschaft zu vereinigen und Russland wieder vorwärts auf den Weg zum Sozialismus zu führen. Das Land braucht eine Modernisierung, aber das kann nur eine sozialistische Modernisierung sein! »

Im Zusammenhang mit der Kundgebung der KPRF waren zahlreiche Kräfte der Miliz und Soldaten der inneren Armee konzentriert worden. Man hatte den gesamten Platz abgeriegelt, und ein Zugang zur Kundgebung war nur möglich durch einen der 6 Rahmen mit Metalldetektoren, die an der Metrostation Majakowskaja aufgestellt waren. In der Umgebung des Triumph-Platzes und in den angrenzenden Straßen standen mehr als 30 Busse der Sondereinheiten der Miliz und Soldaten der inneren Armee.

In der einstimmig angenommenen Resolution der KPRF heißt es:

« Wir fordern den Rücktritt der kapitalistischen Minister. Wir brauchen ein Regierung des Vertrauens! Nein zum Kapitalismus mit seiner Krise und Arbeitslosigkeit! Es lebe der Sozialismus! »

Quelle: pressedienst der KPRF

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