Proletarischer Internationalismus

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Volksaufstand im Spanien von heute

Die „Aufgebrachten“ und die Pariser Kommune

von Atilio Borón*

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke  

weiter

Protesta en la Puerta del Sol, Madrid, España.

Volksaufstand im Spanien von heute

Die „Aufgebrachten“ und die Pariser Kommune

von Atilio Borón*

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 21. Mai 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 24. Mai 2011) – Zu den überraschenden Zufällen der Geschichte zählt die Tatsache, dass der große Volksaufstand im heutigen Spanien mit seinen Auswirkungen auf die anderen Völker der EU-Mitgliedsstaaten vom Tag seines Ausbruchs her mit dem 140. Jahrestag der Pariser Kommune zusammenfällt. Auch bei jenem heldenhaften Kampf vor 140 Jahren spielte die Forderung nach Demokratie eine grundlegende Rolle. Aber nach einer vom Volk gemachten Demokratie mit einer Volksregierung, einer Regierung für das Volk, durch das Volk und mit dem Volk. Nicht als Regime im Dienst der Herren, in welchem der Wille und die Interessen der breiten Volksmassen dem kapitalistischen Profitstreben untergeordnet bleiben.

Genau daher finden die Forderungen der „Aufgebrachten“ ihren Widerhall auch bei denen, die sich sofort an jene erinnern, die seinerzeit mit Waffen in den Händen in Paris raus gingen und das Volk von Paris in jenen heldenhaften Tagen von 1871 verteidigten. Damit errangen sie letztlich die Bildung der ersten Regierung der Arbeiterklasse, wenn auch lediglich auf die Stadt Paris begrenzt. Jene erste Arbeiterregierung in der Weltgeschichte dauerte nur etwas länger als zwei Monate. Sie wurde vom französischen Heer mit offener Mithilfe der deutschen Truppen Bismarcks niedergeschlagen, nachdem kurz zuvor das deutsche Heer den Erben der Armeen Napoleons eine demütigende Niederlage zugefügt hatte. Die grausamen Ausschreitungen gegen das Volk von Paris, das es gewagt hatte, die Regierung mit einem Sturmangriff kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen und eine echte Demokratie zu schaffen, waren schrecklich. Schätzungsweise mehr als 30.000 Aufständische wurden ohne Gerichtsverfahren in Massenerschießungen mit dem Tode bestraft.

Die Bewegung der Pariser Kommune wurde in einem Blutbad ertränkt. Und zum Sühnen der „Verbrechen“ der Pariser Kommune beschloss das Parlament, auf dem höchsten Hügel der Stadt Paris am Montmartre die Basilika Sacré Coeur zu errichten. Die Mittel für ihren Bau stammten aus Spendensammlungen in ganz Frankreich. Zur Ehre des Volkes von Paris muß gesagt werden, dass nur ein ganz geringer Teil der Gelder in der Stadt Paris gesammelt werden konnte, die jenes Martyrium erlitten hatte. Paris war besiegt worden. Aber das Volk von Paris wurde nicht auf die Knie gezwungen.

Die Pariser Kommune erklärte den bürgerlichen Staat für unheilbar trügerisch, weil es dieser Beamtenmaschine mit all ihren Gesetzen, Normen und Regierungsstellen nur darum ging, den Reichtum und die Vorrechte der herrschenden Klassen zu festigen und das Volk ausgebeutet und in Knechtschaft zu halten. Die Pariser Kommune forderte eine direkte und partizipative Demokratie und die Abschaffung des Parlamentarismus, dieser üblen Deformation der Politik, welcher zu einem Teufelskreis der Scharlatanerie verkommen war, zu einem Schauplatz von jeder Art von Kompromissen und Verhandlungen fernab jeglichen Wohls der Mehrheit des Volkes.

Die Pariser Kommune forderte den Aufbau einer neuen politischen, exekutiven und legislativen Ordnung, gegründet auf gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen (und nicht nur Wahlrecht für Männer, wie damals in den kapitalistischen Staaten mit Parlamenten verbreitet) und mit leicht abwählbaren und ihren Wählern gegenüber rechenschaftspflichtigen Abgeordneten. Die Pariser Kommune wollte eine saubere Demokratie, keine fiktive, in welcher weder die Volksvertreter noch die Staatsbürokraten bevorrechtet werden und ihre Vergütung dem durchschnittlichen Lohn eines Arbeiters entsprechen sollte. Unter anderem ging es ihr auch um die Trennung von Kirche und Staat und gleiches Recht auf weltliche, freie und obligatorische Schulbildung für Männer und Frauen.

