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Zur imperialistischen Propagandalüge von „nationalen Kapitalisten“ gegen die SIDOR-Nationalisierung in Venezuela:

WER IST PAOLO ROCCA, DER SICHTBARE KOPF VON TERNIUM?

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Buenos Aires, 17. April 2008, Tribuna Popular TP / Wochenzeitung Nuestra Propuesta (Argentinien).- Man will uns glauben machen, dass das nationalisierte venezolanische Unternehmen SIDOR mehrheitlich von „argentinischem Kapital“ gehalten wurde. Dies ist eine unaufhörliche Leier des Neoliberalismus, die die Argentinier in eine Konfrontation mit der Regierung von Venezuela bringen soll.

Man beabsichtigt damit, dass wir rausgehen sollen und das „nationale Kapital“ verteidigen sollen. In Wirklichkeit geht es dabei um nicht mehr und nicht weniger als jenen Potentaten Pablo Rocca, den Unternehmer, der die meisten Profite in Argentinien in den letzten 20 Jahren angehäuft hat, der gigantische Kapitalströme auf Kosten der Verelendung des Volkes ins Ausland verbracht hat und einer der Hauptnutznießer der Plünderung des argentinischen Staatshaushaltes in der Menem-Präsidentschaftsperiode und danach gewesen ist.

Sagen wir die Sachen doch einfach so, wie sie sind: Rocca ist der sichtbare Kopf eines ansehnlichen multinationalen Konzerns, dem zu einem schnöden Preis unser größtes Metallhüttenwerk verblieben ist, und der seine Arbeiter hier und in anderen Teilen der Welt ausbeutet, wie er sie in Venezuela ausbeutete. Wenn Rocca, wie es uns die großen Presseblätter auftischen, der Vertreter des Aufbaus der neuen nationalen kapitalistischen Gesellschaft ist, dann bliebe für unsere Zukunft nicht mal eine Hoffnung übrig.

Schauen wir uns mal einige Referenzen an, um diesen Kapitalisten in seinen realen Ausmaßen zu erfassen:

Die nationalisierte SIDOR (Siderúrgica del Orinoco) war mit 60% kontrolliert von der Gruppe TERNIUM, von welcher Rocca (TECHINT) Hauptaktionär ist. TERNIUM erwarb in den USA den Konzern HYDRIL, der stark vertreten am Golf von Mexiko, in Brasilien und im westlichen Afrika ist. Auch kaufte TERNIUM in den USA den Konzern MAVERICK TUBE CORP. und in Mexiko HYLSAMEX. TERNIUM wird kontrolliert von der italienischen TECHINT (Rocca), die in Argentinien unter dem Namen TENARIS, aber auch als SIDERAR, SIDERCA und LOSA OLAVARIA tätig ist. Das ist eine Kapitalgruppe, die in Umsatzvolumen und Dividendenhöhe ihren Platz unter den 10 größten multinationalen Konzernen hat.

Diese Kapitalgruppe steht im weltweiten Bündnis mit TAMSA (Mexiko), DALMINE (Italien), NKK TUBES (Japan) und ALGOME (Kanada). Damit ist sie zum weltweit größten Hersteller von nahtlosen Röhren geworden, einem wesentlichen Fabrikat für die Ölförderung. In den letzten Jahren expandierte diese Kapitalgruppe beachtlich. Und ganz genau zu diesem multinationalen Segment der Konzernwelt gehört jener Rocca.

Später klagte die Regierung von Venezuela bei verschiedenen Gelegenheiten an: „SIDOR brachte das Eisen aus unserem Lande hinaus und verkaufte es zu internationalen Preisen. SIDOR veredelte das Eisen und verkaufte es dann unserem Lande zurück mit hohen Preisen. Die anfängliche Förderung und Produktion hier im Lande machte SIDOR durch unterbezahlte venezolanische Arbeiter und mit Nutzung von staatlich subventioniertem Rohmaterial und staatlich subventionierter Elektrizität.“

Sagen wir also, dass es genau dies ist, was nicht nur die Kapitalgruppe Rocca, sondern die multinationalen Konzerne und viele andere Kapitalgruppen treiben, die sich als „nationale Kapitalisten“ ausgeben. Es ist daher nicht möglich, einerseits eine gerechtere Reichtumsverteilung zu verkünden, und andererseits diesen gigantischen Vertreter des Neoliberalismus und gewaltiger Profite zu verteidigen. Gescheffelter Profite, die beinahe so hoch sind oder gar noch höher sind als beispielsweise diejenigen, die die Soja-Exporteure erwirtschaften. Der Widerspruch liegt doch wohl auf der Hand.

Wenn wir wirklich den Reichtum besser verteilen wollen, den die argentinischen Arbeiter erzeugen, dann müssen hier ähnliche Fabrikbesetzungsmaßnahmen ergriffen werden wie in Venezuela. Und dies ist die Schlussfolgerung, die man verheimlichen will. Es ist die Panik der Multis, dass das bolivarische Beispiel Schule macht!*

Davon ausgehend schlägt man uns von den Parteigängern des Neoliberalismus her falsche Optionen vor. Einige haben begonnen zu sagen, dass die Nationalisierung von SIDOR Venezuela den Beitritt zum MERCOSUR hinderlich machen würde. Ist MERCOSUR Synonym für Rocca und multinationales Kapital? Es soll so erscheinen, denn zumindest sind jene Multis bis heute dessen Hauptnutznießer, bis wir dessen Spielregeln zu ändern erreichen werden. Auch erweckt man wieder die Hirngespinste von staatlicher Ineffizienz, um Schlüsselbereiche der einheimischen Wirtschaft zu übernehmen und zu führen.

Letztendlich sind dies, wie es ein Mitglied des Rundtisches von der argentinischen Gewerkschaftszentrale CTA nannte, die „unheilbaren Nostalgiker, die es vorziehen, falsche Mythen aus der neoliberalen großen Zeit der 90er Jahre zu bemühen und zu vergessen, dass die Arbeiterklasse, die gesellschaftlichen Bewegungen, der Widerstand und die Offensive sich weiterhin Geltung verschaffen und nach anderen Lebensmodelle suchen.“

Quelle: http://www.tribuna-popular.org/

*Hervorhebung von der Redaktion von www.kommunisten-online.de

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