Es reicht ein Blick auf die Dokumente und Losungen der „Aufgebrachten“ Spaniens von heute. Dies beweist die düstere Aktualität der Forderungen der Pariser Kommune. Und es beweist, wie wenig sich die Politik des Kapitalismus seither verändert hat.

Die jungen und nicht mehr so jungen Menschen, die da immerhin ca. 150 Plätze in spanischen Ortschaften füllen, sind weder „unpolitisch“ noch „antipolitisch“, wie eine gewisse bürgerliche Presse uns glauben lassen will. Vielmehr sind es hochgradig politisierte Menschen, die den Anspruch der Demokratie sehr ernst nehmen. Und genau deshalb rebellieren sie gegen die falsche Demokratie aus dem Schoß der faschistischen Franco-Diktatur und verankert im so bejubelten Pakt von Moncloa, was ja stets als beispielgebendes politisches Werk den lateinamerikanischen Völkern von Spaniens Gesandten vorgehalten wird.

Das ist eine Demokratie, die laut den Demonstrationsteilnehmern als Betrug anzuprangern ist. Sie sehen in ihr eine Farce, die unter ihrer Robe die Fortsetzung einer grausamen Diktatur versteckt, welche die Lasten der von den Kapitalisten verursachten Krise den Arbeitern aufbürdet. Was dabei jene „beispielhafte“ Demokratie des Moncloa-Pakts als Krisenbewältigung vorschlägt, ist der Marktdespotismus, welcher ein unversöhnlicher Feind jeder Art von Demokratie ist:

- erleichterte Massenentlassungen

- Lohnsenkungen

- Abbau von Arbeiterrechten

- Einfrieren der kargen Altersrenten

- Anhebung des Rentenalters

- Massenentlassungen im öffentlichen Dienst

- Haushaltskürzungen bei Gesundheit und Bildung

- Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen und Regierungsprogrammen

Und als Krönung dieses Betrugs sollen die Steuern auf große Profite noch mehr gesenkt werden, damit die Großaktionäre mit diesem Geld für neue Arbeitsplätze und neue Arbeitsstätten sorgen würden...

Die berüchtigte und tausendfach widerlegte „Theorie der Steuergeschenke“. Welche bedeutet, dass das Volk einfach nur dumm ist und nicht erkennt, dass mehr Geld für die Reichsten mehr Geld für das weltweite Casino heißt und keinesfalls höhere Profite zu Investitionen in neue Arbeitsplätze führen.

Die Antwort der falschen spanischen Demokratie ist in Wirklichkeit eine schmutzige Klassendiktatur, die die Jugendlichen stürzen und durch eine menschenwürdige Demokratie ablösen wollen, die ihren Namen verdient. Dies angesichts der von der unersättlichen Gier der Monopolbourgeoisie erzeugten Krise, auf welche die Regierung nur mit Vertiefen des Kapitalismus antwortet. Wo die Regierung Spaniens die Rezepte des IWF anwendet, mit denen die Gesellschaft ausblutet, in Verzweiflung und Elend erstickt und eine „neo-faschistische Lösung“ akzeptieren soll, um die abgelösten Verhältnisse unter der faschistischen Franco-Diktatur wiederaufleben zu lassen.

Es gibt keine im pseudo-demokratischen Rahmen Spaniens mögliche Veränderung, schon weil das berüchtigte Zweiparteiensystem gezeigt hat, dass da mit zwei Gesichtern dieselbe Partei erscheint: die des Kapitals.

Aber jetzt stoßen die Absprachen zwischen der Sozialistischen Arbeiterpartei und der Volkspartei auf ein unerwartetes Hindernis: Der Wind aus Nordafrika bläst nicht nur die jungen Flüchtlinge über das Mittelmeer in das europäische Spanien, sondern da kommen die größten wenn auch nicht einzigen Opfer der Ausplünderung durch die Monopolbourgeoisie über das Meer. Und sie bringen ihre Botschaft mit. Sie sagten „Es reicht“ und sind gegangen, wie es einst Comandante Ernesto „Che“ Guevara in seiner berühmten Rede vor der UN-Vollversammlung 1964 sagte.

Nichts wird mehr so sein wie früher in Spanien. Der Ansehensverlust seiner politischen Kaste hat den Punkt des „no return“, das Ende seiner Sackgasse offenkundig überschritten. Die Pseudo-Demokratie steckt in einer tiefgreifenden Legitimitätskrise und verfault tagtäglich weiter. Und das spanische Volk sagt sich: „Wenn Ägypter und Tunesier sich korrupter herrschender Klüngel entledigen können, warum sollen wir ‚Aufgebrachten’ dies nicht auch können?“

Die schon obszönen ethischen Widersprüche beim wahren Leiter der spanischen Wirtschaft, dem IWF, können nur noch irritieren und immer breitere Volksschichten in den Massenprotest treiben. Während sie unter Kürzungsorgien aller Art bei ihren spärlichen Löhnen und Arbeiterrechten leiden sollen, beschlossen die Gangster vom IWF eine Abfindungsprämie von 250.000 Euro wegen vorzeitigem Rücktritt für Dominique Strauss-Kahn. Und hier handelt es sich um keinen Gnadenakt einer vorzeitigen Beendigung einer Karriere, sondern dahinter steckt die schwere Straftat der Vergewaltigung einer afrikanischen Angestellten in einem New Yorker Hotel!

Und infolge dessen wird dieser politische Vertreter der Finanzoligarchie eine vorgezogene Pensionierung genießen, die er selbst Millionen Spaniern, und weiteren EU-Bürgern in Portugal, Griechenland, Irland, Island usw. verwehrt. Und genau das ist dann der Typ Mensch, der sagt zu wissen, wie man aus der Lage herauskommt, welche die ganze Weltbevölkerung in die schlimmste Wirtschaftskrise der Weltgeschichte gestürzt hat!

Ohne dass man die Klassiker des Marxismus-Leninismus gelesen haben muß, ist diesen „Aufgebrachten“ dort in Spanien beigebracht worden, dass es unter den gesellschaftlichen Verhältnissen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung keine Demokratie geben kann. Schon Rosa Luxemburg sagte, dass es ohne den Sozialismus weder die Demokratie gibt noch geben wird. Dass der Kapitalismus unheilbar im Widerspruch zur Demokratie steht.

Die Geschichte hat ein endgültiges Urteil gesprochen: Mehr Kapitalismus bringt weniger Demokratie. Die gilt im reichen industrialisierten Norden genauso wie im ausgedehnten in Abhängigkeit und Unterdrückung gehaltenen verarmten Süden.

Das Leben lehrte jene „aufgebrachten“ Spanier auch, dass sie ihre Kräfte vereinen, sich organisieren und in Debatten in ihren Gedanken qualifizieren können, um die Massenverblödung durch die kapitalistische Kulturindustrie zu überwinden. Ihre eigene Kraft als Volksmassen ist imstande, diese Parteienherrschaft lahmzulegen und die Pseudo-Demokratie, mit der das Volk betrogen worden ist, in die Krise zu stürzen.

Wenn die „aufgebrachten“ Menschen Spaniens ihren Kampf fortsetzen, werden sie auch die Vorherrschaft des Kapitals zerschlagen können und möglicherweise eine neue Etappe nicht nur in der Geschichte Spaniens, sondern auch ganz Europas einleiten. Die Völker aus aller Welt haben heute ihre Augen auf die Straßen und Plätze Spaniens gerichtet, wo sich gegenwärtige eine entscheidende Schlacht entwickelt.

Zum Autor:

Atilio Borón ist ein argentinischer Wirtschaftswissenschaftler und Journalist

Quelle:

http://www.cubadebate.cu/

zurück

El capitalismo ha fracasado en todo, salvo en globalizar las respuestasEs reicht!

Spaniens Volk hat genug vom Sparprogramm der Regierung Zapatero

MASSENPROTESTE AUF PLÄTZEN IN GANZ SPANIEN

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Quelle: Cubadebattte

Auf Kommunisten-online am 24. Mai 2011 – Kein geringere Instanz als der Zentrale Wahlrat verbot die am gestrigen 21. Mai und heutigen 22. Mai in ganz Spanien auf den Plätzen vor Ort angekündigten Massenproteste mit dem Argument, dass diese Protestlager und Kundgebungen die sogenannte „Bedenkzeit“ „torpedieren“ würden. Sozusagen der Versuch einer amtlich diktierten Friedenspflicht. Aber die aufgebrachten Menschen trotzen weiterhin dem Verbot jenes Rats. Sie trotzen auch der Ablehnung des Einlegens eines Vetos seitens des Obersten Gerichts Spaniens. Spaniens Volk fand sich zu einem gewaltigen Massenprotest auf den spanischen Plätzen, den „plazas“ ein. Dort ging es auch heute massenhaft weiter. Das spanische Volk fordert „wirkliche Demokratie“.

DEMONSTRATIONEN VOM VORABEND DER WAHLEN DAUERN AN

Tausende Spanier demonstrierten vielerorts durch die Straßen. Sie ließen sich auch am heutigen Wahltag der Regional- und Kommunalparlamente davon nicht abhalten. Das Volk fordert grundlegende Veränderungen in Spanien. Derweil ist die reaktionäre Volkspartei aus der bürgerlichen Opposition gegen den 'sozialistischen' Regierungschef Zapatero bestrebt, sich als Favorit zu profilieren und für sich dieses Vorspiel zur Wahl des spanischen Parlaments im nächsten Jahr zu nutzen.

Die Massenproteste sind von der Bewegung Wirkliche Demokratie Jetzt, bekannt als „15-M“ oder „Die Aufgebrachten“ organisiert worden. Sie verlaufen bisher ohne Zwischenfälle und eher sehr gesellig, nachdem die Regierung die Polizei angewiesen hatte, die Zeltstädte auf dem Platz „Puerta del Sol“ in Madrid, dem Platz „Plaza de Cataluña“ in Barcelona und anderen Plätzen in etlichen Städten nicht zu räumen.

Das demonstrierende Volk empört sich über die hohe Massenarbeitslosigkeit und die Sparprogramme der spanischen Zentralregierung, die die ohnehin beklagenswert erbärmliche soziale Lage für sehr viele Menschen nur noch weiter verschlimmern. Es trifft die ärmsten Bevölkerungsschichten besonders hart. Wegen des Wahltags und der „Bedenkzeit“ verzichteten die demonstrierenden Menschen heute jedoch darauf, politische Losungen zu zeigen. Problemlösungen angesichts der Wirtschaftskrise erwarten die Menschen weder von der regierenden Sozialistischen Partei noch von der Volkspartei.

Der Innenminister Spaniens schätzte die Zahl der beteiligten Menschen an den Demonstrationen des Samstags auf 58.000 Personen. Die wirkliche Zahl dürfte weit höher liegen. Tausende „aufgebrachte Menschen“ füllten in Madrid den Platz Puerta del Sol die ganze Nacht lang. Die Menschen sangen Lieder und trugen Plakate und Spruchbänder, die jetzt den historischen Platz der spanischen Hauptstadt Madrid zieren. Dieser Platz wurde zum Epizentrum der Massenproteste.

Tagsüber gibt es dort Konzerte, Workshops für Clowns, Theatervorführungen und einen „Gedenkmarsch“ zur Banco de España. Die verschiedenen Organisatoren werden heute in einer Versammlung beschließen, ob sie mit den Massenprotesten auf dem historischen Platz in Madrid nach dem Wahltag weitermachen oder nicht.

(Mit Information von ANSA)

gestützt auf Cubadebate

Quelle: http://www.cubadebate.cu/noticias/2011/05/21/siguen-manifestaciones-en-espana-en-vispera-de-comicios/

Massenproteste gegen das Regime nicht nur in den arabischen Ländern

Die Spanier demonstrieren trotz Verbot

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online am 22. Mai 2011 – Auch in Spanien sind täglich Zehntausende gegen die Regierung auf der Straße. Jetzt musste die spanische Regierung sogar zum Mittel des Verbots greifen. Die Kommunalwahlen wurden als Vorwand an den Haaren herbei gezogen – aber die Sanierer scherten sich den Teufel um das Verbot.

Die „freie“ – sprich: bürgerliche – Presse schweigt oder bring t nur verstümmelte Meldungen. So hält sie es auch um die Proteste der Griechen.

Es geht ihnen darum, dass sie nicht wollen, dass der Bazillus des Widerstands gegen die Regierungen dieser Länder nicht auch nach Deutschland übergreift und uns auf die Straße treibt gegen die deutsche Regierung und ihre Machenschaften zur Profitsicherung für die Konzerne und zur Verelendung der Massen. So redet die Presse und alle bürgerlichen Politiker, von Partei die Linke; über grüne, SPD. CDU(CSU bis FDP: Der Atomausstieg ginge nicht, ohne dass uns in die Tasche gegriffen wird.

Dass die Profite der Stromkonzerne in den letzten Jahren pro Jahr zweistellige Steigerungsraten hatten, wird verschwiegen. Diese hohen Gewinne sollen ja erhalten bleiben.

Das ist nur ein  Beispiel, es gibt derer viele.

Ihnen steckt die Angst im Nacken, dass die Massendemos der Spanier, Griechen und Portugiesen sich zum Flächenbrand entwickeln und die Massen aufstehen.

Wehren wir uns“

Machen wir es den Spaniern, Portugiesen und Griechen nach!

Hoch die internationale Solidarität!

zurück

No Pasarán!

Von André Scheer

Quelle: jungeWelt vom 21.05.2011

Auf Kommunisten-online am 22. Mai 2011 – Die spanische Demokratiebewegung will ein für das gesamte Wochenende verhängtes Demonstrationsverbot ignorieren und ihre Proteste fortsetzen. Am Donnerstag abend hatte die Junta Electoral Central, die oberste Wahlbehörde des Landes, verfügt, daß in der sogenannten Ruhezeit vor den am Sonntag stattfindenden Kommunal- und Regionalwahlen keine Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden dürfen. Damit widersprach die Zentralbehörde anderslautenden Entscheidungen regionaler Behörden, die in den vergangenen Tagen teilweise Kundgebungen genehmigt hatten, während in Madrid und anderen Städten Verbote verhängt wurden. Bereits diese waren von Zehntausenden Menschen durchbrochen worden.

Die linke Opposition kritisierte die Behinderung der Proteste scharf. Der Europaparlamentarier der Vereinigten Linken (IU), Willy Meyer, sprach von einem »versteckten Ausnahmezustand«, den die Wahlbehörde mit ihrer Entscheidung verhängt habe. Bei den Protesten handele es sich nicht um Wahlveranstaltungen, sondern um die Demonstration von Unzufriedenheit und Empörung der spanischen Bevölkerung angesichts ihrer sozialen Situation und der undemokratischen Entwicklung im Land. IU-Chefkoordinator Cayo Lara schlug vor, am Sonntag auch die katholischen Messen zu verbieten, denn diese könnten ebenfalls auf die Wahlentscheidung der Gläubigen Einfluß nehmen. Seine Organisation reichte am Freitag beim Obersten Gerichtshof Klage gegen das Verbot ein. Eine Entscheidung lag bis jW-Redaktionsschluß nicht vor. Das spanische Verfassungsgericht hatte in der Vergangenheit mehrfach Demonstrationsverbote vor Wahlen für unrechtmäßig erklärt, dies jedoch immer erst im nachhinein getan.

Unter den Demonstranten wurde deshalb am Freitag eifrig diskutiert, wie das Verbot umgangen werden kann. In Madrid kündigten die an der Puerta del Sol im Zentrum der spanischen Hauptstadt ausharrenden Menschen an, kurz nach Mitternacht – dem Beginn des Verbotszeitraums – gegen die Entscheidung der Behörde zu protestieren. Die Teilnehmer sollten mit Mundbinden die Verletzung der Meinungsfreiheit symbolisieren. Auf ein Megaphonsignal um 0.05 Uhr hin sollten dann alle die Knebel abnehmen und einen »stummen Schrei in den Himmel« ausbringen.

Ein von Tausenden Menschen besuchtes Plenum der Protestierenden hatte am Freitag mittag beschlossen, trotz des Verbots am Sonnabend zu demonstrieren. Sprecher der Bewegung erklärten daraufhin, es gäbe zwar keinen offiziellen Demonstrationsaufruf, es werde aber schwer sein, »die Leute daran zu hindern, zur Puerta del Sol zu kommen«.

Die spanische Regierung ließ zunächst offen, ob sie das Demonstrationsverbot durchsetzen werde. Während Ministerpräsident Zapatero sich überzeugt zeigte, daß die Behörden »klug, gut und richtig handeln« würden, erklärte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba, die Polizei werde »das Gesetz durchsetzen«. Er vermied jedoch eine konkrete Aussage, ob dies eine Räumung der Plätze bedeute. Die katalanische Regierung kündigte hingegen indirekt an, die Plaça Catalunya im Zentrum Barcelonas und andere Protestcamps in der autonomen Region nur dann zu räumen, wenn es dort zu Zwischenfälle kommen sollte.

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!